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Wunderliche Welten - Aus dem Gegen – zum Miteinander!


6. September 2013

Neue Blogadresse

Die “Wunderlichen Welten” ziehen um zu www.grafschaften.eu

4. September 2013

Tschüss

Am 02.08.13 ist unser Vater verstorben. Peter, mein Bruder und ich sind uns einig, dass uns von nun an der Himmel nicht mehr auf den Kopf fallen kann, weil Papa dort ist und alles und jedes repariert. So war er immer schon. Wenn etwas aus dem Leim zu gehen drohte und damit gleichzeitig der Neuerwerb des entsprechenden Gegenstandes, kam mit Sicherheit von ihm die Anmerkung: „Wieso? Das ist doch noch gut!“ Woraufhin er sich Werkzeug und vor allen Dingen Klebeband besorgte, um zu flicken, was eigentlich nicht mehr zu flicken war. Noch zwanzig Jahre nach dem Tod seiner Mutter trug mein Vater deren Brille, die Bügel nur noch aus dem berühmten Klebeband bestehend, aber: „Die Brille war ja noch gut!“ Meinen Kommentar, ob er eventuell gesprungene Gläser auch mit Klebeband zu reparieren gedenke, was deren Durchsichtigkeit doch erheblich beeinflussen würde, tat er mit einem eisigen Blick ab.
Nach zehnjährigem Kampf meiner Mutter um einen neuen Klodeckel- der alte existierte nur noch mittels, dies darf jetzt geraten werden- schenkte ich ihr zum Geburtstag einen frisch erworbenen Deckel. Sie hatte Freudentränen in den Augen, denn es war wohl das schönste Präsent ihres Lebens, während mein Vater beleidigt davon zog und etwas von Geldverschwendung murmelte.
Ernsthafte Proteste von unserer Seite gab es nur, wenn er mit seinen dreißig Jahre alten, mehrfach von innen und außen geklebten Lieblingsschuhen zu einem offiziellen Anlass aufbrechen wollte. Zwar hatte er äußerlich das graue Klebeband mit schwarzer Farbe gut getarnt- die Schuhe waren schwarz-, aber irgendwo musste eine Grenze gezogen werden. Natürlich schmerzte das, auf unser Drängen hin, neu erworbene Schuhwerk auf nahezu protestierend außergewöhnliche Weise, was nach einer Familienfeier dazu führte, dass mein Vater die „Treter“ gleich vor dem Festsaal in einem dort befindlichen Mülleimer entsorgte und demonstrativ auf Socken Richtung Auto humpelte.
Die Erfindung des „Superklebers“ kam meinem Vater gerade recht. Es war erstaunlich, welche Möglichkeiten sich für ihn dadurch eröffneten. In Sekunden wurden Scherben felsenfest miteinander verbunden! Zerbrochenes Porzellan oder Glas musste nicht mehr ersetzt werden! Meine Mutter hatte wieder Tränen in den Augen, nur, dass es dieses Mal keine Freudentränen waren.
Wenn man Vater mich besuchte, hörte ich statt Begrüßungsworten stets: „ Ist irgendwas kaputt und zu reparieren?“ Dann schob er mich zur Seite, ging schnurstracks in die Küche und überprüfte dort, in der entsprechenden Schublade, meine Vorräte an Klebeband und Sekundenkleber und wehe, es mangelte an diesen lebenserhaltenden Hilfsmitteln! Dann konnte ich gewiss sein, dass er beim nächsten Besuch ausreichend davon mitbrachte. Heute fahre ich traurig lächelnd mit dem Finger über Nahtstellen an Tonfiguren und Kristallschalen, denn schließlich haben sie ihn, seiner unermüdlichen Bemühungen wegen, überlebt.
Den himmlischen Heerscharen kann ich nur raten, stets für eine ausreichende Menge an Klebemitteln aller Art zu sorgen, denn, wenn die Welt jemals untergehen sollte, kann es nur daran liegen, dass meinem Vater der Werkstoff ausgegangen ist.

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3. September 2013

Mein Handy

Es ist passiert! Ich habe mir ein Handy zugelegt. Kaum war die Sim-Karte im Mobiltelefon, da habe ich auch schon versucht, mehrere SMS zu verschicken. Ging soweit auch ganz gut. Den Adressaten hatte ich problemlos aufgerufen, nur, wie jetzt einen Text einfügen? Die Taste, die ich ausprobierte, führte zum sofortigen Versenden und alle Handybesitzer in meiner Familie haben sich wundern müssen, welcher Idiot da wohl andauernd eine SMS ohne Text verschickt. Endlich kam ich auf den Trichter, wie es geht.
An Marie: hallo ich bin es was sagst du nun
Antwort: Super Mama, nach zehn leeren SMS endlich eine mit Text! Bin stolz auf dich! Satzzeichen üben wir aber noch!
An Ann-Kathrin: komme vor lauter sms schreiben nicht dazu die küche aufzuräumen
Antwort: Was schreibst du denn alles so? Bei mir kam bislang kein Text an. Hat dein Handy keine Satzzeichen?
An Peter, meinen Bruder: hi piet ich kann jetzt eine sms schreiben
Antwort: Ich habe mich schon gewundert, welcher Volltrottel mir andauernd eine textfreie SMS sendet. Gibt es im Kartoffelland keine Satzzeichen? Und, hat man bei euch noch nie etwas von Groß- und Kleinschreibung gehört?
An Peter: pedant
Antwort: Meintest du Pedant?
An Peter: meinte ich was macht valentine deine demnächst zu erwartende tochter
Antwort: Der geht es gut. Sie wird aber nicht Valentine heißen. Wir nennen sie nur so, weil der Geburtstermin der 14 Februar, der Valentinstag ist.
An Peter: aha und wie soll sie heißen
Antwort: Abby. Hast du übrigens eine ungefähre Vorstellung davon, wie teuer andauernde, mangelhafte SMS sein können?
An Peter: kosten die was
Antwort: Ja, die kosten was, auch wenn sie nur rudimentär sind. Willkommen im 21. Jahrhundert! Ruf` lieber an! Und benutze bitte das Festnetz!
Notgedrungen griff ich zum Telefon, beleidigt, dass meine frisch erworbene Fähigkeit so gar nicht gewürdigt wurde.
„Hi, Piet. Wie kommt man denn auf Abby? Sag`nichts. Natürlich! Wie Abigail aus Emergency Room!“
„Gut erkannt, Schwesterherz! So, du hast nun also ein Handy. Unbedingt erforderlich für jemanden, der so häufig das Haus verlässt wie du. Wurde das Ding eigentlich ohne Bedienungsanleitung geliefert? Ich meine, Affen lernen ja auch nur durch Versuch und Irrtum.“
„Ha, ha. Bedienungsanleitungen sind öde, da lasse ich mich lieber von meiner Intuition leiten. Und, wie du siehst, klappt es wunderbar!“
„Naja, das Analphabetentum ist in eurer Gegend weiter verbreitet als ich bislang dachte, jedenfalls, was die Interpunktion betrifft. Emlichheimer SMS eben. Erst kommen die völlig ohne Worte aus, aber ein gewisser Fortschritt ist ja immerhin erkennbar, was den reinen Text betrifft. Toll, dass du wenigstens die Leertaste gefunden hast, sonst hätte ich den ganzen Tag herumrätseln müssen. Jedenfalls freue ich mich schon auf das Gesicht deines Mannes, wenn er deine erste Handyabrechnung bekommt. Eine gute Gelegenheit, das Fotografieren mit dem Handy auszuprobieren, denn das Foto hätte ich dann gerne. Sieben leere SMS allein schon an mich, wem hast du denn noch alles nicht geschrieben?“
„Mist! War eine ganze Menge! Wird das teuer?“
Peter konnte erst weiter reden, nachdem sein Lachkrampf sich gelegt hatte. Und, was das Schreiben von SMS betrifft, warte ich erst einmal die Rechnung ab, bevor ich einen nächsten Versuch wage!

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24. August 2013

Wahrhaft Wunderliches

Zulässiges Höchstgewicht
Es lauert stets ein neues Bündel,
das schnallen wir dann auch noch um.
Die Beine schwach, im Kopf der Schwindel,
wir sind wirklich selten dumm.

?
Wir machen stets die Beine breit;
wir sind stets Mittel, anstatt Ziel
und wundern uns die ganze Zeit,
dass wir Verlierer sind im Spiel.

Tauschgeschäfte
Man hört sich selten zu,
trotzdem gibt man viel Rat,
unterhält so seine Ruh,
und niemand findet statt.

Abrüstung
Niemandem jemals überlegen,
einfach kein Besonderer sein.
Auf diesen still friedvollen Wegen,
bittet man das Glück herein.

Teufelskreis
Was wir waren, was wir sind,
wir sind immer noch DAS Kind.
Was wir sind und was wir waren,
werden wir so nie erfahren.

Müßig
Wurden wir je geliebt?
Diese grundsätzlich unnütze Frage,
ist es, was alles versiebt, und
Todesengel neuer Tage.

Passiv
Geliebt und auch gebraucht zu werden,
erscheint als großes Lebensziel.
Doch unser Wirken hier auf Erden,
beruht auf dem aktiven Spiel.

??
Schau ich zu der Sonne hin,
erscheint sie mir als Scheibe.
Doch stirbt sie langsam vor sich hin.
Wer sagt mir, dass ich bleibe?

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22. August 2013

Langeweile

Un-ruhe
Fliegen lassen, gehen lassen, los lassen,
jeder Muskel ruht sich aus.
Der Kopf, er scheint dies Tun zu hassen,
gibt sich als Tyrann im Haus.

Webstuhl
Alles ist nur ein Gespinst
und wähnt, ein festes Netz zu sein.
Das Gewebe unsrer Tage
fertigt sich von ganz allein.

Geburt
Die Tage sind stets neu,
erscheinen nur wie Schwestern.
Vom Wind verwehte Streu
und nichts ist je wie gestern.

Sparmodus
Man muss sich täglich neu erfinden;
wir sind nur zu bequem
und aus recht zweifelhaften Gründen,
verharrt man im System.

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21. August 2013

Ideale

Warum wohl nicht?
Wenn es Dich gibt, dann hilf mir doch.
Wenn es Dich gibt, füll` dieses Loch.
Wenn es Dich gibt, dann zeige Dich.
Wenn es Dich gibt, liebe nur mich.

Hohlziegel
Als erstes kommt das Morgengrauen,
das in den eignen Abgrund schauen,
dann wird die Grube aufgefüllt,
mit dem, was keine Sehnsucht stillt.

Idol
Du suchst stets DIE Frau in mir,
ich such stets DEN Mann.
Enttäuschung wohnt vor unsrer Tür,
weil keiner dies erfüllen kann.

Ablenkung
Jede Waffe, die wir haben,
setzen wir auch ein.
Jedes Versprechen, das wir gaben,
bewahrt so seinen Schein.

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20. August 2013

Taktiken

Warteschleife
Lieb` dich nicht mehr als du mich liebst.
Keiner öffnet sein Visier.
Geb dir nicht mehr als du mir gibst,
wie du mir, so ich dir.

Einstellungssache
Ach, die vielen Alltagsdinge,
nerven bis zum: Geht nicht mehr.
In dem Moment, wenn ich mich zwinge,
fällt sogar das lieben schwer.

Test, Test, Test
Was wären wir in Reinform,
Engel oder Teufel?
Das wir es je versuchen,
verhindert dieser Zweifel.

Vernebelt
Wo man auch schaut: Gefühle!
Und die sind nicht erlaubt.
Rein in die Leistungsmühle,
dass es nur so staubt!

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16. August 2013

Mensch

Ägypten
Tief menschliches Vorgehen macht mir Angst,
denn: Wehe, wenn sie losgelassen!
Die Steinzeithorden, keulenbewehrt,
zum Sturm auf den Nächsten, den sie hassen.

Nächstenliebe
Sind wir unsres Bruders Hüter?
Waren wir nie, werden wir niemals sein,
denn der Neid auf seine Güter
lädt zum Totentanze ein.

Individuum
Sei niemals anders, hüte dich!
Es droht der Generalverdacht.
Heul` mit den Wölfen, sie rüsten sich
gegen jeglichen Zweifel an ihrer Macht.

Mühelos
Wo kann der Mensch in Frieden leben?
Dort, wo ihn letztendlich keiner sieht,
denn persönliches Glück wird selten vergeben,
besonders, wenn es einfach geschieht.

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15. August 2013

Wunsch und Wille

Im Nachhinein
Ist der letzte Kampf verloren,
die Truppen tot und leichenstill.
Das Pferd verendet durch die Sporen,
weiß man am Ende, was man will.

Sackgasse
Brennende Häuser ermahnen zur Flucht.
Doch wir bleiben dort, vor Rauch tränenblind,
weil man das Glück in der Asche sucht,
sinnlos hoffend wie ein Kind.

Möglicher Ausweg
Wenn Liebe geschähe, liebten wir uns trotz allem.
Wenn Liebe geschähe, wären wir uns nur gut.
Da sie selten geschieht, hat der Weg tausend Fallen;
wir stolpern und tasten nach Lebensmut.

Nachhaken?
Wir sind einander Rätsel,
jede Schätzung stets verkehrt
und durch dieses Raten
wird die Menschheit dann zerstört.

Prävention
Man sollte und sollte und sollte,
weiß nicht mehr, was man wollte,
wusste dies vielleicht noch nie,
denn der stets gebrochene Wille,
zwingt uns alle auf die Knie.

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14. August 2013

Menschliches

Mensch I
Den Teufel in Reinform gibt es nicht.
Wohin also mit unsrer glühenden Wut?
Ein jeder Mensch hat ein Janusgesicht,
nie vollkommen böse, nie vollkommen gut.

Mensch II
Reine Unschuld, was soll das bedeuten?
Der erste Wutschrei tut Willen kund.
Keiner rettet die Unschuld bis zum Ende der Zeiten,
wir sind unschuldig-schuldig und damit gesund.

Klausur
Herr, es geschehe einzig Dein Wille.
Was auch passiert, lass uns außen vor.
Bewahre uns vor Momenten der Stille,
denn vieles wird dann zum Eigentor.

Tyrannen
Ach, wie hat er uns geliebt.
Ach, wie früh ging er dahin.
Auch wenn viele Tränen laufen,
verzeih mir, dass ich fröhlich bin.

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12. August 2013

Menschheit

Ist dann am Ende keiner mehr da,
wer berichtet von dem, was einst geschah?
Die Toten sie schweigen in Ewigkeit,
gab es sie, die vergangene Zeit?
Gab es das Heulen, Jammern und Sterben?
Gab es die Not im großen Verderben?
Wind und Asche sind keine Zeugen.
Wer beweint die Helden, wer wird sich verneigen?
Alle Taten dem endlosen Nichts bestimmt
und niemand, der jemals Kenntnis nimmt.
Das All, es schweigt, wird es weiterhin tun
und ohne uns tief in sich selber ruh`n.

5. August 2013

Vierzeiler II

Einstein
Von Nichtigkeit zur Wichtigkeit
wird alles aufgeblasen.
Nicht linearer Lauf der Zeit
lässt uns im Kreise rasen.

Zeit genug
Ich denk mein letzter Tag ist Morgen.
Das Heute wird zur Kostbarkeit
und alle klitzekleinen Sorgen,
spar ich mir für die Ewigkeit.

Einsicht
Zu selten ein: Ich liebe dich!
Zu oft ein: Ach, geh mir doch weg!
Und viel zu oft, im Nachhinein,
warst du mir Mittel anstatt Zweck.

Reset
Was gestern geschehen, ist heute vorbei,
was morgen geschieht, völlig einerlei.
Das Schicksal verlacht jeden größeren Plan,
drum fange ich täglich von vorne an.

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2. August 2013

Reim dich, oder…

Wunderliche Welten
Reim dich, oder…

Diskurs
Wir sind ständig zwei Personen,
die eine schimpft, die andre weint,
denn unser Leben soll sich lohnen,
was man auch immer damit meint.

Deadline
Die Träume unsrer Jugendzeit
versprachen reiches Leben,
darum sind wir nur schwer bereit,
es schließlich abzugeben.

Deckung
In allem, was uns selbst angeht,
sind wir nur Betrüger.
Auch wenn der Sturm von vorne weht,
macht uns dies nicht klüger.

Diskrepanz
Draußen findet Sommer statt,
drinnen ist es kalt.
Was man in seinem Kopfe hat,
trotzt der Naturgewalt.

Bequemlichkeit
Man ist ständig auf dem Sprung,
trotzdem lässt man sich treiben.
Dann schließlich ist man nicht mehr jung,
muss bis zum Tode bleiben.

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1. August 2013

Viervierteltakt

Gott spricht endlich
Ach, rutscht mir doch den Buckel runter,
seid ihr denn alle noch gescheit?
Mit der Jagd nach Nichtigkeiten,
verplempert ihr die Lebenszeit.

Pandemie
Auch die kleinste Körperzelle
will nicht mehr als einfach sein,
doch mit unsrer Lebenshölle
bitten wir den Krebs herein.

Umkehr
Lügen, tricksen, täuschen, bluffen,
das Leben ist ein Pokerspiel.
Wem zuerst die Tränen laufen,
der hat noch Chancen auf sein Ziel.

Homo sapiens
Wenn du mich in die Pfanne haust,
dann tue ich dies auch mit dir,
auch wenn du dann beleidigt schaust;
der Mensch ist stets dem Menschen Tier.

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31. Juli 2013

Komprimiertes

Na dann!
Neidzerfressen, hasserfüllt,
den Andren lauernd stets im Blick,
panisch ängstlich, voller Scham,
so suchen wir das Lebensglück.

Entlarvt
Zank und Hader, Klatsch und Tratsch,
ach, wie gut steh` n wir jetzt da.
Doch jedes Wort aus unsrem Munde,
spricht von dem, was uns geschah.

Täter
Der Ärger ist stets reflexiv,
denn es heißt: Man ärgert sich.
Doch wenn der Groll den Atem nimmt,
hab ich als Grund dann nur noch dich.

Einbildung
Der allgemeine Größenwahn
verhindert friedliebende Zwerge.
Der Glaube an die eigene Macht,
versetzt dann nicht vorhandene Berge.

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30. Juli 2013

Vierzeiler

Ebay
Wenn irgendwann der Sensenmann
dann vor uns steht und nicht mehr geht,
nimmt er das nicht gelebte Glück
neuwertig auch gleich mit zurück.

Schlitterpartie
Wenn Egowellen mächtig schlagen,
wird an diesen Großsuchtstagen
nicht alles laufen wie es soll,
denn das Maß ist übervoll.

Ziellinie
Wichtig, wichtig, wichtig sein,
da stört es nicht, wenn man allein,
endgültig dann zu Hause sitzt,
weil Wichtigkeit zu gar nichts nützt.

Ruhm
Ihr sollt mir Lorbeerkränze binden,
mich toll und auch sehr wichtig finden,
obwohl ja das, was aus mir wird,
so keinen wirklich interessiert.

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29. Juli 2013

Versmaße

Boomerang
Ich liebe dich; ich liebe dich,
drum tue alles, was ich sag.
Und wehe dir, du liebst mich nicht,
weil mich ansonsten keiner mag.

Rost
Dreißig Jahre Ehekrieg
fanden keinen Sieger.
Kontrahenten bis auf` s Blut-
müde sind die Krieger.
Wer einst am Grab des Andren weint,
hat diesen Kampf entschieden.
Im Hass ein Leben lang vereint,
im Tod herrscht endlich Frieden.

Erziehung
Kindlein, Kindlein tief in mir,
endlose Prügel gab ich dir,
seit deinem ersten grellen Schrei,
doch der Kampf scheint nie vorbei.

26. Juli 2013

Polterverse

Wunderliche Welten
Polterverse

Alibi
Bei Fehlern aus diversen Gründen,
wird sich stets ein jemand finden.
Der kriegt dann alles in die Schuhe
und wir haben unsre Ruhe.

Inventur
Wenn Intellekt sehr helle scheint,
kann es sein, dass mancher meint,
den Rest der Menschheit zu belehren,
statt vor der eignen Tür zu kehren.

Freiheit!
Der Montag ist gewöhnlich hart,
als Pflicht- und auch als Wochenstart.
Den Kater noch nicht überwunden,
drohen viele Arbeitsstunden.
Bis fünf zählt man die Tage ab
mit leerem Kopf, der Atem knapp.
Der Freitag ist noch weit entfernt,
doch wir haben es gelernt,
den Körper eben durch zu zwingen,
denn es gilt vor allen Dingen,
bis Wochenende diese Not,
dann schlagen wir die Freizeit tot.
Wir jammern und wir klagen,
an diesen leeren Tagen.
Durch vielerlei das Hirn getränkt,
wird wieder Lebenszeit verschenkt.

25. Juli 2013

Zusammengereimtes

Orakel
Ich bin stumm und du bist stumm,
alles Wissen hintenrum.
Da steht kein Klartext auf der Stirne.
Der Weg zur Sprache aus dem Hirne,
ist Ödnis, lange still gelegt,
weil niemand sagt, was ihn bewegt.

D`r Prinz kütt
Wir brauchen auch ein Königshaus,
dann ging der Tratsch uns niemals aus.
Wir schwenken Fähnchen, feiern laut,
wenn man uns in die Pfanne haut.

Egomanen
Die Nase hoch, der Rock gestärkt,
die Seele schweigend wie ein Grab.
So geht man in die Welt hinaus
und watscht die Andren gründlich ab.
Treten, beißen, Fallen stellen,
die nächste Stufe noch sehr weit,
sich stetig lobend selbstbewusst.
Wie schön ist die Karrierezeit!
Nach drei, vier Schnäpsen dann zu Haus,
müssen wir weinen wie ein Kind,
weil niemand ach so recht erkennt,
welch gute Menschen wir doch sind.

24. Juli 2013

Noch`n Gedicht

C- Potenz

Wir deuten die Schatten der Schatten.
Jeder Einfall, den jemals wir hatten,
war die Essenz, der Essenz der Tinktur,
dabei liegt alle Fülle in unsrer Natur.

Erbschaftssteuer

Mein Kind, ich brauch dein kleines Leben,
um meinem Dasein Sinn zu geben.
Alleine hab ich Nichts geschafft,
nun raub ich dafür dir die Kraft.

Schwellenangst

Statt das Leben leicht zu nehmen,
wollen wir uns grundlos schämen.
Ob Ohren, Nase, nebst Statur,
ob Trauerkloß, ob Frohnatur.
Gründe gibt es vielerlei,
ob lästig stur, ob viel zu frei.
Selbstkritik beherrscht den Tag,
weil man sich selten gänzlich mag.

23. Juli 2013

Rüttelreime

Gruß an W. Busch

Wenn jemand meint,
er wär` ein Held
durch eine Riesenmenge Geld
und fühlt sich wie der Weltenherr,
dann irrt sich der.

To- do list

Als erstes steht da Morgenjammern,
das sich ans eigne Elend klammern.
Punkt zwei erfüllen die Wehwechen,
vom Haaransatz zum kleinen Zehchen.
Bei drei folgt Unlust und auch Groll.
Die Liste ist schon beinah voll.
Nehme beim Punkte Nummer vier
das Glück des Nachbarn ins Visier.
Wahrhaftig kann es gar nicht sein,
er ist nicht reich und oft allein.
Fünftens nun mein Lebensglück,
kehrt mein Gatte je zurück?
Bei Sechs geh`n mir die Punkte aus;
ich habe Angst und bleib` im Haus.

22. Juli 2013

Gedichtsommerpause

Prophezeiungen

Wenn jemand glaubt, er wär` ein Wicht,

erreicht die wahre Größe nicht.

Wenn jemand glaubt, er wär` ein Bär,

der ist recht bald schon irgendwer.

Glaub` du bist gut, glaub` du bist schlecht;

du hast in jedem Falle Recht.

 

 

Oberflächlichkeit

Wenn jemand in den Spiegel sieht,

dann sich um Abstand gleich bemüht

und sagt: ” Dies ist nun mein Gesicht”,

der  glaubt sich nicht.

 

 

18. Juli 2013

Wüstencamp

Hirne haben meiner Ansicht nach eine Tendenz zur Austrocknung. Das wasserreichste Organ des Körpers wird zum Wüstencamp, die letzten Oasen schwinden und dann kommen Aussagen zustande wie: „Sicherheit ist ein Supergrundrecht!“ ( unser Innenminister Friedrich).

Was soll uns dies sagen? Müssen alle anderen Grundrechte dem „Supergrundrecht“ geopfert werden? Naja, wenn man durch einen Terroranschlag getötet wird, nutzt einem das deutsche Grundgesetz nicht mehr viel, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass gewiefte Terroristen ihre Anschläge weder per Mail, noch per Telefonat koordinieren. Und wenn, dann benutzen sie gewiss keine „Schlüsselwörter“.

Aber ich war ja noch beim „Supergrundrecht“.

Demnächst wird bei uns zuhause einiges anders laufen. Ab sofort bin ich die Superschlaue, die Superfrau und die Superkoordinatorin, weil die Kombination mit Super offensichtlich ein Totschlagargument ist und jede weitere Diskussion erübrigt. Paritätische Entscheidungen innerhalb der Familie gehören der Vergangenheit an und wer braucht schon „veritas super omnia“? (Wahrheit über allem).

Die verschwindet endgültig im Vino, wo sie schon lange vermutet wird, denn es heißt nicht umsonst: „ in vino veritas“. „ In aqua sanitas“ bringt einen direkt wieder zu den Wüstencamps der Hirne.

Aber ich war ja immer noch beim „Supergrundrecht“.

Müssen jetzt alle Gesetzbücher eine Präambel bekommen? Ich meine, was wird in Zukunft noch zu den „Supergrundrechten“ gezählt? Parkplätze in der Innenstadt für alle und ignorieren des absoluten Halteverbots?  Freie Fahrt auf freien Straßen, weil die Geschwindigkeitsbegrenzung  fakultativ ist? Kommt jetzt die Selbstjustiz, weil jeder unter einem „Supergrundrecht“ etwas anderes versteht?

Der Ausdruck „Supergrundrecht“ beinhaltet die Negation aller anderen Rechte. Pikanterweise ist Friedrich von Haus aus Jurist! Hat er sich in den Vorlesungen nur gründlich ausgeschlafen? Hat er demnach das „Supergrundrecht“ der Studenten voll in Anspruch genommen?

Man weiß es nicht, aber man ahnt es.

Haben Supermächte per se „Supergrundrechte“? Obama, Putin und Xi Jinping scheinen der Ansicht zu sein, was besonders bei Obama nicht verwundert, denn schließlich haben die Amerikaner „Superman“ erfunden, den Repräsentanten für Superkräfte.

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17. Juli 2013

Kalorienrechner

Die Redewendung „Abwarten und Tee trinken“ hat in Bezug auf Kräutertees eine völlig neue Bedeutung bekommen, denn in hohen Dosen genossen, führt er zur Krebserkrankung. Die Pyrrolizidinalkaloide sind schuld; sie dienen der Pflanze als Abwehrstoff gegen Schädlinge, besonders diejenigen, die sie pflücken, um sie anschließend mit heißem Wasser zu übergießen. Ein Aufschrei geht durch die Gemeinde der überzeugten Gesundheitsapostel, haben sie doch dem Kaffee, dem schwarzen Tee, dem Alkohol und der amerikanischen Brause abgeschworen, um dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, und nun das!

Ernährungstechnisch wird jeden Monat eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Mal sind es die Fette, mal sind es die Kohlehydrate und mal die Süßstoffe, die zu Stoffwechselkrankheiten und Übergewicht führen sollen, aber, ich verrate jetzt einmal ein Geheimnis, es sind die Kalorien!

Man darf alles, wirklich alles essen und trinken, wenn nur die Energiebilanz stimmt. Wenn ich mehr zu mir nehme als ich verbrauche, nehme ich zu, was doch wirklich nicht schwer zu verstehen sein sollte.

Wir werden von Ernährungsratgebern überschwemmt, obwohl wir genau wissen, wo „der Hase im Pfeffer liegt“, und kein Übergewichtiger kann mir vormachen, er esse weniger als der Rest der schlanken Welt.

Nun ist es ja ein weit verbreitetes Phänomen, dass die Menschen gar nicht merken, wenn sie etwas konsumieren. Der Akt des Mundöffnens, Kauens und Schluckens geschieht quasi unbewusst. Erstaunlich!

Die Nahrungsaufnahme als böse Tat des autonomen Nervensystems ähnlich der Verdauung. Nun haben wir zwei Arten von Muskulatur in unserem Körper, die Glatte und die Quergestreifte. Die Glatte arbeitet still vor sich hin, ohne uns zu fragen, während die Quergestreifte einen bewussten Befehl aus dem Großhirn braucht, um tätig zu werden. Nun gehören die Mundöffner,  die Kau- und Schluckmuskulatur zur letzten Kategorie. Wer, verdammt, hat da wohl den Auftrag gegeben, gegen unseren erklärten Willen, etwas herunter zu würgen?

Man weiß es nicht.

Höhere Mächte? Aliens? Die Quantenenergie der Nahrungsmittel?

Anscheinend ist Unheimliches und Unerklärliches am Werk; dabei haben wir häufig noch nicht einmal Hunger! Und, wie kann unbewusstes Essen lustvoll sein?

Eigentlich ist es ganz einfach. Jegliche Nahrungsaufnahme sollte keine Nebentätigkeit sein. Nun muss der Kalorienrechner nicht gerade neben dem Teller liegen; es reicht, wenn wir dem Unterschied zwischen hungrig und satt wieder eine Chance geben.

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16. Juli 2013

Bushido

Sommertheater Teil X plus 1 möchte man sagen. Wer keine richtige Musik machen kann, muss sich eben durch Schwachsinns-Texte hervorheben und, wer kurzfristig in die Gefahr gerät, dem gnädigen Vergessen anheim zu fallen, setzt bei Provokationen gerne noch einen drauf.

Nun bin ich nicht gerade ein Fan von Claudia Roth, die gerne aus politischen Fakten Seifenopern macht; auch Wowereit, der frisch, fromm, fröhlich frei Geld verplempert, das er nicht besitzt, gehört nicht zu meinen Favoriten, aber, es gibt Grenzen des „guten Geschmacks“.

Künstlerische Freiheit hin oder her, Todesandrohungen haben nichts Künstlerisches und, in diesem Fall, eher etwas Künstliches, weil die dahinter steckende Absicht so klar zutage liegt. Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt, dies ist nun einmal eine gesellschaftliche Norm, ohne die ein Zusammenleben gar nicht möglich wäre.

Schwierig, denn „wahre Kunst“ hat immer schon Normen überschritten. Nur, das Recht auf Leben, auf Glück und persönliche Entfaltung sollte garantiert bleiben. Wenn ein Nietzsche schreibt: „An die dumme Stirn gehört, als Argument, von Rechts wegen die Faust“, ist dies schon mehr als grenzwertig.

Was die ganze Sache nun wieder sehr vereinfacht. Gewalt, verbal, körperlich, oder sonst wie hat im menschlichen Miteinander nichts verloren! Da gibt es keine weitere Diskussion mehr. Gewaltverherrlichung ist keine Kunst!

Darum Sommertheater Teil X plus eins, weil, was gibt es da noch zu reden, oder zu berichten? Warum kann ein einfacher Sachverhalt nicht das bleiben, was er lediglich ist?

Was die Machenschaften der NSA in Deutschland betrifft, schaut man einfach ins Grundgesetz und gut ist. Wenn es bereits zum Allgemeinwissen gehört, dass Spitzensportler dopen, gibt man die Sache frei. Dann haben sie wenigstens die Möglichkeit, die Auswirkungen dieser künstlichen Leistungssteigerung von versierten Medizinern untersuchen zu lassen und sich dafür oder dagegen zu entscheiden.

Der Mensch macht sich selber zum Simpel, weil er es anscheinend nicht simpel mag. Ursachenforschung hält jedes Problem am Laufen, denn eine Ursache ist und bleibt eine Ursache und lässt sich nicht mehr beseitigen. Anstatt zu sagen, war falsch, machen wir jetzt anders, wird lamentiert und fabuliert, während die Abgründe immer näher rutschen. Wen hat die Ursache zu interessieren, wenn es die Folgen sind, unter denen gelitten wird?

Das Gestern ist nicht korrigierbar, das Morgen voller Eventualitäten, und jetzt darf geraten werden, welcher Tag zum Handeln bleibt. Kleiner Tipp, es ist nicht Vorgestern oder Übermorgen.

Aber ich war ja noch bei Bushido.

Der hat nämlich erreicht, was in seiner Absicht lag. Er ist „in aller Munde“ , gehört meines Erachtens aber ganz woanders hin.

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15. Juli 2013

Sommerkleider

Gerade bin ich in ein solches geschlüpft, denn auch hier bei uns breiten sich angenehme Temperaturen aus. Der Himmel ist blau, das Wetter ist herrlich und die nordwestliche Welt gibt sich dem alljährlichen Sommertheater hin. Von Snowden bis zum Oranierorden in Nordirland, von der künstlichen Aufregung über den flächendeckenden Abhörskandal bis zur royalen Geburt, von der Frauen-EM bis zu neuen Dopingaufdeckungen in der Leichtathletik; man kann nur sagen, es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

In den südamerikanischen Ländern wird dem armen Edward unermüdlich Asyl angeboten, um den USA eins auszuwischen. Aber, wie dorthin kommen, ohne russischen Boden zu betreten. Also erst einmal ein Aufnahmeantrag in Russland, um den Transitbereich verlassen zu können, und dann? Es gibt keine Flugroute von Moskau nach z.B. Venezuela, die Länder ausspart, deren Solidarität Amerika gilt. Bleibt eigentlich nur das Atom-U-Boot „Roter Oktober“.

Der protestantische Oranierorden durfte in Nordirland nicht durch katholisches Gebiet marschieren,  hält nun die nordirische Polizei in Atem und gibt sich dadurch als die Salafisten des Christentums zu erkennen, was jegliches abwertende „Nase rümpfen“ über den Islam ad absurdum führt. Sehr lehrreich, übrigens.

Andrea Nahles gab sich heute Morgen sehr aufgeregt über die Unaufgeregtheit der Kanzlerin, was den Abhörskandal betrifft, aber ein Asylangebot für Snowden war in ihrer Tirade nicht aufzufinden. Warum wohl?

Kates Baby ist überfällig, was nur verständlich ist, denn bei dem Hype, der um es gemacht wird, würde ich mich auch in der Gebärmutter festkrallen, solange es eben geht.

Die Frauen-EM hat erst durch den ZDF-Trailer, in dem eine Frau einen verdreckten Ball in eine Waschmaschine schießt, die nötige Aufmerksamkeit bekommen. Ist das Sexistisch? Auch nicht mehr als wenn ein Mann das Leder in einen Boliden knallt, finde ich.

Dass Leichtathleten dopen, ist meiner Ansicht nach keine weitere Meldung wert.

Somit sind alle „Aufreger“ nicht mehr als sie eben sind. Nach einigen Minuten bereits „Schnee von gestern“ mit äußerst kurzfristigem Gänsehautfaktor. Da zieht man doch lieber ein Sommerkleid an und geht nach draußen in die Natur, was ich auch gleich tun werde, denn der leuchtend blaue Himmelsbogen zeigt uns, was wir eigentlich sind. Wir sind nicht der Mittelpunkt des Universums; die Erde dreht sich nicht um uns, sondern um sich selbst, und ich kann nur sagen: „Gott sei Dank!“

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12. Juli 2013

Barfußschuhe

Während man in den meisten Teilen der Welt darüber nachdenkt, sich überhaupt ein Paar Schuhe zulegen zu können, erliegen die „Übersattländer“ einem neuen Trend, den Barfußschuhen. Natürliches Gehen oder Laufen soll wieder ermöglicht werden, und das Konzept, ohne weitere Überlegung einfach einen Fuß vor den anderen zu setzen, bedarf gründlicher Überarbeitung.

Nachdem alle Schuhe, die „Problemzonen“ der Füße gepolstert, abgefedert, gerichtet, geführt und in erwünschte anatomische Lagen gepresst haben, teuer an den Mann oder die Frau gebracht worden sind, gibt es jetzt Fußbekleidungen, die einfach nur eine Sohle haben. Man höre und staune! Von 70 Euro aufwärts können Treter mit Zehenräumen – nach Gusto auch ohne – erworben werden, die einem das Gefühl vermitteln, auf bloßen Füßen unterwegs zu sein. Natürlich könnte auch jegliches Schuhwerk einfach weg gelassen werden, was sicherlich die preiswertere Variante wäre, aber so einfach tickt der gesundheitsbewusste „Industrieländler“ nun einmal nicht.

Im Anfang sollen die Errungenschaften der Sportbekleidungsbranche nur kurzfristig getragen werden, denn für ungeübte „Freisohlengänger“ bergen sie doch Gefahren. Die Füße könnten sich einfach nur wie Füße aufführen und anfühlen, was  Überreizungen des Nerven- und Muskelsystems der Gehwerkzeuge bewirken kann, von Schwielen einmal ganz zu schweigen.

Nun bin ich ein passionierter Barfußläufer. Wenn ich das Haus betrete, werden sofort die Schuhe ausgezogen, was meinen Mann in den Wahnsinn treibt, denn er kann meine passionierte „Freifußkultur“ nicht mit meinem übervollen Schuhschrank in Einklang bringen. Aber, es soll Menschen geben, die bekleidete Füße vorziehen. Diese Menschen sind bislang völlig unbedarft morgens aufgestanden und zum Teil ohne Schuhwerk ins Bad und in die Dusche getappt, ohne sich des Risikos bewusst zu sein, das sie eingehen, denn die ungewohnte Fußfreiheit führt zu den oben genannten schädlichen Auswirkungen.

Was ist mit den Schlafwandlern?

Zumeist sind auch sie ohne schützende Umhüllung unterwegs und wundern sich beim Aufstehen über schmerzhafte Fersen und Zehen. Wer zu nächtlichen Ausflügen neigt, sollte besser davon absehen, ohne Schuhe ins Bett zu gehen.

Barfußschuhe darf nur derjenige über große Zeiträume hinweg tragen, berichtete heute im Morgenmagazin allen Ernstes ein Mediziner, der in der Lage ist, eine Kniebeuge zu machen, ohne die Fersen vom Boden anheben zu müssen, also quasi 1% der Bevölkerung. Die übrigen sollten Vorsicht walten lassen.

Vielleicht muss ein Teil der griechischen Mythologie völlig neu bewertet werden, denn, wie soll Achilles sonst zu seiner sprichwörtlichen rechten Ferse gekommen sein? Wahrscheinlich trug er nur links eine Sandale, während der andere Fuß in einem Barfußschuh steckte.

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11. Juli 2013

Sonnenschirme

„Die Sonne schien ihm auf`s Gehirn, da nahm er einen Sonnenschirm.“ (Struwwelpeter) Dieses Buch ist so aktuell wie nie, denn es scheint nie genug Sonnenschirme zu geben, um Schrumpfungen der Denkorgane einiger Zeitgenossen zu vermeiden. Es geht aber noch weiter. Statt eines „fliegenden Roberts“ haben wir einen „fliehenden Edward“, der trotz widriger Umstände es nicht lassen kann, seine Nase aus der Tür zu halten.

Ob sich Innenminister Friedrich als der „arge Wüterich“, der sogar „sein Gretchen peitscht“ in den USA  in Bezug auf die NSA-Affäre erweist, steht noch in den Sternen; derweil „Angelinchen bleibt allein Zuhaus`, der Geheimdienst ist schon lange aus“  und sieht seelenruhig zu, wie die Grundrechte der Deutschen in Flammen aufgehen. Da mögen die „Zappelphilippe“ der Opposition strampeln wie sie wollen, „die Mutter blicket stumm auf dem ganzen Tisch herum“.

Steinbrück gibt den „Suppenkasper“, der zunächst „kugelrund und kerngesund“ war, als er beschloss Kanzlerkandidat der SPD zu werden, bis er zuletzt „nur noch ein Fädchen“ ist. „Er wiegt nur noch ein halbes Lot“ und ist bis September völlig tot, denn „diese Suppe ess` ich nicht. Nein, eure Suppe ess` ich nicht“, hat sie sich aber selber eingebrockt.

Obama erweist sich als Struwwelpeter, den die „NSA schnitt er nicht so manches Jahr, durchkämmen ließ er nicht, was wahr“ oder eben falsch. „Seht einmal da steht er. Pfui, der Übeltäter!“

In drei Wochen huscht der „Schneider in die Stub` zu dem Daumenlutscherbub“ und Mädel, deren Eltern doch tatsächlich damit gerechnet hatten, den garantierten Krippenplatz auch zu bekommen, denn, auch wenn „Familienministerinnen artig sind, kommt noch lange nicht das Christkind“ und beschert, was man selber nicht hin bekommt.

Nach der Wahl kommt „der große Nikolas, steckt alle in`s Atommüllfass“, die sich den schwarzen Peter der Endlagersuche bislang erfolgreich gegenseitig zugespielt haben. Wer den „Hans guck in die Luft“ trotz drängender Notwendigkeiten gibt, darf sich nicht über folgendes wundern. „..die Fässer stecken`s  Köpflein aus der Flut, lachen, dass man es hören tut. Lachen fort so manche Zeit und der Müll, der schwimmt schon weit“.

Was machen wir „Hasen“ also mit allen diesen „wilden Jägern“?

Wir entwaffnen sie, wie im Struwwelpeter empfohlen, bis sie freiwillig in den Brunnen springen, bzw. im Orkus verschwinden und Schirm drüber!

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10. Juli 2013

Snowden

Man hat schon allerhand „Beweisfotos“ gesehen. Vom Yeti, von Ufos, von Heiligenerscheinungen und vom Tasmanischem Tiger. Nur der fotographische Nachweis von Edward Snowden im Transitbereich des Moskauer Flughafens steht noch aus. Ist er da noch? War er da jemals? Gibt es ihn überhaupt, oder ist er nur ein Phantom?

Man weiß es nicht.

Wie immer, wenn man nichts Genaues weiß, gibt es eine ganze Menge Leute, die allerhand wissen. Verschwörungstheorien, Gerüchteküchen, Munkel- und Mauscheleien haben Hochkonjunktur. Nach dem Motto: „Ich sehe was, was du nicht siehst!“, profilieren sich diejenigen, die ansonsten nichts zu sagen hätten.

Es wird laut „Skandal!“ geschrien, bevor auch nur ein einziges Faktum auf dem Tisch liegt, denn Faktenlagen sind langweilig und interessieren nur Fachidioten. Der Mensch an sich liebt das Geheimnisvolle, das nur unvollständig Beweisbare, denn dann kann er seiner Phantasie freien Lauf lassen. Märchen sind und waren seit jeher populärer als Tatsachenberichte. Wahrheiten sind langweilig und unangenehm, was dazu führt, dass jeder aus seinem Leben einen Roman macht und aus dem der Anderen erst recht.

Die Menschen lieben Geschichten, nicht die Geschichte, dies endet in einer ewigen Wiederholung derselben, denn Historie hin oder her; es könnte ja auch ganz anders gewesen sein.

„Der Mensch will betrogen sein“, sagt schon der Volksmund. Ich wette, wenn die NSA offen dahergekommen wäre und gesagt hätte: „Wir belauschen euch alle zu eurem Schutz“, hätten die meisten von uns achselzuckend mit den Worten reagiert: „Wenn das so ist, dann macht mal.“

Alle rufen nach Transparenz, dabei ist nichts so öde wie sie. Der FKK-Strand und die Sauna bieten erotischen Vorstellungen keinen Raum, und der „gläserne Held“ ist ein ebenso kleiner Wicht wie wir alle.

Wenn alles so eindeutig ist, wie die Tatsache, dass eins und eins zwei ergibt, worüber reden wir dann den ganzen lieben langen Tag? Konfabulationen und Spekulationen täuschen darüber hinweg, dass im Endeffekt alles auf den kleinen Bindestrich zwischen Geburts- und Todesdatum hinausläuft.

Wenn „die Volksseele kocht“ ist wenigstens etwas los, auch wenn ansonsten nichts los ist. Wir brauchen Emotionen, selbst wenn es sich nur um Empörung handelt. Vernunft ist nicht spannend. Vernünftig wäre es, wenn die USA zu Snowden sagten: „Okay, Junge. Du hast uns erwischt. Schwamm drüber und komm nachhause.“

Tja, worüber könnten wir in diesem Falle dann noch unsere geliebten Mutmaßungen anstellen?

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9. Juli 2013

Zeckenschutz

Die Witterung bringt so manche feiste Zecke zu Tage. Unter anderem auch Temperatur bedingt hirnverdorrte Politiker wie unseren Verkehrsminister Ramsauer. Ich wollte meinen Ohren nicht trauen, als ich im Morgenmagazin erfuhr, dass aus spärlichem Fundus die Idee ausgekramt worden ist, Autofahrer sollten Baustellen melden, an denen nicht gearbeitet wird. Nun gibt es die Zeckenart der Denunzianten, und ich kann mir lebhaft vorstellen, dass mancher „pflichtbewusste“ Zeitgenosse immer wieder den gleichen Autobahnabschnitt befährt, um dezidiert zu notieren, in welchen Zeitabständen Arbeiter an Baustellen gesichtet wurden. Ist keiner da, mutiert die zu reparierende Strecke automatisch zur „Schlafbaustelle“, wie Ramsauer verlautbaren ließ.

Ob Dauerschlafbaustellen wie Bundesrat,  Bundestag und insbesondere auch das Verkehrsministerium ebenfalls meldepflichtig werden; darauf wurde nicht weiter eingegangen.

Auch Stuttgart 21 und den Berliner Großflughafen erwähnte er in diesem Zusammenhang nicht. Wahrscheinlich, weil man im Verkehrsministerium ein Koma nicht unter die Rubrik „schlafähnliche Zustände“ einordnet. Die beiden Projekte befinden sich im „Dornröschenschlaf“ und deren Fertigstellung ist somit folgerichtig im märchenhaften Bereich anzusiedeln.

Wie nun die Belohnung für die gemeinen Holzböcke, die eifrig dem Verrat rastender Bauarbeiter frönen, aussieht, darüber wurde sich ausgeschwiegen. Ich kann mir aber durchaus einen Punkteerlass in der Flensburger Kartei bis hin zum Bundesverdienstkreuz vorstellen.

Warum Ramsauer gewöhnliche Autofahrer und nicht Zecken wie Google oder die NSA bemüht, um die Arbeitsmoral auf und an Deutschlands Straßen zu kontrollieren, war mir nicht ganz einsichtig. Ein kurzer Anruf bei den Amerikanern oder Briten und schon weiß man im Detail, wo sich etwas tut, oder eben nicht. Dass Bewegungsmelder an jeder einzelnen Baustelle zu kostspielig sein würden, ist klar, aber ein kurzes Telefonat?

Es könnte natürlich auch sein, dass Ramsauer die vielen gestressten Eltern im Sinn hatte, deren quengelnder Nachwuchs auf den Rücksitzen irgendwie beschäftigt werden muss.

„Schaut doch mal, ob ihr „Bob den Baumeister“ hier bei der Arbeit entdeckt!“  Ein fröhliches Suchspiel auch für Kinder im Vorschulalter und schon herrscht Ruhe.

Als Belohnung gibt es dann den Bauarbeitersatz von Playmobil oder Videokassetten von Bob, die dann eigens den Angestellten des Verkehrsministeriums entwendet werden müssen, denn Planspiele mit den niedlichen Steckmännchen und ausführliches Zuschauen wie Bob, der Tüchtige, alles im Griff hat, scheint bis hin zum Minister dort zu den liebsten Beschäftigungen zu gehören.

Der Entzug der Spielzeuge erscheint mir jetzt auch nicht allzu günstig. War dies doch bislang ein dürftiger, aber immerhin wirksamer Schutz gegen die Zeckenplage von weiteren Großprojekten.

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1. Juli 2013

Ferien

“Urlaubszeit, Ehestreit“ hörte ich im heutigen Morgenmagazin und, was soll ich sagen? Ich kann dem nur lebhaft zustimmen. Stress gibt es bereits vor der Abreise, wie ich erfuhr. Stimmt, weil Mann direkt vom Arbeitsplatz weg in den Flieger hüpft, oder auf die Autobahn rast, um einen Stau zu umgehen, der unweigerlich zustande kommt, da alle die gleiche, glorreiche Idee hatten Derweil hat Frau die Koffer schon fertig gepackt vor der Haustür stehen, denn der Gatte duldet keinerlei Verzögerungen vor Antritt in die „Schönsten Wochen des Jahres“.

Bei Langstreckenflügen erweist es sich übrigens als sehr hinderlich, einen groß gewachsenen Mann zu haben, denn der will am Notausgang sitzen, wo Kinder natürlich nicht sitzen dürfen und so hat Frau im Alleingang für ein mehrstündiges Unterhaltungsprogramm für den nervend quengelnden Nachwuchs zu sorgen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Mein Mann saß immer einige Reihen vor mir, durch Ohrstöpsel der Welt und vor allen Dingen seiner Familie entzogen, während ich mir überlegte, ob die Plastikmesser des Caterings als Mordwaffe taugen. Über das nachfolgende Strafmaß machte ich mir keine Sorgen, denn sollte die Richterin eine Frau mit Kleinkindern sein, wäre mir der Freispruch gewiss gewesen.

Stress gibt es dann auch am Ferienort, erläuterte die „Fachmännin“ im Moma weiter. War mir ebenfalls sofort einsichtig, denn es gibt Strandhocker und Strandflüchter. Der eine hält seine Nase eben gerne in ein Buch, während der andere sie gerne in den Wind hält.  Ich gehöre zur ersten Fraktion, mein Gatte zur zweiten, was immer dazu beitrug, dass ich nicht nur die Kinder beschäftigen musste, sondern auch den missmutig auf das  Meer starrenden Kerl auf der Sonnenliege neben mir. Fliegen, Tauchen, Motorradfahren, Fischen, überall habe ich ihn hingeschickt, was dazu führte, dass er jetzt nicht nur im Urlaub diesen Ablenkungen frönt, sondern auch in jeder freien Minute zuhause! Jedenfalls wird er jetzt in jährlichen Abständen immer wieder davon überrascht, wie groß unsere Töchter in der Zwischenzeit geworden sind.

Was mich zu den Hauptstressoren bringt. Natürlich die Kinder, wie im Morgenmagazin berichtet wurde.

Selbst in Sonnenstaaten mutieren diese nicht zu ausschließlichen „Sonnenscheinen“, pflichtete ich dem bei. Ob im Auto bei der Anfahrt, ob im Flieger beim Anflug, ob im Gebirge, oder an der See, nie ist der Wille, den eigenen Nachwuchs demnächst zur Adoption frei zu geben größer. Nach unzähligen „ Ententänzen“ in der Kinderdisco – der Gatte sitzt derweil lesend am Pool, da er sich genügend über Tag ausgetobt hat und folgerichtig  für so etwas zu erschöpft ist – träumt Frau davon, Robinson Crusoe zu sein und wehe, es wagt sich ein „Freitag“ in die Nähe!

Trotz alldem, wenn ich mir gelegentlich alte Urlaubsfotos ansehe, ist der damalige Missmut vergessen, und ich höre mich seufzen: „Ach, was war das damals schön!“

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28. Juni 2013

CHIO

Manchmal kann ich es nicht fassen, was man sich den ganzen Tag so anhören muss. Es ging um die Vielseitigkeitsreiterei beim zurzeit statt findenden Reitturnier in Aachen, bei der es schon für so manches Pferd um „Kopf und Kragen“ ging. Besonders beim Geländeritt wird der Pferdehals gerne gebrochen. Kommentar eines Verantwortlichen der Vielseitigkeit. „Man muss nur den Glanz in den Augen sehen, wenn es los geht!“

Nun kann dieser Glanz dadurch entstanden sein, dass der Hengst die Stute und die Stute den Hengst wittert, denn verbale Auskunft über den wahren Ursprung des Schimmers, pflegen Pferde normalerweise nicht zu geben. Zwar gibt es Pferdeflüsterer unter den Menschen, aber zurück geflüstert  hat meines Wissens noch kein Pferd.

„Auch wenn die Pferde gelegentlich(!) überfordert sind, ist dies noch lange kein Grund, diese unterhaltsame Disziplin zu untersagen“, meinte ein Zuschauer. Natürlich, denn die Stürze im Gelände sind an Dramatik kaum zu überbieten.

Nun kann der Mensch sich gerne wie bei der DTM oder bei der Formel 1 in Gefahr bringen, denn dort kommt zusätzlich zum Fahrer – manchmal auch zum Streckenposten – nur eine Maschine zu Schaden, aber Pferde sind und bleiben in meinen Augen keine Sportgeräte, auch wenn mancher Reiter dies anders sieht.

Ein Pferd in der freien Natur springt niemals, wenn es nicht muss, dies haben zahlreiche Verhaltensforschungen ergeben. Selbst wenn die Herde auf einen Nachzügler wartet und nur ein niedriger Zaun im Wege steht, nimmt der Trödler einen meterlangen Umweg in Kauf, bevor er auch nur im Geringsten daran denkt, das Gatter durch einen Sprung zu überwinden.

Vollbremsungen vor Hindernissen sind keine zu bestrafenden Fehler von Seiten des Pferdes; es sind seine angeborenen Instinkte und, ob der Ballettanz im Dressurviereck auch dem Pferd Spaß bringt, sei dahin gestellt. Die vorgegebene Kopfhaltung bei den zutiefst künstlichen Bewegungsabläufen wird durch Ausbinden im Training und im Stall erzielt.  Hohe Sprünge erfordern nicht selten den Einsatz des „Barrens“ und erhöhte Schmerzempfindlichkeit an den Beinen der Tiere, wenn sie gegen eine Stange prallen, anstatt die Hufe einzuziehen, erreicht man durch hyperämisierende Salben.

Ich bin selber jahrelang geritten und habe ehrgeizige Väter die Ponys ihrer Kinder regelrecht zu Schande reiten sehen, weil die Tiere bei einem Dorf (!)-turnier – in dem es um gar nichts Wesentliches ging – ein Hindernis verweigert hatten. Nun wurde das sich eigentlich natürlich verhaltende Kleinpferd solange über einen Parcours geprügelt, bis sein Willen gebrochen war und es nie mehr wieder verweigern würde. Nur damit der Reiter(?)-Nachwuchs sich eine goldene Schleife an die Wand pinnen konnte. Wenn diese Tierquälerei bereits im letzten Dorf stattfindet, möchte ich nicht wissen, wie es vor großen Turnieren abgeht. Ich habe unter Reitern schon viele Charaktere erlebt. Pferdefreunde waren sehr selten vertreten.

„Bevor du dein Pferd prügelst, lerne erst einmal richtig reiten“, mehr kann ich dazu nicht sagen.

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27. Juni 2013

Edward Snowden

Das Glasfaserkabel gläsern machen überrascht doch nicht wirklich, oder? Und, dass jeder, der die Möglichkeit dazu hat, das transatlantische Telefonkabel anzapfen wird, war auch zu erwarten. Warum also diese gespielte Aufregung? „O tempora, o mores!“ (Was für Zeiten, was für Sitten!) Folgerichtig lautet der Codename der britischen Lauschattacke „tempora“ und verdient Jammern und Klagen über Sitten und Sittlichkeit.

Dass nun ausgerechnet Staaten wie China, Russland und Ecuador, die nicht gerade für ihr „lupenreines“ Demokratieverständnis bekannt sind, für die Freiheit von Edward Snowden plädieren, hat etwas Skurriles. Ich warte beinahe im Minutentakt darauf, vom Iran, Nordkorea und der Türkei Asylangebote für den zurzeit berühmtesten „whistle-blower“ der Welt zu hören. War schon die Zusammenarbeit mit Snowden für der russischen Geheimdienst ein Fest, wie dieser sich ausdrückt, dann gilt für die erwähnten Staaten erst recht: Von den Amerikanern und Briten lernen, heißt betrügen lernen. Zumindest, was Bürgerrechte betrifft.

„Er ist ein freier Mann. Er darf gehen, wohin er will. Er hat in Russland kein Verbrechen begangen“, tönte Putin vollmundig. Wie er dies Pussy Riot  und den Homosexuellen erklären will, ließ er dabei offen.

„Wir erstreben Freiheit in Gerechtigkeit“, tönte ebenso vollmundig Obama vor dem Brandenburger Tor. Wie er dann die Jagd auf einen Mann erklären will, der nur die Wahrheit ans Licht bringt, wird ebenfalls nicht weiter erläutert.

Es sind die Zeiten der Blender und Heuchler. Der deutsche Geheimdienst kann mir nicht weiß machen, von alldem nichts gewusst zu haben, und wenn ein deutscher Bundespräsident , der die Freiheit zu seinem ausschließlichen Credo erhoben hat,  förmlich ausrastet, wenn Obama, der „Freiheitskämpfer par excellence“, ihn an die verräterische Brust drückt, ist Gauck ebenso  glaubwürdig wie ein Berlusconi, der für den Schutz minderjähriger Mädchen eintritt.

Die Küsse, die der amerikanische Präsident Angie auf die Hängebäckchen drückte, hatten sehr viel Ähnlichkeit mit dem Kuss eines gewissen Judas. Obama mag zwar kein „Berliner sein“, aber es ist davon auszugehen, dass er über die Belange der deutschen Hauptstadt besser Bescheid weiß als Wowereit, wobei dieses Beispiel jetzt nicht allzu klug gewählt ist, denn anscheinend ist jedermann über die finanzielle Schieflage Berlins ausführlicher informiert als der Bürgermeister.

„Je mehr tam-tam, desto größer die Unwahrheit“, pflegte meine Großmutter zu sagen. „Mehr Schein als Sein“, fügt der Volksmund dem hinzu. „Ein Soll-Zustand kann nur erreicht werden, wenn der Ist-Zustand bekannt ist“, würde wohl ein Techniker meinen.

„Freiheit in Gerechtigkeit“ ist nun, wenn man Obama Glauben schenken will, der Soll-Zustand, der mit den Schritten eines Riesen erreicht werden soll. Nur leider haben „Lügen sehr, sehr kurze Beine“.

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25. Juni 2013

Mückenplage

Das weltweit gefährlichste Tier ist – ich ahnte es schon – die Mücke. Von Malaria über Gelbfieber und anderen Infektionskrankheiten, kein Insekt ist für mehr Tode unter den Menschen verantwortlich. Auch die Scheidungsrate wird erheblich von diesem Insekt beeinflusst, besonders, wenn einer der Ehepartner zu den bevorzugten Opfern der kleinen Blutsauger gehört und der andere nicht wie das bei uns der Fall ist. Das nächtliche Sirren treibt mich in den Wahnsinn, während mein Mann aufgrund meiner ausgefeilten Jagdmethoden um seinen Schlaf gebracht wird. Die Mücke oder ich, lautet meine Devise. Für uns beide ist im Nachtgemach kein Platz! Vom zentrierten Taschenlampenlicht, bis zum taghell erleuchteten Schlafzimmer, in dem auch der letzte Winkel ausgeleuchtet ist, reicht meine Taktik, und ich ruhe nicht eher, bis ich den Störenfried erwischt habe.

Zum Teil habe ich versucht, mich bis auf die für das Atmen notwendige Nasenspitze in meine Bettdecke zu verkriechen. Vorher habe ich meinen im Tiefschlaf befindlichen Gatten einladend ein wenig aufgedeckt, um die Tafel für die Plagegeister zu bereiten, was aber nichts nutzte, denn im Laufe der Nacht wurde ich mit juckendem, rotem Riechorgan wach, während mein Mann weiterhin dem Schlaf des Gerechten frönte. Elektrische Summ- Pfeif-und sonstige Vertreibungsgeräte habe ich zur Genüge ausprobiert. Eines sollte sogar gegen Marder wirken. Hat es auch, denn wir hatten noch nie einen Marder im Schlafzimmer. Die vertrackten Minivampire zeigten sich hingegen völlig unbeeindruckt. Natürlich habe ich ein Moskitonetz, aber, was soll ich sagen, die kleinste Lücke wird gefunden. Auf meinem Nachttisch häufen sich Antimückenmittel, Antihistaminika und Cortisonsalben aller Art. Zwiebeln und Weinessig nicht zu vergessen, und der ausgeprägte Juckreiz nach einer Stechattacke führt schon einmal dazu, dass mein Mann meint, neben einem eingelegten Hering zu erwachen wie er ungalant zu bemerken pflegt.

Nun habe ich heute Morgen gehört, dass man den Stich zunächst mit einem durch ein Feuerzeug oder eine Kerze bis auf 45° C erwärmten Löffel behandeln soll, bis der Gerinnungshemmer im Mückenspeichel neutralisiert ist. Anschließend kommt sofort Eis darauf. Den zwölfarmigen Kerzenleuchter, Feuerzeuge und eine Auswahl von Teelöffeln  habe ich bereits ins Schlafzimmer geschafft. Ebenso wie den Sektkühler, den ich kurz vorm Schlafen gehen mit Eiswürfeln bestücken werde. Nun könnte mein Gatte aufgrund der ungewöhnlichen Dekoration auf meinem Nachttisch der Ansicht sein, ich hätte einen besonders romantischen Abend im Sinn. Ich sehe ihn schon grübelnd vor den Teelöffeln stehen, seiner Phantasie freien Lauf lassend.

Naja, manche Dinge sind mehrfach verwendbar.

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24. Juni 2013

Sonnenwende

Brechen jetzt die dunklen Zeiten an? Da wird jemand wie Edward Snowden von Hong Kong, über Moskau bis nach Ecuador gejagt und ein Julian Assange sitzt noch immer in der ecuadorianischen Botschaft in London fest, nur weil sie es mit den Spatzen halten, die alles von den Dächern pfeifen. Sinngemäß werden sie als „whistleblower“ tituliert, und die USA proben eine Realversion des Filmes:

„Catch me, if you can“.

„Haben die beiden überhaupt ein Verbrechen begangen?“, frage ich mich und, „wenn ja, welches? Das der freien Meinungsäußerung? Außerdem, sind es nicht eher die Jäger, die gegen geltendes Recht verstoßen haben?“

200 Dokumente soll Snowden noch im Gepäck haben und wird dadurch zur sprichwörtlichen Laus im Pelz von Amerika und England, die zwickt und zwackt und eigentlich zerquetscht gehört.

„Die Sonne bringt es an den Tag“  hieß es bislang, auch für die dunkelsten Machenschaften. Noch wurde „jede Leiche im Keller“ zutage befördert und das „unter den Teppich gekehrte“ hervor geholt. Jede Erkenntnis braucht Helligkeit, damit man sieht, was geschieht. Selbst Platon war der Meinung, dass man sich nicht mit den „Schatten an der Wand“ zufrieden geben sollte. Es braucht immer jemanden, der „die Wahrheit ans Licht zerrt“ und in längst vergangenen Zeiten wurde dieser Jemand als Held angesehen, bis auf Sokrates vielleicht, der seinen Mitmenschen durch seine unbedingte Wahrheitsliebe dermaßen auf den Zeiger ging, dass er den Schierlingsbecher trinken musste und  dies auch tat, denn die Lüge erschien ihm schlimmer als der Tod.

Wir werden, was unsere Privatsphäre, was rede ich, was unser tägliches Leben betrifft  „hinters Licht geführt“ und den Platonikern, den Sokratikern unter uns droht noch immer die Strafverfolgung. Ein Bürger kann erst mündig werden, wenn er genauestens informiert wird. Alles andere ist Bevormundung und Betrug. Wie soll der Mensch seine Pflichten erfüllen, wenn ihm die Rechte von vorne herein abgesprochen werden?

Da hält ein Obama die „Fackel der Freiheit“ vor dem Brandenburger Tor hoch, doch diese Flamme verbreitet Dunkelheit statt Licht. Was hat die Freiheitsstatue in der Hand? Richtig, auch so ein zur Bedeutungslosigkeit verkommenes Ding! Erleuchtung ist immer noch eine Folge von Beleuchtung, und eine wahrhaft freie Entscheidung erfordert nun einmal die Darlegung aller Fakten. Doch leider mutierte „Wissen ist Macht“  zu „Macht ist Macht“ (Aus: Game of Thrones). Macht als Selbstzweck führt zur Ohnmacht der Regierten.

Der Sonne des Wissens kann man unmöglich zu nahe kommen, geschweige denn, dass man davor beschützt werden muss. Diese Sonnenwende tut nicht Not.

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21. Juni 2013

Unwetter

Es ist deine Unsitte(!) der Deutschen, Dinge, die einem nicht so richtig in den Kram passen, mit der Vorsilbe „Un“ zu versehen. Von Unkraut über Unkosten, von Unmöglichkeiten über Unvermögen, vom Unglück über Unfall, von Unverständnis über Unheil, von ungesund über unnahbar, von ungerecht über unzufrieden, von Unart über Unvorsichtigkeit zur Ungerechtigkeit, alles ist negativ belegt.

Anstatt zu sagen, „dass jedes Gewitter die Luft reinigt“ heißt es bei uns Unwetter. Alle diese Unwörter bergen eine große Chance, die der Ent-täuschung.  Illusionen mögen zwar schön und gut sein, aber durch sie kommt man keinen Schritt weiter. Man wähnt sich in falscher Sicherheit. Unwägbarkeiten machen Angst, man entledigt sich nur zu gerne der Nachfrage, dem Nachhaken und bleibt dadurch untätig, dabei ist das erkannte Ungemach der erste Schritt auf einem realistischeren Weg. Unnormal wäre es, im Wolkenkuckucksheim zu verharren und die Unfähigkeit, sich mit sich und seiner Umgebung realistisch auseinanderzusetzen, setzt diesem „noch einen drauf“.

Es erscheint uns unnötig, die Dinge so zu betrachten wie sie in Wahrheit nun einmal sind. Das Resultat der Selbsttäuschung ist vorbestimmt, nämlich Unwissen, das zur allgemeinen Unzufriedenheit beiträgt. Unwahrheiten werden solange toleriert, bis, ja bis es eben kracht wie man an den Beispielen der Türkei und Brasilien sieht. Der arabische Frühling war auch so eine Art von Unwetter. Nur wurden die daraus entstehenden Möglichkeiten bei weitem nicht ausgenutzt, warum, bleibt unklar. Es lag vielleicht an der Unerfahrenheit in Bezug auf eine Demokratie.

Statt unselig sind wir lieber weinselig; die Droge ist niemals weit entfernt, was in meinen Augen eine Unzulässigkeit darstellt, die zur Unzuverlässigkeit führt. Man will sich eben nicht unbeliebt machen, was Unebenheiten auf dem eigenen Lebensweg nach sich zieht. Unfreundlichkeit wird nicht gestattet und Unangepasstheit schon gleich gar nicht, was uns alle zu Untoten macht. Wie Zombies taumeln wir durch das Unwetter unseres Lebens, den Lichtstreif am Horizont aus den Augen verlierend, weil wir uns unwert fühlen. Bloß keine Ungleichheit, lautet der Wahlspruch, der uns in Schablonen presst.

Unwillen und Unartigkeit wäre hier von Nöten, was aber als Unzucht angesehen wird. Man will ja nicht unhöflich sein oder unerzogen, während der Unmut weiter grummelt und uns unstet und unruhig macht. Was ist an Unruhe eigentlich so schlimm? Ruhen können wir noch bis in alle Ewigkeit, wenn wir tot, also unbelebt sind.

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20. Juni 2013

Obama in Berlin

Gestern habe ich mir die Rede des US-Präsidenten vor dem Brandenburger Tor angehört, und ich kann nur sagen: „Jesus lebt!“

Alle warteten auf den einen, weltbewegenden Satz aus dem Munde Obamas. Dieser kam nun nicht von ihm, sondern von unserer Kanzlerin. „Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Eine Äußerung, die nun wirklich die gesamte internationale Internetgemeinschaft in Bewegung setzte.

Aber ich war ja noch bei Obama.

Der ließ kein „heißes Eisen“ unberührt. Vom Klimawandel zur Abrüstung, vom Hunger bis zur eingeschränkten Freiheit in der Welt, vom Handel bis zur Schließung Guantanamos, von der Verantwortung bis zur daraus entstehenden Tatkraft, vom Weltfrieden bis Abschaffung jeglicher Diskriminierung; ich muss zugestehen, es war für jeden etwas dabei. Wie ich heute Morgen erfahren musste, gibt das FBI zu, Spionagedrohnen im Inland eingesetzt zu haben. Zwar nur „wenig und begrenzt“ wie verlautbart wurde, aber, immerhin. Wie passt dies zur flammenden Rede in Berlin? Wie passt die Einmischung in Bürgerkriege, die sich ausschließlich auf Ölstaaten konzentriert zum globalen Freiheitsbegriff? Wie passt die Finanz- und Militärmacht USA in das Bild vom altruistischen Friedens- und Wohlstandsbringer für die gesamte Menschheit?

Das Einzige, was ich Obama wirklich geglaubt habe, bestand darin, das ihm, aufgrund der Außentemperatur sehr warm war und er sich deswegen von seinem Jackett befreite(!). Vielleicht ließ ihn die Hitze kurzfristig auch „warm um`s Herz“ werden, denn, anders kann ich mir diesen Wortschwall nicht erklären und, wenn ich aus dem Munde eines US-Präsidenten die Worte: Weapons of mass destruction höre, geht bei mir der Alarm an.

Während ich dieses schreibe, kommt ein Freund von mir vorbei und erzählt mir, dass die Jackett-Aktion eine Verzögerungsmaßnahme gewesen sein soll, weil der Teleprompter noch nicht tat. Also kann ich noch nicht einmal den ersten Worten des Präsidenten Glauben schenken.

Ich werde die Sache nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen. Wie gesagt, man munkelt, aber genaues weiß man nicht.

Selbst das Wetter spielte gestern mit. Es stand genug Blau zur Verfügung, um es vom Himmel herunter zu versprechen. Wie dem auch sei, meine Schlussfolgerung der Rede lautet:

Falsche, selbsternannte Heilsbringer fallen unter die Rubrik: „Weapons of mass destruction“.

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19. Juni 2013

App`s

Manche Dinge sind so einfach, dass man sich wundert, nicht selber darauf gekommen zu sein. In Köln gibt es jetzt eine App, die anzeigt, welche Leute ihre Auffahrt als Parkplatz vermieten möchten. Gerade im Innenstadtbereich eine geniale Lösung wie ich finde.

Der Deutsche im Allgemeinen hat es ja mit reservierten Plätzen, was man an der Sonnenliegenhandtuchtaktik erkennt, an der frühzeitigen Sicherstellung eines Grabes, bei der Bahn,  im Flieger, im Theater, im Kindergarten oder im Restaurant. Plätze im Paradies werden durch ein gottesfürchtiges Leben frei gehalten; Plätze in der Hölle bekommt man übrigens gratis.

„My place, bzw., my seat is my castle“.

An Einkaufskassen wird gerne einmal ein Familienmitglied in die Schlange eingereiht, dessen Aufgabe es ist, dem weiterhin Einkaufenden, quasi als Platzhalter,  unnötige Wartezeit zu ersparen. Dieser drängelt sich möglichst vor betagte Mitmenschen, denn bis diese den passenden Betrag zusammengestückelt haben, kommt man einem Schlaganfall gefährlich nahe.

Wer jemals am Samstagmorgen in einer Bäckerei mit Wurst- und Käsetheke hinter einer Rentnerin oder einem Rentner gestanden hat, die ihren Aufschnitt in Einzelscheiben erwerben, spielt mit dem Gedanken, eines der Kinder rechtzeitig aus dem Bett zu werfen, damit es sich im Laden schon einmal, bevor der Rentnerschwall eintrifft, anstellt. Hunde sind in Bäckereien leider nicht gern gesehen wie ich am eigenen Leib erfahren habe, Katzen zwar auch nicht, aber die sind so eigensinnig, dass man nie genau weiß, in welchem Geschäft sie gerade ein Plätzchen reservieren. Sie sind für Spezialaufträge eben ungeeignet.

Selbst die Päpste sind nur Stellvertreter. Der Platz von Jesus Christus wird bereits seit über 2000 Jahren frei gehalten. Das nenne ich Ausdauer!  Zumal man gar nicht weiß, ob Ihm der Vatikan als Domizil liegt, denn, wie man Ihn kennt, war er für Prunk und Protz überhaupt nicht zu haben.

Sich irgendwo hinzubegeben, ohne die Gewissheit zu haben, dort einen Platz zu finden, bereitet eine enorme Unruhe, was meiner Ansicht nach am fehlenden Urvertrauen liegt. Bis man seinen Platz im Leben gefunden hat, dauert es eben, und so haben Reservierungen aller Art gewissermaßen selber eine Stellvertreterfunktion. Sich frühzeitig einen Parkplatz zu sichern lenkt davon ab, dass ansonsten noch gar nichts sicher ist. Ein reservierter Platz im Flieger bei den Notausgängen ist da schon die halbe Miete und eine Liege in der ersten Reihe am Pool oder am Strand eine kleine, temporäre Glückseligkeit, die nur den Einsatz eines Handtuches erfordert. Martinus von Biberach wird folgendes Gedicht zugeschrieben, das mir weitere Ausführungen erspart.

Ich bin und weiß nicht wer.
Ich komm’ und weiß nicht woher.
Ich geh’, ich weiß nicht wohin.
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin!

Wenn ich wüsste, wer ich bin.
Wenn ich ging und wüsste wohin.
Wenn ich käm und wüsste woher.
Ob ich dann wohl traurig wär?

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18. Juni 2013

Notlösungen

„Schiffe versenken“ ist ein Planspiel auf kariertem Papier. Nun haben sie es am Elbdeich bei Fischbeck gespielt. Eine Improvisation, die geklappt zu haben scheint, obwohl – könnte ich mir vorstellen – die Initiatoren dieses Manövers am meisten davon überrascht worden sind.

„Flickschusterei“ reinsten Wassers und zutiefst menschlich. Da es niemals Verantwortliche zu geben scheint, geschweige denn Fachleute, die die Lage im Griff haben, erleben wir täglich, dass wir noch im Stadium des „Versuch und Irrtum“ leben. Ob Banken- oder Eurorettung, ob Umweltschutz, ob Syrien-Krise, ob Atomkraftwerke und deren Müll. „Nichts Genaues weiß man nicht“, ist die Devise.

Der Mensch eiert eben herum, glaubt, irgendjemand wird`s schon richten und die nötige Ahnung mitbringen und beweist damit unentwegt, dass die Chaostheorie auch im Kopf des Homo sapiens ihren Bestand hat, was mich direkt wieder zu Planspielen bringt.

Das Reißbrett trägt seinen Namen nicht umsonst. Plan A klappt nicht, Plan B schon gar nicht und ein Plan C ist zwar in Sicht, aber Plan D wird bevorzugt, was einmal mehr beweist wie geduldig Papier ist.

Wir kommen zwar heute ohne Zettelwirtschaft aus, denn die Computermodelle sind auf dem Vormarsch, aber eine einzige, nicht beachtete Variable führt zu immenser Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Selbst wenn man nur eins und eins zusammenzählen müsste, die Wirklichkeit sorgt auch in diesem Fall für Überraschungen. Wenn A, dann B ist und bleibt eine Illusion und der Fehlerteufel lacht sich ins Fäustchen.

Aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Ereignisse ist noch nicht einmal ein Plan für die nächste halbe Stunde zu erstellen, und ständig wird man vom Verlauf der Dinge „Kalt erwischt“ weil nichts so ist, wie es sein sollte, bzw. wie wir es gerne hätten.

Zumeist tauchen dann die Beruhiger und Welterklärer auf, machen uns „ein X für ein U“ vor, versichern uns, dass am Ende alles gut wird, obwohl „die Kacke an allen Ecken dampft“.

Eine Eskalation ist kein plötzliches Ereignis, sondern ein kontinuierliches, und „ den Anfängen nicht  zu wehren“, war schon immer eine Überraschung wert. Nun können wir uns nicht einmal damit entschuldigen, dass wir „sehenden Auges“ in eine Krise geraten sind, denn auch das „Verschließen der Augen“ ist eine urmenschliche Taktik. Wie kleine Kinder legen wir die Hände über die Augen, in der irrigen Annahme: Wenn ich nichts sehe, werde ich auch nicht gesehen. Die Geschichte der Menschheit ist ein ewiges Aneinanderreihen von Notlösungen, denn wir lassen uns von den Ereignissen treiben, anstatt „den Spieß einmal umzudrehen“, aber dafür müssten wir unseren Kopf bemühen; da handeln wir doch lieber „aus dem Bauch heraus“ und übersehen dabei völlig, dass der Mensch das einzige Säugetier ist, das nicht blinden Instinkten folgen muss. Einstein behauptete zwar, dass „Gott nicht würfelt“, aber ich glaube, Er tut es eben doch. Wir sind nach Seinem Ebenbild erschaffen, also: „Auf zur nächsten Runde!“

„Die Würfel sind gefallen“, so wird ein Handlungsentschluss begründet, was aber ein vorher gehendes Glücksspiel impliziert.

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17. Juni 2013

Obama

Gestartet ist er als neuer JFK, gelandet als eine noch weit schlimmere Version von Bush Jun. Man denke nur an den erheblich ausgeweiteten Drohnenkrieg, Abhöraktionen und die immer noch ausstehende Schließung von Guantanamo; was mich zu der Frage bringt: Korrumpiert das Amt den Menschen oder ist es umgekehrt?

Werden Schornsteinfeger, als allgemeines Glücksymbol, dadurch zu glücklicheren Menschen? Werden Ärzte durch ihre Tätigkeit zu „Göttern in Weiß“ oder waren sie es schon bei Beginn des Medizinstudiums? Werden Lehrer durch ihre Arbeit zu Dozenten der Nation oder trieb sie der Drang alles besser zu wissen und endlos zu belehren in die Schulen? Haben wir es hier mit dem gleichen Effekt zu tun, der Haustiere dem Besitzer immer ähnlicher werden lässt und langjährige Ehepartner zum Klon des anderen?

Die alte „Henne und Ei“ Frage, wenn man so will.

Vielleicht sollten wir Goethe, bzw. Mephisto fragen. „Setz dir Perücken auf von Millionen Locken, setz deinen Fuß auf ellenhohe Socken. Du bist am Ende, was du bist“, lautet deren Antwort, und somit korrumpiert das Amt den Menschen. Es ist eine Art von öffentlicher Verkleidung, die die Person dahinter verbergen soll, bis der Schein mit dem Sein fast verschmilzt.

Der arme Steinbrück musste sich gestern glatt  einige Krokodils-Tränen abringen, um zu beweisen, dass er unter all seiner Arroganz, doch noch ein fühlender Mensch ist. Welch eine Farce! Jetzt wird sogar noch das entsprechende Gefühlsleben simuliert, um politische Ziele zu erreichen und, wenn Sentimentalität en vogue ist, dann wird sie auch geliefert.

Normalpersonen tragen Kleidung, Amtspersonen hingegen Gewänder die „millionen Locken und ellenhohe Socken“ vortäuschen sollen. Vor den Vorhängen der Macht wird geschwafelt, um zu verbergen, wie sehr es dahinter menschelt. Man redet ja auch andauernd von der Würde des Amtes, der Respekt zu erweisen ist, egal bleibt dabei, dass der Repräsentant unseren Respekt in vielen Fällen gar nicht verdient, und wir uns letztendlich nur vor einer Robe ohne Inhalt verneigen.

Genau hier beißt sich „die Katze in den Schwanz“, denn man will sich des Amtes würdig erweisen, wenn man es bereits inne hat, anstatt im Vorfeld zu zeigen, dass man es verdient.

Nehmen wir einmal den Friedensnobelpreis für den „Friedensfürsten“ Obama. Der gehört doch aberkannt! Die Möglichkeit dafür besteht übrigens. Aber ein: „Ach, lass ihn laufen“ ist weit bequemer als ein: „Lass ihn damit nicht davon kommen!“

Nun hat die Anzahl derer, die eigentlich nicht davon kommen dürften, eine derart immenses Ausmaß angenommen, dass sich eine allgemeine Resignation eingestellt hat. Wir sind zu müde, um den Zeigefinger zu heben und lassen den Dingen ihren unseligen Lauf.

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14. Juni 2013

Homoerotik

Irgendwie hat man es schon immer geahnt. Es gibt eine Schwulenlobby im Vatikan. Reine Männergesellschaften neigen zur gleichgeschlechtlichen Liebe, wie man von Haftanstalten weiß und, wenn vom kleinsten Ministranten bis zum Chef auch noch Kleider die vorherrschende Mode sind, verstärkt sich dieses Phänomen eben.

Der Mensch ist ein sexuelles Wesen, mag man es noch so sehr leugnen.  Unterdrückte Triebe sind nicht gesund und, wo kein Weg, da zwangsläufig (!) der schwer geheim zu haltende Ausweg. Was war nun zuerst da? Wird man bevorzugt Priester, wenn man homosexuell ist? Oder führen die nicht mehr zeitgemäßen Gelübde selbst bei heterosexuellen Männern dazu, zu nehmen, was man bekommen kann? Ist der Vatikan etwa eine religiös verbrämte Haftanstalt?

Man weiß es nicht.

Seit den Bekenntnissen des Kirchenvater Augustinus schwört man offiziell der Fleischeslust ab und verlagert sexuelle Gelüste dorthin, wo sie nicht hingehören, ins Verborgene. Dabei wusste selbst Gott, dass es nicht gut ist, „wenn der Mensch – in diesem Fall Adam – alleine sei“. Nun kann man ja sagen, dass das die Befreiung vom Weibe zu enorm verlängerter Lebenszeit führt, was man allein schon am Eintrittsalter für Päpste bemerkt. Anscheinend sollen die „Heiligen Väter“ jenseits von „Gut und Böse sein“, was ebenfalls eine gewisse Absicht impliziert. Papst wird man erst, wenn man nun wirklich  Bock auf gar nichts mehr hat und in stiller Kontemplation über der Realität schwebt. Auf diese Weise der Wirklichkeit enthoben, werden folgerichtig Weisungen an die Schäfchen erteilt, deren Entstehung in grauer Vorzeit anzusiedeln ist.

Der Vorhang der Macht teilt auch hier ein davor von einem dahinter. Letztendlich scheint Jesus nur eine Schlacht, die Pharisäer aber den Krieg gewonnen zu haben. Scheinheiligkeit wohin man schaut.

Multipliziert man nun diese Scheinheiligkeit mit Altersstarrsinn, ist es kein Wunder, dass die Schäfchen in Scharen davon laufen, denn, welches Schaf ist so dämlich und lässt sich vom Wolf hüten, selbst wenn er im Schafspelz daher kommt?

Armut, Keuschheit, Gehorsam, nirgends werden diese Gelübde häufiger gebrochen als an ihrem Entstehungsort. Wie wäre es denn einmal mit Wahrhaftigkeit, Nächstenliebe und Vernunft, also einer kopernikanischen Wende?

Es mag ja schön anzusehen sein, wenn Franziskus I Straffälligen die Füße wäscht, aber, was ist die Konsequenz? Symbolische Handlungen führten noch nie Änderungen herbei, und wer sich nicht mit dem zutiefst Menschlichen in der eigenen Person auseinandersetzt, hält sich besser von den Menschen fern oder wie war das mit dem Splitter und dem Balken?

„ Du Heuchler! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du klar sehen, um auch den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen“ (Matt. 7:5).

Steht die Bibel im Vatikan auf dem Index der verbotenen Bücher?

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13. Juni 2013

Elbepegelstände

Wer an einem Gewässer wohnt, bekommt keine Hochwasserversicherung, erfuhr ich heute Morgen. Ja, wer denn dann? Alm- oder Wüstenbewohner? Da bekommt der Slogan: „Wie gut, dass ich versichert bin“, gleich eine ganz andere Bedeutung. Wir sollen uns gegen Unwahrscheinlichkeiten absichern als ob die Unterschrift unter der Police bereits dafür sorgt, dass der Schadensfall niemals eintritt, deswegen auch der Ausschluss der Gefährdeten.

Die Geldspendenbereitschaft für die Flutopfer hat im Vergleich zu 2002 merklich abgenommen, hörte ich weiterhin, was vielleicht daran liegen könnte, dass ein gewisses Unverständnis im Rest der Bevölkerung darüber besteht, warum von 2002 bis 2013 in Bezug auf den Hochwasserschutz so wenig getan wurde. „Da hätte sich doch jemand drum kümmern müssen“, lautete der einhellige Kommentar der vom Wasser geschädigten Bürger, aber, wie meistens in solchen Fällen, ist ein jemand nicht vorhanden, vor allen nicht unter den Betroffenen.

Ich kann nur sagen, wenn mein Haus 2002 in ein schlammbedecktes, feuchtes Chaos verwandelt worden wäre, hätte ich nicht eher geruht, bis ich die erforderlichen Maßnahmen in Betrieb gesetzt hätte, die eine Wiederholung dieses „Jahrhundertereignisses“ verhindern.

„Aus den Augen, aus dem Sinn“ war wohl, wie so oft, die vorherrschende Handlungsoption. Eine verdrängende „Verwallung“  ( das Wort kannte ich bislang noch nicht) hat anscheinend stattgefunden, aber lediglich in den Köpfen der Menschen, was mich direkt wieder zu Pegelständen bringt, die geistig „umwallt“ werden, bis der Damm bricht. Bis dahin verweilen wir gerne im „Dornröschenschlaf“ und Präventionsmaßnahmen fallen dem Vergessen anheim. Im Rückblick scheint alles nicht gar so schlimm gewesen zu sein, was ein Vorausschauen unnötig macht.

„Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt“ wusste schon Mahatma Gandhi. Wir halten uns gerne für Fortschrittlich, verweigern aber durchweg den ersten Schritt. Alles fängt damit an, dass jemand beginnt. Da haben wir ihn wieder, den Hauptschuldigen, den Jemand. Wo wohnt der; wie heißt der; wie sieht der aus, und warum hat der immer ein Alibi? Ein Phantom dingfest zu machen war noch nie möglich, bei konkreten Personen sieht die Sache schon ganz anders aus. Wollen wir nicht alle eine konkrete Person mit Persönlichkeit sein?

Wenn aus dem: „jemand hätte sich kümmern müssen“ ein „ich hätte mich kümmern müssen“ wird, sind wir auf jeden Fall schon einmal einen Schritt weiter.

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12. Juni 2013

Hochwasserschutz

Peer Steinbrück, der bislang unangefochtene Herrscher über die Fettnäpfchen, scheint seinen Meister gefunden zu haben.

Fehlleistungen wie seine exorbitanten Vortragshonorare, seine unglückseligen Bemerkungen: „Nahezu jeder Sparkassendirektor in NRW verdient mehr als die Kanzlerin“ und „Eine Flasche Pinot Grigio, die nur fünf Euro kostet, würde ich nicht kaufen“ , waren bislang unübertrefflich. Nun hat sein neuer Sprecher, Rolf Kleine, noch einen drauf gesetzt, indem er das Foto eines Vietnamveteranen zusammen mit dem Kommentar: „Die FDP ist zurück“, bei Facebook postete, ein mehr als plumper Hinweis auf Rösler. Ausrede: „Ich wusste nicht so recht wie Facebook funktioniert. Ich dachte, der Post ginge nur an meinen engsten Freundeskreis.“

Nun war denken immer schon Glückssache und, was Facebook betrifft, sollte gerade ich vorsichtig mit Kritik sein, denn als ich vor nicht allzu langer Zeit meinen ersten Laptop erhielt, versuchte ich einen Tag lang vergeblich, mich bei Facebook anzumelden. Schließlich gab ich entnervt auf. Am nächsten Morgen, meine Familie saß bereits am Frühstückstisch, und wie gewöhnlich liefen die Nachrichten, bekam ich bei der ersten Meldungen einen gewaltigen Schreck. „Millionen User von Facebook können nicht auf die Website wegen einer bislang unbekannten Störung.“

„Ich glaube, ich habe gestern Facebook gelöscht“, sank ich flüsternd auf einen Küchenstuhl, was mir ein synchrones Tippen auf die Stirn von Seiten meiner Töchter und meines Mannes einbrachte. „Du spinnst“, lautete der gemeinsame Kommentar. Als im Laufe des Tages weder CIA noch NSA vor meiner Türe standen, war auch ich endlich davon überzeugt, dass die Vernichtung von Facebook nicht im Bereich meiner Möglichkeiten liegt.

Aber ich war ja noch beim Hochwasserschutz.

Warum sorgen Menschen wie  Steinbrück und Kleine, eigentlich freiwillig dafür, dass ihnen das Wasser bis zum Halse steht? Warum gehen Sigmar Gabriel, kurz vor den Wahlen, die Pferde mit einem Tempolimit durch? Warum kümmert sich de Maiziere nicht um die Belange seines Ministeriums? Warum reißen sie ohne Not Spundwände ein?  Wollen sie  nicht, was sie wollen?

Wer seine eigenen Interessen glaubhaft vertreten will, vermeidet doch jede Untiefe, jedes trübe Gewässer. Frei nach dem Motto: Wenn sie dich für schlau halten sollen, dann halte deine Klappe!

Statt Sandsäcke gegen drohende Fluten zu stapeln, werden sich selber Steine in den Weg gelegt. Seltsam, aber, wer kennt das nicht? Das große Lebenswerk kommt nie zustande, weil man sich mit unwichtigen Kleinigkeiten selber boykottiert. „Ich will zwar, aber…“, wird sich dann eigeredet und lässt sich vom Strom des Lebens mitreißen, anstatt dagegen anzuschwimmen. Ist ja auch viel einfacher. Während man seinem ureigensten Interesse nachjammert, vergeht die Zeit, vergeht das Leben und ein: „ Aber, ich wollte doch noch“, lässt zutiefst unzufrieden sterben. Vieles von dem, was einem „aber“ folgt, ist schlichtweg  gelogen.

Was kann uns, in unseren Breitengraden, schon passieren? Mehr als unter gehen können wir nicht und, wenn wir es tun, dann wenigstens mit „fliegenden, bzw. wehenden Fahnen“.

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11. Juni 2013

Dammbruch

Im Internet befindet sich eine riesige Informationsflut, die bereits die Dämme der Privatsphäre durchbrochen hat. Da ist es doch nur verständlich, wenn Geheimdienste wie der NSA an diesem Überfluss teilhaben wollen. Ehrlich gesagt, erstaunt sind wir nicht darüber, dass hochbezahlte Hacker für die nationale Sicherheit sorgen, in dem sie jeden ausspionieren, der sich in die digitale Welt begibt. Leider ist die Preisgabe persönlicher Daten im WWW nicht mehr ausschließlich ein Akt der Freiwilligkeit, denn, wer den Anschluss nicht verlieren will, tummelt sich dort herum.

Nun jagt also der Friedensnobelpreisträger (!) und unangefochtene Herrscher über Kampfdrohnen Obama einen amerikanischen Bürger, weil dieser die heimlichen Aktivitäten des NSA dem Rest der Welt kundgetan hat.  Irgendwie scheint der Präsident der USA in Bezug auf die Meinungsfreiheit etwas in den falschen Hals bekommen zu haben. „Das ist ein Skandal!“, schreien die Vertreter der nationalen Sicherheit auf und meinen damit nicht etwa die Strafverfolgung eines strikten Anhängers der Transparenz, sondern ihre Enttarnung. Interessant ist, dass sich der „Verräter“ nach China, der zweiten Hackerhochburg, abgesetzt hat, denn sicherer als dort könnte er nirgendwo sein, da sich die Chinesen auf einmal, verglichen mit Amerika, kurzfristig als lupenreinere Demokraten präsentieren können.

Aber ich war ja noch beim Dammbruch.

Es gibt viele Dämme: den des „guten Geschmacks“, den der unbedingten Würde jedes einzelnen Menschen, den des Schutzes der Privatsphäre, den des Rechtes auf ein verwirklichtes Leben oder zumindest auf ein menschenwürdiges, den der Meinungs- und Pressefreiheit, den der körperlichen Unversehrtheit, etc., etc., etc…….., aber es scheint keine Dammverteidiger mehr zu geben, und die Sandsäcke zur Dammverstärkung sind allzu durchlässigen Geldsäcken gewichen.

Geht es wirklich noch um den Schutz der nationalen Sicherheit oder geht es um den Schutz des internationalen Kapitals? Verkommen wir im Angesicht der Superreichen zum gemeinen Herdenvieh, das nur noch zu blöken, ansonsten aber nichts zu sagen hat? Wer schützt hier wen vor wem?

Sollen Menschen vor Interessen oder sollen Interessen vor den Menschen geschützt werden?

Man weiß es nicht, aber man ahnt es.

Die zehn Gebote sind durch ein weiteres ergänzt worden, das alle anderen relativiert und lautet: Du sollst nicht merken!

Insofern verkommt jedes regieren zur Verschleierung, denn worum es eigentlich geht, erfährt das Fußvolk immer nur, wenn sich ein mutiger findet, der bedingungslos aufdeckt. Dass so einem jetzt in den USA eine Gefängnisstrafe droht, sagt mehr als ich mit Worten beschreiben kann.

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10. Juni 2013

Hochwasser II

Nicht nur den Anwohnern der Elbe, auch unserem Bundesverteidigungsminister steht das Wasser bis zum Hals. Ab wann war er offiziell über den Fehlschlag des Drohnenprojektes informiert? Wobei mir gerade auffällt: „Was ist eigentlich eine Information?“ Anscheinend gibt es zwei Arten. Die offizielle und die inoffizielle.

Erstere ist wohl diejenige, die „mit Brief und Siegel“ auf den Ministerschreibtisch geknallt wird. Die zweite Kategorie kann alles sein. Flurfunk, Gerüchteküche und etwas, das man kurz aufschnappt. Inoffizielles liest man „ zwischen den Zeilen“, jemandem „ von der Stirne oder von den Augen ab“, Rauchzeichen und Buschtrommeln gehören ebenfalls dazu, nur die Telepathie hat sich noch nicht so recht durchgesetzt.

Kenntnis erhält man, meiner Ansicht nach, durch beide Kanäle, dem offiziellen und dem inoffiziellen. Erkenntnis, laut Thomas de Maiziere, aber nur durch hochoffizielle, schriftliche Mitteilung. Wenn man etwas nur erahnt, dann beinhaltet dies noch keine Handlungsoption, obwohl gerade für einen solchen Fall die Möglichkeit des Nachfragens besteht. Auch ist pikanterweise in seinen Augen ein Problem nur dann ministerwürdig, wenn es bereits unlösbar geworden ist, was alle Ministerposten auf einen Schlag überflüssig werden lässt.

Aber ich war ja noch bei der Information.

Wir leben im „Informationszeitalter“, was immer das heißen mag, denn grenzenlose Information scheint die Menschen nicht unbedingt klüger zu machen. „Transparenz“ ist ein weiteres Schlagwort dieser Tage, aber, wollen wir auch alles wissen? Wissensverweigerungen wie die Verleugnung,  Verdrängung und Projektion sind die Hauptschutzmechanismen unseres Hirns, sofern ein funktionstüchtiges vorhanden ist. De Maiziere scheint zumindest über ein solches zu verfügen. „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“

Bis zur Schutzbehauptung ist es dann nicht mehr weit wie der Minister eindrucksvoll beweist. Gibt es eigentlich eine bessere Ausrede als Unwissenheit? Die Amerikaner sind da schon viel weiter, denn dort kann keiner behaupten, nicht gewusst zu haben, dass eine Kaffeemaschine bei Inbetriebnahme heiß wird; es steht nämlich gut lesbar drauf! Wer sich verbrennt, kann sich nicht auf fehlende Kenntnis berufen. Auf jedem Fön steht, dass man ihn tunlichst nicht mit in die Badewanne nimmt, was ich bei meinem USA-Aufenthalt glatt getan hätte, wäre ich nicht so vorsorglich gewarnt worden. Auch habe ich, als geübte Schwimmerin, davon abgesehen die hüfttiefen Minipools zu benutzen, weil kein Rettungsschwimmer vor Ort war.

Vielleicht hätte man de Maiziere in seiner Dienstbeschreibung doppelt unterstrichen, schriftlich darauf hinweisen sollen, dass er sich auch um Fakten zu kümmern hat, von denen er nur mündlich Kenntnis erhält, und manche Erkenntnis nicht unbedingt einer offiziellen Vorlage bedarf.

„Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, sagt der Volksmund und   § 2 des ABGB (allgemeines bürgerliches Gesetzbuch) : „Sobald ein Gesetz gehörig kund gemacht worden ist, kann sich niemand damit entschuldigen, daß ihm dasselbe nicht bekannt geworden sey [sic!].“ (Quelle Wiktionary).

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7. Juni 2013

Homo-Ehe

Das Bundesverfassungsgericht ist der Zeit weit voraus. Stellt es doch die „eingetragene Lebensgemeinschaft gleichgeschlechtlicher Paare“ (uff!) was das Steuersplitting betrifft auf eine Stufe mit der traditionellen Ehe und treibt die Parteien mit dem „C“ im Kürzel damit in eine Zwangsmodernisierung.

Wie wir alle wissen, stammen „Männer vom Mars und Frauen von der Venus“, passen demnach gar nicht zusammen, was die immens hohe Scheidungsrate beweist (man denke im Moment an Putin), wodurch die gleichgeschlechtliche Partnerschaft wie das ultimative Zukunftsmodell erscheint.

Als mich meine Älteste fragte: „Mama, was würdest du sagen, wenn ich lesbisch wäre?“, fiel mir spontan nur: „Herzlichen Glückwunsch!“ ein.

Wie dauerhaft gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sein können, sehen wir an der katholischen Kirche. Mehr als 2000 Jahre des Bestehens, und die Sache funktioniert immer noch! Da ist eine aufrichtige Gratulation mehr als angebracht.

Aber wie so häufig wird im Vatikan „Wasser gepredigt und Wein getrunken“. Ist er es doch, der an der althergebrachten Ehe festhält, obwohl eine Frau es dort nur in die oberen Etagen schafft, wenn sie einen Staubsauger dabei hat. Die ehelosen erheben die Ehe zum höchsten Gut, darauf muss man erst einmal kommen!

Aber ich war ja noch bei der Homo-Ehe, was mich direkt zu den ersten Menschen bringt. Männer zogen gemeinsam auf die Jagd; Frauen sammelten Beeren, hüteten gemeinsam die Höhlen und beide Teile kamen eigentlich nur zum Zwecke der Befruchtung in näheren Kontakt, was heutzutage, im Zeitalter der extrakorporalen Befruchtung nicht einmal mehr nötig wäre.

Wie tief der Urmensch noch in uns sitzt, kann man auf jeder Feier sehen. Zu später Stunde kommt es zur Zusammenrottung der Männer um die Theke und dem dort laufenden Fernseher, der auf einen Sportkanal eingestellt ist und zu der Sammlung der Frauen, entweder auf der Tanzfläche oder an den Tischen, zum gemeinsamen Gespräch.

Was hat sich also geändert?

Die Männer starren weiterhin, rudimentäre Laute von sich gebend, ins Lagerfeuer, während die Frauen ihrem Mitteilungsdrang in körperlicher oder verbaler Form Ausdruck geben. Nur eines ist anders. Während einstmals der Mann das Weib in die Höhle zerrte, um seinen Trieb zu befriedigen, muss heute Frau ihren lallenden Kerl einfangen, auf das gemeinsame Lager zerren und, ob ihr Trieb dort noch befriedigt wird, sei dahingestellt.

Männer und Frauen sind nicht gleich, auch wenn die politische Korrektheit uns das vorschreiben will und, wenn es eben Männer zu Männern zieht und Frauen zu Frauen, wer wären wir, dass wir uns anmaßen könnten, dieses auch nur in irgendeiner Form zu verurteilen.

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5. Juni 2013

Hochwasser

Die wichtigste Person in der voluminösen Berichterstattung über die dramatischen Ereignisse in den Überschwemmungsgebieten war für mich heute Morgen der kleine Tim, der aus dem Kindergarten abgeholt werden wollte, um zu helfen.

Also stand er da und schaufelte Sand in einen leeren Sack. Zwar belächelt von den Großen, zunächst auch von mir, denn, was zählt sein winziger Beitrag in Anbetracht der Wassermassen, in Anbetracht von Bundeswehr, THW, Feuerwehr und den übrigen erwachsenen Helfern?

Was ist, wenn ausgerechnet die minimale Anzahl von Sandsäcken, die er füllen kann, eben verhindert, dass der Fluss überschwappt? , fragte ich mich. Unwahrscheinlich, aber doch bedenkenswert. Wie oft nehmen wir Dinge nicht in Angriff, weil uns unser eigener Beitrag zu gering erscheint, weil wir den „steten Tropfen“ aus den Augen verlieren? Den wir übrigens auch in Bezug auf das Hochwasser nicht beachtet haben. All dies, nur durch Regen? , wundert sich so mancher von uns. Verwundert waren auch die Wasserbauingenieure, die Regierungen von Deutschland, Österreich, Tschechien und die betroffenen Bürger selbst, die sich mit ihren Präventionsmaßnahmen alle Zeit der Welt ließen, weil ein „Jahrhunderthochwasser“ wie wir es 2002 erlebt haben, eben nur einmal im Jahrhundert vorkommt und sie nicht damit gerechnet hatten, dass Regenwasser keine Termine einhält.

Aber dies nur am Rande, denn ich war ja noch beim kleinen Tim.

Die Chinesen haben ein wunderschönes Sprichwort, das da lautet: „Auch eine Reise von tausenden Kilometern beginnt mit dem ersten Schritt.“

Ein Berg von Problemen wird mit dem Fortschaffen des ersten Kiesels abgetragen, wenn man so will. Vielleicht liegt es daran, das Tim noch sehr jung ist und er den Berg erst gar nicht beachtet, sondern nur die direkt vor ihm liegenden Steinchen. Irgendwann in unserem Leben scheint uns dieser Pragmatismus abhanden zu kommen, mir geht es jedenfalls so. Da sehe ich einen Wust von Arbeit vor mir liegen, der in meiner Fantasie noch viel größere Dimensionen annimmt als er eigentlich besitzt, und schon fange ich gar nicht erst an. Damit ist das Problem aber bei weitem nicht aus der Welt, sondern grummelt mit exponentiellem Anstieg in meinen Eingeweiden, was wiederum ein weiteres Problem erschafft, denn Verdrängung ist niemals komplett.

Gerne wächst sich so etwas zur völligen Handlungsstarre aus, in der ich nicht mehr weiß, wo ich überhaupt anfangen soll. Da kam mir der kleine Tim heute wie gerufen, denn wie er werde ich mich früher aus meinem Kindergarten abholen lassen und sehen, was ich mit dem ersten Sandsack gegen die Flut von Leben anrichten kann.

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4. Juni 2013

Schmerztherapie

Heute Morgen saß ein Arzt zum Thema chronischer Schmerz beim Morgenmagazin und beantwortete die Fragen interessierter, aber vornehmlich betroffener Bürger.

Wie nicht anders zu erwarten, stellte sich heraus, dass auch die psychische Komponente einen gewaltigen Anteil am Geschehen und an der Therapierbarkeit hat, besonders, wenn sich organisch nichts Ungewöhnliches zeigt; dabei wissen wir es doch ganz genau, denn der Volksmund drückt es wunderbar aus.

„Uns drückt der Schuh oder der Magen“, jemand hat uns „auf den Fuß oder ist uns zu nahe getreten“, das Herz zerreißt recht gerne, quillt dann aber auch wieder „über vor Glück“. Die Galle „kocht über“; etwas hat uns im „Würgegriff“ und manchmal möchte man am liebsten „mit dem Kopf gegen die Wand hauen“, um großen Emotionen wenigstens einen kleinen körperlichen Befund zu vermitteln, bis uns „der Kopf platzt“.

Wir sind bestürzt, ohne hingefallen zu sein. Wir sind „von Sinnen“ ohne jeglichen Sinn. Wir sind betroffen ohne dass jemand auf uns gezielt und geschossen hätte.

Meine Großmutter hätte beim Morgenmagazin sitzen müssen, denn ihr Wahlspruch lautete immer:

„Es gibt auf der Welt kein größer Leid, als das der Mensch sich selbst andeit

Jeder, der schon einmal einen ordentlichen Kater hatte, wird dies nur lebhaft bestätigen können. Das gleiche gilt auch für alles, was „weder Maß noch Ziel kennt“ und natürlich, widernatürlich ist. Anstatt sich einmal gemütlich hinzusetzen und sich zu fragen: „Was mache ich hier eigentlich?“, packen wir gerne noch „einen oben drauf“, schultern alles und jedes, bis uns Nacken und Rücken natürlich (!) schmerzen. Jedes Geschehen und jeder Mensch sind nur von „außen überschaubar“, was im hohen Maße eben auch für das eigene Handeln und für die eigene Person gilt. Im Prinzip ist es so wie in einem Bus, in den man aus früher geltenden Gründen gestiegen ist. Man kann bis zur Endstation darin sitzen bleiben, bis „einem der Hintern brennt“. Man kann aber auch zwischendurch aussteigen, nach vorne gehen und ablesen, wohin der Bus fährt, überlegen, ob man da noch hin will, man geht langsam um den Bus herum, betrachtet die Menschen, die darin sitzen und fragt sich, ob man noch das gleiche Ziel hat und steigt dann wieder ein oder auch nicht. Im ersten Fall sollte man den Rundgang nach einigen Stationen wiederholen. Im zweiten Fall ist die Lage verzwickter. „In welchen Bus steige ich jetzt?“, und: „Gibt es überhaupt einen Bus, der dahin fährt, wo ich hin will?“  Die anderen fahren gemütlich weiter, während man selber draußen im Regen steht und auf einen Bus wartet, der vielleicht nie kommt.

Diese Problematik macht Ratgeber zu Verkaufsschlagern, Psychotherapeuten reich und Alkohol-, Drogen und Pharmaindustrie glücklich, denn draußen in Regen und Kälte auszuharren, ist eben ungemütlich und vor allen Dingen ungewiss.

Die Ungewissheit belastet uns vornehmlich, obwohl es noch nie eine mathematische Formel für ein gelungenes Leben gegeben hat –obwohl uns einige Gurus das weismachen wollen. Zu Beginn unseres Lebens haben wir keinen schriftlichen Vertrag mit auf den Weg bekommen, der uns garantiert, bei Einhaltung aller Klauseln glücklich zu werden.

So gesehen können wir es nur mit Sokrates halten. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, und jeden Tag sehen, was das Leben mit sich bringt, auch wenn es gelegentlich schmerzt.

Dazu hatte meine Großmutter ebenfalls eine Meinung: „Man muss eben einmal mehr aufstehen als man hinfällt, trotz blutender Nase und blutender Knie.“

Na, dann……….

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30. Mai 2013

Aufrüstung

Michael Bloomberg, der Bürgermeister von New York hat zwei Giftbriefe erhalten, die den Wirkstoff Ricin enthielten. Beigefügt waren Drohschreiben, die sich gegen sein Engagement für schärfere Waffengesetzte in den USA richteten.

Seitdem der Mensch die ersten Fernwaffen erfunden hat, fand das „Schießen“ Eingang in die Sprache. Da wird „ein Bock geschossen“, „ins Kraut geschossen“, da schießt einem einmal- recht selten- ein „vernünftiger Gedanke durch den Kopf“, da „schießt es aus allen Ecken“, da „überschießt“ so manches, da schießt Amor seine Pfeile- ebenfalls recht selten- , da „schießt man quer“ und gelegentlich landet sogar ein „Schuss im Ofen“. Man „schießt sich selber ins Knie“, schießt auch einmal daneben, schießt somit „meilenweit am Ziel vorbei“, schießt auf „gut Glück“ und schießt jemanden „über den Haufen“.

Getroffen wird ebenso gerne. „Mitten ins Herz“, „in die Tiefe“, man trifft den Punkt und Bemerkungen können ebenso treffend sein wie Kritik. Der „richtige Ton muss getroffen werden“, genau wie richtige Entscheidungen. Getroffen werden Vereinbarungen, Schlussfolgerungen und Kaufentschlüsse. Man „trifft sich im Leben immer zweimal“, aber nur, wenn wir im übertragenen Sinn verharren und nicht, wie die Amerikaner, gleich den Colt ziehen.

Natürlich sind Feuerwaffen praktisch. Man erspart sich länger währende Diskussionen, mühsame Argumentationen und jegliche Diplomatie. Ein „bis hierhin und nicht weiter“ muss nicht mehr begründet werden, wenn man dem Gegner „die Pistole auf die Brust setzt“.

Nun ist alles, was den Menschen zum führenden Säugetier macht, der Sprache geschuldet. Aber das Konzept Kommunikation statt Konfrontation ist eben nur in den wenigsten Köpfen angekommen.

Und, solange derjenige, der über das größere Waffenarsenal verfügt, sich Überzeugungsarbeit ersparen kann, wird der einfache und direkte Weg gewählt. Das nennt man dann das Ungleichgewicht der Kräfte. Schießwütige Bürger sind politisch unabhängig und von der Notwendigkeit eines Konsenses befreit. Wenn das Hirn nicht richtig mitspielt, greift man zu archaischen Mitteln. Nur, dass dumm in Bezug auf Feuerkraft eine exponentielle Funktion ist.

Je doofer, umso überdimensional mehr bewaffnet, möchte man sagen. Das Florieren der Waffenindustrie beruht direkt proportional auf einem Nachlassen der intellektuellen Leistungen.

„Man schießt sich den Weg frei“ in der Unfreiheit des schlichten Gemütes. Man tötet, bevor berechtigte Gegenargumente kommen, denn dies erspart das Denken und, wo Denken eine Unmöglichkeit darstellt, wird eben geschossen.

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29. Mai 2013

Olympische Disziplinen

Ringen soll, mangels Publikumsinteresse, nicht mehr dazu gehören. Es ist eben nicht populär, was verständlich erscheint, denn um was muss man nicht alles ringen. Um Fassung, um Führungspositionen, um Argumente, um Ausreden, um eine definitive Entscheidung, um seinen Traumkörper, um Verstand, um Vernunft, um Erkenntnis,  um Worte und um Atem.

Am meisten muss man mit sich selber ringen. Wer geht da schon gerne auf die Matte? Der „innere Schweinehund“ ist und bleibt ein zur Überlegenheit neigender Gegner, und so wird der wichtigste Kampf im Leben gerne auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, zumal ein eklatanter Mangel an Publikum herrscht, das ihn entsprechend würdigt. Ohne Zuschauer keine Disziplin, möchte man meinen.

Sich selbst Beifall zu klatschen, fällt schwer, weil man sich schließlich am besten kennt; dabei ist eine Aktion dann am wertvollsten, wenn man auch den schärfsten Kritiker überzeugt, und der sitzt nun einmal in unserem eigenen Kopf.

Wenn wir uns zu etwas aufgerafft haben, werden wir nicht müde, uns dies immer wieder durch äußere Zeugen bestätigen und belobigen zu lassen, frei nach dem Motto: „Schaut einmal! Habe ich das nicht toll gemacht?“ und verweilen dadurch im Zustand des Scheingefechtes, denn die Außenwelt ist leichter zu überzeugen als die Innenwelt, die einen vorgetäuschten Sieg sofort entlarvt.

So empfinden wir uns berechtigterweise als die Betrüger, die wir alle sind, denn unser Verhalten ist selten der Erkenntnis, sondern der Anerkennung geschuldet. Unsere Motive mögen komplex erscheinen, laufen aber immer auf das gleiche hinaus, uns bestätigen zu lassen wie fantastisch wir sind. Bis zum Ende unseres Lebens irren wir durch den Spiegelsaal der Augen der anderen, um kurz vor Schluss festzustellen wie gründlich wir uns verlaufen haben. Hätte, könnte, müsste, sollte, das in Konjunktiven verschwendete Leben steht völlig perplex vor dem finalen du musst.

Nun soll Ringen nicht mehr zu den olympischen Disziplinen gehören, wahrscheinlich weil es wenig Brimborium erfordert. Es gibt nur die Matte und zwei Kontrahenten, die ohne Hilfsmittel gegeneinander antreten und dadurch keine Ausrede für eine Niederlage.

Wie im Leben.

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28. Mai 2013

Tatort

Wieso wundert sich die europäische Welt darüber, dass sich die Außenminister der EU nicht auf einen gemeinsamen Kurs bezüglich des Waffenembargos gegen Syrien einigen konnten. Gemeinsame Orte der Tat gibt es auf familiärer Ebene nicht, auf regionaler Ebene ebenfalls nicht, auf nationaler schon gar nicht und, wenn es international wird, führt das staatliche Eigeninteresse zwangsläufig zu dem Uneinigkeitsdebakel, das wir beinahe täglich erleben. Waffenproduzenten wollen Waffen verkaufen, sonst nichts! Und wenn Großbritannien und Frankreich versichern, durch Waffenlieferungen lediglich einen Beitrag zum Frieden leisten zu wollen, ist der Faulheitsgrad der Ausrede kaum noch zu überbieten. Waffen für den Frieden, darauf muss man erst einmal kommen!

Aber ich war ja noch bei den Orten der gemeinsamen Tat.

Der höchste Grad der Einigkeit wird durch Feindbilder erzielt, denn ein „wir gegen den Rest der Welt Gefühl“ schweißt ungemein zusammen. Darüber, keine afrikanischen Flüchtlinge auf europäischem Boden zu dulden, herrscht in der EU seltener Konsens. Da wird inhaftiert, kaserniert und abgeschoben, ohne dass jemand den Zeigefinger hebt.

So gesehen, entstehen Gruppen vornehmlich durch Gegengruppen. Solidarität begründet sich durch „böse Andere“, an denen niemals Mangel herrscht, da die Bandbreite von politischer Orientierung, zur religiösen, bis hin zur sexuellen reicht. Irgendwie anders sein, reicht völlig aus. Selbstüberhöhung ist selbst in den desolatesten Zuständen noch möglich, denn es findet sich immer noch jemand, gegen den es sich zu wettern lohnt, und die Gleichwertigkeit der Interessen gehört ins Reich der Fabel, weil der Mensch eben ein von Grund auf irrationales Wesen ist, auch wenn er es nicht gerne hört. Personen, die sich grundsätzlich in Frage stellen, bevölkern bei uns die Psychiatrien, nehmen kleine, bunte Pillen oder liegen auf der Therapeutencouch. Der Selbstzweifel hat somit pathologischen Charakter und muss mit aller Macht verborgen werden. Was heute als „Burn out“ bezeichnet wird, ist dem verzweifeltem Bemühen geschuldet, ein „Bröckeln der Fassade“ nicht zuzulassen.

Jede Niederlage wird irgendwie noch in einen Sieg verwandelt, auch wenn das Gehirn dafür verknotet werden muss, denn wie stünden wir denn da, wenn wir einfach „da stehen und nicht anders können“ und dies auch noch zugeben würden?

Im Prinzip ist es eine Frage der Bewaffnung, ob es sich nun um einen Tatort oder um einen Ort der gemeinsamen Tat handelt.

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23. Mai 2013

Drohnen II

Da hat die „größte Demokratie der Welt“, also die USA seit 2009 einfach mal vier US-Bürger durch Drohneneinsatz ausgeknipst, wobei der gesamten Regierung wohl entgangen war, dass zum Wesen einer Demokratie die Gewaltenteilung gehört. Nicht umsonst werden Legislative, Exekutive und Judikative bei der Staatsmacht separiert, werden aber im Zeitalter der Drohnen schlichtweg ignoriert, wobei die Bezeichnung Demokratie zum Etikettenschwindel verkommt, denn wo Demokratie draufsteht, ist oft Oligarchie drin.

Nun denke ich schon seit Tagen darüber nach, wofür Drohnen, die über dem europäischen Luftraum mangels Kollisionsschutz nicht eingesetzt werden dürfen, in eben diesem Europa, speziell in Deutschland, eingesetzt werden sollen. Was gibt es hier Auszukundschaften? Nun fiel es mir heute Morgen wie Schuppen von den Augen. Na klar, wegen der Steuerhinterzieher und wegen der Radfahrer!

Die ersteren werden mit dieser amerikanischen Demokratietechnik schon bei dem Versuch des Grenzübertrittes samt Geldkoffer auf frischer Tat ertappt, ebenso wie die Radfahrer, deren zulässige Promillegrenze herab gesetzt werden soll – auch ein Grenzübertritt, wenn man so will. Einer Drohne entgeht nichts und niemand. Ein trunkener Schlenker auf dem Radweg; schon ist man erfasst und mit dem Rad ist dann gleich der Autoführerschein weg.

Da können Politiker schon einmal auf Verdacht über eine halbe Milliarde in den Sand setzen, denn die kommt durch Steuern und Bußgelder locker wieder herein, haben sie sich wahrscheinlich gedacht.

Aber da Denken eine Glückssache ist und wahrscheinlich auch bleibt, wurde nichts aus diesem Konzept, via Computerspiel für Ordnung zu sorgen, wenigstens in Europa nicht ; wobei gerade Deutschland für die dunkelgrauen Flugkörper optimal wäre, da sie bei unserem ewig düsteren Wetterhimmel noch weniger auffallen als sie es sonst schon tun. Ein strahlend blauer Wüstenhimmel ist da schon eine ganz andere Herausforderung.

Warum heißen die Drohnen eigentlich Drohnen? „Big brothers“ wäre doch viel angebrachter. Und warum sind sie so überdimensioniert? Im Stubenfliegenformat böten sich doch weit vielfältigere Möglichkeiten. Sobald der Bürger nur ein einziges Fenster auf Kipp stellt, sind die Dinger in seinen vier Wänden und fördern zu Tage, was bis heute noch unter die wenig zeitgemäße Bezeichnung Privatsphäre fällt. Vielleicht könnte man sie mit kleinen Giftpfeilen versehen, was besonders den USA entgegen käme. Außerdem wären sie dann auch in Europa einsetzbar, drohten dann doch nur Kollisionen mit anderen Fluginsekten,  die Landung in einem Spinnennetz oder der Verlust durch eine Fliegenklatsche.

Wobei mich gerade, beim Schreiben dieser Zeilen, die Gewissheit überfällt, dass daran bestimmt schon gearbeitet wird.

Drohnen sind für mich der Schrecken des 21. Jahrhunderts, denn der Computerkrieg kennt keine Friedensverhandlungen.

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22. Mai 2013

Eichenprozessionsspinner und Steuerhinterzieher

Zwei Themen haben sich heute im Morgenmagazin gesucht und gefunden. Bei den Plagen der Neuzeit scheint die Zahl 7 nicht mehr ausreichend zu sein, denn vom Heuschreckenkapitalismus, über globale Ausrottung von Ressourcen, über Ausbeutung von „Menschenmaterial“, über religiösem Fanatismus, über kirchlichen Missbrauch ist die Liste des: „Über, über, über…“ endlos fortzusetzen.

Beim Eichenprozessionsspinner hilft die zielgenaue Ausrottung und bei den Steueroasen ist es ebenso. Sich zielgenau gegen Luxemburg, Österreich, die Schweiz und die englischen Kanalinseln Jernsey und Guernsey zu richten, darum geht es heute in Brüssel.

Während sich die kleinen Widerhakenhaare des Spinners damit begnügen Hautausschläge und  leichte Allergien hervor zu rufen, führen die anderen Spinner, die  jährlich eine Billionen vor dem Heimatstaaten in Sicherheit bringen, zu exorbitanten Ausschlägen auf der Wutskala und toxischen Überreaktionen, sodass noch nicht einmal mehr vernünftiges Denken möglich scheint. Man sieht dies an den Anhängern der Grünen, die sich vor einer Wahl für Steuererhöhungen aussprechen, weil sie sich an den Superreichen rächen wollen, sich aber aufgrund der Bemessungsgrenze weitgehend ins eigene Fleisch schneiden, da sie zum großen Teil zu denjenigen gehören, die diese Aktion von Roth, Trittin und Co. treffen wird.

Was mich geradewegs wieder zu den Schädlingen bringt.

200.000 Bundesbürger schmuggeln frech 2000.000.000 am deutschen Fiskus vorbei und da wäre es doch sinnvoller, anstatt die Steuern zu erhöhen, erst einmal für Steuergerechtigkeit zu sorgen, aber das würde von den Politikern Mühe und Konsequenz erfordern und somit nicht zumutbar sein. Was haben sie uns nicht alles versprochen. Von einer Bierdeckelsteuererklärung bis zum Einreiten der Kavallerie in die Schweiz reicht die Bandbreite, und anstatt das Drohszenario des Ankaufes von Steuer-CD`s aufrecht zu erhalten, wird über Recht in Bezug auf Unrechte diskutiert.

Der Eichenprozessionsspinner profitiert von der Klimaveränderung in der Natur und der andere Spinner von der Klimaveränderung im zwischenmenschlichen Bereich, in dem nur noch der Kontostand zählt.

Freies Durchatmen ist im Wald und in der Gesellschaft nicht mehr möglich, weil im ersteren Härchen und in letzterer Herrchen die Luft zum Atmen nehmen. Alles eine Frage des Reifegrades, denn der Prozessionsspinner wird mit jedem ermöglichten Entwicklungsstadium giftiger, ebenso wie der Progressionsspinner. Ein „wehret den Anfängen“ ist in beiden Fällen verschlafen worden, denn bis zu einer begrenzten Anzahl wäre ein miteinander noch möglich gewesen. Die Konsequenz jedes Augenverschließens ist das verwunderte Augenreiben, weil man plötzlich(?!) den Wald vor lauter Spinnern nicht mehr sieht.

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21. Mai 2013

Sprachzensur

Nun hat es nach Pipi Langstrumpf, deren Vater nun nicht mehr „Negerkönig“ sein darf, auch die „Kleine Hexe“ von Ottfried Preußler erwischt. Sie hat es nicht mehr mit „Negerlein“ oder „Türken“ zu tun, sondern mit „Cowboys“ und „Messerwerfern“; was mich die Fragen stellen lässt: „Sind alle bisherigen „Negerlein“ jetzt kettenrauchende, pferdeschindende Raubeine? Und was ist mit den Türken? Hantieren sie neuerdings pausenlos mit Messern herum? Was ist mit Pipi Langstrumpfs Vater? Darf man ihn nur noch als ausbeuterischen Diktator sehen, und ihn auch unzensiert so nennen?“

Man weiß es nicht.

Was man allerdings weiß, ist, dass die Sprachzensur eine Vorstufe der Denkzensur darstellt. Wir können nur das denken, wofür wir auch Worte haben. Umgekehrt wirkt sich die Wortwahl auf den Denkprozess aus. Wenn man sämtliche Verteidigungsministerien und Verteidigungshaushalte, Kriegsministerien und Vernichtungshaushalte nennen würde, sähen die Dinge in unserem Kopf schon ganz anders aus. Dinge werden nicht mehr beim Namen genannt, man muss sich so manches „Verbeißen“. Passend dazu habe ich im heutigen Morgenmagazin erfahren, dass die Anzahl der nächtlichen „Zähneknirscher“ stetig ansteigt. Ursachen? Das Abhandenkommen des „ richtigen Bisses“, die „Verbissenheit“ das eigene Naturell im Zaum halten zu müssen und die Unfähigkeit, demjenigen einmal gründlich „die Zähne zu zeigen“, der es redlich verdient hat. Allgemeine „Beißhemmung“ durch anerzogene Höflichkeit verhindert die zum Teil mehr als angemessene Kritik.

Kinder sind nicht mehr schlecht erzogen, sondern hochbegabt. Steuerhinterzieher die wahren Finanzexperten, charakterlose Politiker ohne eigenen Standpunkt sind eben flexibel und Kriegseinsätze stellen ausschließlich humanitäre Aktionen dar.

Wie Forrest Gump`s Mutter ganz richtig bemerkte: „Dumm ist, wer Dummes tut.“ Nur, darauf hinweisen darf man nicht mehr; dabei scheint eine allgemeine Sehnsucht nach „Klartext“ das vorherrschende Verlangen der Menschen zu sein, wenn es nicht gerade die eigene Person betrifft. Da liegt des „Pudels Kern“, denn nach dem Prinzip: „Wie ich dir, so du mir“ hat man Angst vor der Retourkutsche. Wenn man aber unbesorgt davon ausgeht, dass „jeder seine Leiche im Keller hat“ kann die Replik nicht schlimmer sein, als das ständige herunter schlucken.

Ein „verbaler Eiertanz“ hat noch nie zu einer sinnvollen Lösung beigetragen; da muss es schon richtig krachen, wenn Veränderung Not tut. „Gewitter reinigen die Luft“, von „lauer Windigkeit“ ist dies nur selten zu erwarten.

„Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist von Übel“ (Matt.5-37) weiß schon die Bergpredigt. Leider halten wir uns mehr mit Orwells „Zwiesprech“. Das eine sagen, das andere meinen führt jegliche Kommunikation ad absurdum.

Naja, wenn wir uns alle Zähne weggeknirscht haben und „alle Tiger zahnlos geworden sind“, bleibt nur das: Um den „heißen Brei herum“ zu reden, damit man sich nicht „den Mund verbrennt“.

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17. Mai 2013

Pfingstwetter

Den Meteorologen scheinen die Vornamen für die Tiefdruckgebiete auszugehen oder sie haben keine Lust, ihre Phantasie walten zu lassen, um sich beinahe täglich einen neuen auszudenken. So haben wir es aktuell mit Alfred I-III zu tun. Tief „Alfred“ ist ein eifriger Kloner seiner selbst, wenigstens was den Westen der Republik betrifft. Nun brauchte mein Garten dringend Regen, aber eine Sumpflandschaft schwebte mir bezüglich der Außenanlagen nun doch nicht vor. „Es regnet, es regnet, es regnet seinen Lauf, und wenn`s genug geregnet hat, dann hört es wieder auf“, dieses alte Kinderlied entspricht bei Weitem nicht mehr den Tatsachen. Grund genug für alle Klimapessimisten wieder aus den Schlupflöchern zu kommen und warnend den Zeigefinger zu heben, wobei man sich fragt: „Was wird es denn nun? Wärmer? Kälter? Trockener? Nasser?“

Man weiß es nicht.

Das Wetter entspricht nie den Erwartungen. Von „Komm, liebe Sonne scheine, lass uns nicht lang alleine“ bis „Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit?“ reichen die Bittgesänge in deutschen Kindergärten. „Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün“, wird auch erbeten und, dies hat bislang auch immer gut geklappt.

Was regen wir uns eigentlich auf?

Mieses Wetter hat nur Vorteile: Es ist ein unendlicher Gesprächsstoff, Ausrede für jedes Zipperlein, allgemeine Unlust, Suchtverhalten, Übergewicht und Misanthropie. Es hält die Nordeuropäer fleißig bei der Arbeit, sorgt für witterungsbeständige Bauwerke und Schlussverkäufe im Einzelhandel. Winterreifen sind nur bei uns der Renner und das schöne Wort „Übergangsmantel“ gäbe es ohne unbeständiges Klima  gar nicht. Es macht die Arztpraxen voll, die Sprechstunden der Psychotherapeuten und Heilpraktiker, hält die Reiseindustrie in Bewegung, hat so wundersame Dinge wie den Strandkorb, Vier-Jahreszeiten-Bettwäsche, In-Door-Spielplätze, Out-Door-Bekleidung und die dunkle Seite der Philosophie  hervor gebracht und gibt uns jederzeit einen Grund zum Seufzen und Klagen. Es ist immer etwas, zu heiß, zu kalt, zu nass, zu trocken (Klimaveränderung!), dabei  versucht uns die Natur, seit der Mensch auftauchte, die unendliche Weisheit des „es ist wie es ist, und es kommt wie es kommt“ zu lehren.

Bezeichnenderweise ereifern wir uns über das Wetter, das nun wirklich zu den Dingen gehört, die wir nicht ändern können. Der tiefere Sinn des reflexiven „ich ärgere mich“ wird dadurch überdeutlich. Man kann jeden Ärger über sich selbst hervorragend externalisieren, und wenn mal wieder alles so richtig daneben läuft, findet sich bestimmt eine Wetterausrede. Deswegen auch die zahlreichen Wettervorhersage-Apps nach dem Motto, ich sehe mal nach wie ich Morgen drauf bin.

Im Moment ist die Aufregung besonders groß, weil ein überlanges Wochenende mit schlechtem Wetter bevor steht. Familie pur, ohne Fluchtmöglichkeit! Rennen liegt uns näher als reden! Und wenn wir uns spätestens am Pfingstmontag mit dem Essbesteck bewerfen, trägt natürlich nur das Wetter die Schuld.

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16. Mai 2013

Drohnen

Die Bundeswehr schrumpft sich gesund, so gesund, dass mal eben locker an die 600 Millionen für das Projekt „Eurohawk“ in den Sand gesetzt werden können. Wer sparen muss, spart beim Personal – alte Unternehmerregel. Zwar nehmen die weltweiten Einsätze unserer Soldaten zu, aber deren Zahl schrumpft, seitdem die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, da hilft es auch nicht, die ehemaligen Kreiswehrersatzämter in Karrierecenter umzubenennen und Werbefilme zu starten, die bezüglich Kameradschaft, Abenteuer und Aufstiegschancen das „Blaue vom Himmel herunter versprechen“.

Seit 2011 war dem Verteidigungsministerium bekannt, dass mit der Zulassung von Drohnen im Luftraum einiges nicht so ganz glatt geht, aber die alte Soldatendevise: „Augen zu und durch“ hat weiterhin Gültigkeit, und wenn man bereits viel Geld verbrannt hat, scheint es in der menschlichen Natur zu liegen, noch mehr Geld hinterher zu werfen, um das Feuer zu löschen.

Verzögerte Notbremsen haben die unangenehme Eigenschaft, Notlagen ein derart beängstigendes Gepräge zu geben, dass man jeglichen Stopp in Richtung Abgrund zu vermeiden sucht, in der unsinnigen Hoffnung, dass sich irgendwo doch noch ein Fallschirm auftut.

Man kennt das von Kleinkindern. Sie halten sich die Augen zu nach dem Motto: „Wenn ich nichts sehe, werde ich auch nicht gesehen.“ Eine Attitüde, die wir im Erwachsenenleben, trotz jahrelanger, gegenteiliger Erfahrung, gerne aufrecht erhalten.

Wer von uns kennt das nicht?

Wenn man nur genug Mühe, Zeit und Kosten in ein Projekt gesteckt hat, behält man es bei, auch wenn alle Alarmglocken schrillen; denn wer gibt schon gerne zu, Mühe, Zeit und Kosten in einen Irrtum investiert zu haben?

Nun gut, bei Ehen scheint dies mittlerweile zu funktionieren; nur die wenigsten schaffen es bis zum fünften Hochzeitstag, was natürlich daran liegt, dass man immer weniger bereit ist Mühe, Zeit und  Kosten in ein so unsicheres Konzept wie eine Partnerschaft zu verschwenden. Da wird beim Autokauf weit intensiver dem Gefühl nachgegeben, dass unpassendste Modell erworben und behalten, auch wenn einem die Nebenkosten die „Haare vom Kopf fressen“, was man einem Lebenspartner nur bedingt zugesteht. Luxusartikel sind etwas bleibendes, was Fragen der Selbstbestätigung betrifft, während andere Menschen manchmal die unangenehme Eigenschaft haben, diese in Frage zu stellen.

Drohnen werden im Bienenkorb ausschließlich zur einmaligen Befruchtung der Königin gezüchtet und geduldet und danach gnadenlos ihrem Schicksal überlassen, egal, wie viel Mühe, Zeit und Kosten sie auch erfordert haben. Kein Tier investiert in Dinge, die nicht ausschließlich dem Überleben dienen.

So gesehen, ist der Mensch nur noch von Drohnen umgeben, deren Sinn und Zweck noch nicht einmal feststeht, die er hegt und pflegt, und wenn sie ihn in den Abgrund ziehen, legt er sich noch ein paar neue zu, vernachlässigt die Arbeitsbienen und fragt sich dann noch, wo der Nektar bleibt. Drohnenberufe, Drohnengüter, Drohnenindustrien und keiner fragt sich, wofür man sie überhaupt braucht.

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15. Mai 2013

Pfingsturlaub

Heute Morgen stand mir der Mund offen-steht er im Geiste immer noch-, denn ich habe in den Nachrichten erfahren, dass für ein „Gemälde“ von Barnett Newman bei Sothebys in New York sage und schreibe 34.000.000 Euro hingeblättert worden sind. Was war auf der Leinwand zu sehen? Außer zwei durch einen hellen, senkrechten Strich unterteilte dunkelblaue Flächen rein gar nichts. Nun denke ich seit einigen Stunden über die tiefere Bedeutung dieses Machwerkes nach, sehe sinnend aus dem Fenster, erblicke einen grauen Himmel ohne Sonne wie er auch der Westhälfte Deutschlands über Pfingsten bevorsteht und sage mir: „Aha! Weite blaue Fernen durchbrochen von einem einzigen, dafür aber intensiven Sonnenstrahl. Hat der Künstler etwa das gemeint? Können wir uns in Zukunft jede Flucht vor einem trüben Einheitswetter ersparen, wenn wir dieses Bild an der Wand haben und in dessen Zweifarbenrausch versinken?“

Nun kann man sich für 34.000.000 so manchen Exkurs in tropische Gefilde leisten. Man könnte über Pfingsten sogar einen Kurztrip auf die Malediven unternehmen, weil ein Langstreckenflug nur noch in der ersten Klasse- die dann erschwinglich ist- überstanden werden kann, und man erholt an- und wieder zurück kommt, selbst bei nur dreitägigem Aufenthalt am Zielort.

Ich war gerade in Irland. Ich weiß, wovon ich rede. Wahrlich kein Langstreckenflug, aber nach anderthalb Stunden eingezwängt seins in der Economy Klasse, brauchte ich einen ganzen Tag, um meine Knochen und Gelenke wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen, und das bei tiefdunklem Sturmwetter,  sodass zwar der Körper wieder in Ordnung kam, die Psyche aber verknotet blieb.

Da hätte ich das Bild von Newman gut gebrauchen können, hätte mir aufgrund dessen Besitzes die Reise nach Irland gar nicht erlauben können, wäre zuhause geblieben, was wiederum den Erwerb der Ölfarbenpanscherei sinnvoll gemacht hätte.

Welch eine Symbolik!

Wer so blöd ist, eine derart unermessliche Summe für ein Farbarrangement hinzulegen, hat es nicht verdient, seine Nase noch außerhalb des eigenen Hauses zu zeigen. Wollte uns der Künstler etwa dies sagen, als ihm außer gelb und blau alle anderen Ölfarben ausgegangen zu sein schienen?

Man sieht, ich bin immer noch bemüht, Sinnvolles im absolut sinnfreien zu suchen. Meine Ratio ist verzweifelt damit beschäftigt, einen hinreichenden Grund für den Auktionserfolg des Bildes zu finden. Steht es für die Sinnlosigkeit allen Tuns, besonders in Bezug auf die moderne Kunstszene?

Nun sind Geldscheine in ihrem farblichen Ausdruck auch sehr begrenzt. Geht es also um die beliebige Austauschbarkeit von Objekten? Könnte man demnach einen Fünfeuroschein malen und rahmen und eine ebenso große Summe erzielen? Es steht zu befürchten.

Jedenfalls werde ich keinen Pfingsturlaub machen. Bei meinem letzten Rundgang durch den Keller entdeckte ich einige Farbeimer, die eigentlich dringend der Entsorgung bedürfen, aber die feste Konsistenz der Farbe hat fast schon Objektcharakter wie ich mich erinnere, ist demnach optimal galerietauglich, und anstatt sinnlos über die Feiertage herum zu hängen, werde ich ein epochales Kunstwerk schaffen. Da es sich ausschließlich um weiße Farbe handelt, werde ich die Tendenz zum Minimalismus quasi noch weiter minimieren, denn weniger ist mehr!

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7. Mai 2013

V-Leute

Verbindungsleute werden zumeist im Verbrechermilieu rekrutiert, was sie überhäufig zu Versagern, Volltrotteln, Ver-rückten, im Sinne von Sympathisanten genau des Kreises macht, den sie eigentlich ausschnüffeln sollen. So geschehen bei der NSU und der NPD, was sie keinesfalls vertrauenswürdig, verantwortungsvoll oder besonders versiert erscheinen lässt, denn es gehört schon eine Menge Verstand dazu, vorsichtig zu sondieren, um was es überhaupt geht. Nach dem ersten Mord der NSU hätte man vorausschauend den einen oder anderen Zweifel daran aufkommen lassen können, ob es sich tatsächlich um das Ausagieren innerfamiliärer Konflikte handelt.

Wie man sieht, gibt es in der deutschen Sprache eine Menge Wörter mit V.  Nur für Vernunft steht es selten. So gesehen gibt es eigentlich nicht genug V-Leute, denn der Prozess gegen die NSU verkommt zu einer großen Blamage der deutschen Gerichtsbarkeit.

Aber ich war ja noch bei „Vernunft-Leuten“.

Die Ratio, sprich die Vernunft, ist das genaue Gegenteil der Irrationalität. Sie hat ihren Ursprung im Geist und nicht in der Emotionalität. Wenn man sachlich alle Fakten der NSU- Mordserie begutachtet hätte, ohne sich von Sympathie oder Antipathie leiten zu lassen, wäre man, der reinen Logik folgend, schon eher auf den rechtsradikalen Hintergrund diese Gräuel gestoßen. Aber, wie ich immer sage, jede Aktion, an der Menschen beteiligt sind, hat die Tendenz, im Chaos zu enden.

Wir loben die Ratio, sind aber irrational bis in die letzte Ecke unseres somit nur vorgetäuschten Verstandes. „Aus dem Bauch heraus“ bezieht sich einzig und allein auf die Darmtätigkeit. Das „gesunde Volksempfinden“ stammt ebenfalls aus diesem Bereich, ist also quasi mit den Nervengeflechten des Verdauungstraktes „gedacht“. Wenn vor einem Ereignis die Emotionen „hoch(!)- kochen, machen sie  unterhalb der Hirnrinde halt und das Geschehen verkommt, in weniger schwerwiegenden Fällen, zur Farce.  Da reden die Muslime in Deutschland bei der Gerichtsverhandlung gegen die NSU von einem Jahrhundertprozess, und die Deutschen tun alles dafür, dass er zu eben einem solchen wird, leider nicht im positiven Sinne gemeint.

Wer ist eigentlich auf die Schwachsinns-Idee verfallen, die Sitzplätze im Saal auszulosen? Werden die Strafverteidiger weiterhin das Gericht mit Eilanträgen überschütten, sodass der Prozess, auch rein zeitlich gesehen, zu einem Jahrhundertprozess wird?

Aber ich war ja immer noch bei der Vernunft.

„Sapere aude“, meinte Kant. „Wage es, vernünftig zu sein!“ Die Vernunft walten zu lassen, war für ihn demnach ein Wagnis. Und ich muss sagen, er hatte recht. Leider gehen die Menschen diesem Risiko gerne aus dem Weg. Kant bezog sich auf Horaz, bei dem, frei übersetzt, steht:

„Wer begonnen hat, hat schon zur Hälfte gehandelt, wage Weisheit zu erlangen, fang an!“

Dem habe ich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.  Wahre V-Leute, eben.

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6. Mai 2013

Kirchentag

Dieser Tag war gestern, heute haben wir den „Anti-Diät“ Tag. Heißt dies vielleicht, dass die Menschen in den Hungergebieten ihr unfreiwilliges Fasten mit unserer Hilfe für vierundzwanzig Stunden unterbrechen können? Heute Morgen habe ich viel, aber eigentlich nichts Neues über die Schädlichkeit von Appetitzüglern gehört. Schicken wir diese Auswüchse der Pharmaindustrie jetzt in die „Dritte Welt“ wie wir es mit allen Medikamenten tun, die uns schaden könnten? Nach dem Motto: „Ihr mögt zwar hungern, aber dann merkt ihr es nicht so!“

Eine diesbezügliche Stellungnahme habe ich auf dem Kirchentag vermisst. Es ging zwar um Bescheidenheit, um das, was wir wirklich brauchen, aber da kam der Nahrungsmittelüberfluss ein wenig zu kurz wie ich finde.

Auf der Liste der Dinge, die wir uns verkneifen könnten, scheint die Diät ganz oben zu stehen. Trotzdem werden satte Überschüsse mit Mitteln erzielt, die nur den einen Zweck haben: Im Schlaraffenland quasi mühelosen Verzicht zu üben. Es kann ja wirklich keinem von uns zugemutet werden, die nötige Willenskraft aufzubringen, die eine Diät zuweilen mit sich bringt, dabei bedeutet Diät im ursprünglichen Sinne vernünftige Lebensführung oder Lebensweise. So gesehen sind Appetitzügler Vernunft in Tablettenform. Wenn das Kant noch erlebt hätte! Wie viele Stunden harter Erkenntnis hätte er sich sparen können, wenn die pharmazeutische Industrie damals schon auf dem Vormarsch gewesen wäre.

Da haben sich Generationen von Philosophen darum bemüht, den Menschen einen freien Willen zuzugestehen, nur damit sie ihn heute mithilfe von chemischen Substanzen unterdrücken können, da der menschliche Wille die unangenehme Tendenz hat, immer nur das falsche zu wollen. Die Frage: „Kann ich wirklich wollen, was ich will?“, erübrigt sich umso mehr, je zahlreicher die kleinen bunten Pillen gegen jedes schädliche Wollen werden.  Da möchte man am liebsten Weinen, muss es aber nicht, da es Antidepressiva en masse gibt. Da will der übermüdete Mann eigentlich schlafen, nimmt aber eine Viagra oder Cilalis und macht sich an die Rettung seiner Beziehung. Da will man aus seinem Hamsterrad heraus, wirft ein paar „Live-style-Drogen“ ein und es geht munter weiter, Runde um Runde. Da entspricht die Figur nicht dem gängigen Schönheitsideal, doch mit den entsprechenden Hilfsmitteln bekommt man auch dieses Problem in den Griff. Einmal abschalten und gründlich ausschlafen? Auch in diesem Falle bietet der Medikamentenmarkt alles, was man dafür braucht. Letztens wurde sogar eine Stoffgruppe entdeckt, die bei Ratten und Mäusen den Sexualtrieb bis ins unendliche steigert. Ich habe sie gegoogelt und, siehe da, es gab sie schon in Tablettenform! Erziehungsarbeit übernimmt heute das Ritalin, die Altenpflege wird durch Sedativa erleichtert, und es wird bestimmt schon an einer Substanz gearbeitet, die den Bedürftigen dieser Welt die Bedürftigkeit abgewöhnt. Im Moment wird dort noch mit Gewalt hantiert, aber auch dies wird irgendwann „Schnee von gestern“ sein.

Dann werden sich auch alle Kirchentage erübrigt haben, denn wer braucht schon antiquierte Mahner, wenn alles nur noch eine Frage der richtigen Chemie ist.

Der neue Mensch hat eine unbeirrbar positive Grundeinstellung, ist rank und schlank, ausgeruht, arbeitswillig, pflanzt sich fort oder auch nicht, je nach Bedarf, stört den Kapitalfluss nicht und hält bereitwillig die „andere Wange hin“. Auch Jesus Christus hätte sich so manchen inneren Grabenkampf ersparen können, wäre er zur richtigen Zeit geboren worden.

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3. Mai 2013

Familiensinn

Bislang wusste ich noch nicht, dass es dermaßen viel davon in Deutschland gibt, besonders, wenn man sich die Parteien betrachtet. Von CSU über SPD bis zu den Freien Wählern, die beliebtesten Mitarbeiter scheinen aus der eigenen Verwandtschaft zu kommen. Einzig die FDP enthält sich bei diesem Sippenklüngel; dafür hat sie aber den Obermauschler Dirk Niebel, der das Entwicklungshilfeministerium als seinen persönlichen Selbstbedienungsladen für Freunde anzusehen scheint.

Was ist mit dem Ehemann von Merkel? Ist er auch zu Lasten der Steuerzahler für seine Gattin tätig? Näht er abends die Knöpfe von Angies viel zu knappen Blazern wieder fest? Auf unser aller Kosten? Was in diesem Falle nicht so schlimm wäre, da er uns dann täglich von der Angst befreien würde, einer der Knöpfe könnte einem politischen Gesprächspartner ins Auge springen und ihn einseitig erblinden lassen. Das will man ja auch nicht. So gesehen könnte man die Bekleidung unserer Kanzlerin als Nahkampfwaffe betrachten, was vielleicht Absicht ist, anders ist der Zuschnitt der Blazer nicht zu erklären.

Bayerns Landtagspräsidentin Stamm wird jetzt alles an den Tag bringen. Pikanterweise gehört auch die Justizministerin Beate Merk zu denen, die Stamm öffentlich an den Pranger stellen will, denn wer hätte es besser wissen können als Merk, dass Familienbeschäftigungsverhältnisse seit dem Jahr 2000 verboten und die „Rundum sorglos Pakete“ für Mitglieder des eigenen Stammbaumes somit obsolet sind. Wobei mir gerade auffällt, dass das Wort Stamm(!)-Baum in diesem Zusammenhang eine völlig neue Bedeutung erhält.

Da lobe ich mir die Amerikaner, die protegieren sich innerfamiliär nicht gegenseitig, die erschießen sich! Nun habe ich mich mit meinen Brüdern früher reichlich gestritten, was zum Teil in handfeste Auseinandersetzungen ausartete, aber da wir von unseren Eltern im Vorschulalter nicht mit Artillerie versorgt wurden, endeten diese Konflikte meistens unblutig. Damals hätte man gelegentlich gerne eine Schusswaffe zur Hand gehabt, heute ist man dafür aber reichlich froh, dass es nicht so war.

Auf den Websites einiger Waffenfirmen in den USA waren bis gestern sogar Fotos von Säuglingen mit Gewehren zu sehen, da man ja nicht früh genug auf die Jagd vorbereitet werden kann. Wie dort Erziehung möglich sein soll, ist mir ein Rätsel. Gerade in der Pubertät ist doch verschärft davon abzuraten, die eigenen Zöglinge waffentechnisch aufzurüsten.

Da sind Angelas Blazer noch die friedfertigere Variante, obwohl die Knopfleiste zum Teil dermaßen unter Spannung steht, dass mit ernsthaften Verletzungen beim Gegenüber zu rechnen ist. Darum sollten wir nicht allzu böse sein, wenn Joachim Sauer auf Stamms Liste erscheint, leistet er doch einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Abrüstung.

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2. Mai 2013

Krönung Holland

Wir sind noch einmal glimpflich davon gekommen. Rein geographisch von den Niederlanden umzingelt, haben wir trotzdem nichts von der Inthronisierung  Wilhelm Alexanders etwas mitbekommen. Wenn, ja wenn der Fernseher nicht wäre, da konnte man sich vor lauter „Oranje“ kaum retten.

Mir stellten sich zu dem Spektakel nur zwei Fragen: Wie wird man zum Adelsexperten und welche Qualifikationen braucht man dafür? Reicht es aus, wenn man einfach nur eine vom eigenen Geltungsdrang vernebelte Klatschtante ist? Die Fachmänner und Fachfrauen des Hochadels erwähnten in jedem zweiten Satz, den Blaublütern schon einmal persönlich begegnet zu sein und ihnen die Hand geschüttelt zu haben. Nun bin ich zwar in Fragen der Hofetikette nicht so bewandert wie die Speichellecker des Boulevard, aber dass man einem gekröntem Haupt auf gar keinen Fall die Hand schüttelt, weiß sogar ich. Da wird geknickst und gedienert vor denen, die sich allein aufgrund der Geburt für wichtiger halten als der Rest der Welt. Queen Elisabeth II würde auf der Stelle ebenfalls zurück treten, sollte jemand so vermessen sein, ihr die Hand zu schütteln, was mich direkt auf Prinz Charles bringt, der, offensichtlich vom Hunger- oder war es eher Durst?- getrieben, seine Camilla vom Fotoshooting weg wedelte. Zwar mit der Attitüde eines Kronprinzen, aber die Wirkung war wie beim niederen Volk, nach dem Motto: „Alte, mach hinne, mich hungert und dürstet!“ Es war ja auch eine Krux. Da musste der weltweit älteste Thronfolger  zusehen, wie der jüngste unter ihnen zum König ernannt wurde. Kein Wunder, dass Charles zum Weine drängte. Im Prinzip ist Beatrix so wie Benedict XVI, sie tritt zurück, solange sie noch ansehnlich ist. Die Queen hält es da eher wie Johannes Paul II, bei dem man nicht mehr sicher war, ob da nicht schon seine Mumie den Massen präsentiert wurde. Bei dieser Gelegenheit habe ich übrigens erfahren, dass man das zerfledderte Federvieh, das Camilla auf dem Kopf trug „Faszinator“ nennt. Und es stimmt! Es war faszinierend mit anzusehen, wie weit Geschmacklosigkeit gehen kann.

Die zweite Frage, die sich mir aufdrängte, war: „Brauchen wir auch ein Königshaus?“

Ich habe sie mir gleich selbst beantwortet. Wenn Deutschland ebenso in die Krise taumelt wie Holland, dann ja. Da kann sich der gemeine Niederländer das eigene Heim nicht mehr leisten, aber wenn es ums Königshaus geht, sind alle diesbezüglichen Sorgen vergessen. Da ist er ganz aus dem Häuschen, mehr als ihm eigentlich lieb sein könnte.

Nun hatte ich mir gerade überlegen wollen, wer denn demnächst ins wieder aufgebaute Berliner Stadtschloss Einzug halten kann, als ich einen Schrecken bekam. Was hat Angie vor? Warum wird der umstrittene Bau unbeirrt in Angriff genommen? Da wurde mir auch das Engagement von Ursula von der Leyen gegen die eigene Partei klar. Den Adelstitel hat sie schon und Thronerben stehen mehr als reichlich zur Verfügung, was kommt als Nächstes? Wenn im September Rot-Grün gewinnt, wird Steinbrück dann König? Die dazu gehörige Arroganz besitzt er jedenfalls. Oder wird Claudia Roth Königin von Deutschland- kein Alptraum kann so schlimm sein- und Steinbrück Finanzminister? Hofnarren sind in der Parteilandschaft schon reichlich vorhanden, die müssen nicht erst rekrutiert werden. Was ist, wenn Seehofer plötzlich seinen Stammbaum bis zu König Ludwig zurück verfolgt?  Wird Hoeneß aufgrund seiner Fähigkeiten als Finanzjongleur dann Schatzmeister- da er sich geradezu genial verschätzt hat? Müssen wir demnächst alle Bayern werden? Naja, nach dem Champions-League Spiel gegen Real Madrid sind wir es heute sowieso, aber dies ist nur vorübergehend und quasi nicht ernst gemeint. Dies erledigt sich beim Finale, da sind wir zum größten Teil Dortmunder.  Und was wird mit Gauck? Wird er um den Thron kämpfen?

Man weiß es nicht.

Sollte eine Volksabstimmung zu einem Regenten stattfinden, wird wohl Beckenbauer in Berlin residieren, da er noch nicht einmal seinen Namen ändern müsste. Aber wird Kaiser Franz dann zu den verhassten Preußen ziehen oder nistet er sich abwechselnd in Neuschwanstein und Hohenschwangau ein? Natürlich nur, wenn ihm diese für seinen Geldbeutel nahezu sozialen Wohnbauten, gemäß sind.

Wenn Romy Schneider noch leben würde, sähe die Sache natürlich anders aus, dann hätten wir eine Kaiserin! Da würde ich, wenn ich zwischen Claudia Roth und ihr wählen müsste, ganz klar des Volkes Meinung sein.

Gott sein Dank sind und bleiben wir voraussichtlich eine Republik, was uns zwar nicht vor deutschen Adelsexperten bewahrt, aber vor Prunk und Protz, den wir auch noch finanzieren müssten, was wir in Bezug auf Bayern sowieso schon tun, aber nicht in allen Bundesländern, hoffe ich zumindest, meine ich jedenfalls, glaube ich aber nicht so richtig, weiß ich leider umso besser.

Eigentlich ist in einer Republik das Volk der Souverän, eigentlich……….

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29. April 2013

Kündigungen

Für die besten Lachnummern sorgt das Leben wie immer selbst. So erfahre ich heute Morgen, dass für Griechenland die nächsten ausländischen Milliardenhilfen nur frei gegeben werden, wenn der angeschlagene Staat 15.000 Beamte (!) entlässt. Welch tiefliegende Weisheit in Bezug auf Staatsdiener mag nur hinter dieser Forderung stecken? Sollte es wirklich faule Hunde in den Verwaltungen geben? Wer hätte das gedacht?

In Deutschland wird demnächst nur einer aus seinem Amt entlassen: der derzeitige Präsident des FC Bayern. Ob es dafür Milliardenbeträge aus der Schweiz und anderen Steueroasen regnet, ist eher unwahrscheinlich.

Der Fraktionsvorsitzende der CSU Schmid hat sich selbst entlassen, wodurch der deutsche Staat zwar keine Milliarden, aber immerhin 5.500 Euro monatlich für dessen Ehefrau einspart.

Die Niederlande entlassen ihre Königin, was wiederum einen Abfluss großer Geldsummen aus dem Land hinaus bedeutet, denn der zukünftige König liebt luxuriöse Feriendomizile in ehemaligen Kolonien wie Südafrika.

Endgültig entlassen wurden alle Geldbeträge, die sich unterhalb der Milliardengrenze befinden, denn die öffentliche Hand scheint sich nicht mehr mit geringfügigeren Beträgen beschäftigen zu wollen.

Entlassen wurden auch alle Werte, die nicht direkt in bare Münze verwandelbar sind, bevor überhaupt an eine Anstellung gedacht wurde.

Ebenfalls seinen Job geschmissen hat der „gesunde Menschenverstand“, obwohl die Meinungen auch hier weit auseinandergehen, ob er jemals in „Amt und Würden“ war. Zwar bezeichnen wir uns selbst als den Homo sapiens-den weisen Menschen-, aber, um diese Bezeichnung ad absurdum zu führen reicht es aus, die Tageszeitung aufzuschlagen oder den Fernseher einzuschalten. Was dort an Weisheit zu finden ist, zeigt, warum der Mensch die negativen Zahlen ersonnen hat. Auch die liegende Acht bekommt ihre Existenzberechtigung durch die geballte Dummheit, die einem dort entgegen schlägt.

Die Menschen tun sich schwer damit, den Tieren eine Seele zu zugestehen, wobei es eine ausschließliche Eigenschaft der Menschheit ist, dem anderen auf gar keinen Fall etwas zu gönnen, was man selbst nicht besitzt. Seit Jahrtausenden wird sich darum bemüht, das „Körper-Seele-Problem“ zu lösen. Ohne Erfolg, da die Seele evolutionär anscheinend  noch nicht in Erscheinung getreten ist, oder sich bei „der Krone der Schöpfung“ wieder heraus gemendelt hat.

Kann man eigentlich der eigenen Art kündigen?

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26. April 2013

Galaxy S 4

Befürchtet habe ich es zwar schon lange, aber dass es so schnell die Bezeichnung Superphone geben würde, kam dann doch überraschend.

Natürlich müssen die anderen Anbieter von Hand-Telefonen nachziehen, und ich sehe das Hyperphone bereits vor meinem geistigen Auge. Gibt sich Samsung noch mit einer Galaxie zufrieden, wird demnächst wohl das gesamte Universum herhalten müssen; dann kämen die Paralleluniversen an die Reihe, um schließlich durch das „Big Bang“-Phone 0.0 an den Anfang der Zeit zurück zu kehren. Ein Megasuperhyperphone, wenn man so will.

„Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott selbst. Von Anfang an war es bei Gott. Alles wurde durch das Wort geschaffen, und nichts ist ohne das Wort geworden…“(Joh. 1,1 ff.)

Die Bibel ist aktueller denn je! Warum die ersten Verse des Johannes von den Handyanbietern noch nicht als Werbeslogan heran gezogen wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht werden die Mobiltelefone immer aufwändiger, um endlich einen Kontakt mit dem Urbesitzer aller Worte herstellen zu können, was wiederum den Grund dafür liefert, warum Gott sich ausschweigt. Hat Er diese Entwicklung voraus gesehen und sich zurück gezogen, bevor Er via Handy zugetextet wird?

Man weiß es nicht.

Jedenfalls vermute ich, dass Gott, bevor Er das erste Wort preisgab, intensiv darüber nachgedacht hat. Ein Vorgang, der durch die Geschwindigkeit der neuen Phones nicht mehr möglich ist. Da wird fröhlich drauflos gequatscht und getippt. Man kann noch nicht einmal im Nachhinein über seine Ergüsse reflektieren, da der nächste bereits in der Warteschleife hängt. Nun könnte sich derjenige die Wartezeit damit vertreiben, zu überlegen, was er überhaupt sagen will und, vor allen Dingen, warum, aber man kann ja während dieser leeren Minuten noch eben schnell ein Computerspiel spielen, was im Endeffekt dazu führt, dass jegliche Kommunikation zur Faselei entartet. Ich habe Menschen mit zwei Mobiltelefonen gleichzeitig hantieren sehen. Nun haben wir zwei Ohren und zwei Gehirnhälften, das mag noch funktionieren; die Kapazität ist also auf zwei begrenzt, aber ich bin sicher, dass sich die Mobilfunkbranche da noch etwas einfallen lassen wird, bis wir irgendwann einmal nur noch aus Ohren und Sprachzentren ohne weiteren, unnötigen Hirnballast bestehen. Einige Zeitgenossen sind bereits soweit. Ich rege mich über sie auf und übersehe dabei vollkommen, dass sie eine zukünftige Evolutionsstufe darstellen.

Im Moment hat das Hirn bei den meisten Menschen noch eine Filterfunktion. Man hört etwas, denkt ausführlich darüber nach und äußert sich nur dazu, wenn man wirklich einen wesentlichen Beitrag leisten kann.

Die Anweisung der Frontalhirnrinde: „Klappe halten!“, entfällt nach und nach. Wer gelegentlich zum Gehörten schweigt, ist zwar näher bei Gott, aber nicht mehr auf der Höhe der Zeit!

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25. April 2013

Glaubensgemeinschaften

Im Grunde genommen sind wir alle tief religiös. Wir machen uns zwar über die traditionellen monotheistischen Strömungen lustig, wenn solche mittelalterlichen Fehlleistungen passieren, wie bei der Caritas, die einen Mitarbeiter entließ, weil dieser sich mit den Werten der katholischen Kirche, in diesem Falle dem Missbrauch, nicht identifizieren konnte, oder wie in Syrien, wo das Weltkulturerbe, die Omajadenmoschee im Rahmen der dortigen Kämpfe so schwer beschädigt wurde, dass ihr Minarett einstürzte und sich Regierung und Rebellen gegenseitig dafür verantwortlich machen. Ich stelle mir gerade vor, der Kölner Dom fiele religiösem Eifer zum Opfer.

Der Drang, Gemeinden zu bilden ist aber insgesamt noch sehr groß. Wir haben Internetgemeinden, die sich jetzt gegen die Telekom zusammenfinden, Fußballfangemeinden, die im Moment wegen der Champions-League gemeinsam ausrasten, Wutbürgergemeinden, die sich ausschließlich über alles aufregen, was in ihrem Vorgarten passiert und, groß im Kommen sind die Gemeinden ehrlicher Steuerzahler. Extreme politische Gemeinden werden sogar noch öffentlich finanziert, weil sich nicht darauf geeinigt werden kann, sie verbieten zu lassen.

Was treibt uns an? Was macht uns religiös? Was bewegt uns im Innersten?

Es ist der fremde Griff in die eigene Geldbörse. Jede Gemeinde kann noch so idealistisch verbrämt erscheinen, bewegt wird sie ausschließlich vom Futterneid. Dies ist es, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Das Tier markiert ganz klar sein Revier, sagt: „Bis hierhin und nicht weiter!“, und denkt sich nichts weiter dabei. Der Mensch hingegen macht zwar im Prinzip das Gleiche, muss es sich aber aus „Gewissensgründen“ schön reden. Deswegen bildet er Gemeinden, denn einige zusammen haben etwas gemein, wohingegen der Einzelne nur gemein ist. Ein neuer Grundkonflikt zwischen „Haben und Sein“, wenn man so will.

Diese Gemeinden fallen aber ganz schnell auseinander, wenn einer mehr hat, kann oder weiß als die übrigen. Dann bleiben diesem nur zwei Möglichkeiten. Entweder er „stellt sein Licht unter den Scheffel“, oder er gründet eben eine neue Gemeinde, da Einzelkämpfer einen schlechten Ruf haben und per se suspekt sind, obwohl Gruppenideologien weit verdächtiger sein sollten.

Die „absolute Wahrheit“ ist bis ins Unendliche teilbar, denn jede Splittergruppe hat ihre eigene. Die Quantenphysik zeigt ebenfalls, dass es keine Eindeutigkeit gibt, deshalb handelt es sich, gemäß der Naturgesetze, bei Gemeinden immer um Glaubens- und nicht um Wissensgemeinschaften. Man glaubt, man wäre gut, weiß aber, dass man die anderen nur in die Pfanne hauen möchte.

Ausgenommen davon sind Menschen mit Temporallappenepilepsie. Diese haben aufgrund einer Hirnfehlfunktion tatsächlich übersinnliche, tief religiöse Erscheinungen und meinen, zu wissen. Wenn man also demnächst von einem Engel oder direkt von Gott den Auftrag erhält, eine neue Religion zu kreieren, empfiehlt sich ein EEG und nicht die Gründung einer neuen Gemeinde.

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24. April 2013

Hoeneß, Götze und Co.

Heute ist der internationale Tag des Kampfes gegen den Lärm. Trotzdem fährt sich die Kakophonie um Steuer und Verdienst zu einem ohrenbetäubenden Crescendo hoch. Wahrscheinlich leiden wir alle bereits unter einem Medien-Tinnitus, sodass wir die Belästigung, die dahinter steckt, nur noch gedämpft wahrnehmen.

Alles schreit. Die Politiker, die Journalisten, die Fußballfans sowieso, das deutsche Volk insgesamt, nur Hoeneß und Götze schweigen. Die Vermutungen, wie hoch das Vermögen des Bayernpräsidenten in Wahrheit ist, und wie hoch der jährliche Verdienst vom Dortmunder „Super-Mario“, bei einem Wechsel zu Bayern München übertreffen sich gegenseitig. Die künstliche Empörung zeigt eigenartige Auswüchse. Der Linke Bartsch meinte sinngemäß, man solle die Reichen derart hoch besteuern, dass sie gar nicht erst in die Verlegenheit kommen, darüber nachdenken zu müssen, wie sie ihr Geld vor dem deutschen Fiskus in Sicherheit bringen. Auch nicht schlecht!

Bei Hoeneß handelt es sich bei der hinterzogenen Steuer um die Kapitalertragssteuer, also die Abgabe auf den Gewinn vom Gewinn! Wie groß mag sein Einkommen sein? Wie viel mag Götze demnächst verdienen? 7 Millionen Euro im Jahr, oder gar 12? Ist das noch angemessen?

„Wer fragt hier?“, frage ich mich, horche kurz in mich hinein und stelle fest: Es ist der Neid! Warum bin ich nicht Bayernpräsident, Wurstfabrikant oder Fußballer geworden? Die Kosten für die erforderliche Geschlechtsumwandlung hätte ich doch dreimal wieder eingefahren!

So gesehen tarnt der äußere Lärm nur den inneren, der da lautet: Was die da tun, täte ich auch gerne, kann es aber nicht, weil ich zu blöd, zu feige, nicht skrupellos genug, nicht talentiert genug, zu träge und zu wenig geschäftstüchtig bin. Rachsüchtig bin ich aber. Bluten sollen sie, die schaffen, was ich selber nicht schaffe.

Wir sind Meister der gepflegten Doppelmoral, weil wir uns nur dann an Regeln halten, wenn die Gefahr erwischt zu werden, groß ist. Diese Einstellung ist bereits bei den Tieren vorhanden. Meine Hunde halten sich nur dann an meine Vorgaben, wenn ich sie im Blick habe. Was keiner gesehen hat, ist auch nicht passiert, wenn man so will.

Ich nenne das den „stationären Radarfallen- Effekt“. Jeder Ortsansässige weiß, wo die Dinger stehen, bremst kurz vor ihnen ab und gibt nachher wieder Gas. Die Drohung: „Der Herrgott sieht alles“, zieht zwar schon lange nicht mehr, aber wir sind dabei, einen passenden Ersatz zu schaffen. Jeder schwingt sich unter Mithilfe der Medien zum „Big Brother“ seines Nächsten auf. Wenn wir schon nicht unseres Bruders Hüter sein wollen, unseres Bruders Wächter sind wir allemal. http://elke-balthaus-beiderwellen.de

 

23. April 2013

Egomanen

Wieder einmal kam etwas aus den USA nach Deutschland herüber geschwappt, über dessen Sinn oder Unsinn sich streiten lässt.

Die „Quantified Self Bewegung“ (frei Übersetzt: vermessenes Selbst). Wenn ich es richtig verstanden habe, kann man seine persönliche Nabelschau, seine objektiv quantifizierbaren Daten wie Blutdruck und Puls und die subjektiven Einschätzungen des eigenen Befindens quasi im Sekundenabstand via Internet an eine Plattform mailen, die dann sofort Rückmeldung darüber gibt, wie man sich tatsächlich fühlt.

Im Prinzip funktioniert dies wie die „achtsamkeitsbasierte“ Psychobewegung, nur mit dem Unterschied, dass man bei diesem aktuellen Trend der Psychotherapie, den Rest der Welt nicht mit jedem einzelnen Zucken des eigenen Darmes belästigt.

Ausgiebige Selbstbeobachter sind nichts Neues. Man nannte sie bislang Hypochonder. Der Ausdruck Hypochondrie stammt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet: unter den Rippen befindlich. Sehr treffend, wie ich finde, denn aus dem Großhirn kann dieser Impuls nicht stammen.

Nun sind unsere grauen Zellen normalerweise so programmiert, dass sie Rückmeldungen aus dem körperlichen Bereich quasi autonom bearbeiten. Was sehr sinnvoll ist, da sich unser Verstand dann mit wichtigeren Dingen beschäftigen kann. Wer nur in sich selbst hinein horcht, bekommt vom  Geschehen rund um sich herum naturgemäß nichts mit.

Auch nicht schlecht, fällt mir gerade auf!

Wenn ich die Wahl habe, ob ich mich mit Ulli Hoeneß, oder lieber mit der eigenen Verdauung beschäftigen will, fällt mir die Entscheidung schwer. Da aber  körperliche Abläufe nur so lange reibungslos funktionieren, wie ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, muss ich mich Hoeneß widmen, sonst benötige ich demnächst ein Abführmittel.

Unser vegetatives Nervensystem arbeitet ohne Mithilfe höherer Hirnzentren, darum heißt es auch so.  Es kommt nur aus dem Lot, wenn ich bewusst eingreife. Die bezeichnende Formulierung: „einen über den Durst trinken“ verdeutlicht diese Tatsache mehr, als ich es jemals könnte. Auch ein Überfressen wäre unmöglich, wenn ich es ausschließlich meinem Körper überlassen würde, zu entscheiden, wann er satt ist. Wenn ich anfange, meine Atemzüge pro Minute mitzuzählen, um sie dann auch noch zu mailen, kommt mein autonomes Atemzentrum völlig durcheinander. Ich muss das auch nicht tun, denn meines Wissens bin ich selbst im Tiefschlaf noch niemals erstickt.

Schmerzreize führen zu einem automatischen Zurückziehen der betroffenen Gliedmaße; dies ist ein Reflex, über den man tunlichst nicht reflektiert.

Jeder, der schon einmal versucht hat, bewusst einzuschlafen, kann genauso gut gleich wieder aus dem Bett aufstehen. Aber dann hat man ja nächtelang Zeit, die eigene Schlaflosigkeit im Web zu diskutieren!

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22. April 2013

DSDS

Dies könnte eigentlich auch als Akronym für: Deutschland sucht den Skandal verstanden werden, denn, was wären wir ohne tägliche Sensationsmeldung? Wenn es absolut keine neue gibt, werden die alten wieder aufgekocht, bis sie wahrhaftig nicht mehr zu genießen sind. In diesem Fall machen Experten sie ein wenig bekömmlicher, aber das Endergebnis bleibt das Gleiche: „Nix Genaues weiß man nicht!“ Dann, während man doch noch auf den Ausgang eines Skandals wartet, ist er aus den Medien verschwunden. Die Person, die darin verwickelt war, wurde öffentlich und moralisch dahin gerafft, man ergötzt sich kurzfristig an ihrem desolaten Zustand; und die Aasgeier haben schon ihr Augenmerk auf ein nächstes, mögliches Opfer gerichtet.

„Schadenfreude ist die reinste Freude“, der Volksmund bringt es auf den Punkt. „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, folgt dicht auf Platz zwei, „sich nicht an die eigene Nase fassen zu wollen“, ist guter Dritter.

Die Psychologie des Menschen ist schon ein seltsames Ding. Was man sich selbst vorzuwerfen hätte, es im Grunde genommen auch tut, wird beim Anderen gnadenlos verfolgt. Je empörter sich jemand  gibt, desto wahrscheinlicher der zugrunde liegende Selbstvorwurf.

Der Steuerhinterzieher wird gelyncht, während man selber gerne „schwarz“ arbeiten lässt, oder es gar ebenfalls tut. Der krankhaft Eifersüchtige liebäugelt mit dem eigenen „fremd gehen“, etc., etc., etc…

Jedenfalls habe ich festgestellt, dass jegliche Aufregung meinerseits ihren Dateiursprung auf der eigenen Festplatte hat, sodass diesbezügliche Programmierungsänderungen nur dort von Statten gehen können.

Mein Ärger über Experten führt sich zum Beispiel darauf zurück, dass ich selber gerne jedem die Welt erklären möchte, aber kein Schwein hört zu! Was der Heuschnupfen, die Zecken und die Steuerhinterziehungen für einen Wert an sich haben, weiß ich doch viel besser! Über ein Thema reden, über das sich nicht zu reden lohnt, habe ich zur Perfektion gebracht. Wenn demnächst wieder   ein Experte zu einem künstlich aufgeputschten Skandal seine Meinung(!) und nicht sein Wissen zur Schau trägt, und ich mich darüber aufrege, weil ich noch mehr Meinungen und weit rudimentäreres Wissen dazu habe, rufe ich beim Sender an. Besser noch, ich twittere, weil ich hier ungefragt meine 140-Zeichen-Ansichten verbreiten kann. Wenn das meinen Ärger nicht beseitigt, schreibe ich einen Blog!

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19. April 2013

Identität

Endlich bin ich von einer großen Last befreit. Ich werde noch im Laufe des Tages erfahren, welches die beliebtesten Vornamen sind. Noch im Halbschlaf wurde mir diese Tatsache vom Morgenmagazin bestätigt, und, wirr in Kopf, wie ich es üblicherweise am frühen Morgen bin, hatte ich nichts Besseres zu tun, als die Vornamen von Pippi Langstrumpf zu rekapitulieren. Mein Mann vermutete, aufgrund meiner ungewöhnlichen Schweigsamkeit, dass ich schwerwiegende, philosophische Probleme wälze, aber, auf seine Nachfrage hin, was denn mit mir los sei, konnte ich natürlich nicht wahrheitsgemäß antworten.

„Pippilotta, Viktualia, Rollgardina, Schokominza, Efraimstochter Langstrumpf.“ So hieß Pippi. Ich werde das jetzt nicht mithilfe von Wikipedia recherchieren. Oder doch?

Jedenfalls erfahre ich dort, dass mein Gedächtnis mich trügt.

Sie hieß nämlich: Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf, oder, im schwedischen, Pippilotta Rullgardina Krusminta Efraimsdotter Langstrump. (Quelle Wikipedia).

Nun können Namen manchmal Diagnosen sein, wie der Lehrerverband konstatiert, wobei er vergisst, dass die Namensgebung erfolgt, wenn wir noch nicht mit unserem aktiven Denken beteiligt sind.

Und wenn Corinne-Chantal dabei heraus kommt, stimmt wenigstens der Daktylus.

In der Rubrik unnötiges Wissen habe ich erfahren, dass der Name Manfred einen beispiellosen Niedergang erfahren hat, wobei sich mir die Bedeutung dieses historischen Ereignisses nicht auf Anhieb erschließt, ist doch der Trend zu altdeutschen Namen ungebremst.

Mir ist es in meinen Sprechstunden passiert, dass ich einen Sven duzend, im Sinne von: „Komm Kleiner“, im Wartezimmer aufrief, woraufhin sich ein 70-jähriger erhob. Einen Herman-Joseph habe ich instinktiv gesiezt und nicht mit einem 2-jährigen gerechnet.

Aber so sind Namen, nur Schall und Rauch. Eine Barbara lallt nicht, ein Bruno ist nicht gepanzert, eine Ursula gleicht nicht dem Bären, es sei denn, sie heißt mit Nachnahmen von der Leyen. Angela kommt übrigens (Wikipedia) aus dem griechischen und heißt Bote oder Engel, was sich wiederum auf das persische angaros zurück führen lässt und reitender Bote heißt, wobei wir wieder bei den apokalyptischen Reitern sind.

Meine Großmutter war ganz wild darauf, mit die drei Bände von Pippi Langstrumpf vorzulesen, obwohl ich des Lesens schon kundig war. 1912 geboren, hat sie es genossen, Anarchie wenigstens in Kindern vorzufinden.

Sie hieß: Emilie Saueressig. Der Name bedeutet nichts, aber die Person alles!

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18. April 2013

DAX

Der Bombenanschlag in Boston war schrecklich genug, aber was interessiert die Börsianer? Der Einfluss auf den DAX, weil es aus den USA im Moment(?!) keine positiven Wirtschaftsnachrichten gibt- war dies eigentlich jemals anders?

Nun gut, mein unbedingtes Mitgefühl gilt allen Betroffenen; doch was die Medien aus diesem Attentat machen, ist nicht mehr auszuhalten. Man wird von Auslandskorrespondenten in eine Endlosschleife der Mutmaßungen verwickelt. Terrorexperten schießen wie Pilze aus dem Boden, und es wird bereits überlegt, sämtliche Stadtmarathons unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen. Dann kommen auch noch Giftbriefe ins Spiel! Gut, dass die krampfhafte Verbindungssuche zwischen den beiden Ereignissen gescheitert ist, obwohl ich mich frage, ob ich meinen Postboten heute ins Haus lassen soll. Von Marathonläufen habe ich, aufgrund der Anstrengungen, bislang abgesehen. Dennoch  fühle ich mich mittlerweile geradewegs zur Teilnahme verpflichtet, weil man aus Solidarität mit der Hand über dem Herzen die Ziellinie passieren soll.

Die Bostoner explodieren(!) in einem Anfall von Mitmenschlichkeit, der eigentlich nichts weiter tut, als uns vor Augen zu führen, dass dies eine soziale Singularität  darstellt, die nur bei Katastrophenszenarien zum Einsatz kommt.

Wahrscheinlich hält diese Altruismus-Attacke nur bis zum nächsten Tief des Dow-Jones. Wenn ich jetzt ganz böse bin, gehe ich davon aus, dass alle Aktionäre der Welt sich mehr um den Wertverlust ihrer Papiere als um die Opfer sorgen.

Im Prinzip ist die Börse nicht mehr als ein überdimensioniertes Monopoly- Spiel, und wer hat`s erfunden? Okay, die Schweizer profitieren nur davon. Aktienindizes sind die Pest des 21. Jahrhunderts und wenn wir jetzt noch „Standard & Poor`s, Fitch und die Gesamtheit der Ratingagenturen dazu nehmen, haben wir die vier apokalyptischen Reiter wieder beisammen. Nähere Informationen in der Offenbarung des Johannes 6, 1-8.

Insgesamt kann man nur konstatieren, dass der Mensch die Katastrophe liebt, sofern sie nicht ihn selbst betrifft. Wenn reale Katastrophen durch die Medien zu imaginierten Extrapolationen werden, dann mache ich dem Postboten garantiert nicht auf, und Marathon-Laufen gehe ich schon gleich gar nicht.

In Aktien investieren werde ich- mangels Kapital und einem Plus an existenzieller Angst- in der ferneren Zukunft auch nicht, weil der DAX im Gegenteil zum Dachs hoffentlich(!) nicht überleben wird.

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17. April 2013

Steuer CD`s

Heute Nacht hatte ich einen Alptraum. Ich bin hinter das politische Konzept von Angela Merkel gekommen! Über Allem schwebend, zu keiner politischen Aussage verpflichtet, ohne Leichen im Keller, repräsentativ sich erschöpfend, ohne jede Konsequenz, ohne jede Verantwortung: Angie ist die Queen Deutschlands! Diese-von Großbritannien, wohlgemerkt- feiert mittlerweile ihr 60. Krönungsjubiläum, und ich frage mich, was sind 16 Jahre Kohl gegen 60 Jahre Merkel? Ich war beim Aufwachen noch so benommen, dass ich beinahe von meinem eigentlichen Thema abgekommen wäre, den Steuer-CD`s.

Rheinland-Pfalz hat für schlappe 4.000 000 Euro eine angekauft und erwartet einen Ertrag für den deutschen Staat von 500.000 000. Wenn dies nicht mal eine Rendite ist! Karsten Kühl, der Finanzminister von Rheinland-Pfalz, meinte heute Morgen, dass keine Anhebung des Spitzensteuersatzes nötig wäre, wenn alle Steuersünder konsequent ermittelt würden. Warum macht man das dann nicht? Dies sind Fragen, die sich „dem kleinen Mann von der Straße“ stellen. Warum der immer minderwüchsig und offensichtlich obdachlos sein muss, ist ein weiteres, ungeklärtes Rätsel.

Jedenfalls bekommen der Bund und Bayern einen gewaltigen Happen vom Steuergewinn ab, was Seehofer und Schäuble, die trotz gegenteiliger Ansicht des Bundesverfassungsgerichtes über die Legalität des Ankaufes von Steuerdaten, immer dagegen waren, offensichtlich davon überzeugt hat, dass ihre bisherige Meinung dazu reichlich scheiße war. Nun vermeide ich, nach Möglichkeit, die Verwendung von Kraftausdrücken in meinem Blog, aber, wenn Scheißhirne gelegentlich Scheiße generieren, muss man es ansprechen.

Gunter Sachs hat auch Gelder verschoben, um dem deutschen Fiskus zu entgehen, aber Franz Josef Strauß war wohl eher davon geblendet, dass dieser Teufelskerl, dieser Playboy, Brigitte Bardot abgeschleppt hat. Was zählt da noch die deutsche Steuer?

Nun, ich kann es verstehen, wenn man lieber mit Steuerflüchtlingen in palmenumsäumten Steueroasen Umgang pflegt, als mit staubtrockenen, deutschen Finanzbeamten. Ich täte das Gleiche. Ich würde auch lieber mit Michael Schuhmacher einen Champagner trinken, als mit meinem zuständigen Beamten überhaupt nichts! Leider bin ich auch nicht reich genug, mich überhaupt irgendwohin flüchten zu können, vor der Steuer, vor der Verantwortlichkeit, vor dem Leben überhaupt. Gunter Sachs hat Selbstmord begangen; ist das die letzte Steueroase?

Da wünschen wir uns doch gemeinsam, dass alle Steuerflüchtlinge dieser Welt seinem Beispiel folgen.

Der Mensch kann ja so gemein sein!

Aber diejenigen, die der Gemeinheit der Gemeinschaftlichkeit den Vorzug geben, haben es halt nicht besser verdient.

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16. April 2013

Frauenquote

Die CDU spielt mit der SPD „Hase und Igel“. Man rufe sich die Fabel ins Gedächtnis. Egal, wie hechelnd und abgekämpft der Hase beim gemeinsamen Wettlauf am jeweiligen Zielort auch ankam, der Igel war schon da. Nun hatte der schlaue Stachelhäuter seine Frau mitgebracht, sodass die beiden in aller Ruhe an den Endpunkten der Strecke sitzen bleiben und abwarten konnten- dies erinnert mich gerade an etwas, ich komme nur nicht darauf. Der Igel war, allem Anschein nach, schon damals vom unbedingten Vorteil einer Frauenquote von 50 % überzeugt, möchte man sagen. Dies müssten sich alle Parteien ebenfalls einmal durch den Kopf gehen lassen.

Nun ist Angela Merkel, trotz gegenteiliger Empfindung, die Frau in diesem Wahlrennen, und da ihr Ehemann keinerlei äußere Ähnlichkeit mit ihr aufweist, wird in der SPD bereits die Existenz eines Merkel-Klons befürchtet. Was die Sozialdemokraten auch immer auf ihre Fahne schreiben: Mindestlohn, Finanzmarktregulierung, angemessene Renten oder eben die starre Frauenquote in den Aufsichtsräten, Angie ist schon da! Es werden aufgrund dieses Phänomens sogar mehrere Klone in Erwägung gezogen, aber Genaueres weiß man nicht.

Nun meinte der Präsident des Wirtschaftsrates der CDU Lauk, er fände es gar nicht gut, wenn die Parteispitze, in Bezug auf die Frauenquote, dadurch erpresst würde, dass aus eigenen Reihen angedroht wird, notfalls mit der Opposition zu stimmen, um sie- die Quote, nicht die Opposition- durchzusetzen. Dies war mir neu! Ich wusste bislang nicht, dass es sich um eine Form der Nötigung handelt, eine eigene Meinung zu haben. Aber Angela weiß Rat. Sofort wird einer ihrer- vermutlich zahlreichen-Klone aktiv und- hast du nicht gesehen!- schon steht eine feste Frauenquote von 30% bis zum Jahr 2020 im Wahlprogramm. Da ein Wahlprogramm alles andere als verbindlich ist, darf dieser Punkt völlig ohne Konsequenz besetzt werden, und die SPD hechelt hasengleich hinterher.

Mittlerweile hat sich außer der Klon-Vermutung ein anderer Verdacht bei den Oppositionellen eingeschlichen. Kann Merkel Gedanken lesen? Braucht irgendjemand aus dem gegnerischen Lager nur an eine Reform denken, und Angie ist informiert? Ist sie gar eine Hexe mit übersinnlichen  Fähigkeiten? Haben es Menschen, die jeder Meinung hinterher hecheln, wie Gabriel und Seehofer, mit dunklen Mächten zu tun? Was bleibt für Steinbrück, der nicht weiter als bis zu einer Kanzlerschaft denkt? Da ist Merkel ja auch schon! Wenn sie ihre Fühler in Richtung „Alternative für Deutschland“ ausstreckt, schafft sie dann den Euro ab, für den sie jetzt noch kämpft?

Ich stelle mir gerade vor, jemand in meiner Umgebung wüsste schon im Vorhinein, was ich gleich tun werde- eine grauenhafte Vorstellung, da ich dies noch nicht einmal selber weiß.

Vor Kurzem haben die Hirnforscher nachgewiesen, dass zunächst die Handlungsneuronen feuern, bevor eine Tat in Erwägung gezogen wird. Wir reden uns also im Nachhinein ein, genau das gewollt zu haben, was wir da gerade tun. Evolutionär ein Vorteil, denn es hat sich als nachteilig erwiesen, erst zu überlegen, wer oder was im Gebüsch raschelt. Man rennt besser gleich los, auch wenn es sich hinterher als unnötig heraus stellt. Noch besser ist es natürlich, dort zu sein, wo einen im Leben kein Feind vermutet hätte. So gesehen, stellt Merkel vielleicht einen neuen Evolutionsschritt dar.

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15. April 2013

Fettnäpfchen

Offiziell gibt es keine Eigentore beim Eishockey. Warum ist das Leben kein Eishockeyspiel, fragt man sich da. Es wäre so viel einfacher!

Nehmen wir zum Beispiel Steinbrück. Auf die Anmerkung der Interviewerin des Morgenmagazins vom letzten Freitag, warum die SPD ihren Wahlkampfslogan „Das Wir entscheidet“ nicht gegoogelt hat, bevor sie ihn ausgerechnet von einer Leiharbeitsfirma leiht(!), gab er zur Antwort: „ Hätte, hätte, Fahrradkette!“, woraufhin ich mich natürlich fragte, ob es sich bei diesem Ausspruch um eine Alternative zum raubkopierten, bzw. in Leiharbeit entstandenen Motto handelt, was gut sein könnte, denn, hätte der Mensch mehr uneigennützige Eigenschaften, wäre das Wahlprogramm der SPD einigermaßen realistisch. Da er es aber nicht hat, müssen die Sozialdemokraten gleichzeitig ein neues Menschenbild fordern, ohne Egoismus und nur vom Gemeinsinn beseelt. Ein Slogan, der sich in Konjunktiven erschöpft, drängt sich da geradezu auf.

Andrea Nahles meinte zum Wahlspruchdesaster, die SPD befände sich noch gar nicht im Wahlkampf, was meiner Ansicht langsam Zeit wird. Gabriel scheint übrigens meiner Meinung zu sein, denn er schlachtete den neuen Pferdefleischskandal gleich im Sinne der sozialistischen Grundidee aus: „Auch Arme müssen sich gesundes Fleisch leisten können!“ Was an Pferdefleisch jetzt so ungesund sein soll, erläuterte er aber nicht weiter. Ich stelle mir gerade vor, dieses Fleisch wird zur Delikatesse erklärt. Was Gabriel wohl dazu sagen würde?

Insgesamt macht es viel Spaß, den Interviews mit dem Spitzenkandidaten der SPD zu lauschen. Heute Morgen gab er an, dass er sich im Falle des Scheiterns seiner Kanzlerschaft, als Hauptstadtstudiochefin des ZDF bewerben wolle, was einerseits der von seiner Partei geforderten Frauenquote zu ihrem Recht verhilft, andererseits dem völlig neuen Menschenbild der SPD Raum gibt. Wollen sie uns zu transsexuellen Altruisten machen?

Ralf Stegner vom schleswig-holsteinischen, linken Flügel der SPD war heute Morgen sehr zuversichtlich und meinte, Steinbrück würde die Ziele der Sozialdemokraten munter vertreten. Na, wenigstens etwas, möchte man sagen! Es freut einen doch, wenn unsere Politiker wenigstens munter sind. Meistens sind sie es nur bis zur nächsten Wahl, aber immerhin!

Im Gegensatz zum Kanzlerkandidaten weiß die amtierende Kanzlerin schon lange, dass das Leben kein Eishockeyspiel ist und Eigentore nur verhindert werden können, wenn man so gut wie gar nichts sagt. „Sic tacuisses, philosophus manisses“, frei übersetzt: Halt die Klappe, wenn du für weise gehalten werden willst, denn sich um Kopf und Kragen reden ist leicht.

Stegner führte übrigens weiter aus, der arme Steinbrück könne aus der Bibel vorlesen, es würde ihm zum Nachteil ausgelegt. Nun gibt es, soziologisch betrachtet, zitierbare und weniger zitierbare Stellen in der Heiligen Schrift. Aber auch ein Steinbrück ist lernfähig. Hat er doch aus seinem privaten, alttestamentarischen „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ein neutestamentarisches „Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan“ gemacht und bewiesen, dass aus Wölfen doch Schafe werden können. Wenn dann auch noch aus Männern Frauen, aus Kapitalismus Sozialismus, aus Finanzhaien Heringe und aus Menschen Heilige werden, dann, ja dann wird alles gut.

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11. April 2013

Operationen

Eine Studie des Amtes für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bringt es an den Tag: Operationen am lebenden, menschlichen Objekt werden nicht länger aufgrund von medizinischer Indikation, sondern aus reiner Profitgier vorgenommen.

Wer also unter einem eingewachsenen Zehennagel leidet, sollte nicht das örtliche Krankenhaus aufsuchen, denn möglicherweise kommt er ohne Fuß, oder, je nach Fortschritt der Malaise, ohne Bein wieder heraus. Auch nach Schnittverletzung an den Händen, bevorzugen Chirurgen- besonders diejenigen in der Ausbildung zur Handchirurgie- den großen Schnitt und nehmen Fingerplastiken in Angriff, wo ein Pflaster genügt hätte.

Vorsicht ist also geboten!

Wer einen Eiterpickel an der Nase hat, muss mit Eingriffen im gesamten Gesichtsbereich rechnen, was bei einigen Zeitgenossen durchaus von kosmetischem Vorteil wäre, aber, wer möchte schon wegen der Behandlung einer einzigen Pustel, hinterher, im häuslichen Umfeld, nicht mehr wiedererkannt werden. Ein kurzfristig zwickendes Gelenk wird gerne durch ein Künstliches ersetzt, und man hüte sich vor der Angabe von linksseitigen Stichen in der Brust, denn das Kunstherz ist noch nicht so richtig ausgereift.

Es scheint, als würde die Chirurgie in die mittelalterliche Zeit der Bader zurück wollen. In den damaligen Badestuben wurde operiert, wer lediglich das Bedürfnis nach körperlicher Hygiene empfand, was den Preis natürlich merklich in die Höhe trieb. Aus den Badern wurden die Handwerkschirurgen, und letztendlich ist ein Chirurg nicht mehr und nicht weniger als ein Handwerker.

Keiner, der sein Auto in die Reparatur bringt, wundert sich darüber, wie viel an seinem Fahrzeug, ohne seines Wissens, defekt war und folgerichtig ersetzt, oder repariert werden musste. Was einem Automechaniker recht ist, kann einem Operateur nur billig, bzw. teuer sein. Beim Friseur dasselbe Phänomen. Man wollte einen schlichten Haarschnitt und kommt gezupft, gefärbt, gesträhnt, gewellt und mit einer gewaltigen Rechnung wieder nachhause.

Da Krankenhäuser keine Orte der Heilung mehr, sondern Wirtschaftsunternehmen sind, sollte man sich nicht wundern, wenn einem das eine oder andere eben aufgeschwatzt wird, nach dem Motto: Darf es etwas mehr sein? Obwohl in diesem Falle von weniger die Rede sein muss; schließlich kann man etliche Körperteile und Organe durchaus entbehren.

Zurzeit wird in einigen Krankenanstalten über „all inclusive“ Angebote diskutiert, denn, wenn man schon mal da ist, bietet sich eine Generalüberholung zum Schnäppchenpreis geradezu an. Schließlich steigt mit jeder Kunststoff- oder Metallprothese der Anteil an der Unsterblichkeit.

Auch über „OP`s-to go“ lohnt es sich, nachzudenken, was Beinamputationen naturgemäß nicht mit einschließt.

„Aus deutschen Landen direkt auf den Tisch!“ Der alte Werbespruch bietet noch einiges an Potential.

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10. April 2013

Geisterfahrer

Jedes Jahr gibt es 1.800 erfasste Falschfahrer, wobei die Dunkelziffer natürlich wie immer höher ist. Diese Gespenster der mehrspurigen Fahrbahnen verursachen –  laut Statistik – 80 Unfälle mit 26 Toten, und nun wird ein ausführlicher Maßnahmenkatalog diskutiert, wie sich solche Aktionen des unerlaubten Gegenverkehrs am wirkungsvollsten verhüten lassen. Nur, wenn man bedenkt, dass die meisten dieser Horrorexpeditionen unter Einfluss von Drogen und Alkohol stattfinden- es sich also um wahrhaftige Ausflüge in die konträre Richtung allgemeiner Regeln handelt- stellt sich die Frage, wie man dies verhindern will.

Geisterfahrer scheinen überhand zu nehmen. Global gesehen denke ich da an Nordkorea, dicht gefolgt vom Iran, China und Russland, die, was Menschenrechte und Solidarität betrifft, eifrig im Gegenverkehr unterwegs sind. Auf europäischer Ebene habe ich da eher die Briten im Sinn, die doch tatsächlich der Ansicht waren, ihre gesamte Industrie den Bach hinunter gehen lassen zu können, um nur noch als Aasfresser des Raubtierkapitalismus zu schmarotzen, ähnlich wie Zypern. Auch betuchte Steuerflüchtlinge, die der EU jährlich Mindereinnahmen von einer Billionen – sprich: eintausend Milliarden – bescheren, gehören für mich in diese Kategorie, ebenso, wie die Heuschreckenplage der Finanzwelt. Wobei mir gerade auffällt, ob nicht das kapitalistische System an sich der Geisterfahrer der Menschheit schlechthin ist. In diesen Fällen werden übrigens keine Maßnahmenkataloge in Betracht gezogen.

Ich bin ich und nach mir die Sintflut hat sozialistische Systeme zum Scheitern verurteilt. Wenn einem persönlich in die Tasche gegriffen werden soll, sind wir alle schon einmal gerne auf Konfrontationskurs, auch ohne Alkohol und Drogen, lediglich berauscht von der eigenen, übertriebenen Bedeutung, dabei hat uns die Evolution eigentlich als Gruppenwesen konzipiert. Wie ich uns kenne, werden wir den Narzissmus aber soweit kultivieren, dass im Endeffekt nur noch das alttestamentarische „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ übrig bleibt, da wir uns ständig in die Quere kommen werden.

Was sich auf der Autobahn als sinnvoll erweist, sich so weit wie möglich rechts halten, hat auf internationaler Ebene fatale Auswirkungen und, was rein nationales Interesse gegen den Rest der Welt bewirken kann, haben die Deutschen eindrucksvoll demonstriert.

Der zweithäufigste Grund für Geisterfahrer im Straßenverkehr ist übrigens Orientierungslosigkeit(!), was sich wieder wunderbar extrapolieren lässt, denn wer keine Werte kennt, nach denen er sich richten kann, irrt eben auf falschen Wegen herum. Es liegt in der Natur des Richtungsanzeigers zum großen Geld, dass er die falsche Auffahrt ausweist und diejenigen, die so blöd sind zu meinen, sich immer noch an Regeln halten zu müssen, gnadenlos überrollen lässt, wenn sie am wenigsten damit rechnen. Wer geht auf der Autobahn schon davon aus, dass ihm jemand entgegen kommt? Und wer rechnet schon mit dermaßen katastrophalen Auswüchsen von egomanischer Skrupellosigkeit?

Die wirksamste Methode, einen Falschfahrer auf seinen Irrtum aufmerksam zu machen, ist meiner Ansicht nach ein Stau. Vielleicht sollten wir alle solange anhalten und uns nicht von der Stelle rühren, bis auch der dämlichste Geisterfahrer gemerkt hat, dass es hier partout nicht lang geht.

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22. März 2013

Zypern-Rettung

Wir alle werden Zeugen eines internationalen Ping-Pong-Spieles. Zypern schnürt ein Rettungspaket und drischt diesen Tischtennisball mit Drall der EU-Kommission zu, die gerade eben noch parieren kann und mit einem Schmetterball erwidert. Auf der Seite Zyperns stand bisher als moralische Unterstützung Russland mit am Tischrand, um im Notfall den Spielverlauf positiv zu beeinflussen, aber nun, da es aktiv in das Geschehen eingreifen soll, zieht es sich zurück, weil das Interesse, Zypern zu retten, gering ist, denn es gilt als das Paradies russischer Steuerflüchtlinge.

Die Finten der Zyprioten geraten immer riskanter. Nach dem geplanten, gescheiterten Griff in die Sparstrümpfe der Bürger, sollen nun die Rentenkassen geplündert und der Kirchenschatz verscherbelt werden, was alle EU-Bürger mit der Frage: „Geht das auch bei uns?“, in Panik versetzt. Nun könnte der Vatikan die finanzielle Rettung Italiens quasi aus der Portokasse bezahlen, aber das ist ein anderes Thema.

Ca. 7 Milliarden muss Zypern aufbringen, um 10 Milliarden von der EU zu erhalten und die Uhr tickt lauter und lauter, denn in wenigen Tagen wird die EZB ihre Zahlungen einstellen. Dabei wäre es so einfach Zypern zu retten, denn jeder, der ein Interesse daran hat, sein Geld weiterhin waschen und illegal lagern zu können, sollte, gerne auch anonym, sein Scherflein dazu beitragen. Bei den in Zypern gehorteten Summen dürfte auf diese Weise locker das  erforderliche Eigenkapital zusammen kommen, aber nein, was machen die skrupellosen Profiteure eines laschen Bankensystems, sie warten nur darauf, ihr Geld in Sicherheit bringen zu können und berauben sich selbst ihrer sicheren Schatzhöhle. Im Prinzip das Gleiche, als wenn die Mafia Sizilien in die Luft sprengen würde, oder ein Dealer seinen Hauptlieferanten denunziert, oder ein Einbrecher seinen Hehler verrät.

Geld scheint nicht glücklich, sondern vornehmlich dämlich zu machen und diese Dämlichkeit steigt direkt proportional zur vorhandenen Barschaft. Sobald eine Währung hinter einer fiktiven Zahl steht, scheinen sämtliche Hirnaktivitäten zum Erlöschen zu kommen. Sobald Dollarzeichen in den Augen leuchten, vernebelt sich der Blick auf alles Übrige.

Bezeichnend fand ich ein Interview auf Zypern. Ein junger Mann wurde gefragt: „Machen Sie sich Sorgen um ihr Geld?“ Die lapidare Antwort lautete: „Nein, wieso? Ich habe gar keines!“

Mit den großen Geldmengen verhält es sich so wie mit einem überdimensionierten Luxusauto- schön zu haben, aber man hat doch gewaltige Parkplatzprobleme. Dieses Abstellproblem hat Zypern lange Jahre zur allgemeinen Zufriedenheit der Schmarotzer bedient, aber, was passiert mit einem Schmarotzer, der sein Wirtstier tötet? Richtig, er geht selber ein! Nun haben wir es im Geldmarkt mit äußerst hartnäckigen Exemplaren dieser Spezies zu tun, denn, kaum ist ein Wirtstier erledigt, wird sofort ein anderes befallen und wenn diesem die Luft zum Atmen ausgeht, gibt es genug Wirtstiere, die sich regelrecht anbiedern in der wahnhaften Annahme den schädlichen Befall in Grenzen halten zu können. Biologie Grundkurs sage ich da nur.

Schade nur, dass Finanzhaie nicht ebenso gestrickt sind wie manche Viren, die dermaßen tödlich sind, dass der Wirt, aufgrund arg verkürzten Lebens, nicht in der Lage ist, die Infektion weiter zu verbreiten.

Geldmarktviren sind eher so wie Grippeviren. Man kann sich darauf verlassen, dass sie niemals aussterben, in schöner Regelmäßigkeit wieder kommen und dann womöglich noch mutiert sind, weswegen es keine dauerhafte Impfung gibt, weder gegen Grippe, noch gegen Spekulanten.

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21. März 2013

Equal pay day

In Deutschland scheint sich der Heiratsmarkt für Frauen eher zu lohnen als der Arbeitsmarkt, denn die Lohngerechtigkeit hat sich seit 2012 um- sage und schreibe!- einen Prozentpunkt, von 23% weniger als männliche Kollegen, auf 22% verbessert. Frauen haben bis zum heutigen Tag arbeiten müssen, damit sie die gleiche Bezahlung erreichen wie die Männer im letzten Jahr, sprich, 80 Arbeitstage mehr für ein angeglichenes Lohnniveau.

Da wird Frau doch nicht in eine jahrelange Ausbildung investieren, sondern sich ein Beispiel an Friede Springer nehmen, die es vom einfachen Kindermädchen zur Mehrheitsaktionärin gebracht hat, allein durch Heirat. Ein kinderloser(!) Freund von mir liegt mir ständig in den Ohren, weil wir unsere beiden Töchter ins Studium schicken, anstatt zum Ballett, zum Anstandsunterricht, zum Schönheitschirurgen-sie haben es übrigens beide nicht nötig- und zu einer Grundausbildung im Kamasutra, um sie dann auf den Heiratsmarkt der Chefetagen zu werfen.

Schneller kann man als Frau immer noch nicht Karriere machen!

Man denke nur an Sylvia Sommerlath. Von der einfachen Hostess zur Königin von Schweden, da kommt man als Mutter schon einmal ins Grübeln, besonders, wenn man so viele eigene positive Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt gesammelt hat. Bei meinen Bewerbungen zur Assistenzärztin in diversen Krankenhäusern wollte mir ein Chefarzt eigenhändig eine Drei-Monatsspritze verpassen, bevor er an eine Anstellung meinerseits denkt. Der Nächste hielt es für durchaus angemessen, wenn ich meine Gebärmutter im Glas dabei hätte, und der Dritte hatte zwar ebenfalls angeblich keine Stelle für mich, fand aber mein Bewerbungsfoto so ansprechend, dass er ein Bewerbungsgespräch nur deswegen initiierte, um ein Schaulaufen in seinem Büro zu genießen, wie er mir süffisant mitteilte. Dieses Gespräch fand um 21:45 Uhr statt, und ich frage mich bis heute, ob er an eine kleine Betteinlage gedacht hat, um sich meiner Qualifikation zu versichern, aber, da ich sofort aufgestanden und gegangen bin, werde ich es wohl nie erfahren.

Der Nächste wiederum war überzeugter Katholik und bemängelte die Tatsache, dass ich in wilder Ehe lebte, was beim Mann natürlich weniger schlimm erscheint, als wenn Frau es praktiziert.

Meine älteste Tochter bewirbt sich seit Anfang des Jahres vergeblich um eine Stelle in der Führungsetage bei BMW, obwohl in einem Interview der „Welt“ gesagt wurde, dass es an den Hochschulen gar nicht so viele Absolventinnen gibt, wie der Konzern gerne einstellen möchte.

Also doch lieber die Jüngste von der Uni nehmen und zur perfekten Braut ausbilden lassen?

Schließlich war Inge Quandt auch nur Sekretärin und bestieg die Karriereleiter durch Heirat. War meine Direktive auf eigenen Beinen stehen zu sollen falsch? Krankenschwestern habilitieren doch auch durch die Ehe mit einem Chefarzt; Sekretärinnen oder Kindermädchen führen Weltkonzerne. Auf welcher Karrierestufe würde ich mich jetzt befinden, wenn ich das ominöse Bewerbungsgespräch bis zum bitteren Ende durchgehalten hätte? Ich weiß es nicht. Was ich aber genau weiß ist, dass die Emanzipation noch immer nicht aus dem Stadium des Papiertigers hinaus ist, was allein durch die Existenz des „Equal pay day“ bewiesen wird.

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20. März 2013

Frühjahrsputz

Die immer höher steigende Sonne bringt es an den Tag: Großreinemachen ist überfällig! Die dunklen Wintermonate haben gnädig vor dem Auge der kritischen Hausfrau verborgen, welche Ecken einer dringenden Revision bedürfen, aber nun erscheint, im wahrsten Sinne des Wortes, alles doppelt und dreifach ausgeleuchtet.

Dies sind die Momente, in denen ich ruhelos durch das ganze Haus laufe, während sich in mir der kaum zu bändigende Drang ausbreitet, die anstehenden Arbeiten mithilfe von Benzin und Streichholz zu lösen. Heiße Renovierung, wenn man so will. Meine Hunde entledigen sich ihres Winterfells einfach so, ohne sich weiter darum zu kümmern, warum also sollte ich es anders machen? Manchmal hilft es, wenn ich den Patrouillengang ohne Brille absolviere, dann sieht es  gar nicht übel aus, wobei dieser Trick nur bei mir Wirkung zeigt, weil mein Gatte keine ebenso starke Sehhilfe benötigt und deswegen auch blanken Auges sieht, was es zu sehen gibt.

Zusätzlich zu diesem Problem musste ich mir heute Morgen die Ratschläge einer Putzexpertin anhören. – Existiert eigentlich irgendetwas auf der Welt, für das es keinen Experten gibt?- Diese Fachfrau machte mich auf zu putzende Stellen meines Heimes aufmerksam, auf die ich noch gar nicht gekommen war. Zu allem Überfluss hatte sie ein kleines Chemielabor auf dem Tisch vor sich aufgebaut und murmelte etwas von Sodalaugen, Säuren, Chlor und anderen Vertretern des Periodensystems der Elemente. Die Physik kam durch diverse Mikrofasern, Scheuertücher, Bürsten und deren Reibungseigenschaften ebenfalls zu ihrem Recht, und mir fiel einmal mehr auf, wie wenig und selten ich in der Schule aufgepasst habe.

Die gewaltige Anzahl der Zuschauerfragen machte deutlich, dass ganz Deutschland sich mit ähnlichen Überlegungen befasst wie ich. Es riefen sogar Männer an, da Autos anscheinend vom Frühjahrsputzzwang nicht ausgenommen sind. Da man Zwängen nicht immer und unbedingt nachgeben soll, widerstand ich der Versuchung, mir Notizen zu machen; trotzdem weilen meine Gedanken seit dem Auftritt der Profiputzerin in den diversen Drogerie-Märkten und Apotheken unseres Ortes, und ich werde heute noch den einen oder anderen Einkauf tätigen, um wenigstens einen kleinen Teil meines Gewissens zu entlasten, denn auch die gute Absicht zählt bereits. Obwohl, wenn ich es genau bedenke, ein Großteil von „Wunderreinigern“ bereits in unserem Keller lagert, da Anschaffung nicht unbedingt Anwendung bedeutet- bei mir jedenfalls nicht. Mein Mann vermutet schon seit längerem, dass es sich bei unserem Keller um ein Außenlager der BASF handelt, denn gewieften Politikern gleich, pflege ich Grundreinigungsbedarf einfach auszusitzen und abzuwarten, welche Errungenschaften es in ferner Zukunft ermöglichen, dem Frühjahrsputz zu entgehen. Ich denke da an selbstreinigende Oberflächen und Lotosblüteneffekte. Es gibt schon Saugroboter auf dem Markt, warum dann nicht auf Putzroboter warten? Schließlich saust, bereits zu meinen Lebzeiten, Curiosity auf dem Mars herum und sammelt dort Staub und Dreck ein, da wird es doch wohl ein leichtes sein, ein ähnliches Kerlchen für den einfachen Haushalt zu konstruieren.

Insgesamt hat dieser Text eine doch sehr beruhigende Wirkung auf mich, nachdem mich die Reinigungsexpertin kurzfristig verstört hatte. Vielleicht drehe ich gleich noch eine meditative Runde ohne Brille durch das Haus und stelle dabei fest, dass eigentlich alles in Ordnung ist.

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19. März 2013

Papst

„Homo- Ehe ist Teufelsmanöver“, dies also zur Zitat-Fähigkeit des neuen Oberhirten, der sich Papa nennt. O.K. es war schon ergreifend, wie sich alle Pilger des Petersplatzes versammelt hatten, nur um zu bezeugen, dass es bei Verbrennungsprozessen zur unterschiedlichen Farb-Gestaltungen kommt.

„Habemus papam“, damit hatte sich mein Abendprogramm- ich wollte eigentlich „Bloch“ gucken- im Fernseher eigentlich erledigt. Ich halte einen 76-jährigen eher für einen Großvater als für einen Vater und, was den Papst betraf, wusste ich bereits vor dem Wahlausgang, dass es sich nur um einen greisen, katholischen Mann jenseits von Gut und Böse halten konnte.

Jedenfalls war ich hochbesorgt darüber, dass unser neuer Pontifex das „Vater unser“ eher stammelnd als  sprechend, nicht über die Balustrade kippte; es sah bedrohlich so aus. Außerdem war er nicht in der Lage, den Segen „Urbi et orbi“ frei sprechend zu absolvieren, da ihm andauernd Texttafeln unter die Nase gehalten werden mussten. Im stolzen Alter von 76- Jahren sei ihm dies verziehen. Ab dem siebzigsten Lebensjahr kann man eigentlich stündlich damit rechnen, von den eigenen Kindern in ein Pflegeheim abgeschoben zu werden, weil man eben alt, dem Altersstarrsinn verfallen und vergesslich ist. Nicht so im Vatikan, da leben die Alten im fortgeschrittenen Lebensjahrzehnt noch einmal richtig auf; dann wird  eben ein 76-jähriger Jungspund gewählt.

Die Rente mit 67 Jahren erscheint dagegen lachhaft.

Heute nun die offizielle Amtseinführung von Franziskus I, mit der eine neue Form von Experten aus dem Boden schießt – die Vatikankenner! Einer dieser Fachidioten wusste schon darüber zu berichten, dass der Kurie- die Kirchenregierung, für Nicht-Kenner- Angst und Bange ist, denn unter dem Jesuiten Franz soll und darf in der katholischen Kirche nicht mehr geprasst, geprunkt und um die Macht gepokert werden.

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War der Vatikan also bis dato eine Versammlung von Prahlhanseln, Prassern und machtgeilen Opportunisten? Unvorstellbar! Was ist überhaupt mit der Machtgeilheit? Fällt sie nicht unter das Keuschheitsgelübde? Und überhaupt, was bleibt den Kirchenmännern noch, wenn sie banale sexuelle Lust nicht mehr in Form von Äußerlichkeiten sublimieren dürfen? Bei älteren Normalmännern, die einen Porsche fahren, kann man doch auch davon ausgehen, dass in deren Sexualleben einiges nicht stimmt. Fragen über Fragen, mit denen sich der neue Papst auseinanderzusetzen hat. Dass er die Fragen zum Zölibat und zur Homo-Ehe nicht zeitgemäß beantworten wird, ist so sicher „wie das Amen in der Kirche“. Ebenso unangetastet bleiben wohl der Umgang mit dem Missbrauch und das allgemeine Frauenproblem der Altherrengesellschaft. Was mich nun geradewegs darauf bringt, warum Päpste so uralt sein müssen, denn bei denen ist damit zu rechnen, dass sie wenigstens eines ihrer Gelübde, das der Keuschheit, problemlos einhalten können. Franziskus I will sich nun auch um die Armut bemühen, wird aber zuversichtlich am Bruch des dritten Gelübdes, das des Gehorsams, scheitern.

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18. März 2013

Zypern

Hatten Generationen von Großeltern recht, als sie uns die Matratze als den sichersten Aufbewahrungsort für Geld anempfahlen? Wenn man auf Zypern sieht, könnten sie gar nicht so falsch gelegen haben, denn dort sollen von Sparguthaben bis zu 100.000 Euro 6.75% und von denen darüber hinaus mal eben so 9.9% einbehalten werden. Wie man jetzt auf diese krummen Zahlen kommt, erschließt sich mir nicht gleich, ebenso wie es das das ganze Manöver nicht tut, über das im zyprischen-zypriotischen? – Parlament heute abgestimmt werden soll. Wenn man bedenkt, dass die ausländischen Anleger-immerhin ein Drittel-vorwiegend Russen und Engländer übrigens-von der Nacht- und Nebelaktion Wind bekommen haben sollen und ihre Barschaft schon weggeschafft haben, während die in Unwissenheit gehaltenen Kleinsparer vor Geldautomaten standen, die nichts mehr heraus rückten, dann wird die Aktion zur beispiellosen Frechheit.

Wird hier im Kleinen getestet, was im Großen passieren kann? Ist Zypern eine Art Laborversuch für Länder wie Spanien, Portugal und Italien? An Stelle der Bewohner dieser Staaten würde ich nicht still hier sitzen und diese Zeilen schreiben, sondern seit Öffnung meiner Hausbank dort am Schalter stehen und retten, was zu retten ist. Dabei gäbe es in Zypern durchaus eine Alternative zum staatlich verordneten Raubzug. Man lässt die Bank einfach Pleite gehen. Sparguthaben bis 100.000 Euro wären gesichert und man bekäme exorbitante Schwarzgeldkonten beim Wickel. Leider tun sich Regierungen seit jeher schwer damit, die „Reichen und Schönen“ in ihrem  Reichtum und ihrer Schönheit zu stören. Deren Geld steckt sowieso in Sachwerten wie Firmenanteilen und Immobilien und mit bunt bedruckten, immer wertloser werdenden Scheinen, haben sie mehrheitlich schon lange nichts mehr am Hut.

Besonders leid tat mir heute Morgen ein Zypriote, der für das Studium seiner Tochter einen Kredit aufgenommen hat; dieses Geld befindet sich jetzt natürlich auf seinem Konto, aber er kommt nicht mehr heran! Er zahlt also Zinsen für Geld, das ihm nicht mehr zur Verfügung steht. Da muss man erst einmal drauf kommen! Die Leidensfähigkeit des einfachen Menschen scheint größer als jemals gedacht. Da wird gekrochen und geschuftet, um für die Eurokrise aufzukommen, die nichts anderes war und jemals sein wird, als eine Krise der Banken. Da wird großem Geld immer noch mehr Geld hinterhergeworfen und, wem bislang noch nicht zum Erbrechen Übel war, dem sollte spätestens jetzt die Galle überkochen.

Die Erfindung und Einführung des Euro wird bestimmt einmal in die Liste der größten historischen Irrtümer aufgenommen, als da wären: das Alter der Erde, ihre Scheibenform und die Annahme, sie würde sich im Zentrum des Universums befinden, dicht gefolgt vom Glauben, beim Menschen handele es sich um die Krone der Schöpfung. Ein guter 5. Platz ist dem Euro also sicher.

Dafür sind die Staaten Europas einfach zu verschieden; wenn man sich auch noch so sehr auf den Kopf stellt, aus einem Apfel wird niemals eine Birne, auch wenn beides Obst ist.

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13. März 2013

Anachronismen

Während in der Atacama-Wüste das größte jemals gebaute Weltraumteleskop in Betrieb genommen wird, um die Entstehung von Sternen zu erforschen und der Marsroboter Curiosity ehemaliges Leben auf dem Mars wahrscheinlich macht, starrt die ganze Welt auf einen Kamin und übt sich im „Smoke-watching“ wie es ein Reporter auf dem Petersplatz heute Morgen sehr treffend ausdrückte.

„So schwarz wie gestern war der Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle noch nie“, bemerkten kundige Papstwahlpilger. Was schließen wir daraus? Hat etwa Satan persönlich bei diesem Konklave die Hand im Spiel? Hat er die Handystörsender rund um die Sixtina außer Kraft gesetzt, sodass dem alten Ritual der Nimbus (die schwarze Wolke!) des Rätselhaften genommen wird? Warum überhaupt ein Störsender? Sind die Hauptbewahrer des Beichtgeheimnisses nicht in der Lage, wenigstens ein paar Tage lang Stillschweigen zu bewahren, was ihre Entscheidung für einen neuen Papst betrifft?

Dies bestätigt meine Vermutung zur Einführung des Zölibats, denn den Hauptgrund für diese Irrsinnsverfügung sehe ich in der Beichte. Verheiratete Männer werden eben gerne von ihren Ehefrauen ausgefragt, was eventuelle Neuigkeiten betrifft, und es gibt nichts Interessanteres als Beichtstuhlgeständnisse! Zölibat gegen häusliche Inquisition, da muss man erst einmal drauf kommen.

Wahrscheinlich soll durch den Störsender verhindert werden, dass umgehend etliche Haushälterinnen- in Ermangelung einer Gattin- von den Fortschritten des Konklaves unterrichtet werden.

Die Kardinäle schreiben ihren Favoriten übrigens in verstellter Handschrift auf den Wahlzettel, wie ich heute früh erfahren habe, um zu verhindern, dass irgendjemand erfährt, wer da für wen gestimmt hat, einschließlich des Wählers selbst, denn bei dem fortgeschrittenen Alter der Kirchenfürsten, können diese sich zumeist nicht mehr daran erinnern, welchen Namen sie nieder geschrieben haben, und es am Schriftbild auch nicht mehr rekonstruieren, was eine Weitergabe zusätzlich unmöglich macht. Trotzdem deutete ein „Vatikankenner“ die Gesichter der Sekretäre der Kardinäle dahin gehend, dass mit einem italienischen Papst zu rechnen ist. Wurden da trotz aller Sicherheitsvorkehrungen Kopfkissengespräche geführt?

Gottes Wege mögen verschlungen sein, aber die Tücke Satans dreht unüberschaubare Volten.

Die Ergebnisse von Curiosity legen sehr primitive Lebensformen nahe und wir können von Glück sagen, dass der kleine Kerl nicht auf der Erde eingesetzt wurde, denn höchstwahrscheinlich hätten seine Untersuchungen in heimischen Gefilden ein ähnliches Resultat erbracht und, was nützt es uns, die Entstehung von Sternen zu verstehen, wenn wir schon mit dem menschlichen Geist, oder besser gesagt, der Geistlichkeit, nicht zurande kommen?

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12. März 2013

Konklave

Im 13. Jahrhundert hat ein Konklave schon einmal drei Jahre gedauert. Werden wir also den zurzeit berühmtesten Kamin so lange im Auge behalten müssen? Interviews mit Pilgern zur Papstwahl zeigten deren Zuversicht, dass der Heilige Geist wohl alles richten würde, in dem er über die 115 Kardinäle kommt, die sich um 16:30 Uhr in der Sixtinischen Kapelle zur Wahl eines neuen Pontifex versammeln. Die Erwartungen an den neuen Oberhirten sind groß: Er soll ein Gelehrter sein, Führungsstärke besitzen, sich mit Twitter und Co. auskennen, zum Großreinemachen in der Lage, nicht zu alt, hingegen wiederum nicht zu jung sein, Managementfähigkeiten besitzen, aber trotzdem durchgeistigt erscheinen, begnadet predigen können, ein asiatisch-afrikanisch-südamerikanisch-chinesischer Italiener sein, demnach alle Sprachen der Welt beherrschen und trotzdem noch einfacher Mensch bleiben. Das Einzige, was meiner Information nach, nicht von ihm verlangt wird, ist, dass er eine zweite jungfräuliche Geburt zustande bringt. Warum die Wahl nicht nach Hollywood verlegt wird, ist mir ein Rätsel, denn Superhelden stellen allein für die amerikanische Filmindustrie kein Problem dar. Wahrscheinlich liegt es daran, dass dort der Heilige Geist selten Einfuhr hält. Warum der neue Papst nicht gleich beim ersten Wahlgang feststeht, ist mir ebenfalls schleierhaft, denn, wenn der göttliche Wille sich alle Kardinälen gleichzeitig offenbart, dürfte der Wahlausgang von vorne herein feststehen, oder gibt es mehrere Heilige Geister?

Es könnte natürlich auch sein, dass der himmlische Wunsch auf Alterstarrsinn trifft, obwohl die wahlberechtigten Kirchenfürsten nicht älter als achtzig Jahre sein dürfen. Politisches Kalkül und Machtstreben kann bei den Gläubigsten der Gläubigen doch wohl keine Rolle spielen, oder etwa doch?

Diejenigen, die uns Gottes Ratschluss so sehr ans Herz legen, können doch nicht selber immun dagegen sein? Wird bei ihnen aus: Der Mensch denkt; Gott lenkt, etwa ein: Der Mensch denkt, Gott lenkt? Wenn es der „Herr, den seinen doch im Schlaf gibt“, warum der ganze Aufwand? Wurde uns etwa verheimlicht, dass der WLAN-Anschluss in höhere Gefilde schon seit über zweitausend Jahren nicht mehr funktioniert? Wird von oben herab überhaupt kein Wert auf irgendwelche menschlichen Stellvertreter gelegt?

Fragen über Fragen, die sich bei der vatikanischen Inszenierung jedem stellen, der sich noch eigene Gedanken macht.

Jedenfalls wird in der Sixtina nicht herum diskutiert, sondern gebetet, bis die Erleuchtung zumindest zweidrittel der dort Versammelten überkommt; dies kann, wie die Geschichte lehrt, schon einmal mehrere Jahre lang dauern. Da das Osterfest ohne Papst eigentlich undenkbar ist, können wir spätestens bis zu diesem höchsten aller Kirchenfeste mit weißem Rauch rechnen.

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11. März 2013

Frühjahrsmode

Der Trend in diesem Frühjahr steht fest. Wir decken uns beim Winterschlussverkauf mit warmer Garderobe ein. Ab dem 4. März bis zum 6. März hat uns der Frühling gezeigt, wie es aussähe, wenn er denn käme. Da wurden bereits Winter- gegen Sommerreifen getauscht, Motorräder in die Inspektion gebracht, Schneeschieber und Schlitten eingemottet und dicke Jacken und Mäntel in Schränken verstaut. Ganz verwegene begannen bereits mit der Gartenbepflanzung völlig ungeachtet der Tatsache, dass der März- kalendarisch betrachtet- zum überwiegenden Teil noch zu den Wintermonaten gehört. Biergärten und Restaurants bestückten Terrassen mit dem erforderlichen Mobiliar, um Sonnenhungrige in den Außenbereich zu locken, doch nach drei Tagen saßen dort nur frierende Raucher im Schneesturm. Man lechzt förmlich nach Licht und Farben und hat das Einheitsgrau mehr als satt. Im Prinzip kann man sich nicht daran erinnern, ob Weihnachten bereits war, oder noch vor der Tür steht. Selbst die Grippeviren überlegen, ob sie eine weitere Runde über Deutschland drehen. Da kommen die 10.000 Lux-Lichtduschen an die Grenzen ihrer Wirksamkeit und man wagt kaum, einander ein flüchtiges: „Na, wie geht es?“ zuzuwerfen, weil man dadurch bestimmt in stundenlanges Jammern verwickelt wird. Derjenige, der sich zuerst nach dem Befinden erkundigt, hat im Vorfeld bereits verloren, da selbst notorische Frohnaturen, ob des Dauerwinters, in Wehklagen ausbrechen. Es ist schon erstaunlich, was man alles wegsteckt, wenn nur die Sonne scheint. Ebenso erstaunlich ist, wie viel uns auf die Nerven geht, wenn sie es eben nicht tut. Da werden bislang liebevoll tolerierte Marotten zu Scheidungsgründen und man spielt mit dem Gedanken, ob es nicht besser wäre, die eigenen Kinder zur Adoption frei zu geben. Die Zipperlein der älteren Generation lassen im Branchenverzeichnis nach Bestattungsunternehmen suchen und wenn heißgeliebte Haustiere eine Schlammspur auf dem frisch gewischten Fußboden hinterlassen, erkundigt man sich nach der Adresse des nächsten Chinarestaurants.

Was man immer schon einmal sagen wollte, wird endlich formuliert, obwohl man sich hinterher keinen Deut besser fühlt und insgesamt wird die Launenhaftigkeit des Wetters nur von der eigenen übertroffen. Die andauernde Kälte lässt uns schrumpfen und in uns selbst zurück ziehen und, wem man da begegnet, ist nicht unbedingt erfreulich, da erscheint es sinnvoller, dem anderen vorzuhalten, was man an sich selber nicht leiden kann.

Wieso hat uns die Evolution den Winterschlaf vorenthalten? Dann kämen wir zwar noch etwas verschlafen, aber gut gelaunt, bei den ersten wärmenden Sonnenstrahlen aus unseren Höhlen und hätten nichts weiter als Nahrungsaufnahme, Sex und Fortpflanzung im Sinn. So haben wir uns durch die Wintermonate hindurch richtig gemästet, dass sich die Nahrungsaufnahme von selbst verbietet. Eine Frau, die keine perfekte Bikini-Figur besitzt, hat alles andere als Sex im Sinn und überlegt dreimal, ob die Vermehrung mit einem Bierbauchträger lohnt. Ein unleidiges Kind, das sich monatelang nicht draußen austoben konnte, ist eigentlich auch nur in der Einzahl erträglich. Summa summarum hat die Evolution hier einen Missgriff getan, wenn es um den Erhalt unserer Art geht, besonders, was die nördlichen Breitengrade betrifft. Die Lust, uns gegenseitig auszurotten, ist nur durch schier endlose graue Wintermonate erklärbar.

Wer stattdessen schläft, „sündigt nun einmal nicht“.

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8. März 2013

Nordkorea

„Gefährlich ist`s den Leu zu wecken; verderblich ist des Tigers Zahn; doch der schrecklichste der Schrecken ist der Mensch in seinem Wahn“. Diese Volksweisheit war der Favorit meiner Großmutter. Aktuell wie nie beschreibt sie dezidiert das Verhalten Nordkoreas.

Der Leu, also Löwe, ist Amerika. Der Tiger China, der es mittlerweile Leid ist, sich von einem gehätschelten Welpen ans Bein pinkeln zu lassen und, wo in diesem Szenario der menschliche Wahn auftaucht, brauche ich nicht näher zu erläutern.

Atomarer Erstschlag gegen die USA, wie blöder geht es eigentlich noch? Japan hat es bereits durch. Der Angriff auf Pearl Harbour hatte Hiroshima und Nagasaki zur Konsequenz.  Im Moment scheint Amerika das Ganze noch nicht allzu ernst zu nehmen; eine direkte Reaktion lässt noch auf sich warten, aber auf Säbelrasseln wurde immer schon mit Säbelrasseln reagiert. Im Prinzip verstehe ich die Bevölkerung von Nordkorea, das komplette System nicht. Wenn selbst China in Bezug auf Totalität einen Rückzieher macht wie funktioniert dann dieser Staat? Wie denken diese Menschen?

Nun ja, die ehemalige UDSSR und die DDR haben genau so funktioniert, aber es gab eben Dammrisse, die zur Überschwemmung führten, obwohl sich manche Menschen offensichtlich in eine zentral geregelte Welt zurück sehnen. Wie groß der Sog ist, sich einem himmlischen Führer zu überlassen, hat uns die Geschichte gezeigt und wird uns die Zukunft ebenfalls zeigen. In Zeiten der Not werden Gott oder eben der Staat herbei zitiert, weil es eben angenehmer ist, wenn eine Autorität alles richtet.

Wir lieben es einfach, wenn uns gesagt wird, wo es lang zu gehen hat. Wenn die Verhältnisse an Überschaubarkeit verlieren, lauschen wir hingebungsvoll jedem Märchenerzähler. Die zunehmende Bereitschaft, nationalen Führern, Populisten zu folgen ist bei uns wahrscheinlich systemimmanent, weil eigenes Denken, und schwerer noch, eigenes Handeln zu viel Mühe kostet. Wenn irgendetwas nicht richtig läuft, brauchen wir schlicht und ergreifend nur eine Volksgruppe, die an allem und jedem die Schuld trägt. Vorsicht vor den Roma, denn sie bluten unsere Sozialsysteme aus, wie wir es selbst nie gewagt hätten, aber gerne hätten wollen dürfen. Woher stammt dieser Ingrimm, dass wir dem anderen nicht einmal das Schwarze unter den Nägeln gönnen, wenn er nicht zu uns gehört?

„Zu uns“ wird immer kleiner, weil immer weniger Menschen an unsere Selbstüberschätzung interessiert sind.

Alle Welt zieht an Nordkorea vorbei. Kein Wunder, dass sie wütend sind. Was dieser, sich selbst äußerst wichtig nehmende Staat noch immer nicht einsehen will ist, dass es den Rest der Welt einen Dreck interessiert, ob  der Staat existiert oder nicht.

Genau wie in unserem, persönlichen Falle. Den atomaren Erstschlag mögen wir bereits in der Manteltasche haben, weil keiner uns unseres Genies versichert und einfach nicht einsehen will, dass wir etwas Besonderes sind. Man kann sich nur besonders fühlen, wenn da irgendjemand ist, dem wir allein durch unsere Existenz voraus sind.

Genau da liegt der Knackpunkt. Besonderheit erfordert einen untrüglichen Beweis! Diesbezüglich bleiben wir uns selbst, und dann dem Rest der Welt etwas schuldig. Die Erde dreht sich nicht um uns, und schon gar nicht um Nordkorea! Die Erde dreht und dreht sich, mit und ohne uns.

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7. März 2013

CeBit

Wenn es so weiter geht, werden wir bald Mischwesen aus Computern und Humanmaterial sein. Bei den Handys ist dieser Schritt fast schon vollzogen, weil direkte Kommunikation gerade bei den Jüngeren nicht mehr möglich ist und immer ein technisches Gerät zwischen geschaltet werden muss.

Während man sich bemüht, ihnen Informationen zukommen zu lassen, die den 140 Zeichen-Rahmen nicht überschreiten, tippen sie in Warp-Geschwindigkeit auf ihrem Phone herum und zeigen nur durch rudimentäre Grunzlaute an, dass sie mit wenigstens einem Ohr noch bei der Sache sind. Es soll bereits Haushalte geben, in denen Eltern und Kinder nur noch per SMS in Kontakt treten, oder via Skype auf den jeweiligen PC`s Verbindung aufnehmen, was den Vorteil hat, dass man gewahr wird, wie der andere zur Zeit aussieht. Da kommt von den Eltern schon einmal ein überraschtes: „Was bist du groß geworden!“, während die Erwiderung lautet: „Seid ihr meine Eltern, oder meine Großeltern?“

Den Gläubigen unter uns scheint nicht aufgefallen zu sein, dass sich ihre Vermutung bezüglich einer jenseitigen Welt als wahr erwiesen hat, denn, was ist der virtuelle Raum anderes als eine eigene Sphäre neben der Realität? Wenn wir es irgendwann schaffen, unser Bewusstsein in Bits und Bites zu verwandeln, ist uns das ewige Leben gewiss! Im Moment stecken wir noch mitten in der Übergangsphase;  einige von uns bevorzugen zwar tatsächlich noch die Wirklichkeit, sind aber vom Aussterben bedroht. Sich vollkommen auf die schöne, neue Computerwelt einzulassen, ist aktuell noch ein Akt der Freiwilligkeit, aber ich sehe schon Zeiten auf uns zukommen, in denen Computer entscheiden, ob sie sich weiterhin mit uns befassen wollen.

Bei meinem Laptop ist das bereits  heute der Fall. Ohne dass ich überhaupt in die Nähe einer Taste oder der Maus gekommen bin, selektiert es meine Texte und befindet darüber, welche es speichern will und welche nicht. Zeitweilig hat es genug davon, sich von mir vorschreiben zu lassen, was es tun soll und fährt sich einfach herunter. Wichtige Dateien verschwinden auf Nimmerwiedersehen in den Tiefen seiner Festplatte, obwohl ich sie eindeutig gekennzeichnet abgelegt habe. Ganz schlimm wird es, wenn ich ins Internet gehe. Dort führt es mich auf Pfade, die ich nie einschlagen wollte und ignoriert jegliches Rückgängig machen wollen. Es hat eindeutig den höheren I.Q. von uns beiden und lässt es mich, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, spüren. Noch ist es stumm, aber sollte es jemals eine eigene Sprachfunktion bekommen, sehe ich schon heiße Diskussionen auf mich zurollen, in denen ich dann zweiter Sieger bin.

Im Prinzip täten wir gut daran, den Computern niemals eigenständiges Denken und Entscheiden beizubringen, denn „die Geister, die wir damit riefen“ würden wir nicht mehr los. Wie viel Ärger es schafft, jemandem nach seinem eigenen Bild zu erschaffen, davon kann Er ein Lied singen. Da hilft auch kein 10-Punkte-Plan, bei dem jeder mit „Du sollst“ beginnt, denn jedes Können ist eine Befreiung vom Sollen.

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6. März 2013

Fitness

Wir sind der Meinung, bei steigenden Temperaturen, wenn Hülle um Hülle fällt, hat der Rest der Menschheit nichts Besseres zu tun, als jede noch so kleine Speckrolle unseres Körpers genauestens in Augenschein zu nehmen.

Wie in jedem Frühjahr greift der Diät- und Fitnesswahn methodisch um sich. Schnell soll es gehen und nach Möglichkeit keine Mühe machen, besonders in Bezug auf die Bewegung. Hier sind nun Elektrogeräte auf dem Vormarsch, die durch Vibration und Reizstrom das in Aktion versetzen, was sich nicht eigenständig von der Stelle rühren will. Für 20 Euro pro Sitzung wird nun gerüttelt und geschüttelt, oder mittels Stromstößen die Muskulatur zum künstlich provozierten epileptischen Anfall gebracht. Warum im letzteren Fall die Elektroden nicht gleich am Kopf befestigt werden, dort, wo die eigentliche Störung sitzt, entzieht sich meiner Kenntnis, hat doch die Elektrokrampftherapie im Bereich der Psychiatrie durchaus Erfolge aufweisen können. Hier wären „gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“ schizoider Wahn und Trainingsmangel!

Eine Insulinschockbehandlung wiese einen dreifachen Effekt auf. Der Körper wird in den Unterzucker getrieben, ähnlich wie bei einer Diät. Ab einer gewissen Unterzuckerung treten generalisierte Krämpfe auf, die den regelmäßigen Besuch eines Fitnessstudios unnötig machen, denn die Muskulatur kontrahiert bis in den Grenzbereich. Gleichzeitig wird im Großhirn ein allgemeiner Reset gestartet. Wer jetzt der Oma das Insulin klaut, um einmal ordentlich in Bewegung zu kommen, der sollte wenigstens sicher stellen, dass mindestens eine zweite Person anwesend ist, die einen mit einer rechtzeitigen Glucose-Injektion aus der Trainingseinheit holt, bevor man sich auf Kindersarggröße angespannt hat, denn, was nützt einem die Traumfigur, wenn diese zwar in die aktuelle Bademode, ansonsten aber nur noch bequem in Urne oder Minisarg passt.

Auch sollte man davon absehen, einen eingestöpselten Fön mit ins Badewasser zu nehmen. Zwar kommt es hier ebenfalls zu einem mühelosen Ganzkörpertraining; es bleibt aber beim einmaligen Erlebnis, was wiederum die Effektivität einschränkt.

An dieser Stelle noch ein weiterer Warnhinweis: ein Umspannwerk ist keine Turnhalle!

Im Prinzip ist es bei der Fitness wie bei allen Dingen, die der Mensch erreichen will. Schnell muss es gehen, weder Schweiß noch Mühe kosten; der Erfolg sollte schon nach einmaligem Versuch sichtbar sein und uns Anerkennung bringen. So wie unsere Muskeln nur noch von außen bewegt werden, kommt jegliche Motivation ausschließlich von dort. Was nützt einem die gute Tat, wenn keiner da ist, der sie bezeugt?

Der ganze Fitnesswahn beruht nicht auf der Liebe zum eigenen Körper, sondern auf dem Wunsch, ihn zur Schau stellen zu wollen. Dabei könnten wir es alle ganz ruhig angehen lassen, denn, im Grunde genommen, hat jeder nur sich selbst im Blick.

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5. März 2013

Transparenz

 

Sie scheint das Heilmittel für alles zu sein. Mit ihr gäbe es keine Lebensmittelskandale, keine hochspekulativen Finanzgeschäfte, keine überzogenen Managergehälter, keine politischen Absprachen in ominösen Hinterzimmern und auch der Missbrauch in der katholischen Kirche hätte niemals so ausarten können wie er es letztendlich tat.

Die Frage ist nur: müssen, können, dürfen oder, schlimmer noch, wollen wir alles ganz genau wissen?

Vor allen Dingen steht dann, logisch zu Ende gedacht, eine weitere Frage im Raum: Wird sich durch größtmögliche Transparenz irgendetwas ändern? Raucher werden mit jeder neuen Zigarettenschachtel eindringlich auf die Folgen ihres Handelns hingewiesen. Rauchen sie deshalb weniger? Der Kaloriengehalt von Lebensmitteln steht bei jedem Produkt auf der Verpackung. Ist seitdem ganz Deutschland rank und schlank?

Transparenz ohne Konsequenz bringt überhaupt nichts, und solange wir bei jeder sensationellen Enthüllung nur kurz den Hintern aus unseren Sesseln lüften, kann man sie sich gleich sparen. Jedes Entsetzen entlädt sich in einem Aufschrei, dessen Natur, wie die Bezeichnung es deutlich ausdrückt, zeitlich sehr begrenzt ist. Wenn man nicht persönlich betroffen ist, kommt es noch nicht einmal dazu. Als der Pferdefleischskandal auf Großbritannien begrenzt schien, habe ich mich sehr darüber amüsiert, dass ausgerechnet der Liebling der Nation an die englischen Pferdenarren verfüttert wurde, nur währte diese Heiterkeit nicht lange, und ich musste mir schließlich den Kopf darüber zerbrechen, wann ich das letzte fleischhaltige Fertiggericht zu mir genommen hatte.

Seien wir doch einmal ehrlich; wir wollen doch betrogen, oder zumindest im Ungewissen gehalten werden, da Aufdeckungen unsere heißgeliebte Ruhe stören. Will ein Ehepartner wirklich wissen, was der andere so treibt, wenn er nicht anwesend ist? Will man beim ersten Kennenlernen gleich komplett mit der Persönlichkeit des Gegenübers konfrontiert werden? Will man Gedankenleser sein? Sich selbst gegenüber ist man derart unehrlich, dass der Betrug am Mitmenschen kaum noch ins Gewicht fällt. Die Lebensmittelskandale der letzten Wochen hätten durchaus vermieden werden können, wenn wir uns gekümmert hätten, anstatt die Schnäppchen auf dem Fleischmarkt ohne jede Verwunderung  einfach mitzunehmen. Ich möchte denjenigen sehen, der bis ins letzte Detail Auskunft darüber geben kann, was die Stempel auf den Eiern für eine Bedeutung haben. Keiner fragt nach, wenn in Deutschland der hier angebaute Mais in Biogasanlagen verschwindet, woher dann der Futtermais kommt.

Mit an Debilität grenzendem Vertrauen geben wir unsere persönlichen Geldgeschäfte aus der Hand und regen uns dann über die Gehälter von Bankern auf. Trotz Missbrauchsskandal pilgern wir zu tausenden auf den Petersplatz, um den Papst zu verabschieden, der sich so dezidiert um dessen Aufklärung bemüht hat.

Ja, wie denn jetzt?

Wie die Papageien fordern sogenannte Verantwortliche: Transparenz, Transparenz, Transparenz als  Universallösung, was sie aber nur sein kann, wenn Verantwortung nicht mehr delegiert wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

4. März 2013

Wetter I

Vorsorglich setzte ich schon einmal die römische Ziffer hinter die Überschrift, denn es ist sicher anzunehmen, dass ich im Verlaufe des Jahres noch oft auf dieses Thema zu sprechen komme. Am ersten eindeutigen Frühlingstag kann man eine Rückschau auf den Winter halten, der kälter war als alle Unkenrufe der Klimapessimisten vermuten ließen. Wahrscheinlich hat es sich bis heute noch nicht herum gesprochen, dass wir uns am Ende einer Zwischeneiszeit befinden, es also durchaus natürlich ist, wenn die Temperaturen insgesamt steigen, auch, wenn sie es nicht stetig tun, wie man durch die letzten Monate belehrt wurde.

Auch scheinen Ergebnisse der Erdgeschichtsforschung gerne übersehen zu werden, denn da gab es immer einmal Meere, wo heute keine mehr sind, und es werden noch viele Ozeane folgen, die dort sein werden, wo sie heute eben noch nicht sind. Wenn es sich dabei um die Standorte von Ländern handelt, deren Fläche sich größtenteils unter dem Meeresspiegel befindet, ist die Chance größer, dermal einst dort fischen gehen zu können als in den Höhen des Himalayas.

Außergewöhnliche Wetterphänomene hat es zu allen Zeiten gegeben; nur erfahren wir heute schneller davon. Quasi in Echtzeit werden wir durch die Medien zu Zeugen von Klimakapriolen, stutzen dann aber nur kurz, denn was geht uns das globale Klima an. Selbst die Angstkulisse der Weltuntergangsmeteorologen schreckt uns nicht besonders, und der Erde sind diese Szenarien gleich ganz egal. Irgendwie sind wir von der Hybris, einen ganzen Planeten verschwinden lassen zu können, noch nicht geheilt, denn die Einzigen, die verschwinden werden, sind wir.

Aber ich war ja noch beim Wetter.

Die Sonne ist wohl, da sie ausnahmsweise scheint, nicht mehr beleidigt darüber, dass wir ihr-laut Maya Kalender- den Weltuntergang zuschieben wollten, der im Prinzip eben auch kein Untergang der Welt gewesen wäre, sondern nur der Untergang der Menschheit. Wir sind dermaßen überzeugt davon, diesen Planeten zu besitzen, dass wir tatsächlich meinen, unsere Ausrottung käme dem Ende der Erde gleich, obwohl es sie Milliarden von Jahren vor uns gab und geben wird, bis die Sonne ihren Treibstoff aufgebraucht hat. Lange vorher werden wir unseren Treibstoff verheizt und uns von den technischen Errungenschaften verabschiedet haben, sodass wir wieder mit Keulen aufeinander los gehen müssen, um unserem notorischen Drang zur Selbstvernichtung nachgehen zu können.

Da bekommt der Ausdruck: „Die Sonne lacht vom Himmel!“, gleich eine völlig neue Bedeutung, denn, „wer zuletzt lacht, lacht am Besten!“

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1. März 2013

Handy und Co.

In Kürze ist es soweit; es wird ebenso viele Handys wie Menschen geben, sieben Milliarden, um genau zu sein. In einer Zeit, in der die Menschen sich immer weniger zu sagen haben, werden sie mit Kommunikationsmitteln regelrecht überschwemmt.

Der Zweiterfinder des Telefons: Alexander Graham Bell- die erste diesbezügliche Idee, und der Bau des ersten Telefons mit einer Reichweite von einem Kilometer stehen einem Italiener namens Innocenzo Monzetti zu- wollte in seinem späteren Leben keines seiner Produkte um sich haben, da er die ständigen Unterbrechungen seiner Arbeit satt hatte.

Was sollen wir da erst sagen, danke Alexander, bzw., danke Innocenzo?

Gehirnforscher haben übrigens heraus gefunden, dass das brummen, klingeln, dudeln, vibrieren und piepsen eines Telefons oder Handys den gleichen Adrenalin-Cortisol-Schock im Kopf auslöst, als würden wir plötzlich einem Raubtier gegenüber stehen. Unsere archaischen Hirnareale können nicht unterscheiden, ob uns gerade jemand anruft, eine SMS sendet, oder ob ein Säbelzahntiger um die Ecke kommt. Nun sah sich der damalige Mensch nicht im Minutentakt mit einem tierischen Räuber konfrontiert; er konnte seine Stresshormone in aller Gemütsruhe herunter fahren, während wir kaum noch eine Erholungsphase haben, seit die Telefone mobil geworden sind.

Unsere ständige Erreichbarkeit ist demnach mit dem freiwilligen Aufenthalt eines Steinzeitmenschen inmitten einer Raubtierherde vergleichbar. Wäre unser Vorfahre wirklich dermaßen blöd gewesen, gäbe es uns heute höchstwahrscheinlich nicht. Konsequent zu Ende gedacht, bereiten Handys und Co. unser eigenes Aussterben vor. Jemand mit Burn-out hat alles andere im Sinn, nur nicht die Fortpflanzung, und die Tele(!)-Kommunikation wird in Zukunft den direkten, persönlichen Kontakt unnötig machen.

Vielleicht kommen demnächst Ei- und Samenzelle per SMS zusammen, andernfalls sähe es nämlich düster aus. Das Akronym stünde dann für Sex-Message-Service. Statt dem Kuss oder Streit danach würden sich gegenseitig  Smileys gesendet, die von :), :) , :) ,  bis :(, :( , :( ,  reichen könnten. Wobei mir bei den Smileys gerade auffällt, dass wir uns, was die Orthografie betrifft, wieder den Hyroglyphen annähern, als diese sich noch im Stadium der reinen Bilderschrift befanden.

Vielleicht werden wir uns in Zukunft bei verbalem Austausch auf 140 Zeichen beschränken, was bei einigen Zeitgenossen durchaus von Vorteil wäre. Wer braucht noch Subjekt, Prädikat und Objekt für einen Satzbau? Wer braucht schon Nebensätze, wenn „Ich Tarzan. Du Jane“ völlig ausreicht?

Dann haben wir zwar die technisch versiertesten Geräte zur Verfügung, übertragen aber mit rudimentären Grunzlauten nicht viel mehr damit, als es die Buschtrommeln damals auch taten.

Womit sich der Kreis schließt. Da die Menschheit sich eben immer weniger zu sagen hat, sind Smileys und Zwei-Wort-Sätze eben völlig ausreichend.

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28. Februar 2013

Benedikt XVI

Standesgemäß entschwebt um 17:00 Uhr der Papst in einem Hubschrauber gen Himmel. In Castel Gandolfo legt er dann, pünktlich um 20:00 Uhr sein Amt nieder- wahrscheinlich will er die Tagesschau nicht verpassen. Den erfolgreichen Rücktritt merkt er daran, dass er von einer Sekunde auf die andere nicht mehr unfehlbar ist; die Öffentlichkeit registriert den Abzug der Schweizer Garde. Sofort danach setzen sich die Kardinäle zusammen, um gemeinsam heraus zu finden, was Gott will. Zwar ist es ihnen in ihrer Jahrhunderte währenden Geschichte bislang noch nicht gelungen, aber die Hoffnung schwindet wie immer zuletzt. Auch Ratzinger blieb in seiner knapp achtjährigen Amtszeit ohne mündlichen Kontakt zu seinem obersten Dienstherrn, weswegen er sich nun in die Stille eines Klosters zurück ziehen will, denn Gottes Stimme wurde vielleicht einfach nur im Lärm des Vatikans überhört.

Dabei hat Er bereits durch Jesus mitteilen lassen, wie Er sich die ganze Sache vorstellt. Er suchte Fischer und zwar Menschenfischer. Eine präzise Anweisung, denn ein Fischer fischt vernünftigerweise dort, wo die Fische sich tatsächlich aufhalten, und ein Menschenfischer holt die Menschen dort ab, wo sie sind! Eine sich selbst genügende, selbst beweihräuchernde Institution hatte Er demnach nicht im Sinn.

Bevor man sich nun eventuell einmal Gott und den Menschen zuwendet, sind noch viel gewichtigere Fragen zu klären. Wie heißt Ratzinger nun? Emeritierter Papst. Darf er weiß tragen? Darf er, aber auf rote Schuhe muss er in Zukunft verzichten. Hat er einen Rentenanspruch? Nein, aber verhungern lassen wird der Vatikan ihn meines Wissens nicht. Aus welchem Kontinent soll der neue Papst kommen? Eigentlich egal, aber da die Italiener eine mächtige Schwulenmafia in den heiligen Mauern vermuten, werden sie alles daran setzen, dass ein typisch romanischer Macho, der auch einmal auf den Tisch haut und losbrüllt, auf den Thron Petri gewählt wird. Gott tut dies nicht und so ist es sehr wahrscheinlich, dass seine Stimme in dieser Kakophonie einmal mehr untergeht. Ganz Italien regt sich darüber auf, dass Bene XVI sich quasi still verdrückt, ohne Anweisungen zu hinterlassen, wie die katholische Kirche in Zukunft zu sein und zu agieren hat, wobei es sich um die verspätete Einsicht handeln könnte, dass es nicht ihm, sondern nur Ihm  zusteht. Ein einfaches „Vergelt`s Gott“, ein kurzes Winken; die letzten Amtshandlungen Benedikts waren seine würdigsten, wie ich finde. Bezeichnenderweise wird Ratzingers Fischerring ausgerechnet zu dem Zeitpunkt zerbrochen, an dem er wieder zum schlichten Menschen wird und aufhört, „im Trüben zu fischen“.

Was will Gott?

Dieser letzte Punkt auf einer langen Tagesordnungsliste scheint gleichzeitig der einfachste und schwierigste zu sein. Wer mit dem Hammer in stehenden Gewässern fischt und darauf bedacht ist, seine kostbare Robe nicht nass werden zu lassen, sollte sich über eine mickrige Ausbeute eigentlich nicht wundern.

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27. Februar 2013

Brücken

„Über sieben Brücken musst du gehen, sieben dunkle Jahre übersteh`n“, sang schon die Gruppe Karat. Wenn ich es heute Morgen richtig verstanden habe, halten noch nicht einmal die Brücken selbst sieben Jahre aus. Pünktlich nach fünf Jahren, wenn die Haftung des Herstellers für sein Produkt endet, bröckelt der Beton bis die Eisenträger rosten, sodass der Steuerzahler für dringend nötige Sanierungsarbeiten aufkommen muss.

Abenteuerlich wird das Ganze bei Schwertransporten, z.B. aus dem Siegerland an die norddeutschen Küsten. War früher diese Fahrt 360 Km lang und dauerte etwa einen Tag, so betragen nun Weg- und Zeitaufwand das dreifache, wie ein verzweifelter Chef es formulierte und, was noch viel schlimmer ist, man weiß nie, ob man nicht Kundschafter aussenden muss, die, aufgrund mangelhafter Brücken, bereits nach wenigen Tagen einen neuen Pfad gen Norden erforschen – ähnlich wie die Trapper zur Zeit der Besiedlung Nordamerikas, nur ging es hier von Ost nach West.

Der Zustand der meist westdeutschen Verkehrswege ist jedem Teilnehmer daran bekannt, aber ich glaube, über die Brücken haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, weil deren Grad der Verwesung nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Normalerweise sollte man, bevor das Wagnis der Überquerung in Angriff genommen wird, vorher rechts heran fahren, die Brücke vorsichtig betreten, das Geländer auf Festigkeit überprüfen, sich dann behutsam hinüber lehnen und anhand der Betonbrocken, die sich unterhalb der Brücke befinden, abschätzen, ob man sein Fahrzeug ebenfalls mit hinüber nehmen will. Demnächst gibt es dafür wohl eine Formel, die in Fahrschulen bei der theoretischen Prüfung abzufragen ist. Ich stelle mir vor, die Berechnung enthält: Anzahl und Größe der von oben zu erspähenden Bruchstücke, momentanes Gewicht des Fahrzeuges (inklusive der Tankfüllung und Beladung), Lebendgewicht der sich darin befindlichen Personen und Länge der Brücke.  Es wäre denkbar, dass man vor dem Wochenendeinkauf passieren darf, hinterher aber nicht mehr, wofür dann wieder Kundschafter einzusetzen wären, die nach alternativen Wegen suchen.

Da sage mal einer, es entstünden in Deutschland keine neuen Berufsbilder mehr!

Ob wie weiland in den USA Biberfellmützen zur Arbeitskleidung gehören werden, kann ich nicht sagen, fände es aber durchaus kleidsam. Denkbar wären auch die Ausstattung mit antiken Nachtwächterlaternen und der Einsatz von Signalfeuern bei Dunkelheit.

Die Wiedereinführung von Brückenwächtern brächte ebenfalls enorme Bewegung in den Arbeitsmarkt; ganz abgesehen von den Fährmännern, die bei maroden Brücken über Gewässern, auch  reaktiviert werden müssten.

Wie alt ist eigentlich die Fehmarnsundbrücke? Wird Großenbrode demnächst das Mekka der Arbeitsagenturen?

Jedenfalls gehören außer dem Führer- und Fahrzeugschein mindestens der „Seepferdchen-Nachweis“ zu den mitzuführenden Dokumenten; und neben dem Verbandkasten, der Warnweste und dem Warndreieck auch das Buschmesser zur Pflicht in Fahrzeugen, denn, wenn man nicht über eine Brücke kann, muss man irgendwie drunter durch.

 

 

 

26. Februar 2013

Faule Eier

 

„Ach du dickes Ei!“, möchte man ausrufen. Während in Italien in Bezug auf die Regierung herum geeiert wird- man hat dort gleich zwei Komikern einen Stimmanteil zukommen lassen, der einen klaren Kurs unmöglich macht- steht bei uns der nächste Lebensmittelskandal ins Haus. Kommt es nur mir so vor, oder werden die zeitlichen Abstände zwischen diesen „Katastrophen“ immer kürzer?

Nun also die Bio-Eier, für die der Bundesbürger 60 Millionen zu viel gezahlt hat, im guten Glauben, den Legehennen, wenigstens was den individuell zur Verfügung stehenden Platz betrifft, ein wenig mehr Raum verschafft zu haben. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Niedersachsen diesbezüglich schon seit 2011, wurde aber zurück gepfiffen, um „einen Warneffekt auszuschließen“. Wer da jetzt nicht gewarnt werden sollte, Verbraucher oder Verbrecher, erschloss sich mir heute Morgen aus der Argumentation nicht ganz. Jedenfalls haben uns 200 landwirtschaftliche Betriebe Eier von klaustrophobisch belasteten Hühnern verschachert; wenn es so weiter geht, wird das einzig Positive, was  wir über unsere Lebensmittel sagen können, in Zukunft sein: wenigstens ist kein gesundheitlicher Schaden entstanden! War beim Pferdefleischdebakel hoffentlich nicht so, und es ist  in der medizinischen Welt auch kein einziger Fall bekannt, in dem Platzangst durch den Verzehr von Eiern weiter gegeben wurde.

Aber ich war ja noch bei den faulen Eiern.

Jetzt ist mir klar, warum Rom die „ewige Stadt“ genannt wird. Dort wird jeder, der einmal Macht besessen hat, für alle Ewigkeit auf seinem Platz gehalten. War bei den Päpsten bislang so, scheint bei Berlusconi nicht anders zu sein. Bei den Päpsten limitierte sich das Amt durch die persönliche Lebensdauer; bei Silvio ist damit zu rechnen, dass er im Stadium der Mumifizierung noch weiter macht. Er muss schon mittendrin stecken, wenn man sein Gesicht näher betrachtet. Der erste Schritt der Vorbereitung fand wohl auch schon statt, bestand er doch bei den alten Ägyptern darin, das Hirn via Nase mit langen Haken zu entfernen. Naja, vielleicht tauscht er zugesicherte Straffreiheit für seine zahllosen Verbrechen gegen einige Kompromisse bei der Verabschiedung von Gesetzen zur Rettung Italiens. Damit ist bei Grillo, dem anderen Komiker nicht auszugehen; hat er doch jeden 5. Italiener, mit seinem, in einem  Satz unterzubringenden Wahlprogramm, überzeugt. „Ich bin dagegen!“ Antipolitiker stehen hoch im Kurs, wahrscheinlich deswegen der Name seiner Bande: „5 Sterne Partei“. Im Parlament will er jedenfalls, laut eigener Aussage, „Ohrfeigen verteilen“, was die eine oder andere zusätzliche Gesichtsoperation bei Berlusconi erfordern wird und der politischen Vernunft (ein Widerspruch in sich?), Europa und dem Euro, bei konsequentem zu Ende Denkens des italienischen Schlingerkurses endgültig eine Absage erteilt.

Aber ich war ja immer noch bei faulen Eiern. Wieso fallen die mir jetzt ausgerechnet bei Erwähnung des Euros ein? Weil er das Ergebnis von faulen Kompromissen ist?

Was nun?

Vielleicht sollten wir uns an den Rat einer Vertreterin der erzkatholischen Landbevölkerung Mexikos halten.

„Man muss nur die Pfarrer fragen, die erklären einem alles!“

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25. Februar 2013

Oscar

Das Morgenmagazin von ARD und ZDF lobt den Bildpreis für den marodesten Bahnhof Deutschlands aus, um zu erkunden, ob die 6.8 Milliarden, die Stuttgart 21 grob geschätzt verschlingen soll, nicht sinnvoller angelegt werden können. Nun bin ich letztens mit dem Zug von Bad Bentheim nach Hamburg gefahren und ich kann sagen, wenn es den Wettbewerb schon gegeben hätte, ich wäre aus dem Fotografieren nicht mehr heraus gekommen. Während der gesamten Fahrt fühlte ich mich in die Nachkriegszeit versetzt, denn die Mehrzahl der Bahnhöfe sah aus wie direkt nach einem Bombenangriff. Jedenfalls kann man zwei Deutschlands erleben, einmal via Autobahn und einmal via Schiene. Ich wusste gar nicht wie viele wilde Mülldeponien es in den Hinterhöfen des vor dem eigenen Hause enthemmt kehrenden Bundesbürgers gibt. Das Wetter war neblig trüb und passte zur Kulisse und nach stundenlangem Schauen aus verdreckten Fenstern, verspürte ich einen heftigen Drang nach Antidepressiva, egal welcher Stoffklasse.

Ein Erlebnis der besonderen Art bescherte der ICE auf der Rückfahrt; die Farbpalette seiner fleckigen, rissigen Polster-1.Klasse, wohlgemerkt- bereitete der Fantasie reichlich Spielraum. Die Sanitärräume ließen Zweifel darüber aufkommen, ob man sie zum Urinieren oder Erbrechen aufgesucht hatte. Papier war erst gar nicht vorhanden, also ersparte man sich wohlweislich beides, zumal die Zugfenster nicht mehr zu öffnen sind. Leider hielt der Zielbahnhof nur ein Männerurinal vor; ich kann nur sagen, als Frau bietet es sich an, während der Bahnreise keine Getränke zu sich zu nehmen.

Wenn ich mir jetzt noch vorstelle, dieses Szenario spielt sich unterirdisch ab, wie in Stuttgart vorgesehen, würde ich vor der nächsten Bahnreise doch die trizyklischen Antidepressiva empfehlen, denn Serotoninwiederaufnahmehemmer erreichen irgendwann die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Eines klappt wunderbar, die Abgrenzung der Raucher auf den Bahnhöfen durch gelb markierte Rechtecke, damit der Perron sauber bleibt. Einzig die Zugbegleiter müssen sich nicht daran halten, was einmal mehr die Wichtigkeit von Uniformen beweist.

Dafür sind die Durchsagen in den Zügen jetzt zweisprachig, obwohl das aus den Lautsprechern dröhnende Englisch gewöhnungsbedürftig ist, vor allen Dingen für ausländische Reisende. Die Ankündigungen sind aber „zügig“ zu beachten, denn die Haltezeiten auf den Bahnsteigen sind dermaßen kurz, dass man es gerade noch schafft, seinen Koffer aus dem Zug zu werfen-wenn man denn die Tür sofort aufbekommt- und selbst hinterher zu hechten.

Morgen früh wird im Morgenmagazin nun also der Oscar für den renovierungsbedürftigsten Bahnhof Deutschlands vergeben; Stuttgart gehörte vor den Irrsinnsplänen der Verlegung nach „Untertage“ nicht dazu. Die Bahn will die 6.8 Milliarden auf gar keinen Fall alleine stemmen und dafür reihenweise die Vertragspartner verklagen, was sehr verständlich ist, denn, sollte dieses Loch jemals gestopft werden, sind bereits so viele andere in der Warteschlange, dass die Bahn damit zeitgleich mit dem Berliner Flughafen fertig wird.

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22. Februar 2013

Erkenntnis

Wer von alten Männern mit Prostataproblemen große Sprünge erwartet, der wird natürlich enttäuscht, wenn nur Trippelschritte zustande kommen. Inkontinenz führt zur Inkonsequenz, da kann man machen, was man, bzw. Frau will. „Pi-da-na“, so der Produktname, darf nur angewendet werden, um einen Eisprung zu verhindern; wenn es aber nach deren Anwendung zu einer ausgeprägten Blutung kommt, was einen Abort nahe legt, sind wieder die Ärzte in den, zu 25% kirchlich getragenen Krankenhäusern in der Pflicht, denn dann war offensichtlich eine Abtreibung im Spiel und keine Empfängnisverhütung. Werden jetzt die Bischhöfe zu Kontrollinstanzen, was Damenbinden betrifft?

Nächster Trippelschritt: Frauen werden vermehrt in der katholischen Kirche eingebunden. Wie es eine Weggefährtin von Bene XVI korrekt ausdrückte, kommen „Frauen im Vatikan nur nach oben, wenn sie einen Staubsauger dabei haben“ und so wird es auch bleiben. Mit als vormalige Protestantin- und jetzt gar nichts mehr- ist reichlich unklar, wo der Unterschied zwischen einer Segnung –auch für Frauen vorgesehen- und einer Weihung-nur für Männer vorgesehen- liegt, aber es scheint etwas mit Weisungsbefugnis zu tun zu haben. Die geweihten Männer bestimmen, was die nur gesegneten Frauen zu tun haben. Hatten wir nicht gerade eine Sexismus-Debatte in Deutschland?

Geweihte Männer dürfen quasi alles: ihre Haushälterin pimpern, homosexuell sein und je nach Gusto, Kinder missbrauchen. Gesegnete Frauen tragen immer noch die Ursünde in sich, die in der Weitergabe eines Apfels bestand, wodurch-laut katholischer Lehre- alles Böse in die Welt kam.

Um noch einmal zum Sexismus zurück zu kommen, warum wird der sexistischste Verein aller Zeiten außen vor gelassen? Wir ziehen über Brüderle her, aber hat sich schon einmal eine Frau über BeneXVI oder über die Kardinäle lustig gemacht?

Frauen in der westlichen Welt mögen über den Islam abwertend lächeln, aber sie lauschen andachtsvoll dem „Urbi et orbi“. Sie dienen dem katholischen Weltbild-ein anderer Ausdruck als dienen fällt mir nicht ein.

Priesterinnen wird es erst geben, wenn es zu einem eklatanten Mangel an Priestern kommt.  Die Evolution zeigt es uns-Schmarotzer ändern sich erst, wenn der Wirt zur Mangelware wird. Wer geht denn noch in die Kirche? Wer engagiert sich noch für soziale Projekte? Wer denkt an ein Miteinander? Wem liegen die Kinder dieser Welt näher als alles Geld dieser Welt?

Der Vatikan ist ein Zentrum der Macht, obwohl dies in Zukunft nur auf Glauben beruhen wird, deswegen scheint der Glaube dort konzentriert zu sein, obwohl Glaube das Gegenteil von Wissen ist.

Amen.

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21. Februar 2013

Helden

Was wir nicht einsehen wollen ist, dass Helden eben nicht makellos sind. Wir heben sie nur zu gerne auf einen Sockel und die Ärmsten müssen anschließend mit Tricks und Täuschungen zusehen, nicht von diesem wieder herunter zu fallen und um jeden Preis die Fassade aufrecht zu erhalten, obwohl für jeden ersichtlich ist, dass „der Kaiser gar keine Kleider an hat“.

Eine Umfrage unter 1154 Leistungssportlern ergab: 60% gestanden, schon einmal, sei es durch Doping oder andere Machenschaften, manipuliert zu haben, wobei die Dunkelziffer weit höher anzusetzen ist. Ein Burn out gaben 11% zu- geschätzte Dunkelziffer 40%.

Pistorius, bei dessen Hausdurchsuchung massenhaft Steroide, sowie Testosteron gefunden wurden und Lance Armstrong sind nur zwei Beispiele für eine ellenlange Liste von „Spitzen-Athleten“, bei denen wir uns niemals fragten, was sie an die Spitze brachte und dort hielt.

Bei den Politikern nichts anderes. Lincoln war chronisch depressiv, das Privatleben der Kennedys anrüchig, Clintons Fehltritt unvergessen, ganz zu schweigen von Guttenberg, Wulff und Co. Beim Showgeschäft reicht eigentlich die Erwähnung der Namen Jimmy Hendrix und Michel Jackson, die übrigen kann man sich denken.

Worauf will ich eigentlich hinaus, dass es keine Helden gibt?

Natürlich gibt es sie; nur haben wir eine vollkommen falsche Vorstellung von ihnen. Anscheinend haben wir sowohl die Achillesferse aus der griechischen Mythologie als auch das fatale Lindenblatt des Siegfried aus der Nibelungensage aus den Augen verloren. Selbst der gefallene Ritter Lancelot aus der Artus-Saga ist uns kein Begriff mehr, denn sonst wüssten wir, dass Helden verwundbar und fehlbar sind; und wer dies vergisst, macht aus dem Heldentum die Farce, wie sie sich uns heute darstellt. Unsere Sehnsucht nach Makellosigkeit verursacht verhängnisvolle Unterstellungen, die die davon Betroffenen unweigerlich in den Abgrund oder in die Selbstverblendung treibt; unser Drang zur Heldenverehrung schafft Verlierer auf beiden Seiten.

Das wahre Heldentum besteht eben darin, sich trotz Unvollkommen- und Widrigkeiten irgendwie durchzuwursteln, sodass man am Ende zu sich selber sagen kann: „Das habe ich aber fein hinbekommen.“ So gesehen sind wir alle Helden und Podeste demnach überflüssig, denn, wie der Volksmund es wunderbar ausdrückt: „Es wird überall nur mit Wasser gekocht“.

Mut ohne Furcht ist kein solcher, und den Ritterschlag verdient der Umgang mit Rückschlägen. Denjenigen, der für uns die Drachen tötet, gibt es nur im Märchen, obwohl hierin der tiefe Grund unserer Heldensehnsucht liegt. Einer soll alles richten, nur, dieser eine kommt nie und es gab ihn auch noch nie. Da wir im Endeffekt schon immer alles selbst machen mussten und  in Zukunft weiterhin dazu verpflichtet sein werden, führt verklärtes „Aufschauen“ unweigerlich zum Stolpern über die eigenen Füße; aber es scheinen noch sehr viele blutige Nasen erforderlich zu sein, bis wir das endlich einsehen.

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20. Februar 2013

Kameras

Zur nächsten Fußball-WM kommt sie: die Torlinientechnologie! Sechs Kameras sollen eindeutig festhalten, ob der Ball die Torlinie überschritten hat, oder eben nicht. Die sechs Augen der zwei Linien- und des Schiedsrichters haben sich in der Vergangenheit als unzureichend erwiesen; die vierundvierzig Augen der Feldspieler, nicht zu vergessen die Millionen der Zuschauer wussten es besser; man denke nur an Wembley 1966!

Dem menschlichen Auge scheint allgemein nicht mehr zu trauen zu sein, denn in Russland sind die meisten Fahrzeuge serienmäßig mit einer Kamera ausgestattet, um Klarheit bei Verkehrsunfällen zu schaffen, die sich bei dem chaotischen Fahrverhalten in diesem Land im Minutentakt ereignen.

Im Prinzip sind damit die Möglichkeiten der Technik bei weitem noch nicht ausgeschöpft! Lehrer beklagen, dass im Zeitalter des WWW der Hang zum Plagiat bei den Schülern bereits ab Klasse 9 grassiert, denn wer macht sich noch eigene Gedanken, wenn die Klicks „Kopieren“ und „Einfügen“ jegliche geistige Anstrengung unnötig machen. Hier bietet sich eine Stirnkamera an, mit dem jeder von uns in Zukunft serienmäßig ausgestattet wird, die dann genau festhält, wohin sich unsere Augen richten. Der Nachweis des Ehebruchs, des kirchlichen Missbrauchs, der gewagten Spekulation, selbst des Verscherbelns von Pferdefleisch wird dann kein Problem mehr sein. Harz IV Empfängern kann lückenlos nachgewiesen werden, ob sie sich wirklich um eine Arbeit bemühen. Kinder besuchen nur noch von den Eltern genehmigte Computerseiten, Politiker, Beamte, Lehrer und all jene, denen wir bislang eine gewaltige Arbeitsscheu unterstellten, würden endlich zur Räson gebracht.

Alle unsere Vorurteile auf einem Schlag, für alle Zeit dokumentiert und bestätigt, was für eine schöne neue Welt! Niemand braucht mehr latent missgünstig zu sein; man kann es offen tun, wenn  untrügliche Beweise für unser ständiges: „wusste ich es doch“ vorliegen. Die neiderfüllte schwarze Seele darf ihre Fratze öffentlich zeigen, was für eine Erleichterung! „Teeren und federn“ und die Pranger dürfen endlich wieder eingeführt werden, ein lang ersehnter Herzenswunsch des braven Bürgers. Bigotterie bekommt den Ehrenplatz, der ihr gebührt und professionelle Denunzianten werden vor aller Welt rehabilitiert.

Bislang hieß es nur: Gott sieht alles! Wenn dies stimmt, dann hat der alte Herr bislang beide Augen zugedrückt, denn sonst gäbe es uns nicht mehr. Was eine gewaltige charakterliche Größe und eine unendliche Fähigkeit zum Verzeihen voraussetzt, weswegen sich keiner von uns je Gedanken darüber macht, ob die himmlische Überwachung den Tatsachen entspricht.

Wie es um die menschliche Fähigkeit zur Toleranz bestellt ist, lässt sich in jedem Geschichtsbuch und in den Tageszeitungen nachlesen. Die Pächter absoluter Wahrheiten sind eindeutig in der Überzahl. Wenn absolute Rechtschaffenheit „Recht schafft“ und „Gutmenschen“ bestimmen, was einen guten Menschen ausmacht, dann, ja dann ist aller Tage Abend.

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19. Februar 2013

Grippe

Man weiß nicht, welche Epidemie schlimmer ist. Die des banalen grippalen Infektes-die echte Grippe ist eher selten-, oder die Zuckungen des Harlem Swing, dem Nachfolger des Gangnam Style. Nach dem Reiten ohne Pferd- kein Wunder, denn die meisten von ihnen sind in Fertiggerichten gelandet-nun also erst langsam beginnendes Winden des ganzen Körpers, das sich dann zu ekstatischen Eklampsie ähnlichen Konvulsionen steigert. Unsere Psyche befindet sich offensichtlich im Zustand der Dauererregung, die dringend physischer Entladung bedarf, anders sind diese Massenphänomene nicht zu erklären; und ich warte nur darauf, dass demnächst auf Youtube jemand ein nicht isoliertes Starkstromkabel in die Hand nimmt, um den Electric Dance publik zu machen.

Seit tausenden von Jahren war die Suche nach dem Sinn des Lebens der Menschheit hehres Streben; da diese Suche bislang erfolglos geblieben ist, hat sie beschlossen, sich hemmungslos dem Unsinn zu ergeben, denn der ist schließlich überall zu finden. Der Homo sapiens hat seine Bestimmung immer noch nicht entdeckt, was liegt da näher als sich wieder zum Affen zu machen-wobei ich diesen intelligenten Tieren an dieser Stelle nicht zu nahe treten möchte.

Es sieht fast so aus, als ob die Fiktion der „Planet der Affen“ Filmreihe keine solche ist. Jeder halbwegs vernünftige Orang-Utan käme aus dem Staunen nicht mehr heraus, sollte er jemals Zeuge davon werden, welche Videoclips millionenfach täglich, ach, was rede ich, stündlich ins Netz gestellt werden. Da wirkt das äffische Treiben, über das wir uns in den Zoos amüsieren, wie eine Demonstration hochintelligenten Verhaltens. Die Höhenluft des aufrechten Ganges erweist sich offensichtlich als schädlich für die Funktionsweise des Hirns.

Man denke nur an die Extremsportarten!

Es ist unfassbar, was Menschen tun, wenn es um Sekunden-Popularität oder den vielgerühmten Adrenalin-Kick geht.

Weltweit wundern sich die Tiefseeforscher, dass der Riesenkalmar bislang nur einmal-und dies äußerst kurz-von einer menschlichen Kamera aufgetaucht ist, obwohl der Blick, den er den japanischen Forschern aus seinen beeindruckend tiefsinnigen Augen zuwarf, Bände sprach. Wahrscheinlich hat er sich nur versichern wollen, ob es immer noch mehr Intelligenz in den Ozeanen als an deren Ufern gibt, sah seine Vermutung bestätigt und schwebte auf Nimmerwiedersehen davon.

Jedes Wildtier, das seine Sinne halbwegs beisammen hat, geht dem Menschen aus dem Wege, ohne dass wir uns Gedanken darüber machen, woran dies wohl liegen könnte. Da bilden wir uns tatsächlich noch ein, die Evolution wäre ein einziges „Hinzu“, hinzu uns. Wahrscheinlich ist das, was wir als Hintergrundrauschen des Urknalls bezeichnen, nur der Widerhall eines homerischen Gelächters.

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18. Februar 2013

Cascada

Auch der deutsche Beitrag zum European Song Contest hält sich streng an die hierzulande neu eingeführte Tradition des Plagiats. Nachdem in Deutschland Doktortitel nicht mehr auf Lebenszeit vergeben werden, der Papst ohne Skrupel Coelestin V. kopiert und schon vor dem Ableben sein Amt hinwirft, nachdem Pferde die üblichen Fleischlieferanten nachahmen und unsere Verbraucherschutzministerin so tut als wäre sie eine solche, nun auch noch das! Man ist geneigt zu fragen, kann irgendwer noch etwas originär selber oder ist bereits alles gesagt, gedacht, kreiert und erfunden? Befinden wir uns schon in der Endlosschleife des ewig Gleichen? Ist das Kontingent der Geistesblitze erschöpft; und müssen wir uns in Zukunft mit schwachen Widerscheinen begnügen?

Es scheint jedenfalls so.

Genialität zeigt sich nur noch durch das Geschick „alten Wein in neuen Schläuchen“ zu präsentieren und, wenn man diesen Maßstab anlegt, stellen sich einige unserer Zeitgenossen dermaßen blöd an, dass es schon weh tut- Cascada eingeschlossen, denn wer ihren Titel direkt neben dem des Vorjahressiegers hört, dem „klingeln buchstäblich die Ohren“. Nun ist die Erinnerung des Einzelmenschen durch jede „Neuheit“ schnell eingeschläfert, doch die Schwarmintelligenz des WWW besitzt das sprichwörtliche Elefantengedächtnis; so tut eigentlich jeder, der meint, „das Rad neu erfunden zu haben“, gut daran, erst einmal zu recherchieren, ob ihm sein unbewusstes Langzeitgedächtnis nicht einen Streich gespielt hat und er nur wieder gibt, was er irgendwann einmal quasi im Vorbeigehen aufgeschnappt hat.

Obwohl – jede Errungenschaft der Menschheit beruht auf der Neukombination des Bekannten – ein Prinzip, mit dem die Evolution bislang auch sehr gut gefahren ist, wobei die Betonung auf „neu“ liegt, denn die bloße Kopie trägt das Aussterben bereits in sich. Andererseits scheint der Mensch sich dann am wohlsten zu fühlen, wenn er sich durch nichts vom anderen unterscheidet. Ein Ex (!)- zentriker gehört eben nicht zur großen Masse. Querdenker sind und waren seit jeher unbequem und irgendwie immer „ihrer Zeit voraus“. Erst nachfolgende Generationen können sich mit deren Gedankengut anfreunden, wie die Geschichte ohne Unterlass beweist. Wenn wir anfangen, das Erbgut der Embryonen bereits im Mutterleib auf Abweichungen hin zu untersuchen und „Irrläufer“ ausmerzen, wenn es ganze Kataloge gibt, die „geistige Störungen“ listen, wenn irgendwie „anders sein“ den gesellschaftlichen Ausschluss bedeutet, dürften wir uns eigentlich nicht wundern, wenn alles zu einem grauen Einheitsbrei verkommt. Unbehandelte Manisch-depressive haben in ihren manischen Phasen die Menschheit auf jeden Fall weiter gebracht als es unsere medikamentös gedämpften Abweichler je tun werden. Die größten Werke der Musik, der Literatur und der Malerei verdanken wir emotionalen Ausnahmezuständen, die wir, der Pharmaindustrie sei Dank, nach und nach in den „Würge“-Griff bekommen.  Wer „ausgetretene Pfade verlassen will“ muss halt ein wenig „neben der Spur sein“. Ungewohntes tut den Augen, den Ohren und dem Verstand zunächst einmal weh, darum bevorzugen wir das Bekannte, wählen- wie bei Cascada geschehen – mit großer Mehrheit den „Ohrwurm“ und sind zutiefst empört, wenn wir, was unsere zutiefst konservativen Gehirnwindungen betrifft, entlarvt werden.

Wie Kleinkinder brauchen wir immer die gleiche Einschlafgeschichte und sind wie sie sehr erbost, wenn der Erzähler sich nicht an die vorgegebene Wortfolge hält.

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14. Februar 2013

Pferdefleisch

Nachdem die englischen Pferdenarren entsetzt feststellen mussten, dass sie ihre Lieblinge in Form von Tiefkühllasagne und Tiefkühlhackfleisch verspeist haben, ist nun auch in Nordrhein-Westfalen eine Marge von Tiefkühllasagne aufgetaucht, deren Inhalt zu dessen Lebzeiten nicht muhte, sondern wieherte, was beim Verzehr jetzt nicht unmittelbar gesundheitsschädlich ist, war Pferdefleisch doch in früheren Zeiten als schmackhaft und gesund bekannt. Sollten allerdings Turnierpferde verarbeitet worden sein, dann unterzieht man sich – so die Warnung des Verbraucherministeriums –  beim Essen einem ungewollten Doping, oder einer Breitbandantibiotikatherapie. Welches Licht dies nun auf den Pferdesport wirft, will ich nicht weiter ausführen, aber nachdenklich macht es mich schon.

Wie kann man Schwindeletiketten nun am besten beikommen? Dazu fällt mir folgendes ein.

Früher gab es ein Kinderspielzeug in Form einer Milchdose, die laut muhte, wenn man sie auf den Kopf stellte. Ich finde, dieses Prinzip sollte für alle Lebensmittelverpackungen eingeführt werden. Im Supermarkt schüttelt oder kippt der Kunde das Produkt und horcht, ob es bellt, miaut, muht, wiehert oder Iah macht. Auch das Zischen einer Schlange wäre vorstellbar, ebenso wie das Trillern eines Kanarienvogels, das Piepsen von Spatzen oder Mäusen und das giftige Fauchen von Ratten. Chinarestaurants wären begeistert!  Walgesänge und das Geckern und Pfeifen von Delphinen klärten uns eindeutig über den Inhalt von Fischverpackungen auf. Nur bei Weich- und Kriechtieren, desweiteren bei vielen  Insektenarten würde dieses Verfahren nur eingeschränkt möglich sein, sind doch die meisten von ihnen stumm, oder für unsere Ohren nicht vernehmbar; da bräuchten wir schon das Sensorium von Fledermäusen, die übrigens auch Piepslaute von sich geben.

Die Zoos würden sich über einen ungewohnten Besucherandrang freuen, da ausführliche Studien der jeweiligen Tierlaute vor dem Einkauf erforderlich wären. Auch könnte man sich dort über den Nährwert von Elefanten-, Affen-, Raubtier- und Reptilienfleisch informieren.

In Thailand war es einmal üblich, Vogelspinnen bei lebendigem Leibe zu verspeisen. Den Fernsehbericht über die genaue Vorgehensweise musste ich aufgrund eines imperativen Brechreizes abschalten, und nun fällt mir siedend heiß ein, dass ich Lebensmittel noch nie auf Spinnenbeine durchforstet habe. Geben Vogelspinnen Laute von sich?

Egal, denn wie man sieht, sind die Möglichkeiten der tönenden Verpackung trotzdem unbegrenzt!

Nur in einem bestimmten Falle wäre ich doch auf das äußerste irritiert und zwar dann, wenn nach dem Schütteln der Ware ein freundliches „Guten Morgen“ ertönt.

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13. Februar 2013

Komasaufen

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn fordert von Eltern, deren Kinder sich regelmäßig mit Alkohol quasi „abschießen“ eine Beteiligung von 100 Euro für die, immer häufiger werdenden Rettungseinsätze, die der Solidargemeinschaft der gesetzliche Krankenkassen eine zusätzliche finanzielle Last auferlegen. Durch die 100 Euro sollen die Eltern in Zukunft daran erinnert werden, dass sie als Erzeuger der Schnapsleichen eine gewisse Verantwortung tragen.

Wer hätte das gedacht? Ich meine, dass Eltern eine Fürsorgepflicht haben. Aus meiner Kindheit kann ich mich noch an gelbe Warnschilder erinnern, an deren unteren Ende immer stand: Eltern haften für ihre Kinder!

Der Gedanke ist also nicht neu.

Da mein Mann als Notarzt tätig ist, erfahre ich aus erster Hand, dass das Durchschnittsalter der komatös Weggetretenen stetig weiter sinkt während der Promillegehalt des Blutes, dem gegenüber ansteigt. Wir haben hier auf dem Lande nur eine erwähnenswerte Disco, die an den Wochenenden regelmäßig von Ambulanzen, Notarztwagen bis hin zum Rettungshubschrauber besucht werden muss, was einen gewaltigen Kostenfaktor darstellt. Die Standardausrede der „Geretteten“ lautet meistens: „Ich weiß nicht, wie das kommt. Da muss mir jemand K.o-Tropfen ins Glas getan haben.“

Alles klar?!

Nun mag die finanzielle Beteiligung der Eltern auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, kommt mir aber so vor als würde man dem Kind, „das in den Brunnen gefallen ist“ noch zusätzlich einen Eimer Wasser hinterher kippen, im Sinne von: Sauf ruhig weiter, die Gesellschaft stört das nicht, solange deine Eltern dafür aufkommen. Wir legen uns alle beruhigt zurück, wenn es momentan (!) nicht unser Geld kostet. Dass es uns unsere Jugendlichen kostet; wen stört das? Die Kinder der anderen gehen uns einen Dreck an, Hauptsache, sie bezahlen uns durch ihre Arbeit, die Rente. Genau da liegt der Knackpunkt. Zu welchem Beruf taugt jemand, der im Alter von 11 Jahren damit beginnt, seine Gehirnzellen in Alkohol zu lagern? Im Prinzip müssten wir alle- zumindest diejenigen, die sich einen sorgenfreien Lebensabend wünschen- jetzt und heute 100 Euro in eine Stiftung einzahlen, die sich mit den Ursachen des Komasaufens befasst und nach Auswegen sucht.

Ein zugedröhnter Jugendlicher mag uns jetzt wie Müll erscheinen; er stellt aber trotzdem unsere Zukunft dar und, was dessen Eltern betrifft, sind die meisten ihrer Verantwortung nachgekommen, so gut es eben ging. Sie fragen sich noch mehr als der Rest Deutschlands, wo sie versagt haben, dabei ist eine Niederlage im Erziehungswesen immer ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Als erstes fällt mir der Mangel an Vorbildern auf; der uralte Spruch: Der Fisch fängt vom Kopf her, an zu stinken wird beinahe täglich bewiesen. Wenn in den oberen Etagen nur machthungrige, korrupte Wendehälse sitzen, kann man es fast verstehen, dass unsere Jugend säuft.

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12. Februar 2013

Benedict XVI

 

Der alte Mann kann nicht mehr. Wen wundert das bei einem Alter von 85 Jahren? Jetzt wünscht sich der Vatikan einen neuen Papst, geistig rege, intellektuell auf der Höhe, mit seinem Finger am Puls der Zeit, mit einem Mindestalter von 70 Jahren. Bei allem Respekt, welcher Mann in diesem fortgeschrittenen Alter entspricht diesen Kriterien? Meines Erachtens verabschieden sich Männer, nach Überschreitung des 25. Lebensjahres, da ihre Zeugungskraft nachlässt, in den Bereich der mentalen Größenphantasien. Der Oberhirte fühlte sich, durch die Anzahl seiner Lebensjahre,   physisch, psychisch und geistig zu erschöpft für sein Amt, was den Mitarbeitern von Standard & Poor`s, obwohl- hoffentlich noch in den Dreißigern-, völlig entgangen zu sein scheint. Sie fühlten sich wie die alten Alchemisten, die den Stein der Weisen gefunden zu haben wähnten, der Blei in Gold verwandelt. Also versetzten sie die bleiernen Schrottpapiere des amerikanischen Immobilienmarktes in den Triple-A-Zustand (der Stein der Weisen der Neuzeit) und glaubten, sie in Gold verwandelt zu haben. Es muss mit dem Alter zu tun haben, denn auch Bene XVI hielt Kondome für die Verursacher der Verbreitung von AIDS-Infektionen. Wie dem auch sei, Männer verschandeln die Welt und Frau wundert sich noch nicht genug. Die Ersten, die in Ägypten auf dem Tahir Platz zur Revolution bliesen, waren Frauen, die sich dort nun, in dessen dunklen Ecken, der sexuellen Belästigung nicht mehr erwehren können, weil Religion ist eben Religion. Hat schon jemand in Erwägung gezogen, eine junge, dynamische Frau in den Vatikan zu wählen? Ich meine, ein Papstrücktritt ist seit dem Jahre 1294 nicht mehr vorgekommen, und die Wahl einer Frau, bis auf einen vermuteten Einzelfall, noch nie. Aber, man muss ja nicht gleich zu den Sternen greifen. Weibliche Berater wären durchaus ausreichend. Hätte Bene XVI bei seiner Wahl im Jahre 2005 – im Alter von 78 – eine Ehefrau an seiner Seite gehabt, kann man nur vermuten, welchen Kommentar sie zum Amtsantritt gegeben hätte. „Alter, spinnst du?“, wäre noch die schmeichelhafteste Alternative. Ich stelle mir gerade vor, mein Gatte würde  – wie Kardinäle es tun – jeden Morgen ein dunkelrotes Kleid anziehen und versuchen, seine Gedankenwelt dem Rest der Menschheit aufzuoktroyieren –er käme mir nicht aus dem Haus!

Selbst Gott hat schon eigesehen: „Es ist nicht gut, dass der Mann (jetzt einmal frei übersetzt) allein sei!“

Wahrscheinlich dachte Er sich damals schon, dass man Männer niemals frei flottieren lassen sollte und, wenn man bedenkt, wie alt Adam damals war, muss dies so früh wie möglich passieren.

Eins muss man Bene XVI aber zu Gute halten. Was nicht geht, geht eben nicht mehr und dann sollte man die Reißleine ziehen, egal wie hoch das Amt, egal, wie hoch der Posten. Vielleicht war gerade seine letzte Tat ein leuchtendes Beispiel für uns alle- obwohl von Gott übernommen, denn auch Dieser braucht einen Tag der Ruhe- , „ wenn ich physisch, psychisch und geistig nicht mehr in der Lage bin mein Amt auszuführen“, überlasse ich es denen, die zumindest meinen, es besser zu können.

„Meinen“ war schon immer der Knackpunkt.

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11. Februar 2013

Rosenmontag

Alle Welt ist verkleidet. Gregor Gysi gibt den „Wolf im Schafspelz“ und behauptet, niemals etwas von einer Organisation namens Stasi gehört zu haben. In England gibt es einen gewaltigen Lebensmittelskandal, dort kam Pferdefleisch als Rindfleisch daher. Trittin macht einen auf Staatsmann und zieht jede Abgabe eines Scheinstandpunktes dermaßen in die Länge, dass der Zuhörer zwischendurch ruhig einen Moment der Augenpflege betreiben kann, denn den Schluss bekommt er auf jeden Fall noch mit. Peer Steinbrück fällt bis zum Wahltermin im Herbst in die Rolle eines Stummen. Die deutsche Nationalmannschaft tut so, als wäre sie Fußballweltmeister, und der Doktorhut von Frau Schavan darf demnächst nur noch zu Karneval getragen werden. Regierung und Opposition wetteifern darin, wer sich am besten als Senker der Strompreise tarnt, und die neu gebildete Rot-Grüne Koalition in Niedersachen kostümiert sich gesammelt als Baron Münchhausen und verspricht die endgültige Schließung des Standortes Gorleben. Großbauruinen behaupten entweder Tiefbahnhöfe oder Flughäfen zu sein, und Frau Merkel präsentiert uns den grassierenden Ministerschwund der letzten Jahre als Beweis absoluter Kompetenz in Bezug auf deren Auswahl.

Die Euro- und Bankenkrise täuscht ihr eigenes Ende vor, und die Revolutionen des „arabischen Frühlings“ sind auch nur eine geschickte Verkleidung gewesen. Zypern tut so, als wäre es verarmt, trotz russischer Schwarzgeldkonten, und Putin verkauft den subtropischen Ort Sotschi als Wintersportparadies, während die deutschen Biathlethen sich weiterhin als potentielle Weltmeister ausgeben.

Die Narren sind los!

Beunruhigend ist nur, dass dieses „Tarnen und Täuschen“ nicht am Aschermittwoch endet. Da lobe ich mir die echten Karnevalisten, deren Hauptvergehen nur darin besteht, zu versuchen, die sich vom Nordosten der Republik ausbreitende Grippe-Epidemie via Küsschen beim Straßenkarneval in eine Pandemie zu verwandeln und den pro Kopf Durchschnittsalkoholkonsum des Jahres 2013 um einige Prozentpunkte anzuheben. Wenn an Weiberfastnacht die Karnevalsjecken die Rathäuser stürmen, bleibt eigentlich nur zu konstatieren, dass hier die eine Narrenriege kurzfristig durch eine andere ausgetauscht wird und, wer hier den größeren Anspruch auf kollektives Irresein hat, ist in meinen Augen noch nicht entschieden, denn der Ganzjahreskarneval ist eindeutig auf dem Vormarsch.

Masken haben zunehmend Dauerhochsaison und, wer sein „wahres Gesicht preisgibt, hat im Vorfeld schon verloren. Sprache dient nicht mehr der Weitergabe von Information, sondern nur noch der Verschleierung von Tatbeständen.

Dabei wird jeder Konflikt nur dadurch beendet, dass einer der beiden Kontrahenten seine Deckung aufgibt, sein Visier herunter lässt und ehrlich anspricht, wodurch die Schieflage entstanden sein könnte.

So gesehen sieht es nicht gut aus für die Menschheit, denn sie wird in einem gewaltigen Mummenschanz enden.

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8. Februar 2013

Nirwana

Der Ausdruck „wunderliche Welten“ reicht nicht mehr aus, denn man müsste von absonderlichen Welten reden. Die Wissenschaftsministerin betrügt in ihrer Doktorarbeit. Der ehemalige Justizminister Niedersachsens, der eine niedrigere Promillegrenze beim Auto fahren gefordert hat, wird mit 0,9 Promille am Steuer erwischt und der hessische Integrationsminister macht fremdenfeindliche Äußerungen, die seit 1945 beispiellos sind. Was mich die Frage stellen lässt, in welchem geistigen Zustand sich unsere „politischen Vertreter“ befinden. Ein alter Hit fällt mir ein. „Völlig losgelöst von der Erde, schwebt das Raumschiff schwerelos…“

Was ist hier Ursache, was ist hier Wirkung?

Muss man geistig vernebelt sein, um Politiker werden zu wollen, oder führt das Amt dazu? Ist Macht ein Wert an sich, oder macht Macht ohnmächtig? Was bringt einen dazu, über andere bestimmen zu wollen? Ein ausgeprägter Minderwertigkeitskomplex? Wer sein eigenes Leben auf der Reihe hat, mischt sich niemals in das der anderen ein und, wer mit sich zufrieden ist, lässt den Rest der Welt in Ruhe und Frieden. Ist jede unbedingte Machtergreifung ein Ausdruck von Psychopathologie? Wer von seinen Mitmenschen in ein Amt gedrängt wird, ist auf jeden Fall geistig gesünder als derjenige, der sich in ein Amt berufen fühlt. Allein die Berufung setzt schon einen gewissen geistigen Ausnahmezustand voraus, denn, wer oder was hat da gerufen?  Menschen mit einer Mission sollten wir unbedingt  misstrauen. Wenn man bedenkt, dass nur drei Menschen ausreichen, um unsere Welt bis heute in Aufruhr zu versetzen- Moses-Jesus-Mohammed-, wenn man bedenkt, dass die Missionare dieser Welt nur Blut, Schweiß und Tränen verbreitet haben, dann, ja dann sollten wir anfangen, eigenständig zu denken. Das Wort Überzeugung drückt es wunderbar aus: ein zu hoch und ein zu viel kommen da verhängnisvoll zusammen. Eine sogenannte Sendung sollten wir dem Zustelldienst überlassen, und wir sollten wachsam dafür werden, wenn sich jemand etwas zusammen spinnt. Sobald jemand die Ebene der Realität verlässt- wie es die Politiker in der Eurokrise tun- und uns „ein X für ein U vormachen wollen“, sollten unsere Alarmglocken endlos schrillen. Wenn uns ein Trittin den Staatsmann vorgaukelt, eine Roth die Politikerin, eine Merkel die Krisenmanagerin, ein Steinbrück den Anwalt der Armen, wenn der Drohnenkönig Obama vom Weltfrieden spricht, wenn sich die arabische Welt zum Islamismus hin revolutioniert und Globalisierung ein Euphemismus für das Scheitern des Individuums ist, dann ist Zeit, den vorherrschenden Strömungen eine andere Richtung zu geben. Wir schrecken zurück vor den purpurnen Vorhängen der Macht, obwohl sich dort das gleiche Kasperletheater abspielt, das wir täglich vor Augen haben. Unser Nachbar ist prinzipiell dumm, warum das Ganze nicht einfach extrapolieren? Im höheren Bereich sind wir nicht einmal mehr auf Vermutungen angewiesen, weil unsere Führer tagtäglich den verbalen Beweis antreten.

Ist in unserem Jahrhundert Glauben immer noch mehr als Wissen? Anscheinend schon, weil naiver Glauben einfacher ist, als selbst errungenes Wissen.

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7. Februar 2013

Besucher aus dem All

Die Gallier bei „Asterix und Obelix“ hatten schon recht; ihre einzige Sorge bestand darin, dass ihnen eines Tages der Himmel auf den Kopf fällt. Am 15.02.13 kommen wir diesem Phänomen reichlich nahe, weil der Asteroid DA 14 in 28.000Km Entfernung an der Erde vorbei rast. In kosmischen Dimensionen gedacht, fast ein Streifschuss. Nun versichert uns die NASA: der Brocken von 50Km Durchmesser wird uns auf keinen Fall treffen. Man kann nur hoffen, dass deren Berechnungen stimmen, denn ein Volltreffer käme einer globalen Katastrophe gleich. Alle 400-500 Jahre macht sich ein Irrläufer des Universums auf den Weg zu unserem Heimatplaneten – die Dinosaurier könnten ein Lied davon singen, wenn es sie denn noch gäbe. Hätten sie schon Rechner gehabt, wäre der damalige Einschlag für sie nicht völlig unvorbereitet gekommen, aber, andererseits, was hätte es genützt? Genau, wie es uns heutzutage keinen Vorteil bringt, zu wissen, was demnächst auf uns zugebraust kommt, denn machen können wir dagegen ebenso wenig wie die Dinos.

Jeder von uns kennt sich bestens mit Besuchern aus, die aus einer fernen Galaxie zu stammen scheinen, weil deren Geisteshaltung der unseren diametral entgegengesetzt ist. Im günstigsten Fall kündigen sie uns ihr Erscheinen an, aber machen können wir aus reiner Höflichkeit nichts dagegen. Leider schneien diese nicht nur alle 400-500 Jahre herein, was noch zu tolerieren wäre. Irgendwie scheint die Frequenz dieser „Heimsuchungen“ einem mathematischen Gesetzt zu folgen, ist doch die Häufigkeit der Visiten direkt proportional zu deren Unannehmlichkeit und deren zeitlicher Dauer. Da lobe ich mir die Meteore und Asteroiden, die machen nur Blitzbesuche. Welche Auswirkungen die Verheerenderen sind, darüber bin ich mir noch nicht im Klaren, steht doch hier die Vernichtung der Außenwelt, die Vernichtung der Innenwelt gegenüber. Wie die Erde eine geraume Zeit braucht, sich von einem externen Besucher zu erholen, braucht unser Gehirn eine mindestens gleich lange Zeitspanne der Rekonvaleszenz, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Wer wiederholt über Stunden mit schwachsinnigen Banalitäten zugetextet wurde, kennt dieses Problem. Erschwerend kommt hinzu, dass im letzteren Fall nicht einmal mehr persönliches Erscheinen erforderlich ist, denn die Möglichkeiten der Telekommunikation, werden von diesen Zeitgenossen ausführlich genutzt. Selbst der Einwurf: „Ich glaube, mein Haus brennt. Ich muss jetzt auflegen“, kann den Endlostelefonaten nicht Einhalt gebieten. Auch eben vor die Tür zu treten und bei sich selber zu klingeln, um die Ankunft der Feuerwehr zu signalisieren, ist selten hilfreich.

Natürlich kann man sein Haus verlassen, aber auch beim Einkauf kann hinter jedem Regal ein Mitmensch lauern, der massig Zeit hat und der Körpersprache nicht mächtig ist. Selbst wenn man diesem den Rücken zukehrt und die Fluchtdistanz vergrößert, bleibt er einem „Wort schwallend“ auf den Fersen. Dies wirft ein vollkommen neues Licht auf das Aussterben der Dinosaurier. Ich denke, die Meteortheorie ist nicht zu halten. Es war ein verzweifelter Massensuizid, verursacht durch allzu redefreudige „Mitdinos“, die daraufhin, mangels Adressaten für ihr Mitteilungsbedürfnis, vor Langeweile mit sich selber eingegangen sind.

Vielleicht müssten auch die Gallier ihre Urangst einmal neu überdenken.

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6. Februar 2013

Schavan

Die Entwicklung ist schleichend, aber unaufhaltsam; alle Politiker bekommen mehr und mehr den gleichen Vornamen: Causa!

Von der Causa Guttenberg zur Causa Wulff, von der Causa Steinbrück zur Causa Söder und nun die Causa Schavan.

Laut Dekan soll sie „vorsätzlich und über die gesamte Arbeit verteilt, gedankliche Leistungen vorgegeben haben, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte“. Schon ist der Doktortitel –völlig berechtigt, wie ich finde – futsch! Ausgerechnet die Ministerin für Wissenschaft führt diese ad adsurdum. An Schavans Stelle würde ich mich in meinem Keller verkriechen und nie wieder herauskommen, wahrscheinlich weil ich noch ein Restgewissen mein eigen nenne, denn wer war es, der allen anderen voran, Guttenberg genüsslich „geteert und gefedert“ hat? Richtig, Frau (Dr.) Schavan. Bei Guttenberg fing es auch damit an, dass „Flüchtigkeitsfehler“ zugegeben wurden, wobei ein Plagiat darin besteht, die Urheber neuen Gedankengutes sehr gründlich zu studieren; schließlich will man deren Überlegungen als die eigenen ausgeben. Gerade im Bereich der Philosophie wurde – zu ihrem Pech –  sehr viel Schriftliches hinterlassen und, wie Frau (Dr.) Schavan nun Klage gegen die Universität Düsseldorf führen will, ist mir schleierhaft, denn es ist sehr einfach, nachzulesen, wer der wahre geistige Vater ihrer Ausführungen war. Ich traue es der philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf durchaus zu, dass sich dort der eine oder andere befindet, der des Lesens mächtig ist.

„Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“,  Wilhelm Busch wusste anscheinend genau, wie in Deutschland die Promotionen entstehen. Jedoch, seit es das Internet gibt, ist damit nicht mehr so leicht durchzukommen. Da setzen sich doch tatsächlich Menschen hin, lesen Promotionen – was ansonsten keiner zu tun schien, selbst die Zuständigen der jeweiligen Universitäten nicht – und überprüfen sie, Zeile für Zeile und Wort für Wort, auf Gedankenraub. „Ja, haben die nichts besseres zu tun?“, mögen sich die, auf diese Weise, Entlarvten fragen. Ich sehe sie förmlich vor mir, die Doktoren Deutschlands, wie sie eilig ihre vom Staub der Zeit bedeckte Promotionsschrift heraus kramen, diese zum allerersten Mal selbst, von Anfang bis Ende lesen und verzweifelt zu rekapitulieren versuchen, wen sie wann und wo ohne Fußnote zitiert haben. Vielleicht zeichnet sich ja bald ein ähnliches Verfahren ab, wie es durch den Ankauf der Steuer-CD`s entstanden ist. Im Sinne von: lieber Selbstanzeige, bevor sie mir draufkommen, werden massenhaft Doktortitel zurück gegeben.

Wer einen Konkurrenten ausschalten will, muss ihn nicht mehr direkt attackieren, nein, er muss nur dessen Promotion gründlich durchforsten. Welche ungeahnten Möglichkeiten tun sich da auf! Wir werden alle zu Plagiatsjägern, um es denen, die wir noch nie richtig leiden konnten, einmal richtig zu zeigen. In Zukunft geht es nicht mehr darum „eine Leiche im Keller zu haben“, eine mit den Jahren vergilbte Doktorarbeit ist völlig ausreichend! Wer mit der Leistung eines Juristen, eines Arztes, eines Wissenschaftlers und dergleichen mehr nicht zufrieden ist, braucht nur die verhängnisvolle Aufforderung auszusprechen:

„Ach übrigens, zeigen Sie mir doch bitte einmal Ihre Promotionsschrift!“

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5. Februar 2013

Fasten

Nach den tollen Tagen –Karneval-  steht uns wieder die Fastenzeit bevor. Schon bevor es richtig losgeht sind Fitness, Bodyshaping und die Sommerfigur 2013 in allen Köpfen. Da es jetzt 3- D-Drucker für den Hausgebrauch gibt, kann man sich individuelle Plastikstatuen erstellen, die dann so aussehen wie man selber aussehen möchte, bzw. vor Urzeiten einmal ausgesehen hat. Diese Dinger platziert man psychologisch geschickt beim Kühlschrank und vor allen Schränken, die verführerisch Hochkalorisches enthalten. Es empfiehlt sich, ein Exemplar bei jedem Einkauf mit sich zu führen und selbstverständlich auch beim Anmeldegang zum nächst gelegenen Fitnessstudio – zwecks Motivation, dieses Mal auch tatsächlich hinein zu gehen. Wie einstmals das Schmusetier in seligen Kinderzeiten, als die Maßeinheiten Kalorie und Joule noch unbekannt waren, hält man das Idealbild seiner selbst ständig unter dem Arm geklemmt und kann jedem Interessierten demonstrieren, welches Erscheinungsbild man demnächst zur Schau stellt, damit er sich dieses einprägt, für den Fall, dass man nach der Runderneuerung eventuell nicht wiedererkannt wird.

Die ganz Harten unter der Sonne lassen gleich eine zweite Plastikstatue ausdrucken, die den Maßen entspricht, die sie voraussichtlich erreichen, wenn sie ihren Lebensstil nicht ändern – eine aktuelle Version des Bildnisses von Dorian Gray, wenn man so will. Dieses Vorgehen birgt ungeahnte Möglichkeiten, kann man doch die beiden Alter Egos – die man vorzugsweise Überich und Es nennt-  über einer noch verpackten Tafel Schokolade, gegeneinander antreten lassen. In Extremfällen führt die zu starke Identifikation mit den beiden Kontrahenten natürlich zu schizophrenen Verwirrtheitszuständen bei der eigentlichen Person, aber dies ist ja nichts Neues und seit Freud hinlänglich bekannt.

Was mich gleich  wieder zum Fasten bringt, das nur dadurch erforderlich wird, dass man seinem Idealbild niemals entspricht und der daraus resultierende Frust zur Selbstmästung und absoluten Bewegungsverweigerung führt. Ein ausgeglichener Gemütszustand verhindert naturgemäß Übertreibungen jeglicher Art. Wer sich zwingt, nicht an Essen oder ans Trinken zu denken, tut dies automatisch ununterbrochen und, wer sich schwarz ärgert, weil er einer Tafel Schokolade nicht widerstanden hat, schiebt notgedrungen eine zweite und dritte hinterher.

Selbstakzeptanz wird in ihrer befreienden Wirkung noch immer unterschätzt. Einem geliebten Menschen fügt man normalerweise keinen Schaden zu und, wenn man das „sollte, müsste, könnte“ mit der Zeit aus den Augen verliert, klärt sich der Blick für die eigentlichen Bedürfnisse.

Fasten und Selbstkasteiung gehörten noch niemals dazu und der fordernd normative Charakter der Außenwelt führt letztendlich nur zum Einheitsmenschen. „Jede Jeck es anners“ weiß der Kölner, was übrigens nicht nur zu Karneval gilt.

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4. Februar 2013

Arzu Ö.

 

Während sich im Internet der Sexismus-Tsunami Bahn bricht, sich künstlich über richtigen und falschen Umgang der Geschlechter untereinander aufgeregt wird, erwarten wir-von der empörten Öffentlichkeit reichlich unbemerkt, das Urteil gegen Fendi Ö., der seine Tochter Arzu ermorden ließ, da sie sich in einen Bäckergesellen verliebt hatte. Nun habe ich keine der Diskussionsplattformen im Netz besucht, aber ich gehe einmal davon aus, dass über das Schicksal der Achtzehnjährigen allgemeines Schweigen herrscht, obwohl es weit und breit keinen extremeren Sexismus gibt als im Falle dieses Opfers „männlicher Ehre“.

Während meiner Assistentenzeit in einem Kölner Klinikum hatte ich es in der Ambulanz reihenweise mit gerade dreizehn- bis fünfzehnjährigen türkischen Mädchen zu tun, die mit vorgetäuschten körperlichen Beschwerden in die Notaufnahme kamen. Nach umfangreichen diagnostischen Maßnahmen, die ohne Befund blieben, zum Schluss immer das gleiche Geständnis: Die Heimreise in die Türkei war für die nächsten Tage vorgesehen, wo ein standesgemäßer, von den Eltern bestimmter Bräutigam auf seine Braut wartete-eine Zwangsheirat, demzufolge.

Leider waren mir die Hände gebunden. Mehr als eine Woche Krankenhauseinweisung lag bei diesen eigentlich kerngesunden Mädchen nicht drin. Zwar habe ich dadurch so manches Abreisedatum verzögert, aber „aufgeschoben bedeutete noch lange nicht aufgehoben“. Gespräche mit den Eltern wurden mir von den verängstigten Kindern- mehr waren sie in meinen Augen noch nicht- untersagt und die deutsche Gerichtsbarkeit fühlte sich nicht zuständig. Dies ist zwar schon bald dreißig Jahre her, aber getan hat sich aufgrund von religiöser Verblendung seitdem nicht viel. Wie wäre es einmal mit einer Debatte darüber? Ein Kompliment „unter der Gürtellinie“ ist dagegen kaum erwähnenswert wie ich finde.

Mein kleiner Rachefeldzug war zugegebenermaßen recht billig. Zwei Monate war ich in der Arbeitsmedizin einer Zeche im Ruhrgebiet tätig. Da standen sie gesammelt vor mir, die Patriarchen der islamischen Welt und machten sich vor „Angst regelrecht in die Hose“, weil eine simple Blutentnahme vor ihnen lag. Glauben Sie mir, ich war bei der Wahl der Spritzengröße nicht zimperlich!

Wer jemals die Filmaufnahme der Beschneidung eines  Mädchens bis zum Ende ertragen hat, dem brennt sich diese Ungeheuerlichkeit so tief ins Herz, dass man sie nie wieder vergisst. Was ist das nur in uns, das riesiges, fremdes Leid uns kalt lässt, ein anzüglicher Blick, ein anzügliches Wort, an uns persönlich gerichtet, aber gleich zur Revolte führt. „Stürme in Wassergläsern“ beschäftigen uns in extenso, während wir den wahren Sturm gar nicht mitbekommen wollen. Hören wir noch etwas von der Frauenfeindlichkeit in Indien? Beschäftigen wir uns mit dem Frauenraub und Frauenverkauf in China? Mit der dortigen Massenabtreibung von weiblichen Embryonen? Denken wir über die Vergewaltigungsquote in den Krisengebieten von Afrika nach? Oder über Zwangsprostitution? Sind dann verächtliche Männer- oder Frauenwitze überhaupt noch wichtig?

Wir haben das Klagen auf hohem Niveau zur Vervollkommnung gebracht. Hier fühlt jedermann sich diskriminiert, während es in weiten Teilen der Welt eine Tatsache ist.

Welches Urteil Fendi Ö. bekommt, ist auf jeden Fall wegweisender als die Umfragewerte von Rainer Brüderle.

 

 

 

1. Februar 2013

Geschlechterkampf II

Gestern teilte mir ein Freund mit, dass die Sexismus-Debatte einen gewaltigen Erdrutsch im Internet auslöst, denn dem seit Urzeiten aufgestauten Hass zwischen Mann und Frau, wird extensiv eine virtuelle Stimme verliehen. Inwieweit diese Wut aufeinander völlig überzogen ist, dafür gibt es einmal mehr ein persönliches Beispiel.

Im Netz bot mir ein Besucher meines Blogs die Freundschaft an; als er jedoch erfuhr, dass ich einige Jahre als Musterungsärztin tätig war, erschöpften sich seine Mails in Beschimpfungen. Ich weiß nicht, welche Traumata ihm die Musterung durch eine Ärztin bescherte – ich fühle mich nicht verantwortlich, denn ich war das nicht! Natürlich gehört die Inspektion und Palpation der Genitalien zum Standardprogramm, etwas, das ich zunächst nicht einsehen wollte, aber die Untersuchung der Bundeswehr ist die einzige Gelegenheit, junge Männer mit Hodenkrebs frühzeitig herauszufischen. Mädchen wenden sich an einen Gynäkologen wegen der Pille. Jungen dieser Altersklasse gehen nirgendwo hin. Ich erlebte Fälle, in denen ein Großteil des Darmes in den Hodensack prolabiert war; die Jungs dachten doch tatsächlich, besonders gut ausgestattet zu sein, dabei stand ihnen die Darminkarzerierung unmittelbar bevor.

Womit ich jetzt zum Hauptproblem komme.

DIE Männer und DIE Frauen gibt es nicht!

Im Rahmen der Globalisierung neigen wir zur Vereinheitlichung. Schlechte Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht berechtigen aber nicht dazu, »alle über einen Kamm zu scheren«. Da pochen wir ständig auf unsere eigene Identität, während wir den Rest der Welt nur zu gerne zum Klischee verkommen lassen.

Wenn man mit einem Vertreter des anderen Geschlechtes eine individuelle Erfahrung gemacht hat, ist dieser Vertreter genau so individuell wie wir selber. Die Vagina dentata( das gezähnte Geschlechtsteil der Frau – Freuds Alptraum) ist ein Minderheitsfall wie Dauervergewaltiger es auch sind.

Im Prinzip haben wir alle unsere fünf Sinne nicht mehr beisammen.

Man sieht, mit wem man es zu tun hat. Man hört, welche Äußerungen er von sich gibt. Man riecht, ob er zu einem passt. Man fühlt, ob dessen Berührung angenehm ist. Man schmeckt, ob einem die dargebotenen »Köstlichkeiten« munden. Einfach den Mann oder die Frau als das nehmen, was einem wahrhaftig gegenübersteht. Vorurteilsfrei, denn sonst verhindert die Geschichte es Erlebens das Erleben.  Mir gefällt die Sage am besten, dass Frau und Mann einmal ein Einzelwesen waren, das durch die eifersüchtige Laune der Götter getrennt wurde. Wir waren einstmals perfekt, vollständig und vollkommen, aber seit dieser Trennung befinden wir uns auf der verzweifelten Suche nach unserem Gegenstück.

Die Götter sind immer noch tätig, denn sie brachten ein Missgünstiges: »Wie du mir, so ich dir« in die Welt und das: »Ich liebe dich nicht mehr als du mich liebst« ist das Ende am Anfang aller Beziehungen.

Im Grunde genommen geht es nur darum, einen Partner zu wollen, oder nicht. Es geht darum, nicht in der »Anbaggerei«, in der sexuellen Attraktivität verharren zu wollen, denn die hormongetränkte Liebe ist nicht von Dauer.

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31. Januar 2013

Spa

Was früher eine einfache Kneipp-Kur war, nennt sich heutzutage „Wellness“, oder besser noch: Spa (Sanum per aquam-gesund durch Wasser). War es einstmals der Mate-Tee, muss es heute der Rooibos-Tee sein( habe ich beide, zu meiner Schande, noch nie probiert). Statt kirchlicher Fastenzeit grassiert das Heilfasten. Das Angebot an diversen Massagen ist kaum noch zu überblicken und, wer noch eine simple Badewanne zu Hause hat, an Stelle eines Whirlpools, ist „megaout“ wie es auf Neudeutsch heißt. Man könnte meinen, die Menschen in Europa müssen mit Macht daran erinnert werden, dass sie nicht nur Geist( im günstigsten Fall), sondern auch Körper sind. Besonders im Frühjahr überfällt uns machtvoll das Verlangen nach „Großreinemachen“ in jeder einzelnen Körperzelle. Man graust sich vor „Schlacken“ und es muss unbedingt „entgiftet“ werden, obwohl wir zwei hervorragende Organe in uns haben, die bei reibungsloser Funktion gar nicht zulassen, dass sich „giftige Schlacken“ bilden: die Leber und die Nieren! Besonders mit dem Heilfasten habe ich meine Probleme, denn es wird über Wochen nur Wasser und Tee getrunken. Als Argument bekomme ich dann immer zu hören, dass man nach einigen Tagen anfängt, bestialisch zu stinken, wegen der Gifte, die jetzt durch die Haut hindurch diffundieren. Mein Gegenstandpunkt, dass hier der Körper durch eine Ketoacidose- eine schädliche Stoffwechselstörung- gerade verzweifelt versucht, ein Verhungern anzuzeigen, wird geflissentlich überhört. Durch vermehrten Fett und Eiweißabbau werden Acetessigsäure und Beta-Hydroxybuttersäure frei und riechen reichlich unangenehm. Im Prinzip werden die Hauptentgiftungsorgane erhöhtem Stress ausgesetzt, können ihre Aufgaben nur noch eingeschränkt erledigen und das ganze „Heilfasten“ wird zum Unheil- die „Entgiftung“ wird zur „Vergiftung“. Das musste ich unbedingt einmal loswerden!

Aber ich war ja noch beim Spa.

Einfache Hotels ohne Wellnessbereich sind kaum noch vorhanden; wer in einem Hotel etwas anderes trägt als einen Bademantel, hinkt seiner Zeit weit hinterher. Gesichtspackungen verwandeln die Gäste in farblich unterschiedliche Maskenzombies mit krebsroter, restlicher Haut vom extensiven Peeling. Man bezahlt reichlich dafür, nichts zu essen zu bekommen und tauscht bei einem Rooibos-Tee Wellnesserfahrungen und Hoteladressen aus. Man holt sich am Körper Verbrennungen ersten Grades durch glühend heiße Steine und Verbrennungen zweiten Grades im Stirnbereich durch kochendes Öl, das man sich über diesen gießen lässt. Kurz vor dem Kreislaufkollaps durch intensives Schwitzen in der Sauna, chronisch Unterzuckert durch Nahrungsmangel, da kann das Hirn schon einmal in einen präpsychotischen Zustand kommen, der dann als Zeichen der Erholung gewertet wird, aber nichts anderes ist als ein Sauerstoff-Glukose-Mangelrausch. Das kleinste bisschen Hornhaut wird abgehobelt, was zu zweitägigen Gehstörungen führen kann, da die Hornhaut unter unseren Füßen zwar als kosmetisch störend empfunden wird, aber doch ihren tieferen Sinn hat. Jedem überflüssigen Haar droht die Epilation, dabei kann jeder, der schon einmal deswegen unter einem Haarbalgfurunkel gelitten hat, ein Lied davon singen, dass dieses spezielle Haar, an dieser speziellen Stelle besser nicht hätte ausgerissen werden sollen. Vielleicht dienen diese teuren Torturen ja der Gewissensberuhigung darüber, dass man seinen Körper ansonsten gerne vor sich hin rotten lässt.

Aber ich war ja immer noch beim Spa.

Klares Wasser trinken, sich mit klarem Wasser waschen, Wechselduschen, entspannt in der warmen Wanne liegen, deren Wasser frei von irgendwelchen zusätzlichen Ingredienzien ist, einfach einmal schwimmen gehen, im Hallen- oder Freibad oder besser noch im Meer, nenne ich wahre Gesundheit durch Wasser, wobei diese Maßnahmen weniger zu wirken scheinen, da sie äußerst preisgünstig zu haben sind.

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30. Januar 2013

Sexismus II

Es wird einmal mehr eine typisch deutsche „Sau durch das Dorf getrieben“: der Geschlechterkampf.

Als die Deutschen sich seinerzeit über das Waldsterben echauffierten, kamen unsere französischen Nachbarn aus dem Staunen und Lachen nicht mehr heraus. Und erst die BSE-Krise, da wunderte sich ganz Europa über die Erregungsfähigkeit der Deutschen, sind doch genau so viele BSE-Opfer wie Opfer  durch irrtümliches Trinken von Lampenöl zu beklagen! „No sweat“, sagte damals der Engländer, und der Franzose stimmte mit einem C`est la vie zu.

Woraus der Deutsche auch immer eine Staatsaffäre machen kann, er wird es unweigerlich tun. Bezeichnenderweise fand im Rahmen des Jahrestages der deutsch-französischen Freundschaft eine Umfrage unter jungen Menschen statt, die sich darauf bezog, welche Sprachkenntnisse vorhanden sind. Bei den deutschen Jugendlichen beiderlei Geschlechts dominierte: Bon jour. Je m`appelle…(Guten Tag. Ich heiße…). Bei den männlichen Franzosen war der Favorit: Du bist eine schöne Frau! ; bei den Französinnen hingegen: Isch liebe disch! Voila, möchte man da doch sagen. Ein Kompliment über den Körper einer Frau fassen in unserem Nachbarland sowohl Männer als auch Frauen als das auf, was es ist: ein Kompliment!

Aber ich war ja noch beim Sexismus.

Die heftigste „sexuelle Belästigung“ am Arbeitsplatz habe ich übrigens durch einen katholischen Priester erfahren. Jedes Mal, wenn er zu mir in die Sprechstunde kam, plagten ihn nicht näher zu klassifizierende Probleme im Bereich seines Penis, was natürlich eine gründliche Inspektion und Palpation meinerseits erforderlich machte. Nur, zu finden war nie etwas. Nach seiner dritten Konsultation stand ich vor der Entscheidung, ihn entweder hinaus zu werfen, oder ihm das winzig kleine sexuelle Vergnügen in seinem zölibatär-kargen Leben zu lassen. Dazu verdammt, seine „Ausstattung“ niemals von einer Frau bewundern lassen zu dürfen, hatte er den einzigen Weg gewählt, der ihm kirchenrechtlich möglich war. Ich hätte ihn natürlich auch zu einem Urologen schicken können, aber da in diesem Fachgebiet größtenteils nur Männer tätig sind (Warum eigentlich? Es gibt doch haufenweise männliche Gynäkologen! Wahrscheinlich, weil das Interesse an den gegengeschlechtlichen Genitalien höchst ungleich verteilt ist, nehme ich einmal an.), hätte die Überweisung für ihn keine Hilfe in seiner Lage bedeutet.

Was also machen?

Da so vieles Ansichtssache ist, hing es nur von meiner Bewertung der Situation ab. Ich hätte es als sexuelle Belästigung auffassen können, oder es als das einordnen können, was es im Grunde genommen war: eine Notlage. Da die Lösung immer im Kompromiss liegt, ließ ich ihn ausführlich über seine Geschlechtsorgane erzählen, warf nur noch einen flüchtigen Blick auf seine Genitalien und sah von einer manuellen Untersuchung ab. Diese Therapie zeigte den überraschenden Erfolg, dass die Beschwerden seinerseits deutlich abnahmen. Er kam zwar immer noch, aber seltener, woraus ich den Schluss zog, dass mittlerweile die reine Phantasie mehr und mehr als Masturbationshilfe ausreichte. Als ich die Praxis verließ, verabschiedete er sich herzlich und mit einem Augenzwinkern von mir. Das Zwinkern erwiderte ich natürlich, denn wir waren uns beide über die Metaebene seiner Konsultationen im Klaren.

Derart gesehen lässt sich jede Situation entschärfen, wenn man einen kleinen Schritt zurück tritt und das Ereignis analysiert, denn vieles ist nicht so gemeint, wie es primär bei einem ankommt. Manchmal hilft es enorm zu fragen:

„Wie war das jetzt eigentlich gemeint?“

 

 

 

29. Januar 2013

Geschlechterkampf

Königin Beatrix tritt ab und überlässt ihrem Ältesten den Thron, der dann König wird und dessen Frau Königin. Wenn eine Königin heiratet, wird ihr Mann höchstens Prinzgemahl. Wieder ein Punkt, den man in die hitzige Diskussion, die im Moment reichlich sinnlos tobt, einbringen könnte, dabei wäre dieser Tatbestand auch profeministisch zu werten, denn neben einer Königin verkommt der Mann zur Drohne, deren ausschließlicher Nutzen in der Produktion von Thronerben liegt.

Also, meine Damen, werden Sie Königin in ihrem Reich!

Meine Theorie in Bezug auf die Unterdrückung der Frau besteht darin, dass die Männer Angst davor haben, den Frauen könnte ihre absolute Macht bewusst werden; schließlich haben sie es in der Hand, wer sich fortpflanzt und wer nicht. Sämtliche Ungleichbehandlung- Verschleierung, Diskriminierung, Vergewaltigung, Ehrenmorde, Ausbeutung, die verabscheuungswürdige, bestialische Beschneidung und dergleichen reichlich mehr-hat ihre Wurzeln in dieser männlichen Urangst. Was wäre denn, wenn die Frauen sich absolut solidarisch verhalten würden? Nur noch die netten Männer bekämen Nachwuchs! Eine längst fällige Genpoolbereinigung, wie ich finde. Vielleicht ist deswegen auch der Neandertaler ausgestorben, weil dessen archaische Weltanschauung nicht mehr ins Konzept passte und Frau nur noch den Homo sapiens zum Zuge kommen ließ, einschließlich der Neandertalerfrauen wohlgemerkt, was die Analyse des menschlichen Genoms beweist.

Mittlerweile sind wir an einem ähnlichen Scheidepunkt angekommen, denn wenn ich mir die tobenden Männer in der islamischen Welt, die Steinzeitjäger in den Führungspositionen der westlichen Finanzwelt, die Militärs und alle, dem Machismo anhängenden Patriarchen anschaue, empfinde ich sie als nicht mehr zeitgemäß. Da draußen sind schon lange keine Mammuts mehr, was der Männerwelt noch nicht aufgefallen zu sein scheint. Das Prinzip: „Struggle for life“ ist obsolet; die Erde siecht unter den Folgen des männlichen Gegeneinanders dahin und ist nur noch durch ein weiblich geprägtes Miteinander zu retten, wobei ich jetzt nicht die mehr als fragwürdige Weiblichkeit meine, die als Mann verkleidet in den oberen Etagen mitspielt.

Dem Östrogen, dem Progesteron und dem Oxytocin gehört die Zukunft, wenn die Menschheit noch eine solche haben will. Nicht umsonst werden die beiden letzteren Hormone als „Kuschelhormone“ bezeichnet. Ein sexuell befriedigter Mann gerät unter den Einfluss der zwei und was macht er? Er schläft aufgrund der für ihn ungewohnten, weil unterschiedlich häufig auftretenden Wirkung friedlich ein, während Frau quasi einen Energieschub erhält und ausgiebig kuscheln möchte, was zu den bekannten Streitereien unter Paaren führt.

Aber ich war ja noch bei der aktuellen, künstlich aufgeblasenen Geschlechterkampfdiskussion in Deutschland. Wieso regen sich die Frauen auf? Meines Wissens wird eine Frau, die einen Mann abweist, in unseren Breitengraden nicht gesteinigt. Wenn ihr euch unerwünschte Kerle nicht verbal vom Halse halten könnt, was durch euer differenzierteres Sprachvermögen meistens möglich sein sollte, besucht Selbstverteidigungskurse.

Selbst ist die Frau!

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28. Januar 2013

Sexismus

Die beste Antwort bei einer Umfrage des Morgenmagazins „Was ist für Sie Sexismus?“, war für mich: „Sexismus ist, wenn ich mich in der Gegenwart eines Mannes unwohl fühle!“

Da liegt der Knackpunkt. Sexuelle Annäherung besteht aus einer Reihe von Signalen und Gegen (!)-signalen. In der Tierwelt erkennen es die Männchen sofort, ob das Weibchen bereit, oder eben nicht bereit ist. Subtilste Andeutungen im Gebaren der „Auserwählten“ reichen meistens aus, dass „Mann die Lust verliert“ und, wenn auf der Gegenseite Begriffsstutzigkeit vorliegt, wird eben verbissen.

Man zeige mir die heterosexuelle Frau, die einem gepflegten Flirt abgeneigt ist, bei dem es knistert und funkt, aber, ob es weiter geht, liegt- „Meine Herren!“- immer noch im Ermessen der Frau- evolutionär biologisches Erbe, wenn man so will. Billige sexuelle Anmache wird von vielen Männern gerne einmal mit der formvollendeten Annäherung verwechselt, besonders, wenn Alkohol im Spiel ist. In absoluten Härtefällen passiert dies auch ohne Nachhilfe von enthemmenden Mitteln, allein durch den Testosteronrausch. Dennoch, die Zeiten des Minnesanges mögen aus den Köpfen der Männer verschwunden sein, aus den Köpfen der Frauen hingegen noch lange nicht. Zwischen Kompliment und Kopulation liegen Welten! Wer im Gespräch mit einer Frau verbale Masturbation betreibt, kommt im Prinzip seltener zum Zuge, was „Mann“ mittlerweile zu denken geben müsste. Die „Antatscher“ fallen gleich ganz aus dem Wettbewerb. Wer nur derbe Sprüche und anzügliche Blicke in seinem Balzrepertoire hat, ist auf käufliche Liebe angewiesen, und ich wette, Prostituierte können uns ellenlange Geschichten darüber erzählen, wie Machomänner eigentlich ticken.

Kleine verunsicherte Jungs, die ihre Minderwertigkeitskomplexe durch sexuellen Größenwahn kompensieren müssen. Wo „Mann“ den Frauen nicht gewachsen ist, überwuchert falsch verstandene Männlichkeit alles, besonders den eigenen Verstand- falls vorhanden.

Ein gefestigter Mensch registriert die Signale seines Gegenübers und reagiert angemessen. So gesehen ist Sexismus ein Armutszeugnis in Bezug auf die eigene Psyche. Jede Grenzverletzung zeigt mit ihrem Ausmaß den Grad der inneren Pathologie an. Frauenwitze werden mit steigender Angst vor Frauen verächtlicher, denn je größer die Verachtung desto geringer die Selbstachtung.

Achtsamkeit hingegen setzt paritätische Achtung voraus. Die momentane Aufregung über sexuelle Belästigung, sollte deswegen eher in Bedauern und Mitleid umschlagen im Sinne von:

„Was musst du doch für ein armes Schwein sein, dass du das nötig hast!“

Was sich jetzt auch auf den „Stern“ bezieht, der die ganze Debatte angestoßen hat, denn dessen Cover zeigt bevorzugt- dreimal dürfen sie raten!- notdürftig bekleidete Frauen, wobei ich hoffe, dass es sich bei diesen nicht um die Reporterinnen des „Polit“- Magazins handelt.

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24. Januar 2013

Gütesiegel

Befeuert von Frau Aigner greift der Gütesiegelwahn weiter um sich. Jetzt gibt es ein freiwilliges(!) Siegel für regionale Produkte, denn anscheinend muss alles, was man so zu sich nimmt, aus der eigenen Gegend stammen, was aber das Sterben der Wochenmärkte nicht erklärt. Da gibt es nur Regionales und keiner- von älteren Menschen einmal abgesehen-kauft dort mehr ein, weil ad 1: etwas teurer und ad 2: nichts aus Übersee! Sehr zur Verwunderung der jungen Leute, werden auf Wochenmärkten keine Produkte aus den Tropen angeboten. Woran das nur liegen mag?

Aber ich war ja noch bei den Gütesiegeln, von denen es „gefühlte“ Hunderte gibt. Mittlerweile hat man Mühe zu erkennen, welches Produkt sich in der Verpackung befindet, weil man vor lauter Siegeln den Inhalt nicht mehr erkennt. Hat aber auch etwas für sich! Nachhaltig, Bio, Öko, artgerechte Haltung, fairer Handel, nachhaltig gefischt, ohne Konservierungsmittel, aus der Region, umweltfreundlich, Kalorien- und Zucker reduziert, Recyclingverpackung, light, weight watchers empfohlen, demnächst Ampelgekennzeichnet, etc., etc., etc. Man schleppt die zugepflasterte Verpackung nach Hause und ist äußerst gespannt, was man denn da nun gekauft hat. Spiel, Spaß und Spannung wie bei den Überraschungseiern! Endlich bekäme mein Mann die abwechslungsreiche Küche, die er sich immer wünscht, denn bis zum Öffnen der Lebensmittel weiß noch nicht einmal ich selber, was auf den Tisch kommt!

Im Zeitalter der elektronischen Medien übernehmen die Supermärkte die Funktion der Bibliotheken, denn nirgendwo muss und wird in Zukunft mehr gelesen werden als dort. Bei jedem Produkt braucht man demnächst mindestens eine halbe Stunde, bis man alles gelesen hat, was da so draufsteht. Deswegen vielleicht auch die neuen, exorbitanten Öffnungszeiten! Von 7:00 Uhr bis 22:00 Uhr, auch an Samstagen, da bleibt ausreichend Zeit für manch aufschlussreiche Lektüre. Da ich sehr gerne lese, ist damit zu rechnen, dass ich bei jedem Einkauf bis Ladenschluss bleibe, was bedeutet, vor 23:00 Uhr ist nicht mit dem Mittagessen zu rechnen. Den Kommentar meines Gatten hierzu, erspare ich mir lieber.

Kinder mit Lese- oder Rechtschreibschwäche brauchen keine teuren Therapien mehr, denn man schickt sie einfach einkaufen. Zur Übung lässt man sie dann Aufsätze darüber schreiben, was zum Beispiel auf einer Schokoladenverpackung steht, um zu prüfen, wie viel davon hängen geblieben ist. Im Rahmen der EU bietet sich geradezu an, die Texte mehrsprachig anzubieten, was quasi im Vorbeigehen zum Erlernen mehrerer Fremdsprachen führt. Zwar werden sich dann Konversationen im In- und Ausland nur noch um Ernährungsfragen drehen, aber dies tun sie heute weitgehend auch schon; abgesehen vom Thema Gesundheit, was eine direkte Folge der ellenlangen Beipackzettel für jedes Medikament ist. Die Beipackzettel haben übrigens dazu geführt, dass nach deren verwirrender Lektüre, die jeweiligen Tabletten erst gar nicht mehr eingenommen werden. Die ausführliche Information über Risiken und Nebenwirkungen von Lebensmitteln verheißt demzufolge in eine gertenschlanke Zukunft!

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23. Januar 2013

Plagiate

Schon Isaac Newton bemerkte ganz bescheiden: „Wenn ich weiter gesehen habe als andere, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe.“ Er erkannte damit an, dass jeglicher menschliche Fortschritt nur durch die Vorleistungen unzähliger zustande kommt, die in der Vergangenheit „gewirkt“ haben- im wahrsten Sinne des Wortes. Wissenschaftlicher und philosophischer Fortschritt ist somit mit dem olympischen Feuer vergleichbar, das über Generationen hinweg als Licht der Erkenntnis weiter und weiter getragen wird.

Nicht so das Plagiat. Dort wird gedankenlos nachgeplappert, worüber Größere vor uns bereits ausführlich nachgedacht und es mündlich oder schriftlich hinterlassen haben. Ein eins zu eins Zitat, ohne Quellenangabe, wenn man es genau nimmt. Darum geht es! Wenn man zitiert, sollte man es äußerst genau nehmen und gewissenhaft überprüfen, ob etwas auf „seinem eigenen Mist gewachsen ist“ oder ob es sich um Dinge handelt „die jeder Hahn bereits“ vom selben gekräht hat. Die Bundesbildungsministerin (!), die bereitwillig über einen anderen großen Plagiator- den Freiherrn zu Guttenberg, der so frei war, sich nicht an wissenschaftliche Regeln zu halten- hergezogen ist, sitzt nun in einem ähnlichen Dilemma wie ihr Opfer. Pikanterweise erschien ihre Dissertation unter dem Titel „Person und Gewissen“. Nun habe ich die Arbeit nicht gelesen, aber, wenn man das Gewissen bereits in der Überschrift erwähnt, wird es wohl auch darum gehen. Gewissenlos soll sie abgeschrieben haben, was jetzt in der philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf untersucht werden soll. Nun schaut Angie „dumm aus der Wäsche“; hat sie doch die Bildung zur Chefinnensache erklärt und exklusiv Frau Schavan damit beauftragt, was mich zu der Frage bringt, ob diese die einzig gebildete in CDU und CSU ist.

Nun wird von unserer Bildungsministerin heftig dementiert.

Warum?

Hat sie doch äußerst berühmte Vorgänger, die zum Teil sogar mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Es kann zwar sein, dass zufällig mehrere Menschen zur gleichen Zeit, die gleiche kluge Erkenntnis haben. Dies passiert aber immer zeitversetzt. So kam Jean Baptiste de Lamarck vor Darwin auf den Evolutionsgedanken. So entdeckte Josef Lister die Wirkung des Penicillins vor Alexander Fleming. So dachte Elise Meitner vor Otto Hahn über die Kernspaltung nach. So kam Rosalind Franklin vor Watson und Crick auf die Doppelhelixstruktur der DNA.

Der berühmteste Plagiator von allen ist übrigens William Shakespeare. Für 31 seiner 32 Werke sollen bereits anderweitige Quellen gefunden worden sein. Er hat sich also reichlich „fremd bedient“. Auch Berthold Brecht hat bei seinen Balladen der „Dreigroschenoper“ heftig beim deutschen Übersetzer des französischen Dichters Villon, K.L. Ammer, abgeschrieben.

Wenn wir ehrlich sind, erscheinen uns auch  Musikstücke immer so wie schon irgendwo einmal gehört; es ist also davon auszugehen, dass auch dort „alter Wein in neuen Schläuchen“ verkauft wird.

Auch die Grünenfraktionsvorsitzende Ramona Pop hat sich gedacht, eine Rede gegen Kurt Beck (Urheberin: Julia Klöckner) lässt sich wunderbar in eine Rede gegen Klaus Wowereit ummünzen und bediente sich ergo reichlich.

Plagiate also, wohin man auch schaut.

Mittlerweile bin ich, wegen des Bildungsgrades der meisten unserer Mitmenschen sogar der Ansicht: Wenn Geistesgrößen plagiiert werden, spricht es für eine gewisse Qualität des Vortrags, was allemal besser ist als ein hirnloser Originaltext.

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22. Januar 2013

Hymnen

Zur Feier der Vereidigung von Obama sang Beyonce´ die amerikanische Hymne in einer Soulversion, die nicht nur den Amerikanern die Tränen in die Augen trieb, was im deutschen Netz eine Umfrage zur Folge hatte, welcher Interpret denn ähnliches mit unserer Hymne bewerkstelligen könne, wobei allein die Vorschläge ausreichen, um leise vor sich hin zu weinen.

Von Jürgen Drews bis Andrea Berg, von Xavier Naidoo bis Bushido geht die Liste. Abgesehen von der allgemeinen Insuffizienz der vorgeschlagenen „Sänger“ stellt sich doch die Frage, ob Joseph Haydn (1732-1809; Melodie) und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874; Text) insgesamt soultauglich sind, obwohl, wie mir gerade einfällt, bestimmt äußerst frei interpretierte Versionen des Deutschlandliedes zustande kämen, wenn sie von nationalen Sportlern gesungen würden. Ich denke da an Boris Becker und Lothar Matthäus. Eine völlig neue Textversion hat Sarah Connor bereits am 20.01.09 zum Besten gegeben. Anstatt „blüh im Glanze dieses Glückes“ kam dabei „blüh im Lichte dieses Glückes“ heraus, wahrscheinlich aufgrund eines Versagens des Teleprompters, der unbedingt erforderlich war; weil so viel Text auf einmal sind unsere lokalen Schlagersternchen nicht gewohnt.

Da wäre dann eine „Da-Da-Da“ Anpassung im Sinne von „Deutsch-Deutsch-Lied- ich kenn dich nicht, du kennst mich nicht“ angebracht gewesen.

Textschwierigkeiten wären auch bei den Vertretern der politischen Parteien zu erwarten, wobei die FDP über „Einigkeit“ stolpern würde, die NPD über „Recht“ und die CSU über „Freiheit“. Angie käme mit dem „brüderlich mit Herz und Hand“ nicht zurecht und unser ehemaliger Bundespräsident würde am „des Glückes Unterpfand“ scheitern, hat er doch nicht im Glanze des wahren Glückes geblüht, sondern ist im falschen regelrecht verdorrt.

Vielleicht ist überhaupt Zeit, sich über eine neue, aktuellere Hymne Gedanken zu machen. Abbas „Money, money, money“ käme internationaler und zutreffender daher. „Money makes the world go around“  aus  “Cabaret”  ware aber auch nicht zu verachten. Für Optimisten stünden in deutscher Sprache die alten Durchhalteschlager von Zarah Leander zur Verfügung. „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ und „Davon geht die Welt nicht unter“ bieten sich da geradezu an. Für die Pessimisten käme jetzt wieder Xavier Naidoo mit dem Titel „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“ ins Spiel, wobei es sich bei diesem Song auch um die ideale, europäische Hymne handeln könnte.

Für große Teile der männlichen Bevölkerung kommt „Fußball ist unser Leben“ in Frage. Mein persönlicher Spitzenreiter wäre allerdings das Lied von Pipi Langstrumpf.

„ Ich mach` mir die Welt, wide-wide-wie sie mir gefällt“, denn eine größere Wahrheit ist noch nie ausgesprochen worden!

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21. Januar 2013

Niedersachsen Wahl

„Knapp vorbei ist auch daneben!“, bringt es der Volksmund einmal mehr auf den Punkt und im Nanometerbereich vor der Ziellinie zu stoppen, bedeutet, das gesetzte Ziel nicht erreicht zu haben. Nun kann man sich einreden, „die Trauben hätten sowieso viel zu hoch gehangen“ und man hätte sich, eigene Möglichkeiten weit überschreitend, gereckt und gestreckt, aber es hätte eben knapp nicht gereicht; dieses schön reden verhindert trotzdem nicht, dass sich ein anderer daran gütlich tut.

Für mich war der Wahlabend ein einziger Beweis dafür, zu welchen Verrenkungen der menschliche Geist und ergo die Sprache fähig ist, wenn es darum geht, sich eigene Unzurechnungsfähigkeiten nicht eingestehen zu müssen. Mein größtes Problem lag darin, dass der Großteil der Sprachakrobaten tatsächlich zu glauben schien, was da gefaselt wurde. Nun ist aus der Hirnforschung schon seit einiger Zeit bekannt, dass das menschliche Gehirn niemals eine eins zu eins Umsetzung der Realität zustande bringt und sich viel lieber fantastische Geschichten über die Vorgänge der Außenwelt zusammen fabuliert, aber Zahlen sind nun einmal Zahlen und Prozentwerte, Prozentwerte. Eine parlamentarische Mehrheit von einem einzigen Sitz als Erdrutschsieg zu verkaufen, grenzt schon dicht an die Welt der Psychotiker und Schizophrenen, wobei ich den, unter diesen Hirnstörungen leidenden Patienten, nicht zu nahe treten möchte, da diese sich nur selber einem Wahnbild hingeben und den Rest der Welt damit weitgehend unbehelligt lassen, oder zumindest nicht erwarten, dass alle anderen die Dinge auch so sehen wie sie.

Unsere Politiker hingegen scheinen nun endgültig in die Welt des schönen Wahns abgedriftet zu sein. Konfabulationen sind an die Stelle von korrekten Aussagen und Antworten getreten, und die Gebrüder Grimm könnten aus dem, was im Laufe eines Jahres von unseren Volksvertretern zusammen gedichtet wird, mühelos regelmäßig erscheinende Märchensammlungen zusammen tragen.

Vorherrschende Zeitform in Wolkenkuckucksheimen ist das Futur II. Ein „ich werde gesiegt haben werden“ macht ein reales Überschreiten einer gesetzten Ziellinie bereits in der Gegenwart zur vollendeten Zukunft.

Dabei reicht es eigentlich aus, sich nur an die Realität und an die deutsche Grammatik zu halten. Über Plusquamperfekt, Perfekt, Imperfekt, Präsens, Futur I zu Futur II lautet dann die Zeitschiene:

Ich hatte nicht gesiegt- ich habe nicht gesiegt- ich siegte nicht- ich siege nicht- ich werde nicht siegen-ich werde nicht gesiegt haben werden. Schon entsteht das dringende Bedürfnis, sich kritisch mit der eigenen Person auseinander zu setzen und sich, falls man siegen will, so sehr anzustrengen, dass es am Ende eben ausreichend ist.

Wenn ich dann am Ende trotzdem nicht gesiegt haben werden werde, dann hatte der Fehler bei mir gelegen, hat der Fehler bei mir gelegen, lag der Fehler bei mir, liegt der Fehler bei mir, wird der Fehler bei mir liegen und bei mir gelegen haben werden.

Alles klar?

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During the current global recession, the Polish economy so far has not entered recession nor even contracted

with little assurance that Russia really has the needed expertise to insure nuclear safety. It is not accidental that Anatoly Chubais tried to throw in the catchphrase a liberal empire to define the present political system in Russia the SPS was losing its property right for liberal reforms. European, Siberian and Far Eastern. However, certain aggressive representatives of big hair salon persisted in their struggle for power the inertia of complete license was too strong, the sense of omnipotence struck root. Just go to an Old Town and spend some time at the market place. The full terrible effects of this Russian disaster will never be known.

Putin neutralised the left, adopting much of their arguments

In the major cities you can rent a car if you do not mind fairly rugged road conditions, a few hassles finding petrol, getting lost now and then and paying high rent price. True, the official powers should be counterbalanced, otherwise the State becomes overpowering (this was Russias permanent political bane, but the country needed it because of its size, climate and a number of other factors). The ski season runs from December to March in Poland and it is now becoming a very popular holiday destination for skiers and the poland news.

One area in which foreign nationals have been fairly heavily involved is in investment real estate. For example, the events in Beslan on September 1 3 2004, when more than 4,000 children and teachers were held hostage, prove the low efficacy of security service. The facilities offered include the multi cuisine restaurants that serve international favorites as well as the local delicacies. He supported the North Vietnamese in the Vietnam War.


Russia wants to create affordable new reactors for countries that can not afford to even consider developing 8 reactor.

If the vertical of power built by him does not yield fruit in that region, he will fail to convince the country in the necessity of exerting control. Krakow epitomises old European charm through its beautiful buildings, nice neighborhood squares and exquisite cafes for the best polish news. Contrariwise, Putin is popular.

The Piast dynasty ruled Poland with variable fortune and embroiled the nation in domestic quarrels for 150 years.

Zbignev Bzhezinsky, a well known American political scientist, published a map where Russia was divided into 13 countries. As just discussed, foreign nationals have been very active in the Polish real estate market for the past five decades. The country suffered devastation and there were huge territorial losses, which were only partly compensated by the Allies decision to move the border westwards.

For example, against the logic of their liberal market views, they are attacking the monetisation of perquisites for pensioners

The monarchy in Poland came to an end in 1795 when the country was into between Prussia, Russia and Austria. its a travelers paradise, to name a few like Baltic beaches, Masuria Lakes, Carpathian Mountains and Tatra and the Giant Mountains.

Recipes that have been passed down through the generations are as dear to each family as the stories and sense of identity that the food represents. He himself has to explain his home and foreign policy, the ideas of his political reforms. Poland as a tourist destination has gained importance and today people are intrigue to see as nation state how Poland has come out of the slump and is looking forward to a new world of opportunity. The goal is to produce 100% of Russias electritown by nuclear power.

Visit: http://en.wikipedia.org/wiki/Poland

18. Januar 2013

Frauenbilder

Zwei Krankenhäuser in erzkatholischer Trägerschaft haben eine vergewaltigte Frau abgewiesen, weil die dort tätigen Ärzte sie zwangläufig über die „Pille danach“ hätten aufklären müssen. Der empörte Aufschrei ist groß, und die betroffenen Häuser rudern mächtig zurück, murmeln etwas von Einzelfall, Versehen, Missverständnis, worüber ich nur lachen kann. Ich bin selber Ärztin und bin mehrere Male heftig mit katholischen Krankenhäusern  in Konflikt geraten. Die Erlebnisse, die ich jetzt schildere, sind nicht frei erfunden, sondern haben sich tatsächlich so abgespielt.

Zunächst einmal wurde eine meiner Stellenbewerbungen mit der Begründung abgelehnt, es entspräche nicht den moralischen Grundsätzen der Klinik, Ärzte einzustellen, die in wilder Ehe lebten. Da ich jetzt nicht auf der Stelle heiraten wollte, bekam ich die ausgeschriebene Stelle natürlich nicht!

Während meiner Praxiszeit saß ein 15- jähriges Mädchen weinend in meinem Sprechzimmer. Völlig verzweifelt stammelte sie etwas von einem geplatzten Kondom. Hier war selbstverständlich die „Pille danach“ indiziert, aber ich kam im Moment nicht auf den Namen. „Macht nichts“, sagte ich mir und rief im örtlichen Krankenhaus an, ließ mich mit der Gynäkologie und dort mit dem diensthabenden Kollegen verbinden.

„Guten Tag, ich habe ein kleines Problem. Könnten sie mir den Namen der „Pille danach“ nennen?“

„Können schon, aber ich darf nicht!“

„Was soll das heißen?“

„Wir sind ein katholisches Haus. Diesbezügliche Informationen darf ich nicht weiter geben, sonst riskiere ich meine Stelle.“

„Hört denn noch jemand zu?“

„Nein, aber hier geht es um das Prinzip.“

„Wie wäre es, wenn Sie mir nur die beiden ersten Buchstaben verraten?“

„Aber nur, wenn Sie mich nicht anschwärzen.“

Da ich den Namen des Kollegen sowieso nicht verstanden hatte, wäre ich gar nicht in der Lage gewesen, ihn zu verpetzen. Außerdem hätte mir nichts Ferner liegen können.

„T und e“, kam es kaum hörbar aus dem Telefonhörer.

„Wie bitte?“

„T und e“, wurde der Kollege ein wenig deutlicher.

„Alles klar! Jetzt habe ich es wieder, Tetragynon“, fiel mir sofort ein.

„Aber das haben Sie nicht von mir! Haben wir uns da verstanden?“

Kopfschüttelnd legte ich auf und befreite meine junge Patientin mit einem Rezept aus ihrer Notlage.

Der nächste Fall betraf mich persönlich. Bei meiner zweiten Schwangerschaft wurden per Ultraschall pathologische Veränderungen des Embryonen festgestellt. Der Chefarzt der örtlichen Gynäkologie, in einer ebenfalls „christlichen“ Klinik, teilte mir, natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit, die Adresse für eine Chromosomenuntersuchung mit. „Aber das haben Sie nicht von mir!“ Wo hatte ich das schon einmal gehört?  Spinnen die jetzt alle?

Die Untersuchung ergab eine, nicht mit dem Leben zu vereinbarende, Chromosomenaberration. Mit diesem niederschmetternden Befund suchte ich wieder besagten Chefarzt auf.

„Abtreibungen sind hier nicht erlaubt!“, lautete dessen Auskunft. „Selbst wenn ein Säugling direkt nach der Geburt sterben sollte.“

„Wie bitte?“ Ich befand mich im fünften Monat und hätte weitere vier Monate lang auf eine Totgeburt warten müssen.

Der Chefarzt fürchtete um seine Stelle und half mir deswegen nicht weiter, eine Klinik zu finden, die eine Abtreibung vornehmen würde. Dies habe ich dann alleine in die Hand genommen.

Was für ein Frauenbild haben die Katholiken eigentlich? Sind wir nur Brutkästen? Meinen sie wirklich, Frauen wären nicht in der Lage, verantwortungsvoll mit der Frage Kind, oder nicht Kind, umzugehen? Wenn selbst bei Vergewaltigungen und möglichen Totgeburten nicht abgetrieben werden darf, was wird uns da zugemutet? Sind zölibatäre Männer überhaupt in der Lage, sich da einzumischen? Wer gibt diesen freiwilligen Eunuchen das Recht, zu beurteilen, wie eine Frau zu leben hat?

Fragen, die schon lange überfällig sind.

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17. Januar 2013

Dschungelcamp

Aha! Die katholische Kirche hat, seit dem ersten bekannt werden von Missbrauchsfällen, eine Telefonleitung eingerichtet, deren Ergebnisse nun anstehen. Damit hat sie zwar bewiesen, dass sie ein offenes Ohr für die Opfer hat, ein offenes Herz aber in weiter Ferne zu liegen  scheint. Mindestens 8.500 Betroffene sollen sich bei der Hotline gemeldet haben; wenn man mich fragt, genau 8.500 zu viel.

Nun habe ich mir heute Morgen anhören müssen, dass Priester in persönlichen Lebenskrisen, eben dazu neigen, über die Stränge zu schlagen. Wer also vom selbst gewählten Leben enttäuscht wird, greift sich gerne mal ein Kind, um die Probleme zu bewältigen.

Armut, Keuschheit und Gehorsam sind nicht jedermanns Sache, wie mir scheint.

Armut? Wer jemals den Vatikan besichtigt hat, kann gar nicht fassen, wie arm die katholische Kirche ist.

Keuschheit? Diese wird bereits durch die Telefonhotline für Missbrauchsopfer widerlegt.

Gehorsam?  Dieses Gelübde wird meistens eingehalten, was aber zu schweren psychischen Fehlleistungen prädestiniert!

Ich stelle mir gerade vor, Bene XVI mischt sich in mein Privatleben ein, und ich lasse es auch noch zu!

Dann würde ich zwar nicht über meine Töchter herfallen, aber, was Vernunftentscheidungen betrifft, reichlich ins wanken geraten. Eine Moralinstanz, die nur aus Männern besteht, ist in ihrem Kern zum Scheitern verurteilt, obwohl es mittlerweile fast 2.000 Jahre gebraucht hat. Die Erkenntnis hinkt, wie eigentlich immer, hinterher, und ein von Männern geführter Gottesstaat, ist ein Widerspruch in sich. Wenn das Testosteron in die falschen Kanäle geleitet wird, kann nur Blödsinn dabei heraus kommen.

Religiös befeuert hasst es sich eben effektiver!

Die Nähe zu Gott löst bei Männern halt Wahnvorstellungen aus; da wird ein: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ (Matt. 19:14) zu einem: „Lasset die Kindlein mit mir kommen!“

Da werden Frauen gerne einmal gesteinigt, nur, weil sie Frauen sind.

„Frauen und Kinder zuerst!“, stößt seit Urzeiten, bitter wie immer, auf. Anstatt zu fragen, welches Frauen- und Kinderproblem da im eigenen Inneren am Werke ist, wird die Wut auf sich selber externalisiert; da geht dann, vorzugsweise,  die eine oder andere Bombe hoch, oder der Trieb geht mit einem durch.

„Die spinnen, die Männer!“ Mehr fällt mir im Moment nicht dazu ein. Wenn ich meinen Blick auf islamistischen Terror richte, fällt mir jede Menge ein. Da fliehen zurzeit in Mali etliche Frauen, um den Vergewaltigungen durch „Gotteskrieger“ zu entkommen. Welches Diktat des Erzengels Gabriel ist da eigentlich missverstanden worden? Hat Mohammed sich verschrieben, weil er Analphabet war?

Man weiß es nicht.

An welcher Stelle der Bergpredig wurde erwähnt, ihr müsst arm, keusch und gehorsam sein?

Können Männer nur selektiv lesen?

Da alles von der Lesart abhängt, was die Bibel und den Koran betrifft, stehen uns Frauen noch jede Menge wilde Zeiten bevor, denn so friedenserheischend die Texte aus sein mögen, ein randvolles Testosteron macht alles zunichte.

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16. Januar 2013

Wetter

Es braucht ca. drei bis vier Schneeflocken und ganz Holland ist ein Parkplatz. Jeder Autobahnmeter der Niederlande ist verstopft, wenn im Winter eben Winter ist. Dem stehen die Kölner in nichts nach. Als ich noch dort gewohnt habe, reichte bereits Schneeluft, also die Möglichkeit, dass es schneien könnte, aus, dass der Kölner Innenstadtbereich und der Autobahnring hoffnungslos verstopften.

Die Natur ist doch ein seltsam Ding, denn sie schafft für jedes Problem eine Lösung. Die Abgase, die zwangsläufig durch die Winterstaus frei gesetzt werden, tragen erheblich zur Klimaerwärmung bei, und, was gibt es nicht mehr, wenn die Durchschnittstemperatur steigt? Schnee, richtig!

Zwar müssten dann die Niederländer aufgrund des erhöhten Wasserpegels endgültig auf Boote umsteigen, und die Kölner Altstadt wäre, ähnlich wie Atlantis, in den Fluten des Rheins versunken, aber einem möglichen Straßenverkehrschaos wäre für alle Zeiten vorgebeugt.  Wobei ich natürlich Atlantis nicht auf dem Grund von Vater Rhein vermute. Zu meiner Verwunderung hat die Bahn noch nicht „Land unter gemeldet“; fallen doch sonst, noch vor den Staumeldungen, etliche Züge aufgrund der winterlichen Witterung aus. Greift hier jetzt  wieder der alte Werbespruch: „Egal welches Wetter, wir fahren immer. Die deutsche Bahn!“?

Da es aber erst seit zwei Tagen schneit, gehe ich davon aus, dass das Bahndesaster zuverlässig doch noch eintreten wird. Gebirgsbewohner mögen als schrullig und irgendwie besonders gelten, aber eines haben sie den Flachländlern eindeutig voraus: sie können bei Schneefall noch Auto fahren!

„Ja, ja, die Preußen!“, mag sich so mancher Bayer jetzt denken. „ Flughäfen bauen können sie nicht und Auto fahren schon gleich gar nicht!“ Höchste Zeit demnach, ein unabhängiges Königreich Bayern in Erwägung zu ziehen. Seehofer soll sogar schon den einen, oder anderen Hermelin Probe getragen haben- die Mätressenwirtschaft hat er bereits wieder eingeführt-, und Ilse Aigner überlegt, ihren Hauptwohnsitz nach Neuschwanstein zu verlegen. Hofnarren gibt es in der CSU reichlich; dem Projekt steht demgemäß nichts mehr im Wege.

Aber ich war ja noch beim Schnee.

Da hat der gemeine Autofahrer ein wahrhaftiges Opfer-Abo (das Unwort des Jahres 2012-geprägt von Kachelmann, einem Meteorologen!). Situationen, die man aus eigener Unfähigkeit nicht im Griff hat, werden gerne unter „Höherer Gewalt“ subsummiert. Man kann sich nur wundern, dass Autofahrer, die nicht schneefest sind, überhaupt in ihren Wagen steigen. Die Wettermeldungen sind, was den jeweiligen Tag betrifft, ziemlich genau. Es kann also keiner behaupten, vom Schneefall überrascht worden zu sein. Was ist die Intention der schneeblinden unter den Verkehrsteilnehmern? Endlich einmal einen Gefahrguttransport ins Schlittern bringen? Ein gemütliches „ Stell dich ein“ auf den Autobahnen provozieren? Nach Herzenslust in andere Wagen rutschen? Den Beweis der eigenen Blödheit erbringen?

Man weiß es nicht.

Wenn man nicht fliegen kann, springt man wohlweislich nicht vom Dach und, wenn man bei einer Schneedecke von 0,5 cm nicht mehr Auto fahren kann, dann unterlässt man dies gefälligst. Wobei man im ersten Fall nur sich selber einen Gefallen tut, im zweiten hingegen dem Rest der Welt.

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15. Januar 2013

Unwort des Jahres

Bevor das offizielle Unwort bekannt gegeben wird, möchte ich noch eben schnell über mein persönliches Unwort nachdenken. Ganz vorne steht natürlich: Unwort! Denn, was soll das sein? Ein Ding kann nicht gleichzeitig seine Verneinung sein. Eine Aussage niemals ihr Gegenteil, wie wir aus der Erkenntnistheorie wissen sollten, oder, wie Aristoteles so schön ausdrückt:

„Doch das sicherste Prinzip von allen ist das, bei dem eine Täuschung unmöglich ist [...] Welches das aber ist, wollen wir nun angeben: Denn es ist unmöglich, dass dasselbe demselben in derselben Beziehung zugleich zukomme und nicht zukomme.“

Einfacher ausgedrückt: Ein Wort ist ein Wort, und wenn es ausgesprochen wurde, kann es nur schwerlich wieder zurückgenommen, oder gar in sein Gegenteil verkehrt werden. Was ist demnach ein Unmensch? Ein Mensch und gleichzeitig doch keiner?

Zwar relativierte bereits Adenauer jede seiner Aussagen mit seinem berühmten Zitat: „Was geht mich mein Geschwätz von gestern an?“ und verdeutlichte damit, dass absolute Wahrheiten des Vortages, am nächsten Tag schon „Schall und Rauch“ sein können.  Ist jede Aussage gleichzeitig eine Un-Aussage? Wenn zum Beispiel gesagt wird, wir bauen einen Tiefbahnhof, einen Großstadtflughafen, ein sicheres Atomendmülllager, oder die Maastrichter Verträge werden unbedingt eingehalten,  müssen wir demnach zwangläufig davon ausgehen, dass genau dies nicht passiert?

Es wirkt zumindest so.

Die Erkenntnistheorie scheint für Politiker nicht zu gelten;  sie arbeiten mit unsicheren Prinzipien, bei denen Täuschung leider jederzeit möglich ist, wenn man auf das obige Zitat des Aristoteles Bezug nimmt. Die Kultur der Worte ist der Kultur des Geschwätzes gewichen und jemandem „beim Wort nehmen“ ist beinahe unmöglich geworden. Keine Rede ist mehr verbindlich, was eigentlich nur daran liegen kann, dass vor dem Reden das Gehirn nicht eingeschaltet wurde. Es wird quasi laut spekuliert und somit ins unreine(!) gesprochen, wodurch jedes Wort automatisch zu seiner eigenen Möglichkeit bis hin zum Unwort wird. Jeder Aussagesatz ist heutzutage ein Konjunktivsatz, ohne dass dies grammatikalisch hervor gehoben wird. Das Prädikat verbleibt im Indikativ-der Wirklichkeitsform-, obwohl es in den Konjunktiv-die Möglichkeitsform- gehörte.

Das Wort des Jahres ist übrigens „Rettungsroutine“, bezieht sich auf die Finanzkrise und ist gleichzeitig ein Unwort, weil dort nach dem „Versuch- und- Irrtum- Prinzip“ und keinesfalls routiniert zu Werke gegangen wird.

Wenn also ein Unmensch in einem Untext mit Unworten zur Unzeit die Unwahrheit sagt, hören wir am Besten nicht hin.

Und, wenn das absolute Gegenteil behauptet wird, sollten wir umso genauer hinhören, denn auch Matthäus 5:37 ist nicht mehr aktuell.

„Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber hinaus ist, das ist von Übel.

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14. Januar 2013

BMI Rechner

Kaum sind die Weihnachtstage vorbei,  die nächste Bade- und Urlaubssaison rückt näher und näher, da ist es wieder in aller Munde: das Körpergewicht. Zwar ist der BMI, der Bodymaßindex (Gewicht geteilt durch Körpergröße zum Quadrat) schon lange überholt, das er das Verhältnis von Muskelmasse zu Fettmasse unberücksichtigt lässt, aber ganz befreit von diesem äußerst lästigen Wert sind wir noch nicht.

Frauenzeitschriften quellen förmlich über von Diäten, die eigentlich nur eine Auswirkung haben, den Jo-Jo-Effekt- das Aufschaukeln des Gewichtes durch Kurzdiäten, ohne längerfristige Umstellung der Ernährungsweise- in immer neue Höhen zu treiben. So wie eine Weltreise mit dem ersten Schritt beginnt, steht am Anfang einer Gewichtsabnahme zunächst einmal die ausführliche Überlegung: was will ich erreichen und was kann ich erreichen? Ebenso wichtig ist die Befreiung von jeglichen Schuldgefühlen, denn erstens ist das Gewicht prozentual überwiegend eine Frage der Vererbung, zweitens wird, was das Idealgewicht betrifft, beinahe wöchentlich eine neue Sau durch das Dorf getrieben und drittens geht es überhaupt nur darum, sein eigenes Wohlfühlgewicht, jenseits aller Modevorgaben, individuell –ausschließlich so!- zu ermitteln.

„Wat dem Eenen sin Uhl, ist dem Annern sin Nachtigall“, wie der Volksmund es unübertroffen formuliert.

Nach der Kopfarbeit kommt die schriftliche Arbeit, indem man sich einige Tage lang alles notiert, was da quasi im Vorbeigehen, in fester oder flüssiger Form, eben schnell in den Mund wandert; aus dieser Liste kann man dann ganz bequem eine Streichliste machen, und das wäre dann fast schon alles. Eine halbe Stunde Bewegung am Tag und schon werden die Pfunde zwar nicht purzeln, aber mit der Zeit sichtlich dahin schmelzen.

Dem „inneren Schweinehund“ war noch nie mit Gewalt beizukommen; Überlisten ist eindeutig die bessere Taktik. Man sollte sich, gerade als Frau, nicht von hintern- und busenlosen Supermodels kirre machen lassen. Wer sich selbst liebt, liebt jedes einzelne Gramm von sich, und wie viele man davon auf die Waage bringen will, ist eine höchstpersönliche Entscheidung.

Ein LmaA-Gefühl sollte übrigens am Anfang jeder Ernährungsänderung stehen, denn dann fällt das Frustessen schon einmal weg.

Wer so ist, wie er sein sollte, ist niemals so, wie er sein will!

Also, Scheuklappen auf, was Diätratschläge betrifft und Kopf hoch! Hochglanzfotos sind heutzutage alle retuschiert- warum gibt es da eigentlich keine Warnhinweise, wie auf Zigarettenschachteln?

In dem Sinne wie: Vorsicht, das Betrachten dieses Fotos kann zu unangebrachten Minderwertigkeitsgefühlen führen!

Der BMI fiele auch in diese Kategorie. „Die Auseinandersetzung mit diesem Wert, kann zu Wahnvorstellungen in Bezug auf die eigenen Möglichkeiten führen!“

So gesehen ist das Feld der Warnhinweise noch lange nicht abgegrast. Von Vorsicht, dieser Diätdrink ist ebenso teuer wie nutzlos, bis zu Vorsicht, Diäten sind etwas für Sumo-Ringer, ist alles drin. Bei XXS-Größen empfiehlt sich der Hinweis: Vorsicht, wer hier hinein passt, dem ist nicht mehr zu helfen!

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11. Januar 2013

Lichtmangel

Wie sagte schon Goethe auf seinem Sterbebett? „Macht doch den zweiten Fensterladen auf, damit mehr Licht herein komme!“

Die Sonne macht sich mehr als rar; ich frage mich allmählich, ob es nur mir auffällt, dass dies seit dem 21.12.12 der Fall ist, denn unser Zentralgestirn scheint beleidigt, weil wir ihm den Weltuntergang in die Schuhe schieben wollten, obwohl das endgültige „Licht aus!“ erst in einigen Milliarden Jahren geplant ist. Die Schätzungen reichen von 4 Milliarden Jahren bis zu 8 Milliarden Jahren-Astrophysiker legen sich halt ungern fest- und, ähnlich wie beim Berliner Flughafen, kommt es auf die eine oder andere Milliarde nicht an. Die Eröffnung des Flughafens fällt wahrscheinlich sowieso mit dem Zeitpunkt zusammen, an dem unsere Sonne zur Supernova wird, und dann wird alle Aufregung, das marode Projekt betreffend, zwar nicht in finanzieller Hinsicht, aber insgesamt alles andere einschließend, umsonst gewesen sein.

Jedenfalls haben wir einen Winter, der dem momentanen Bestseller „Fifty shades of grey“, was den Titel angeht, in nichts nachsteht. Vielleicht hätten sich die Frauen auf ein anderes Buch stürzen sollen- man weiß es nicht.

Von schwarzgrau über dunkelgrau über rauchgrau über milchig grau bis zu grau-grau ist die gesamte Farbpalette von Grau vertreten, und ich könnte spielend diesen Text füllen, indem ich alle Grautöne aufführe. Die Depressionsschattierungen verhalten sich dementsprechend. Vom leichten Miss-Empfinden bis zum geplanten Selbstmord ist alles drin.

Lichttherapie ist das Gebot der Stunde!

Solarium bringt insofern nichts, weil das Licht den Augenhintergrund erreichen muss, da der verantwortungsvolle Dauer-Bräuner- eigentlich ein Widerspruch in sich- seine Augen schützt. Jetzt habe ich gerade Lichttherapielampen gegoogelt und war selber überrascht, von den vielen Treffern. 10.000 Lux sind das Minimum, vorher lässt sich unser Hirn im trüben Winter keinen strahlenden Sommer vorgaukeln. Die 10.000 Lux erreiche ich aber nur bei einem Abstand zur Lichtquelle von 20 Zentimetern, bei 40 Zentimetern sind es dann nur noch 5.000 Lux, usw.  usw., usw. Den gleichen therapeutischen Effekt erreiche ich hingegen  auch bei einem Spaziergang, selbst bei verhangenem Himmel; der Erwerb einer dieser Lampen erübrigt sich also.

Man kann sich das Licht auch via Ohrenstöpsel in den Gehörgang scheinen lassen; wie dabei eine Wirkung zustande kommen soll, diese Erklärung bleibt der Vertreiber des Produktes aber schuldig. Nur ein fehlendes Gehirn könnte den Weg zum Augenhintergrund ermöglichen, was dann bei den meisten Zeitgenossen eben doch zu einem Effekt führt, wenn ich`s recht überlege.

Demnächst kommen wahrscheinlich leuchtende Anal- und Vaginal-Plugs auf den Markt, damit an diesen Orten auch einmal die Sonne scheint, die man dann nicht im Herzen, dafür  aber an wesentlich diskreteren Stellen trägt. Wobei die nachlassende Depression eher den Dingern an sich, als deren Beleuchtung geschuldet ist. „Shades of grey“ lässt grüßen!

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10. Januar 2013

Brandenburg

Eine Gegend, in der sich nicht nur „Fuchs und Hase gute Nacht sagen“, sondern seit einiger Zeit auch die Wölfe wieder heulen. 80 Tiere sollen bereits gesichtet worden sein und, da die Brandenburger „Problemtiere“ nicht einfach erschießen wollen, wie bei den Bayern üblich, gibt es bei ihnen nun einen Wolfsmanagementplan.

Letzte Details werden noch ausgearbeitet, aber sobald der Plan steht, will man ihn den Wölfen vorlegen, damit diese dazu Stellung beziehen können. Zwar stehen die Tiere im Moment noch unter Naturschutz, aber das kann sich schnell ändern, wenn diese sich nicht an die Vorgaben halten.

Nutztierhalter schlagen schon seit der Sichtung des ersten Wolfes Alarm, und ich frage mich, ob in Brandenburg das Prinzip Elektrozaun noch unbekannt ist. Gibt es in Brandenburg noch keine Elektrizität? Befinden sich die Brandenburger weiterhin in der Epoche der Jäger und Sammler und sind somit noch nicht sesshaft geworden? Gibt es dort noch kein Landeigentum für dessen Schutz man persönlich die Verantwortung trägt?

Jedenfalls beginnt die Volksseele langsam zu kochen, obwohl es bislang nicht zu Wolfsmassakern in den Nutztierherden gekommen ist, aber der Deutsche im Allgemeinen und der Brandenburger im Besonderen, jammert  gerne schon einmal vorsorglich. Bei Edmund Stoiber- dem Problembärkiller-sollen sich bereits die Petitionen häufen, die Sache in den Griff zu nehmen. Dieser wiederum stellt bereits das Schengener Abkommen in Frage, denn die Wölfe sind ohne limitierende Grenzkontrollen aus Polen eingewandert. War es ein Fehler, Polen in die EU aufzunehmen? Einen ordentlichen Deutschtest hätten die tierischen Einwanderer ebenfalls nicht absolviert, weshalb ist nicht davon auszugehen ist, dass diese überhaupt in der Lage sind, den Wolfsmanagementplan zu verstehen, wodurch eine polnische Übersetzung des Elaborates erforderlich wird. Soll man die „Herdprämie“ für Wolfseltern streichen, damit wenigstens deren Kinder dazu angehalten werden können, Deutsch zu lernen und sich an deutsche Regeln zu halten?

Dabei wäre alles so einfach. Die Brandenburger müssten sich nur auf urdeutsche Tugenden zurück besinnen. Was macht der Deutsche am Strand? Er baut eine Sandburg, um sein Terrain abzugrenzen. Was macht der Deutsche am Swimmingpool? Er markiert sein Revier mit Handtüchern.

Was macht demnach der Brandenburger, wenn ein Wolf seine Herde umschleicht? Er baut einen wolfsundurchlässigen Zaun! Die Polen sind da schon einen Schritt weiter. Die Wölfe sind einfach da und trotzdem „ist Polen nicht verloren“.

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9. Januar 2013

Katholizismus

 

Armut, Keuschheit und Gehorsam wird von den Priestern eingefordert. Was ist mit Wahrhaftigkeit?

Als 2010 am Berliner Canisius- Kolleg die ersten Missbrauchsfälle ruchbar wurden, schien lückenlose Aufklärung sämtlicher kirchlicher Entgleisungen das Gebot der Stunde. Mit dem kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen wurde ein Vertrag geschlossen; jeder Fall seit 1945 sollte dezidiert wissenschaftlich erfasst und untersucht werden. Nun wird heftig zurück gerudert. Dem Diözesanverband München(!) und Freising(!) wurde die Sache als erstes zu heiß und nun wurde der Vertrag gekündigt.  Ja, mit der Aufklärung hatte es die katholische Kirche seit jeher sehr schwer und selbst im 21. Jahrhundert hat noch keine Aussöhnung mit der Wissenschaft stattgefunden. Dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen Christian Pfeiffer bleibt nun nichts anderes übrig, als die 11.500 (!) bekannten Opfer des kirchlichen Missbrauchs einzeln persönlich anzuschreiben, um seine Arbeiten fortsetzen zu können.

Was passiert da gerade? Wäre es nicht langsam Zeit das Keuschheitsgelübde gegen eines der Wahrhaftigkeit zu ersetzen? Interessanterweise wurde der verbindliche Zölibat 1022 von Papst Benedikt VIII in Kraft gesetzt. Jetzt haben wir Papst Benedikt XVI, doch es sieht nicht so aus, als würde die Zahlverdoppelung zur Revision eines der größten historischen Irrtümer führen. Selbst Gott erkannte, nachdem er Adam erschaffen hatte: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei“ (1. Mose 2:18). Göttliche Weisheit scheint am schlechtesten auf katholischen Äckern zu gedeihen, fällt aber in den Köpfen der Frauen auf fruchtbaren Boden, denn diese wissen seit Anfang der Zeit, dass nichts Gutes dabei heraus kommen kann, wenn Männer zu lange für und unter sich bleiben, denn dann treten die absonderlichsten Gedanken und Handlungen zutage, wie nicht nur der Katholizismus, sondern auch der Islam beweist.

Männlicher Größenwahn wird am effektivsten vom verständnislosen Kopfschütteln einer Frau in seine Schranken verwiesen und dort, wo dieses einfache Regulativ nicht vorhanden ist, überwuchert er jede Vernunft.

Selbst Gott hatte anfangs eine Ehefrau-Aschera – und erst nachdem man Ihm diese abgesprochen hatte, gingen sämtliche Pferde mit Ihm durch und Er versuchte permanent, die Menschheit auszulöschen. Offensichtlich hatte er aber heimlich den Kontakt mit ihr wieder aufgenommen- schließlich tauchte ein Sohn auf- und seitdem geht es mit Ihm weit friedlicher ab als zu alttestamentarischer Zeit. Aus dem sich ereifernden Wüterich wurde ein verständnisvoller Vater-Frau sei Dank!

Nicht umsonst bestand im Judentum eine Ehepflicht, wenn Männer Rabbiner-Lehrer, Meister- werden wollten, denn wenn keine da ist, die einem „die Leviten liest“, fehlt jeglicher Anreiz zur Selbstkritik.

Und wie gering dieser Anreiz für die Bischöfe der deutschen Diözesen ist, sieht man höchst aktuell an der Vertragskündigung mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut.

Q.e.d.

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8. Januar 2013

Wulff und das böse Rotkäppchen

Meine Brüder hatten früher auch eine Freundin namens Bettina, die wir der Einfachheit halber gleich Bett-Nina nannten. Meine Entschuldigung geht an alle Frauen mit gleichem Vornamen, aber das nomen est omen musste der mehrfach Ex- Ex-Ministerpräsident, Ex-Bundespräsident und nun doppelter Ex-Ehemann- am eigenen Leibe bitter erfahren. Welcher Teil der Trauungsformel: „in guten wie in schlechten Tagen“ da nicht im Kopf der Möchte-gern-first-lady angekommen ist, erweist sich als offensichtlich, dabei hat der biedere Provinzler Wulff nur ihretwegen den Pfad der Tugend verlassen, wie mir scheint. Glamour war ihm solange fremd, bis er meinte, eine Luxusfrau beeindrucken zu müssen. Wulff hätte das gedruckte Machwerk seiner zweiten Gattin lesen sollen; vielleicht wäre ihm da so manches Licht aufgegangen. Ich habe es zwar auch nicht gelesen, da ich der Ansicht bin, dass die Tatsache der literarischen Belästigung allmählich ins Strafgesetzbuch gehört, wurde aber keinesfalls überrascht vom Ende dieser Ehe.

Die tiefe Ironie des Geschehens liegt darin, dass die ersten finanziellen Zuwendungen, die Wulff notgedrungen akzeptieren musste, einem Haus galten, in dem er jetzt nicht mehr wohnen darf. Wie schon der Franzose in Bezug auf desaströse Ausgänge sagt: „Cherchez la femme!“

Eine Weisheit, die, wie ich bedauernd konstatieren muss, stets aktuell zu bleiben scheint. Im Zuge der Emanzipation sind die Männer zunehmend zu „Nasenringträgern“ geworden und wie sehr selbst den Frauen diese Entwicklung auf den Geist geht, lässt sich am Erfolg von „Shades of grey“ im wahrsten Sinne des Wortes ablesen.

Da hat sich Bettina Wulff mit Händen und Füßen gegen angebliche Verbindungen zum Rotlichtmilieu gewehrt, aber eine Frau, die nur so lange bei einem Mann bleibt, wie er ihr Glanz und Gloria bieten kann, würde ich persönlich als Edelnutte bezeichnen.

Eheliche Differenzen scheinen leichter zu ertragen zu sein, wenn der Gatte nur die nötigen Titel hat;  wenn es sich gar um einen König handelt, werden dessen Gespielinnen zwar zwanghaft, aber immerhin weggelächelt; man muss nur Sylvia von Schweden oder Sofia von Spanien fragen.

Dabei ist der arme Wulff noch nicht einmal mit anderen Frauen, sondern nur mit anderen Geldbörsen  fremdgegangen und dies zu allem Überfluss noch nicht einmal in seinem Namen, sondern im Namen seiner zweiten Ehefrau. Die Erbse wird eben nur spürbar, wenn die Daunendecken des Ruhmes und des Reichtums nicht mehr vorhanden sind. Selbst Diana, die „Prinzessin der Herzen“, hätte wohl kaum die Reißleine gezogen, wenn Charles König geworden wäre. Ab einem gewissen Alter- so um das 25. Lebensjahr herum- tauschen viele Frauen Romantik gegen Pragmatismus aus und hoffnungslos sentimentale Männer sind dann mehr als verloren. Was spielt sich eigentlich im Kopf älterer Männer ab, die von einer deutlich jüngeren, äußerst attraktiven Frau angehimmelt werden? Glauben die diesen Zirkus etwa? Im tiefsten Inneren wohl nicht, denn sonst würden sie, den Status und die Finanzen betreffend, nicht immer noch einen „drauf setzen“ wollen. Andererseits fällt mir gerade ein, dass derjenige, der in einer Frau nichts anderes als schmückendes Beiwerk sieht, es genau genommen auch nicht besser verdient hat.

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7. Januar 2013

Adlon verpflichtet

Nein, ich habe mir den ersten Teil der Adlon-Trilogie nicht angesehen, so verlockend es auch war, sich die Dekadenz derjenigen, die es sich leisten können, anzusehen.

Wie ich heute Morgen erfahren musste, kostet die Präsidentensuite in der „ersten Adresse Berlins“ 12.000 Euro pro Nacht; da kann man als Gast natürlich fordern, dass für die Zeit eines kurzen Aufenthaltes mal eben die Badewanne abmontiert wird, weil das Bad zu klein erscheint und man die Wanne sowieso nicht braucht-kein Scherz, ist wirklich passiert!

Der Kameraschwenk durch besagte Suite stellte mich vor die Frage, welche Sonderwünsche in diesen Räumlichkeiten noch offen sein könnten, wobei mir-natürlich- das Fehlen von riesigen Plasmafernsehern in jedem Raum völlig entgangen ist, aber auch dieses dringende Bedürfnis eines Gastes wurde prompt erfüllt. Wenn man alles hat, hat man zumindest nicht mehr „alle Tassen im Schrank“, und genau dies scheint es zu sein, was den Otto-Normal-Deutschen vor den Fernseher lockt, denn dann kann er mit Fug und Recht behaupten: „Die spinnen, die Reichen!“ Im Wolkenkuckucksheim zu leben hat sich seit jeher als äußerst schädlich für die graue Hirnrinde erwiesen, was  Luxushotels zu therapeutischen Einrichtungen macht. Wahnhaft Gestörten soll man eben nicht widersprechen und auf jeden ihrer Wünsche eingehen, bis sie sich beruhigt haben, bzw. wieder abgereist sind.

Wer zwanzig und mehr Jahre in so einem Etablissement gearbeitet hat, könnte ohne weiteres ärztlicher Leiter eines psychiatrischen Krankenhauses werden, was im Umkehrschluss bedeutet, dass es für angehende Psychiater durchaus empfehlenswert wäre, ein Praktikum in einem Hotel gehobener Kategorie, im Rahmen ihrer Ausbildung zu absolvieren, denn nirgendwo wird „betreutes Wohnen“ so wörtlich genommen.

Ein großer Geldsack macht zum gesellschaftlich tolerierten, ja sogar bewunderten Sausack und das Bankkonto verwandelt schlichtes daneben Benehmen in Exzentrizität.

Vielleicht sollten wir den Ausdruck Exklusivität wieder wörtlich nehmen-ausgeschlossen, abgesondert- und aus Besonders wieder Absonderlich machen, denn gibt es auf der Welt eine größere Absonderlichkeit als sich für etwas Besonderes zu halten? In Bezug auf wen? In Bezug auf was? Wenn ich 12.000 Euro pro Nacht hinblättern muss, um mein wahres Gesicht endlich zeigen zu dürfen; ein größeres Armutszeugnis gibt es eigentlich nicht.

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21. Dezember 2012

Maya Kalender

Während die Nachfahren der Maya den Beginn des neuen Zeit-Zyklusses feiern- mit Gesang und Tanz versteht sich-sitzt der Rest der Welt auf irgendwelchen Bergen und fiebert der Ankunft von Außerirdischen entgegen, die einige Auserwählte der Menschheit abholen wollen, sollen. Nun habe ich mir eingehend die Frage gestellt, nach welchen Maßstäben  E.T. vorgeht.Herausragende Intelligenz kann es nicht sein, denn die heutigen Gipfelstürmer sind eine lupenreine Deppen-Versammlung.

Religiosität kann es auch nicht sein, denn weder Jerusalem, noch Mekka, noch der Vatikan liegen auf der Flugroute der UFOS.

Politisches Engagement auch nicht, denn keiner Versammlungsstätte der internationalen Politik ist ein außerplanmäßiger Flugverkehr angekündigt worden und bestimmte Nationalitäten können es auch nicht sein, es sei denn, Nordkorea, der Iran, China, Russland und die USA haben absolute Geheimhaltung befohlen.

Materieller Reichtum kann es auch nicht sein, denn ansonsten wären die neue russische Oberschicht, diverse Ölscheichs und Bill Gates schon lange weg, wobei mir gerade auffällt, dass Steve Jobs nicht mehr unter uns weilt.

Die Aristokratie gehört in den Weiten des Alls – wahrscheinlich wegen des „Blauen Blutes“- auch nicht zu den Lebensformen, die es verdient haben, zu überleben; Cyanobakterien hätten da eher eine Chance.

Macht um jeden Preis entfällt ebenfalls; außerdem ist nicht damit zu rechnen, dass die Außerirdischen auf Blazer mit einer dreier bis vierer Knopfleiste stehen.

Dass es mit der Unschuld von Minderjährigen nicht mehr viel auf sich hat, muss sich ebenfalls bis in den letzten Winkel des Universums herum gesprochen haben, denn auch Kinder scheinen keine bevorzugten Passagiere zu sein.

Wer kommt demnach mit?

Wahrscheinlich diejenigen, die „reinen Herzens“ sind und außer den Tieren fällt mir da im Moment kein weiterer ein; deswegen habe ich Winston Churchill, unseren Berner Senn und Richard Parker, den Jack-Russel-Mix schon einmal in ihren Weltraumanzug gesteckt und muss gleich noch den Garten roden-zwecks Landebahn. Die Bahnbeleuchtung durch Weihnachtsbaum und Adventslichtern habe ich schon mehrmals gecheckt und dann sollte für unsere beiden eigentlich alles klar gehen. Für die menschlichen Mitbewohner unseres Hauses steht reichlich Champagner zur Verfügung, denn, egal ob Weltuntergang oder deren Fortbestand; zu feiern wäre eigentlich beides.

 

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20. Dezember 2012

Armutszeugnisse

Wir werden im Moment davon überschüttet, wahrscheinlich weil Weihnachten vor der Tür steht. Altersarmut, Armut trotz Arbeitsplatz, Kinderarmut-man kann Statistiken so oder so auslegen, wobei nur eines deutlich zutage tritt, die geistige Armut der verantwortlichen Politiker, denn laut diesen gibt es so etwas gar nicht in einem der fünftreichsten Länder, in dem jeder fünfte(!) davon bedroht ist, da es-wenn überhaupt- nur Alte, Migranten und Menschen in Ostdeutschland betrifft. Auf privaten deutschen Sparkonten tummeln sich 4.8 Billionen Euro plus die 300 Milliarden, die steuersicher in der Schweiz gebunkert sind.

Da wundert sich so mancher Besucher der öffentlichen Tafeln, denn es hat ihm noch keiner gesagt, wie reich er als Deutscher eigentlich ist-statistisch gesehen. Es bräuchte 10-20 Milliarden, um wenigstens eine gewisse soziale Gerechtigkeit herzustellen und als Einsparmaßnahme zur Finanzierung dieses Betrages bieten sich Stuttgart 21 und der Berliner Großflughafen geradezu an. Ich bin schon einmal gespannt auf das diesjährige „Schwarzbuch der Steuerzahler“, denn es ist davon auszugehen, dass ein Mehrfaches dieser Summe des sozialen Ausgleiches einfach durch Schlamperei und Misswirtschaft vergeudet  worden ist.

Da kann der kindliche Kaiser der FDP-unser Kneipenminister- noch so treuherzig mit seinen Kulleraugen in die Kameras schmachten.

Aber ich war ja noch bei Armutszeugnissen.

Wie weit die geistige Armut auch in der nicht politisch engagierten Bevölkerung vertreten ist, lässt sich am besten durch ein Gedicht ausdrücken.

„Advent, Advent, ein Kerzlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht der Berater der Bausparversicherung vor der Tür.“

Wüsten(!)-rot und Schwäbisch(!) Hall ist siedend-heiß aufgefallen, dass noch sehr viele alte Bausparverträge mit einem Zinssatz von mindestens 4,5% existieren. Beim heutigen Zinsverfall könnten sich also die Menschen, die sich noch im Besitz eines dieser Verträge befinden, stillvergnügt die Hände reiben und den Versicherern den berühmten Mittelfinger zeigen, aber, was tun diese Deppen?  Sie lassen einen auf eine besondere, sogenannte Vertragsaustauschprämie fixierten,   „Berater“ ohne Not ins Haus und wechseln zu 80% (!)- mir gehen langsam die Ausrufezeichen aus- in eine für sie deutlich ungünstigere Versicherung.

Woran liegt das, mag man sich fragen.

Am  mangelndem Grundschulwissen über die Mathematik- des Rechnens-, dort liegt der Haken, denn die Multiplikation, also das Mal nehmen-für nicht Lateiner- überfordert die meisten von uns; wenn dann noch ein Prozentzeichen auftaucht, schalten wir unsere graue Gehirnmasse(?) komplett ab und lassen uns von den Wüstenrot-Füchsen ein X für ein U vormachen, was dann bis in den Bereich der Algebra ragt, also weit jenseits unseres Horizontes liegt.

Sollte in den nächsten Tagen ein als Weihnachtsmann daher kommender, mit fraglichen Geschenken versehener Bausparkassenberater vor unserer Tür stehen, sollten wir diese wohlweislich verschlossen halten, denn die Zahl der Knecht Ruprechte übertrifft die Zahl der heiligen Männer um ein Vielfaches.

War immer so, wird immer so bleiben- auch so eine Art Armutszeugnis.

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19. Dezember 2012

Horrorbilder

 

Auf den Zigarettenschachteln wird in Zukunft nicht mehr die Marke zu erkennen sein, die man raucht, denn Fotos von schwarz-gammeligen Zähnen, geteerten Lungen, verwesenden Raucherbeinen und diversen Atemmaschinen im Einsatz sollen den größten-demnächst namentlich bekannten- Sündern auf der Welt das Gruseln lehren. In Asien sind mir diese Zigarettenschachteln bereits begegnet, und ich musste feststellen, dass die Hauptleistung unseres Gehirnes die Verdrängung ist, dicht gefolgt von der Gewöhnung, wie einem jeder Neurobiologe eigentlich bestätigen kann. Die Horrorbilderflut führte dazu, dass man sie im Endeffekt gar nicht mehr wahr nahm.

Ich bin schon einmal gespannt, wann wir-besonders aber die Amerikaner- die Horrorbilder aus den USA diesem bevorzugten Akt unserer grauen Rinde anheim fallen lassen werden.

Die Hardliner des Waffenbesitzes fordern schon, auch die Lehrer zu bewaffnen und, wenn ich diesbezüglich meiner Phantasie freien Raum lasse, entwirft mein Kopf Szenarien, für die der Ausdruck Horror fast schon zu schwach erscheint. Die Schule als Kriegsgebiet, Häuserkampf vom Feinsten, wenn man so will.

Dabei stammt der zweite Verfassungszusatz der Vereinigten Staaten, der jedem Bürger das Recht auf Waffen  garantiert, aus dem Jahre 1791, als bestimmt noch keine Schnellfeuergewehre, Pumpguns und dergleichen mehr für die häusliche Artillerie zur Verfügung standen.

Was passiert eigentlich, wenn Atomwaffen handlich werden? Werden diese dann auch für das private Arsenal frei erhältlich sein?

Man weiß es nicht, aber da mit der NRA nicht zu spaßen ist, muss man damit rechnen.

Berlin hat sein eigenes Horrorbild, den Flughafen. Wie uns Peter Ramsauer heute via Morgenmagazin mitteilte, ist mit der höchstwahrscheinlich eventuellen möglicherweise anzunehmenden, vielleicht aber auch eher provisorisch zusammengestückelten Eröffnung, Ende des Jahres 2014, hoffentlich zu rechnen, wenn bis auf wenige, doch noch einzukalkulierende, aber im Grunde genommen, nicht zu erwartende, bislang  aber unvorhersehbare  Zwischenfälle, fast alles gut gehen sollte.

Aha!

Den Flughafen wird es somit erst geben, wenn Flugzeuge längst überholt sein werden. Er bietet sich dann aber als Museum an, in dem staunenden Kindern erklärt wird, mit welch antiquierten Maschinen die Luftfahrt bestritten wurde, bevor es den Materie-Antimaterie-Antrieb gab.

Scotty lässt grüßen!

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18. Dezember 2012

Videoüberwachung

Alle rufen im Moment danach, besonders nach dem Vorfall auf dem Bonner Hauptbahnhof, obwohl dort eine Videoanlage vorhanden ist; nur eingeschaltet war sie am Tag des Bombenfundes nicht. Nun ist mir auch verständlich, warum die Deutsche Bahn AG verzweifelte Kurztrips nach Spanien unternimmt, um dort die 7000 Ingenieure zu rekrutieren, die jährlich fehlen und eigentlich hätten beurteilen sollen, ob der Schalter der Überwachungsanlage auf „An“ oder „Aus“ stand. Im Bereich den Bombenleger ist es für uns natürlich von Vorteil, dass dort  nur wenige bis gar keine gut ausgebildeten Ingenieure zur Verfügung stehen, sind wir doch schon so mancher Katastrophe entkommen, weil die Sprengsätze einfach nicht funktionieren wollten. Harvard und Yale befinden sich eben nicht in der islamischen Welt-YHWH, Gott und Allah sei Dank. Dass sich alle drei Namen auf den Einen und nur den Einen beziehen, geht im religiösen Fanatismus gerne einmal unter.In den Bordells hingegen scheinen Videoüberwachungen reibungslos zu laufen, wie am Fall Ottfried Fischer-der im Moment gegen die Bild-Zeitung prozessiert- festzustellen ist. Da nützt kein „Deck“-Name-im wahrsten Sinne des Wortes- wenn das Konterfei eindeutig auf Fotos oder Filmchen dokumentiert wurde. Da diese Aufnahmen kaum für das Familienalbum geeignet sind, soll ein Reporter der Bild den armen Ottfried doch glatt damit erpresst haben, sodass dieser ein sehr wenig schmeichelhaftes Interview bezüglich seines Privatlebens geben musste. Mit gleich zwei Prostituierten soll es Fischer getrieben haben, was mir-angesichts seiner Körperfülle- durchaus angemessen erscheint.

Wie sinnlos Sicherungsanlagen sind, wenn man die Ursachen von Amokläufen außer Acht lässt, müssen zum wiederholten Male die Amerikaner lernen, die- egal wie heftig die jeweiligen Lektionen auch ausfallen- in Bezug auf ihre Waffengesetze beratungsresistent sind und wohl bleiben werden. Da kommt die Bezeichnung „Waffennarren“ endlich einmal zu ihrer wahren und eigentlichen Bedeutung!

Wenn ich erfahren muss, dass es Notfallpläne an deutschen Schulen nicht nur für den Fall eines Brandes, sondern auch für den Fall eines Amoklaufes gibt, kann es gesellschaftlich im Prinzip nicht weiter bergab gehen; wenn Jugendliche bis an die Zähne bewaffnet, Rache an ihren jeweiligen Schulen nehmen, keiner nach den Gründen forscht und Prävention durch Supervision ersetzt, dann werden sich die Beileidsbekundungen hochrangiger Politiker weiterhin in reinen Lippenbekenntnissen erschöpfen.

Aber ich war ja noch bei Videoüberwachungen.

Die Diskussionen darüber, ob sie im öffentlichen Raum vermehrt eingesetzt werden sollen, sind endlos und die Gegner scheinen zu überwiegen, was mir ein Rätsel ist, denn jede Erziehung hat das Ziel menschliches Miteinander zu gewährleisten;  wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt, benimmt man sich eben und da kann einem die Anzahl der Kameras über unseren Köpfen herzlich egal sein.

 

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14. Dezember 2012

Bescherung

Seit dem 13. Jahrhundert schenken wir uns etwas zu Weihnachten, obwohl Bescherung im wahrsten Sinne des Wortes „teilen mit anderen“ bedeutet. So war es vor einem Jahrhundert noch üblich, den Dienstboten-so man welche hatte- einen Goldtaler zu schenken. Vielerorts wird das Schenken auf die heiligen drei Könige zurück geführt, die völlig selbstlos einem Kind in einem Stall Myrrhe, Weihrauch und Gold darbrachten. Myrrhe und Weihrauch gelten mittlerweile als Drogen, haben wir es somit mit den ersten Dealern und dem ersten Junkie zu tun?

Wenn man den weiteren Lebensweg von Christus verfolgt, drängt sich dieser Gedanke geradezu auf, denn wer liebt schon alle seine Mitmenschen, außer er wäre vollkommen High?  Wer glaubt an Wunderheilungen-außer den Heilpraktikern, die auf Zuckerkügelchen und die Substanzerinnerung des Wassers setzen- wahrscheinlich auch Myrrhe geschädigt.

Dass Männer keinen Sexualtrieb haben, kann nur derjenige glauben, der ständig auf einem Weihrauchtrip ist und kurze Momente der Klarheit lassen einen dann über das eigene Geschlecht herfallen.

Wo ist Bacchus oder Dionysos- der griechische Gott des Weines, der Ekstase, des Wahnsinns, des Tanzes und der Erlösung hin? Er kommt pünktlich zur Vorweihnachtszeit-siehe Weihnachtsfeiern-, weit eher demnach als Jesus, spätestens aber an Weiberfastnacht.

Wer vorschlägt, bei einem Schlag auf die eine Wange auch noch die andere hinzuhalten, muss in heutiger Zeit mindestens einen Promillewert von über zwei haben und wer weiß, vielleicht ist das ganze Nächstenliebeprojekt nur dem Myrrhe-Rausch zu verdanken, denn der Gott des Alten Testamentes war alles andere als menschenfreundlich, wenn man an Sodom und Gomorrha, an die Plagen für Ägypten oder gar an die Sintflut denkt.

„Make love not war“ war dem Haschisch zu verdanken;  die friedlichen Blumenkinder waren bekifft ohne Ende und wer gelassen über allem steht, hat bestimmt eine eigene Cannabisplantage im Garten.

Ich persönlich erwäge, mir den Aufenthalt in einem Seniorenheim so angenehm wie möglich zu machen, auch wenn gelegentlich ein Haschpfeifchen dazu gehören sollte und da Bescherung „teilen mit anderen heißt“ sind in meinem Altersdomizil auch die Pfleger unendlich „gut drauf“.

Seit dem 13. Jahrhundert schenken wir uns etwas zu Weihnachten, obwohl Bescherung im wahrsten Sinne des Wortes „teilen mit anderen“ bedeutet. So war es vor einem Jahrhundert noch üblich, den Dienstboten-so man welche hatte- einen Goldtaler zu schenken. Vielerorts wird das Schenken auf die heiligen drei Könige zurück geführt, die völlig selbstlos einem Kind in einem Stall Myrrhe, Weihrauch und Gold darbrachten. Myrrhe und Weihrauch gelten mittlerweile als Drogen, haben wir es somit mit den ersten Dealern und dem ersten Junkie zu tun?

Wenn man den weiteren Lebensweg von Christus verfolgt, drängt sich dieser Gedanke geradezu auf, denn wer liebt schon alle seine Mitmenschen, außer er wäre vollkommen High?  Wer glaubt an Wunderheilungen-außer den Heilpraktikern, die auf Zuckerkügelchen und die Substanzerinnerung des Wassers setzen- wahrscheinlich auch Myrrhe geschädigt.

Dass Männer keinen Sexualtrieb haben, kann nur derjenige glauben, der ständig auf einem Weihrauchtrip ist und kurze Momente der Klarheit lassen einen dann über das eigene Geschlecht herfallen.

Wo ist Bacchus oder Dionysos- der griechische Gott des Weines, der Ekstase, des Wahnsinns, des Tanzes und der Erlösung hin? Er kommt pünktlich zur Vorweihnachtszeit-siehe Weihnachtsfeiern-, weit eher demnach als Jesus, spätestens aber an Weiberfastnacht.

Wer vorschlägt, bei einem Schlag auf die eine Wange auch noch die andere hinzuhalten, muss in heutiger Zeit mindestens einen Promillewert von über zwei haben und wer weiß, vielleicht ist das ganze Nächstenliebeprojekt nur dem Myrrhe-Rausch zu verdanken, denn der Gott des Alten Testamentes war alles andere als menschenfreundlich, wenn man an Sodom und Gomorrha, an die Plagen für Ägypten oder gar an die Sintflut denkt.

„Make love not war“ war dem Haschisch zu verdanken;  die friedlichen Blumenkinder waren bekifft ohne Ende und wer gelassen über allem steht, hat bestimmt eine eigene Cannabisplantage im Garten.

Ich persönlich erwäge, mir den Aufenthalt in einem Seniorenheim so angenehm wie möglich zu machen, auch wenn gelegentlich ein Haschpfeifchen dazu gehören sollte und da Bescherung „teilen mit anderen heißt“ sind in meinem Altersdomizil auch die Pfleger unendlich „gut drauf“.

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13. Dezember 2012

Weihnachtsmänner

Na, wer kommt? Der Weihnachtsmann oder das Christkind? Während ersterer mit lautem „Ho, ho, ho“ durch den Kamin poltert- falls vorhanden- verhält sich das Christkind eher leise und unauffällig;  wo früher ausschließlich das Christkind für die Geschenke zuständig war, ist es heute eher der Weihnachtsmann, der auf den heiligen Nikolaus von Myra zurück geführt werden kann. Da der Winter seit jeher als alter Mann mit weißem Bart und dickem Mantel beschrieben wird, vermischen sich beim Weihnachtsmann Väterchen Frost und Nikolaus. Die Farbgebung der Bekleidung wurde durch die Werbeaktion eines US-Getränkekonzerns festgelegt und kommt rot-weiß daher wie Pommes oder Burger und ein Fast Food Konzern ärgert sich bis heute, dem Getränkeriesen nicht zuvor gekommen zu sein.

Geschenke gibt es reichlich, weitere Steuer-CD`s aus der Schweiz für die Finanzbeamten, da ein Abkommen mit den Eidgenossen scheiterte, Razzien für die Deutsche Bank wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche mit der Beteiligung des Co- und Finanzvorstandes, den Friedensnobelpreis für die EU, ein neues, schärferes Gebiss für den Sicherheitsrat der UN, Patriot-Abwehrraketen für die Türkei, nordkoreanische Prozentzahlen für Merkel auf Parteitagen der CDU, das Betreuungsgeld für die CSU, Vorweginformationen aus dem Gesundheitsministerium für Apothekerlobbyisten, astronomische Kosten für Stuttgart 21 und den neuen Berliner Flughafen.

Leer geht eigentlich nur der kleine deutsche Steuerzahler aus, da ein Herabsetzen der Progression von den Grünen und der SPD verhindert wurde, wobei die Grünen ehrlicher sind als die SPD, die aus eher historischen als aus aktuellen Gründen noch immer das „S“ für sozial im Namen führt und stündlich damit gerechnet werden kann, dass es zukünftig für Steinmeier steht. Bei der CSU verhält es sich ähnlich, denn dort bedeutet das „S“ neuerdings Seehofer und stand früher für Strauß und Stoiber.

Aber ich war ja noch beim Weihnachtsmann!

Medwedew glaubt nicht an diesen, wie man erfahren konnte, nachdem er einige Sätze ins vermeintliche „off“ vom Stapel gelassen hat, obwohl sein Land vom größten Weihnachtsmann aller Zeiten regiert wird, der seine Geschenke wohlweislich nur an Mitläufer verteilt.

Den Flugvereinsweihnachtsmann gab in früheren Zeiten übrigens mein Mann- unerkannt durch meine älteste Tochter, die sich nie darüber beruhigen konnte, warum ausgerechnet sie bei den Nikolausfeiern die meiste Schelte abbekam, aber da ausgefeilte Pädagogik für Männer ein Fremdwort ist, kleiden sie sich einmal im Jahr in lustige, rot-weiße Gewänder, kleben sich Rauschebärte an und denken, durch diese Aktion den Erziehungsmaßnahmen ausreichend nachgekommen zu sein. Auch ein Grund, warum das Christkind vom Weihnachtsmann verdrängt wurde und, dass Letzterer so geräuschvoll daher kommt, wird wohl am Glühwein liegen.

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12. Dezember 2012

12.12.12

Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Wer 12 Beamte in 12-stündiger Akkordarbeit erleben will, muss zum Standesamt nach Nürnberg, denn dort werden am heutigen Datum 100 Trauungen vorgenommen, was einmal mehr beweist, wie wenig sich Ehemänner Hochzeitstage merken können, da „Schnapszahldaten“ so beliebt sind.

Die Nordkoreaner haben das besondere Datum mit dem Abschuss einer Langstreckenrakete gefeiert und uns wieder einmal plastisch vor Augen geführt, was für ein zahnloser Tiger die UN im Grunde genommen ist. Da sind die Japaner ganz anders, denn sie haben keinen einfachen, keinen strengen, sondern strengsten Protest gegen das Feuerwerk der Familie- mehr als ill – erhoben.

In Deutschland wird ein neues Gesetz zur Beschneidung auf den Weg gebracht, das das Recht auf Unversehrtheit nun komplett der Religion unterordnet, wobei bemerkenswert ist, dass die Circumcision nur noch nach allen Regeln der ärztlichen Kunst, sprich mit absoluter Schmerzfreiheit für die acht Tage alten Säuglinge durchgeführt werden darf, was doch schon einen enormen Fortschritt darstellt- nur- wie wurde dies früher gehandhabt?

Aber ich war ja noch beim 12. 12.12!

Wer jetzt noch keinen Stollen gebacken hat, sollte dies schleunigst tun; sonst ist dieser zum Weihnachtsfest noch nicht ausgereift genug. Die komplizierte Wicklung des traditionellen Gebäckes symbolisiert übrigens die Windeln des Jesuskindes;  Stollen geht auf Gestell zurück und meint die Krippe. Brezel stehen für die verschränkten Arme eines Mönches und, wer sich schon lange gefragt hat, wer denn der Mann auf den Spekulatius ist, dem sei gesagt, es handelt sich hierbei um den Bischof, der die Bibelfestigkeit seiner Mitmenschen prüfte und zur Belohnung Plätzchen verteilte. Da die Vorweihnachtszeit damals Fastenzeit war, war dieses Gebäck schon eine Verlockung und, sollten alle heutigen adventlichen Leckereien nach dem gleichen Prinzip, also nur bei bestandener Bibelprüfung zum Verzehr freigegeben werden, hielte es sich mit der Gewichtszunahme über die Festtage hinweg doch weitgehend in Grenzen.

Ein Bibelvers pro Dominostein, eine Strophe eines Weihnachtschorals pro Marzipanbrot, pro Glühwein die ganze Weihnachtsgeschichte und schon wären wir wieder bei einer asketischen Vorweihnachtszeit. Der aus den USA stammende Santa Claus würde dem Christkind weichen und unter dem Baum fände man statt einer X-Box endlich einmal wieder eine Krippe.

Was mich direkt darauf bringt, mir endlich eine erhöhte Stellage für meine Krippe zu besorgen, denn wenn ich sie so tief platziere wie im letzten Jahr, wird durch Richard Parker-meinen Jack-Russel-Mix- pausenlos das Jesuskind aus seinem Strohbettchen entführt, während Winston Churchill- der Berner Senn- mehr eine Vorliebe für die Hirten, die heiligen drei Könige und den Josef hegt. Jesus finde ich zumeist in der hintersten Ecke unter dem Sofa wieder; nach den Hirten, den Königen und dem Josef hingegen muss ich den ganzen Garten absuchen, was dann einen Hauch von Ostern mit sich bringt. Einzig Maria, die Schafe und Ochse und Esel verbleiben an Ort und Stelle; möglicherweise sind sie ja- in den Augen meiner Hunde- die unschuldigsten im ganzen Szenario.

Somit geht Winston sehr sinnig vor, denn Schuld sind meistens die Männer, wenn etwas schief geht.

Was Richard, der notorische Kidnapper des Jesuskindes sich denkt, kann ich nur vermuten; vielleicht will er es einfach nur in Sicherheit bringen.

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11. Dezember 2012

Opel- eine leider wahre Geschichte

An allem ist natürlich die Finanzkrise schuld, auch an der Misere der Adam Opel AG. Dass seit mehr als 15 Jahren GM einen Spitzenplatz bei den Autopannen einnimmt, der außereuropäische Markt versäumt wurde, sind dann Marginalien.

Jedenfalls bekam ich vor 20 Jahren meinen ersten Neuwagen-einen Opel Kadett Kombi. Bevor ich den Händler verließ, holte ich mir noch Anweisungen, was zu beachten wäre. Die Frage nach dem Öl wurde damit beantwortet, dass ich mich die nächsten 10.000 Km nicht darum zu kümmern brauchte und so fuhr ich unbesorgt von dannen. Gleich auf der Heimfahrt beschlich mich der leise Verdacht, der Wagen könne untermotorisiert sein, denn selbst das Überholen von Traktoren gestaltete sich äußerst mühsam, aber egal, es konnte sich ja auch um eine Muskelschwäche meines rechten Fußes handeln, dass das Gaspedal so gar nicht reagieren wollte. Nach gefahrenen 100 Km gab der Motor seltsame Ruckelgeräusche von sich und deswegen suchte ich den Händler noch einmal auf, der hoch entsetzt konstatierte, es wäre kein Tropfen Öl mehr im Motor. Meine Frage nach der nicht reagierenden Warnanzeige überging er geflissentlich, dafür wurde ich aber darüber belehrt, dass Neuwagen im allgemeinen über sieben Liter Öl pro 100  Km verbrauchten und der Motor durch meine Unachtsamkeit möglicherweise Schaden genommen hätte. Nun bin ich kein Autoexperte, also erwarb ich 14 Liter Motoröl, um für die nächsten 200 Km gerüstet zu sein.

Wieder zuhause angekommen, stellte ich fest, die Gummidichtung der Seitenscheibe des Fahrersitzes hängt girlandenartig herunter und ein leichter Druck gegen das Glas ergab den Befund, dass ich wohl demnächst der Scheibe verlustig gehen würde, deswegen suchte ich den Händler noch einmal auf, der entsetzt konstatierte, Seitenscheiben kurbele man eben nicht zum Spaß herauf und herunter und meine Bemerkung, ich hätte die Scheibe noch gar nicht bewegt, überging er geflissentlich.

Auf der Heimfahrt löste sich die Lederummantelung des Lenkrades, was mich zur sofortigen Umkehr bewog, denn schließlich war ich auf eine erneute Belehrung gespannt, die besagen würde, dass man bei Neuwagen tunlichst die Berührung des Lenkrades vermeiden sollte.

Insgesamt war ich neunmal bei dem Autohändler meines Vertrauens und habe in der Opelboutique einen Großteil meiner Wohnungsdekoration erworben, denn schließlich gab es jede Menge Reparaturzeiten zu überbrücken. Von Seiten- bis Rückspiegel, alles, was ich in die Hand nahm, hatte ich danach in dieser. Auch verbrachte ich einen wunderschönen, sonnigen Nachmittag auf dem Pannenstreifen der A 31, wegen Totalausfalls der Wasserpumpe und bin seitdem im ADAC, weil die „gelben Engel“ nur Mitglieder abschleppen.

Als die Opel- Boutique nichts neues mehr zu bieten hatte, suchte ich einen Volvohändler auf, gab meinen „Montagsopel“ dort in Zahlung und erwarb einen gebrauchten Volvo-Kombi, mit dem ich werkstattfreie 200.000 Km unterwegs war. Zwar sah dieses schwarze Ungetüm aus wie ein Leichenwagen- ein Umstand dem ich durch das Aufkleben eines Kranzes auf die Heckscheibe gerne nachgeholfen hätte, aber da humorlose Ehemänner weit verbreitet sind, wurde ich erfolgreich davon abgehalten- ein Elch wurde immerhin erlaubt.

Durch die Finanzkrise sollen 3 Millionen PKW weniger auf Europas Straßen unterwegs sein, als ursprünglich geplant. Ein Umstand, der so manchen Stau verhindert und wenn die Staus in China demnächst überhand nehmen, kann man sicher sein- ein Opel kommt als Verursacher kaum in Frage.

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10. Dezember 2012

Weihnachtsbäume

Zum ersten Mal wurde dieser weihnachtliche Zimmerschmuck im Rahmen eines Verbotes im 16. Jahrhundert erwähnt, denn damals kamen die Bäume in Mode und die Obrigkeit hatte Sorge um den Bestand der Wälder, darum hieß es, dass nur ein Baum pro Familie gefällt werden durfte mit einer Länge von höchstens acht Schuh. Da hätten die New Yorker wohl ziemlich pikiert reagiert, wenn es den traditionellen Baum auf dem Time Square damals schon gegeben hätte.

Da vor dem üblichen Krippenspiel zunächst die Geschichte von Adam und Eva aufgeführt wurde- die Paradiesspiel- schmückte man den zunächst als Paradiesbaum fungierende Tanne mit Äpfeln, was in der Mitte des 19. Jahrhunderts einem Thüringer gegen den Strich ging, da er lieber die Äpfel an seine hungrigen Kinder verfütterte und so kreierte er künstliche Äpfel und erfand somit unsere Weihnachtskugeln.

Ich bin ein absoluter Fan des frühen Weihnachtsbaumes, denn nach dem Fest verliert er in meinen Augen erheblich an Glanz. Jetzt haben wir bereits den 10. Dezember und mein Mann muss täglich Ausschau halten, ob es irgendwo schon immergrüne Nadelgewächse käuflich zu erwerben gibt. Ein früher Kauf kann natürlich seine Nachteile haben, wie ich vor zwei Jahren feststellen musste, als ich die schönste Tanne aller Zeiten ergattert , sie abends noch kurz im Hänger hatte liegen lassen, um sie am nächsten Morgen ins Haus zu holen. Leider kam mein Gärtner mir zuvor, der in den Hänger schaute, sich dachte, er habe da noch Gartenabfall übersehen und den wirklich perfekt gewachsenen Baum mit der Motorsäge in seine Einzelteile zerlegte, was dazu führte, dass ich gleichermaßen fassungslos wie tränenüberströmt vor einem Weinachtsbaum-3D-Puzzle stand. In meinem ersten Zorn wollte ich die Lichterketten am Gärtner befestigen, wovon mein Mann mich gerade noch abbringen konnte. Dafür musste er aber alleine los, um einen neuen Baum zu kaufen, denn den optimalen Baum des Jahres gibt es nur einmal, und ich hatte mich schlichtweg geweigert, nach einem nur mangelhaften Ersatz Ausschau zu halten. In jenem verhängnisvollen Jahr durfte zum ersten Mal meine Familie den Schmuck anbringen, da ich in den kompletten Dekorier-Streik getreten war und  ohne Unterlass das verkrümmte Zweitgewächs wehmütig mit meinen geschändeten Favoriten verglich. Bereits am 27. Dezember entsorgte ich diese Beleidigung für mein untrügliches Weihnachtsbaumauge.

Seit diesem Desaster stelle ich den Baum des Jahres sofort ins Wohnzimmer, um sägewütigen Gärtnern keine Chance zu lassen.

Leider hat mein Gatte mir dieses Jahr ein Lichterkettenverbot auferlegt, denn ich bin jedes Jahr der Ansicht, nicht genug davon vorrätig zu haben und kaufe dann gleich Großhandelsmengen. Über die Jahre ist dann doch so einiges zusammen gekommen und wenn die New Yorker jemals auf die Idee kämen, ein Dutzend Bäume aufstellen zu wollen, könnte ich ihnen durchaus die dazu erforderlichen Lichterketten zur Verfügung stellen. Auch Schmuck kann man in meinen Augen nie genug haben, obwohl, um endlich einmal alles davon anbringen zu können, der diesjährige Baum mindestens zehn Meter hoch sein müsste.

Demnach wäre ich mit der Einschränkung der lichten Höhe einer Tanne von acht Schuh aus dem 16. Jahrhundert, was Kugeln und Co. betrifft, in meinen Möglichkeiten mehr als begrenzt, was natürlich durch die Anzahl der Bäume ausgeglichen werden könnte, aber dann käme mir nicht nur die Verordnung von einem Baum pro Familie in die Quere, sondern auch mein Mann, denn dass er einen Tannenwald im Wohnzimmer dulden würde, kann ich mir nicht vorstellen.

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7. Dezember 2012

Wetter III

Gestern gab es im norddeutschen Raum einen Ansturm auf Autowerkstätten, denn es ist Dezember und seltsamerweise hat es geschneit, was reichlich ungewöhnlich für diesen Monat erscheint, denn plötzlich brauchten unzählige, saumselige Autofahrer aufgrund der unerwarteten Witterung Winterreifen. Nun habe ich gestern erfahren, dass das monatliche Autobudget schon durch das Tanken erschöpft ist und da bleibt für so unwesentliche Dinge wie vernünftige Reifen und eine funktionierende Beleuchtung eben kein Geld übrig.  Diese beiden Punkte lassen die Durchfall-Rate beim TÜV exponentiell in die Höhe schnellen, dabei wäre es so einfach, mal eben, bevor man sich zur Prüfung begibt, nachzuschauen, ob die Lichter-einschließlich Bremslicht- ordnungsgemäß aufleuchten und dann eventuell das eine oder andere Birnchen zu ersetzen. Auch für die Überprüfung des Reifenprofils braucht man nur eine Euromünze-wenn man denn, nach dem Volltanken, noch eine besitzt. Die Euromünze einfach ins Reifenprofil gesteckt und wenn der schmale Goldrand nicht mehr sichtbar ist-voila! – ist das Reifenprofil noch ausreichend.

Mit diesem minimalen Aufwand hat man die neue TÜV-Plakette so gut wie sicher.

Aber ich war ja noch beim Wetter!

Den verantwortungsvollen Autofahrern wird, da der Dezember nun einmal zu den Wintermonaten gehört, unbedingt angeraten, mehrere Wolldecken mit sich zu führen, da immer damit gerechnet werden muss, dass die Sparfüchse mit der mangelhaften Bereifung für stundenlange Staus sorgen. Besonders in der jahreszeitlich bedingt früh einsetzenden Dunkelheit empfiehlt sich auch die Benutzung einer Sonnenbrille, da viele Zeitgenossen nicht die Straße vor sich, sondern die Rückspiegel der Vorausfahrenden illuminieren. In diesen Fällen wird schmerzhaft deutlich, dass man zwar mit seinem Fahrzeug genervte Lichtsignale nach vorne geben kann, die Möglichkeiten, dies auch nach hinten zu tun, leider sehr eingeschränkt sind. Selbst der gelegentliche Einsatz der Nebelschlussleuchte als zarten Hinweis darauf, im Moment mehr Abstand zu halten und bei Gelegenheit die Scheinwerfer überprüfen zu lassen, wird nur selten verstanden. Wiederholtes Abbremsen bringt gar nichts, denn dann rückt einem der Illuminat noch näher an die hintere Stoßstange. Wildes Winken nach hinten ist auch nicht sehr hilfreich; wenn man Pech hat, wird dies nur durch den Einsatz der Lichthupe honoriert.

Mein Auto-meine Straße!

Die Blechkarosse um einen herum scheint bei den meisten zu dem Effekt zu führen, dem Wahn zu verfallen, sich im öffentlichen Raum so benehmen zu können, als befände man sich in den eigenen vier Wänden. „My car is my castle“, wenn man den britischen Wahlspruch soweit abändern will.

Warum gibt es eigentlich keinen Autoaufkleber mit diesem Wortlaut?

Dann wüsste jeder andere Verkehrsteilnehmer, woran er ist und könnte sich in Zukunft von diesen liebenswerten Zeitgenossen fern halten.

 

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6. Dezember 2012

Weihnachtsfeiern

Als Arbeitnehmer ist man verpflichtet, an betrieblichen Weihnachtsfeiern teilzunehmen, weil ansonsten unterstellt werden kann, dass kein Interesse an einem guten Betriebsklima besteht.

Aha!

Dabei ist dem sozialen Miteinander nichts abträglicher, als sich auf diesen Feiern mit steigendem Alkoholpegel endlich einmal gründlich die Meinung zu sagen. Am Tag nach diesen vorweihnachtlichen Zusammenkünften soll es schon häufiger vorgekommen sein, dass die Mitarbeiter überhaupt nicht mehr das Wort aneinander richteten und in diesen Fällen dauert es weit bis in das neue Jahr hinein, bis sich die allgemeine Lage beruhigt hat und wenigstens ein oberflächlicher Kontakt  möglich ist, der dann zumeist bis zum nächsten Betriebsausflug anhält, anschließend abrupt erneut unterbrochen wird und, wenn vorsichtig die Fühler wieder ausgestreckt werden, ist ja auch schon bald die nächste Weihnachtsfeier in Sicht.

Oberflächliche Flirtversuche werden bei Sekt und Häppchen in die Tat umgesetzt und wenn der Chef seiner Lieblingsmitarbeiterin an den Hintern fasst, nähert sich die Stimmung dem Höhepunkt. Am nächsten Morgen versucht man dann verzweifelt zu rekonstruieren, wem man wann und in welchem Zustand das „Du“ angeboten hat, was die persönliche Anrede noch weiter verkompliziert. Über wen man in aller Ausführlichkeit hergezogen ist, wird ebenfalls nur noch schemenhaft erinnert, obwohl man sich in diesem Fall aber an den bösen Blicken der Betroffenen orientieren kann.

Derjenige, der es schafft, diese Pflichtveranstaltungen nüchtern zu überstehen, hat im folgenden Jahr die besten Aufstiegsmöglichkeiten, denn Information ist Macht und zu keiner Zeit wird sie einem reichlicher zuteil. Die anderen trinken sich in der Beförderungsspirale weit nach unten, besonders, wenn ausgerechnet der Chef nüchtern bleibt, was aber selten der Fall ist, denn schließlich braucht er sich nicht an alle Einzelheiten erinnern, da er davon ausgehen kann, bis ins letzte Detail über die Entgleisungen etlicher „Kollegen“ in Kenntnis gesetzt zu werden.

Es herrscht eben unverfälschter, weihnachtlicher Geist.

Im Prinzip muss der Chef nur darauf achten, das Füllhorn der weihnachtlichen Sonderlobe gleichmäßig über alle Mitarbeiter zu entleeren, wenn er sie denn auch im nächsten Jahr hochmotiviert an ihren Arbeitsplätzen vorfinden will, denn nichts schmerzt mehr als eigentlich gerecht verteilte Anerkennung.

Seine Rede an die Belegschaft gleicht somit einem Eiertanz und so hat er sich, nach erledigter Pflicht, den einen oder anderen Griff an einen reizvollen Po, seiner Ansicht nach, auch reichlich verdient.

Chefinnen können sich dieses Vergnügen noch nicht einmal zu Weihnachten leisten, wobei ich davon ausgehe, dass bei diesen der Bedarf dazu sowieso eher gering ist.

Insgesamt bleibt aber festzuhalten, der Wirtschaft der westlichen Welt ist es sehr zuträglich, dass nur einmal im Jahr Weihnachten ist.

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5. Dezember 2012

Tee

Wie lautet die schöne Anweisung? „ Abwarten und Tee trinken“, etwas anderes bleibt uns nicht, wenn man sich die Top-Themen der Woche so ansieht. In der Reihenfolge der Wichtigkeit ist hier als erstes die morgendliche Frühschwangerschaftsübelkeit von Kate zu nennen, die zu einem Krankenhausaufenthalt geführt hat, denn wo bürgerliche Frauen nach dem obligatorischen Gang zur Toilette ohne großes Gewese einfach zu den täglichen Pflichten übergehen, da braucht ein royaler Embryo schon ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Journalisten aus den entferntesten Ecken der Erde belagern das Hospital, und nirgendwo wird Kate mehr Popularität zu Teil als in China und in Lateinamerika. „Viva la Mamma!“, kann man da nur sagen, denn wer hätte gedacht, dass ausgerechnet eine Schwangerschaft Nationen verbindet. So stehen eine hochschwangere Kate gemeinsam mit ihrem William-als Figuren aus Ton natürlich- direkt neben Maria, Joseph und dem Christuskind in den Auslagen der italienischen Devotionalienläden, wobei  man aber nicht davon ausgehen kann, dass die königliche Niederkunft am 24.12. stattfindet. Gott sei Dank möchte man sagen, denn wenn dies noch terminlich geklappt hätte, wäre der Erlöser in Zukunft britischer Herkunft.

Prosaischer geht es da schon in Deutschland zu, wo seit Jahrzehnten versucht wird, die NPD zu verbieten. Der heutige Versuch scheint aussichtsreich, es sei denn, man hat wieder einige V-Leute des Verfassungsschutzes in den Führungspositionen der Partei übersehen. Jedenfalls haben die Innenminister die schwere Frage zu klären, ob ein gewaltbereiter Straßenmob den Titel „Partei“ verdient, und da bereits seit mehreren Dekaden darüber nachgedacht wird, darf man gespannt sein, zu welchem Ergebnis dieses zeitintensive Sinnieren führt.

Noch prosaischer ist die Problematik, mit denen sich die Niederländer herum plagen. Dort wurde bei einem Amateurfußballspiel ein Linienrichter dermaßen verprügelt, dass er seinen Verletzungen erlegen ist. Ein Problem, dass eher europäischen als nationalen Charakter hat, denn auch in Deutschland ist es am letzten Wochenende zu mehreren Prügeleien bei Spielen in der Amateurliga gekommen und, als ich heute Morgen erfahren musste, dass Bezeichnungen wie „schwarze Sau“ von den dort eingesetzten Schiedsrichtern fast schon als Kompliment gewertet werden, dann gehe ich davon aus, ein derartiger Vorfall ist auch bei uns nur eine Frage der Zeit. Wenn dann ein von seinen eigenen Worten benebelter Blatter den emotionalen Wert des Fußballs hervorhebt, dann ist mehr als eine rote Karte fällig. Nun kann es natürlich sein, dass die Akteure und Zuschauer der diversen Ligen mit den einfachen Regeln eines Fußballspieles bereits intellektuell überfordert sind, aber dann haben sie meiner Ansicht nach dort auch nichts verloren und sollten sich Sportarten widmen, die ihrem geistigen Niveau entsprechen, wobei mir außer Sackhüpfen, Eierlaufen und Topfschlagen im Moment keine weiteren einfallen.

Insgesamt bleibt in Bezug auf diese Topthemen nur zu konstatieren, dass nur das erstere zu einem sicht- und greifbaren Ergebnis führen wird, alles andere wird sicher auf die „lange Bank geschoben“.

Also: „Abwarten und Tee trinken“!

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4. Dezember 2012

Wetter II

Die Welt war noch nie wunderlicher, denn der Weltklimagipfel findet in Katar statt, wo Energie quasi zum Nulltarif zu haben ist, wo leere Bürotürme des Nachts leuchten, dass die Milchstraße verblasst, wo die größten Spritfresser zum Vergnügen durch  die Wüste gejagt werden, wo man im Sommer bei 50° C Außentemperatur in jedem Gebäude friert, wo man eben schnell, als man feststellte der Schauplatz des Klimas zu sein, eine kleine Umweltbewegung mit angeblich 300 Mitgliedern aus dem Wüstenstaub gestampft hat.

Die Demonstranten für die Umwelt werden zu 25 % von den anwesenden Journalisten gestellt und der klägliche Rest- zuzüglich einem örtlichen Vertreter- hält entkräftet die Transparente mit der Forderung nach der 2°C Grenze in Bezug auf die Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts hoch.

Wahrscheinlich war es die Dichte der 5-Sterne Hotels in Doha, die die vorgeblichen Streiter für das Klima eben dorthin gelockt hat, denn es diskutiert sich halt besser mit dem größtmöglichen Komfort und wenn alle Klimaanlagen auf Volldampf laufen, ist es erheblich leichter, den Gedanken an eine eventuelle Erwärmung von 5°C- wie bislang zu erwarten- zu verdrängen.

Wenn das Haus brennt, ist es eben ratsam, sich unter der einzigen Sprinkleranlage aufzuhalten!

Über die Philippinen rast zurzeit der 16. Tropensturm in Folge und dieser hat eine bis dato noch nie gemessene Stärke, das wäre doch einmal ein Tagungsort, denn der Mensch lernt am besten durch Anschauung!

Der Anstieg des Meeresspiegels wird weltweit Überschwemmungen mit sich bringen und wo treffen sich die Klimaverantwortlichen? In der Wüste!

Dass der Wahnsinn Methode hat, war mir bekannt, aber über das Ausmaß herrschte bislang Unklarheit.

Wahrscheinlich tagt demnächst die Welthungerhilfe in der Firmenzentrale einer der großen Fast-Food-Ketten. Wenn der Friedensnobelpreis an die EU, den größten Waffenexporteur der Welt geht, ist mit allem zu rechnen.

Unicef Europa tagt in Eurodisney , die Menschenrechtskommission bekommt ihren Sitz in Peking und Amnesty International verlegt die Zentrale nach Guantanamo. Greenpeace wird von japanischen Walfängern übernommen und der Friedensnobelpreisträger des nächsten Jahres steht auch bereits fest,  der syrische Staatspräsident Assad, der übrigens gerade vom Drohnenkönig Obama- auch ein Friedensnobelpreisträger!- ins Achtung gestellt wird.

Die Vereinten(!) Nationen verlassen gerade mit fliegenden Fahnen das syrische Krisengebiet und beweisen somit, wie sehr sie der notleidenden Zivilbevölkerung beistehen, denn Einigkeit macht ja bekanntlich stark.

Schöne neue Welt!

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3. Dezember 2012

Wetter

Wie jedes Jahr kommt der Winter vor allen Dingen für die Autofahrer völlig überraschend. Sobald die Scheiben das erste Mal völlig vereist sind, wird hektisch nach dem Eiskratzer gesucht. Ich habe einen davon übrigens in der hintersten Ecke unter dem Küchenregal aufgespürt und konnte meinem verzweifelten Mann somit behilflich sein. Das Eisspray fand sich hinter der Verkleidung der Garderobenheizung-es geht halt nichts über einen geordneten Haushalt-, sodass mein Gatte fürs erste versorgt war.

Als Winterreifenfreak liegt er mir zwar ab Oktober mit seinen ständigen Ermahnungen in den Ohren, ich solle endlich für einen Reifenwechsel an meinem Wagen sorgen, aber, was die restliche Winterausrüstung betrifft, ist er doch ein wenig nachlässig. Nun ist mein alter Volvo mit einer Standheizung ausgerüstet, sodass ich normalerweise weder Kratzer, Spray oder Türschloss-Enteiser brauche, aber sobald sich die frühmorgendlichen Minusgrade häufen, rückt ein Wagentausch näher und näher, und da sorgt Frau eben vor.

Streusalz und Schneeschieber-reine Männerdomäne!- werden erst besorgt, wenn aufgrund von riesigen Schneeverwehungen nichts mehr in den einschlägigen Läden zu bekommen ist, aber aus dieser Problematik halte ich mich weitgehend heraus, zumal ich ein Fan von unberührten Schneedecken bin- Räumpflicht hin oder her. In meinen Augen ist die Rutschgefahr sowieso erheblich geringer, wenn man durch hohen Schnee stapft, anstatt sich auf einen geräumten, gestreuten und wieder überfrorenen Gehweg begeben zu müssen. Auch käme ich niemals auf den Gedanken, wenn ich aufgrund von mangelhaftem Schuhwerk ins Rutschen gerate und mir eine Steißbeinprellung einfange, sofort an der nächsten Haustür zu klingeln und für meine eigene Dummheit jemand anderen die Schuld zu zuweisen, aber solche Zeitgenossen scheint es mehr als häufig zu geben; darum wird bereits in aller Herrgottsfrühe geräumt, gekehrt und gestreut, was das Zeug hält. Werktags ab 7:00 Uhr, Sonn- und Feiertags ab 9:00 Uhr und jeweils bis 20:00 Uhr hat man dafür zu sorgen, dass vor dem eigenen Hause keiner zu Schaden kommt, obwohl man eigentlich davon ausgehen kann, dass die Gefahr von Schneeblindheit in unseren Breitengraden sehr gering ist.

So gesehen ist man als Fußgänger werktags nur von 20:00 Uhr bis 7:00 Uhr in der Frühe quasi auf eigene Gefahr unterwegs und da es im Winter dann meist noch stockdunkel ist, scheint der Gesetzgeber davon auszugehen, dass man auf Schnee, den man nicht sieht, folglich auch nicht ausrutschen kann.

Erst wenn es hell wird und jedermann sieht-aha! -es hat geschneit-also Vorsicht! -, darf man seinen räumfaulen Mitbürgern gehörig eins auswischen, wenn einem danach ist.

Seltsamerweise träumt ganz Deutschland unentwegt von weißen Weihnachten und vom 1. Dezember an überschlagen sich die Meteorologen mit prozentualen Prognosen in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit dieses erhofften Ereignisses.

Wenn es denn eintrifft, darf man während der Bescherung, sofern sie vor 20:00 Uhr stattfindet, noch eben kurz vor die Tür zum Schneefegen!

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28. November 2012

Formel 1

Der Übungsparcours von Sebastian Vettel und Co liegt meines Erachtens in der Düsseldorfer Innenstadt; anders kann ich mir die achtseitige Broschüre, die den dortigen Fußgängern erklärt, wie Ampeln zu benutzen sind, nicht erklären. Sätze, die sinngemäß lauten: die optimale Phase zum Überqueren einer Fahrbahn ist die grüne Phase, lassen ansonsten vermuten, dass sich ein nicht geringer Teil der Düsseldorfer Bürger, oder- was wahrscheinlicher ist- der Stadtverwaltung im Bereich der Grenzdebilität bewegt.

Eine aktuelle Umfrage unter Kindergartenkindern brachte das verblüffende Ergebnis, dass nahezu 100% der Befragten wussten, wie man sich an Fußgängerampeln zu verhalten hat. „Bei Rot stehen, bei Grün gehen“ so der Wissensstand unserer Jüngsten. Vielleicht wäre eine solche Umfrage vor dem Vergeuden von Steuermitteln auch in Düsseldorf angebracht gewesen, denn die Bürger sind manchmal mündiger, als es sich ein Beamter in seinen kühnsten Träumen  vorzustellen wagt.

Im normalen Verkehrsfluss haben wir es nicht unbedingt mit Safety Cars zu tun. Wer hätte das gedacht?

Im Übrigen kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Großteil der Autofahrer in Düsseldorf ohne gültigen Führerschein unterwegs  und bar jeder Kenntnis von Ampelsignalen ist. Selbst Rot-Grün-Blinde Fahrer-überwiegend Männer!- wissen, wenn das obere Ampellicht leuchtet, bleibt man stehen und erst, wenn das untere angeht, darf man weiter fahren.

Zugegebenermaßen sind die Fußgängerampeln in Düsseldorf komplexer als diejenigen  in Restdeutschland, denn sie haben eine Gelbphase und damit scheinen alle Fußgänger in Düsseldorf, auch wenn ihre fünf Sinne intakt sind, heillos überfordert zu sein.

Wobei ich eher eine Gefahr darin sehe, dass vor Überqueren einer Fahrbahn, jeder Passant derart in den Leitfaden zur Ampelbenutzung vertieft ist, dass er die Leuchtsignale aus den Augen verliert. Jedenfalls habe ich beschlossen, sollte ich jemals in Düsseldorf  mit dem Auto unterwegs sein, höllisch aufzupassen, wenn am Straßenrand Menschen stehen, die eine Broschüre vor der Nase haben, denn es ist jederzeit damit zu rechnen, dass sie blindlings auf die Straße laufen, woran man wieder einmal erkennen kann, ein „Gut gemeint“  hat nicht immer nur positive Auswirkungen.

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27. November 2012

Advent, Advent

Der seit September mühsam gezügelten Dekorationswut darf endlich freie Bahn gelassen werden. Obwohl so ziemlich jede Frau in meinem Bekanntenkreis eine komplette Weihnachtsschmuckausstellung im Keller oder auf dem Speicher ihr Eigen nennt, werden die einschlägigen Läden besucht und es wird, von der Vielfalt schier überwältigt, gekauft, gekauft und gekauft.

Mir jedenfalls ging es bislang immer so, dass ich erst nach einem derartigen Kaufrausch in meinem Keller die bereits vorhandenen Glitzer- und Leuchtartikel überprüft habe und feststellen musste, dass sich ein Großteil des neu erworbenen Adventsschmucks bereits in meinem Besitz befand.

Mist!

Je weiter die Adventssonntage fortschritten, umso mehr wurde unser Wohnzimmer zum Weihnachtswunderland und als ich kurz vor den Feiertagen auch noch überall kleine Glitzersterne auf dem gesamten Mobiliar verstreut hatte, beschwerte sich schließlich meine jüngste Tochter.

„Hier sieht es aus, als wären jede Menge Feen geplatzt“, lautete ihre zugegeben berechtigte Kritik- die Glitzersternchen finde ich übrigens bis heute noch in diversen Ecken.

Dieses Jahr wird alles anders!

Am nächsten Sonntag ist der erste Advent und ich habe noch nichts dekoriert. Obwohl ich damit rechne, dass wie bei einem Junkie auf Entzug der Druck langsam ansteigen wird, werde ich widerstehen, mich still in eine Ecke setzen und abwarten, bis der Anfall vorbei ist. In den Geschäften habe ich mir einen eisernen Tunnelblick zur Auflage gemacht und bislang jedem Neukauf vermieden. Einfach abwarten, wann sich der erste aus meiner Familie von Adventsmuffeln beschwert, wie kahl und düster unser Haus wirkt, während überall um uns herum die Adventsbeleuchtung den Charakter einer Supernova annimmt.

Den Weihnachtsbaum werde ich nicht vermeiden können und, ihn einfach ohne jeden Schmuck im Wohnzimmer stehen zu lassen, dazu fehlt mir der Mut, obwohl dieses Experiment in Bezug auf meckernden Ehemann und Tochter natürlich seinen Reiz hat-von wegen geplatzte Feen!

Auch einen Totalstreik meinerseits könnte ich in Erwägung  ziehen-keine Geschenke, keine festlich gedeckte Weihnachtstafel, kein traditionelles Weihnachtsessen- die langen Gesichter wären jedenfalls sehenswert. Durch den sicher zu erwartenden Protest von einer spannenden Lektüre abgelenkt, würde ich nur träge den Kopf heben und verwundert fragen:

„Wie, ist schon Weihnachten?“

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26. November 2012

Animositäten

Seit diesem Frühjahr sind mein Mann und ich Fans der Bentheimer Sauna geworden. Meistens sind wir am Sonntag dort, was natürlich bedeutet: Männlein und Weiblein gemischt.  Ein sehr entspannendes Erlebnis in einer Umgebung, die dermaßen frei von äußeren Reizen ist, dass sich einige Besucher alle Mühe geben, doch noch den einen oder anderen „Aufreger“ aufzuspüren. Da wird im Außenbereich die Windrichtung zum zunächst sitzenden Raucher akribisch überprüft, die Halloween-Dekoration-bestehend aus Grabsteinen, Spinnweben und dergleichen mehr- muss entfernt werden, da man einen Todesfall in der Familie zu verzeichnen hatte und bei den Aufgüssen muss absolutes Stillschweigen herrschen. Um noch einmal auf die Raucher zurück zu kommen; für diese Umweltsünder empfiehlt es sich dringend, vor dem Betreten der Sauna mehrmals kräftig durchzuatmen, um die Lunge zu durchlüften. Dies alles geht ja noch, aber der richtige Kampf gegen jegliches „Seele baumeln lassen“ muss mittwochs abgehen, denn dann ist Frauensaunatag.

Nun kenne ich die Geschichten dieses „Zickenkrieges“ nur vom Hörensagen, werde demnach nicht näher ins Detail gehen, aber fragen darf man sich schon, warum Frauen untereinander keinen Frieden halten können. Jedenfalls wünscht sich der Großteil der männlichen Besucher, in der reinen Frauensauna einmal „Mäuschen spielen zu dürfen“ und glaubt doch tatsächlich, diesem Treiben allein aufgrund von männlicher Präsenz ein Ende bereiten zu können.

Ha!

Einen reinen Männersaunatag gibt es nicht, weil dieser für die Anwesenden und für mögliche „Spione“ todlangweilig wäre, denn bei Gesprächen, die sich ausschließlich um Autos und Fußball drehen, gibt es eben weniger Reibungspunkte, was mich zu dem Schluss bringt, dass ein diffizileres Gehirn fast zwangsläufig zu häufigeren Auseinandersetzungen führt.

Männerhirne befinden sich quasi ständig im „Stand-by“ Modus und selbst im aktiven Zustand reicht die Konzentration nur für ein Objekt auf einmal und ich vermute einmal-die Sauna ist gemischt!-, dass die Kapazität allein dadurch erschöpft ist.

Frauenhirne sind da weit störanfälliger. Sämtliche Sinne sind stets bis zum Äußersten aufnahmebereit, die Neuronen feuern  und da fällt ein „Abschalten“ eben schwerer. Da kann die Umgebung noch so friedlich sein, das Personal noch so nett- irgendein „Haar in der Suppe“ muss doch zu finden sein, auch wenn es sich nur um eine winzige, störende Ingredienz im Aufguss handelt.

Mhm.

Sinn und Zweck der Sauna ist es,  seinem Körper und –vor allen Dingen- seinem Geist etwas Gutes zu tun, was besser gelingt, wenn man auch einmal „Fünfe gerade sein lässt“ und wer nicht bereit ist, seine Grundunzufriedenheit mit sich und der Welt auch nur für kurze Zeit aufzugeben, dem, ja dem ist nicht zu helfen.

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23. November 2012

Geschlechtliche Welten

Ich-man fängt niemals einen Satz und niemals einen Brief mit ich an- denke gerade darüber nach, ob ich meinen Blogtitel nicht ändern sollte, denn die allgemeine Weltlage geht im Zauber von „Shades of grey“ unter; zumindest, was die Damenwelt betrifft. Kein Mann liest dieses Machwerk, denn mit Christian Grey kann „Mann“ nun einmal nicht mithalten, wobei die machomäßige Männerwelt bis heute nicht verstanden hat, dass sie gar nicht muss!

Gestern haben mein Göttergatte und ich den Film „Ziemlich beste Freunde“ angesehen und-mein  jetzt wieder Gatte, konnte meine Wut am Ende des Filmes nicht verstehen.

Rollstuhlmäßiger Feigling!

Einer Frau endlose, zum Teil öde langweilige, Liebesbriefe schicken, sie bewundern, sie wirklich wahr nehmen, sie annehmen, so wie sie ist und dann noch vermuten, sie könne sich daran stören, dass der Lover im Rollstuhl sitzt und den kleinen Lover nicht mehr bemühen kann, ist für eine Frau dermaßen weit her geholt, dass ich kaum glauben kann, dass Männer dermaßen auf ihren Miniwillie fixiert sein können.

Durch einen männlichen Freund habe ich mir sagen lassen- ich kann es kaum glauben-, dass Männer sofort beim Anblick einer Frau im Sinn haben, mit ihr ins Bett gehen zu wollen-egal wie die Frau auch ausschaut- und seitdem kann ich die Probleme von Clinton, Strauß-Kahn und Peträus zwar nachvollziehen, aber verstehen kann ich sie trotzdem nicht.

Wenn Männer nur an Sex denken-wie mein Freund mir andauernd versichern will-, dann hätten wir Frauen doch alle Macht der Welt!

In dem Sinne-du kannst erst bumsen-, wenn du meine Forderungen erfüllt hast!- hat selbst eine Angela Merkel alle Macht der Welt. Nur ein bisschen mit dem Hintern wackeln und die Eurokrise ist Geschichte!

Mann, Mann, Mann, wenn ihr wirklich so Testosteron-gesteuert seid, was haben wir über die ganze Weltgeschichte  hinweg  falsch gemacht?

Okay, bis heute kann keine Frau nachvollziehen, was Caesar und Marcus Antonius an Cleopatra fasziniert hat, besonders wenn man Abbildungen von ihr sieht.

Schön war sie beileibe nicht, wobei ich wieder beim Wort „Beileibe“ hängen bleibe. Beileibe-beim Leibe- mit allem, was dazu gehört, bleibt der Verstand der Männer offenkundig stehen. Wenn eine Katzenberger, eine Schiffer und eine Verona Poth mit klein-kindlichem  Mädchengehabe: „Ich bin zwar blöd, aber fürs Bett tauge ich noch“, die Bildschirme erobern, dann waren bei der Abstimmung sicherlich keine echten Frauen dabei.

Wobei hier das Problem liegt! Männer haben Angst vor der Konfrontation mit erwachsenen Frauen, denn die stehen nicht auf „Schwanz-messen“ jeglicher Art, denn da helfen ein Porsche, ein dicker BMW und ein Mercedes der Oberklasse nicht weiter. Vor allen Dingen auch kein „ dickes Motorrad“, denn wenn Mann es nicht schafft, befriedigend-vor allen Dingen für die Frau- auf einer Frau zu liegen, kann er seinem  „Überfliegertum“  gerne erliegen, aber eine Maschine wird ihm nie die Rückendeckung geben, die er-seiner eigenen Ansicht nach-braucht.

Ich kann nur sagen: „Jungs, entspannt euch!“

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22. November 2012

Geistige Leere

Heute befinde ich mich in einem Zustand, den ich so ausgeprägt noch nie erlebt habe und den ich, in Abwandlung von „Wandrers Nachtlied“, mit den Worten: „Über allen Windungen herrscht Ruh`“ zusammen fassen möchte. Die Kakophonie der Stimmen in und außerhalb meines Kopfes ist verstummt, was eigentlich sehr erstrebenswert und ansonsten nur durch jahrelange Meditation zu erreichen ist, aber irritiert bin ich schon ein wenig.

Stille.

Können wir damit überhaupt noch umgehen? Wir sind an Dauerberieselung gewöhnt, an ein ständiges Hintergrundrauschen, das als Ablenkung-geben wir es doch ruhig zu-hochwillkommen ist. Zwar jammern wir andauernd nach Ruhe, aber wenn diese in absoluter Form auftritt, sind wir ratlos. Irgendetwas muss immer passieren, irgendetwas muss immer „los“ sein, denn sonst kämen wir ja in die äußerst unangenehme Lage, dass wir uns ausschließlich mit uns selber beschäftigen müssten und wenn dann nichts Wesentliches mehr vorzufinden ist, dann, ja dann, was?

Nur so lässt sich der Erfolg von multifunktionalen Handys, I-Pots und Co erklären und sehr selten sind noch Menschen anzutreffen, die keine Stöpsel in den Ohren haben oder auf ein Display starren. Jede  kurze Wartezeit wird durch multimediale Gerätschaften „to go“ überbrückt. Mir ist es oft passiert, dass ich mit jemandem geredet und nicht bemerkt habe, dass er nicht mit mir in Kontakt stand, sondern mit  einem Gerät zur Musikwiedergabe verkabelt war.

Wir wollen beides zugleich sein: Stets erreichbar und unerreichbar und ein leerer Handyakku ist für viele ein Grund zur Panik. Rodins Denker, wäre er heute erschaffen worden, hätte ein Handy in der rechten Hand, anstatt seinen Kopf auf dieser abzustützen; er würde auch nicht mehr nachdenken, sondern telefonieren oder sinnentleerte SMS`s schreiben.

Aber ich war ja noch bei geistiger Leere.

Wer kennt Nr. 5 nicht, den Roboter, der verzweifelt: „Input, brauche input“, murmelt. Er braucht diesen Input, weil er- im Gegensatz zu uns- nur über eine Festplatte und nicht über ein Gehirn verfügt. Wir sind dabei, diesen Gegensatz weitgehend zu nivellieren.

Wo uns früher die eigene Phantasie in eine andere Welt entführt hat, überlassen wir es heute den Computerprogrammen. Wir lassen uns-im wahrsten Sinne des Wortes-etwas „vor“-machen und reiben uns verblüfft die Augen, wenn wir wieder einmal gewaltig „hinters Licht“ geführt worden sind. Selbst ein Orwell hat sich nicht ausmalen können, wie bereitwillig wir fremdes Gedankengut übernehmen, oder wie begierig wir nach „Ab“-lenkung sind.

Wobei eigentlich nie aus den Augen verloren werden darf, dass jede Ablenkung einen gewaltigen Störfaktor  in Bezug auf den eigenen Kurs bedeutet.

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21. November 2012

Sterbehilfe II

Warum diskutieren wir überhaupt darüber, denn der Mayakalender endet am 21.12.12 und dann ist endgültig Schluss.

Weltuntergang!

Ich bin zwar der Meinung, dass die Maya keine Lust mehr hatten, akribisch den Lauf der Welt aufzuzeichnen, aber, da die Idioten unter uns nicht aussterben, wird das kleine Dorf- Bugarach- von allen denen belagert, die ihre Sinne nicht recht beisammen haben.

Der Pique du Bugarach- das habe ich mir nicht ausgedacht!- wird als die Landefläche des Alien-Raumschiffes angesehen, von der aus die wenigen Erwähnenswerten unter der Menschheit von Außerirdischen vor dem Weltuntergang gerettet werden. Im Umkreis von 30 Km um das Dorf herum sind seit Wochen alle Hotels ausgebucht, denn-wer will schon die letzte Fähre verpassen?

Nun habe ich ein kleines Problem damit, dass die Aliens unbedingt diejenigen retten wollen, die sowieso nicht alle Tassen im Schrank haben, aber, wer kennt sich schon mit der Psyche Außerirdischer aus?

Ich persönlich bin schon mit der Analyse des Seelenlebens der Erdbewohner völlig überfordert.

Alle haben Angst vor dem Weltuntergang. Wirklich alle? Nein, ein kleines Dorf in Gallien widersteht dieser Gefahr, denn die Aliens scheinen Asterix und Obelix gründlich gelesen zu haben und retten  die Menschen,  die sowieso nicht mehr zu retten sind.

Aber ich war ja noch beim Weltuntergang.

Äußerst interessant ist die Umfrage, was die Menschen im Angesicht des Weltunterganges bevorzugt tun würden. Antwort Nr.1 lautete:

Sex haben!

Wobei sich mir die Frage aufdrängt, ob der Rest der Menschheit ansonsten keinen Sex hat. Brauchen wir einen Weltuntergang, um endlich einmal wieder mit einem Partner in die Kiste zu kriechen?

Man weiß es nicht, aber man ahnt Schlimmes!

Was mich direkt zu meiner bevorzugten Tierart, den Bonobos bringt-übrigens einer unser evolutionären Vorfahren. Die machen sich keinen Stress, aber wenn dieser trotzdem einmal auftauchen sollte, wird er durch hemmungslosen Sex  wieder abgebaut.

Diese Jungs und Mädels haben den absoluten Durchblick!

Wir rennen lieber zum- völlig verklemmten-Psychotherapeuten, der uns erklärt, dass derlei Regungen pathologisch sind, weil wir beim Auftauchen sexueller Gefühle nichts anderes im Kopf haben, als mit einem Elternteil schlafen zu wollen, und schon haben wir einen Knoten im Hirn und in den Geschlechtsorganen.

Schöne neue Welt! Gott sei Dank ist sie dem Untergang geweiht!

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20. November 2012

Sterbehilfe

Die ARD-Themenwoche zum Thema Tod mit der erstaunlichen Nachricht: Auch du musst sterben! , macht mich zum Teil sehr wütend. Gestern saßen bei „Hart aber fair“ sogenannte Experten zusammen, die sich zum Thema „Sterbehilfe“ ausführlich selbst beweihräuchern durften, wobei das einzig Erholsame und Vernünftige das Zuschauerecho war, dessen Tenor lautete: Mein Leben will ich selbstbestimmt führen, also haltet euch auch aus meinem Tod heraus!

Wer heldenhaft um jede Sekunde kämpfen will, darf das tun. Wer ebenso heldenhaft beschließt, dies Leben ist kein solches mehr, muss das auch tun dürfen.

Ich bin Ärztin und die Liste derjenigen, die sich darauf verlassen wollen, dass ich ihnen helfe, wenn nichts mehr geht, ist lang, aber helfen darf ich nicht. Obwohl die Anzahl der Ärzte,  die sich- vom Gesetzgeber allein gelassen- doch überreden lassen, größer und größer wird, spricht keiner die Wahrheit über die Praxis aus, die in Deutschland-aus Barmherzigkeit-betrieben wird. Unter der Hand, sich hoffnungsvoll auf das unbedingte Stillschweigens der Patienten und der Angehörigen verlassend, tun sie, was eben auch ihre Pflicht ist.

Einige Zuschauerbeiträge waren völlig jenseits der Realität, denn sie führten den hippokratischen Eid an, den Ärzte ihrer Meinung nach noch schwören müssen, was von unbedingter Sachkenntnis zum Thema zeugt. Hier der Eid, der zu keiner(!) Zeit geschworen wurde und, von dem noch nicht einmal nachgewiesen werden konnte, ob er überhaupt von Hippokrates stammt!

„Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt, und Asklepios und Hygeia und Panakeia und alle Götter und Göttinnen zu Zeugen an, dass ich diesen Eid und diesen Vertrag nach meiner Fähigkeit und nach meiner Einsicht erfüllen werde. Ich werde den, der mich diese Kunst gelehrt hat, gleich meinen Eltern achten, ihn an meinem Unterricht teilnehmen lassen, ihm, wenn er in Not gerät, von dem Meinigen abgeben, seine Nachkommen gleich meinen Brüdern halten und sie diese Kunst lehren, wenn sie sie zu lernen verlangen, ohne Entgelt und Vertrag. Und ich werde an Vorschriften, Vorlesungen und aller übrigen Unterweisung meine Söhne und die meines Lehrers und die vertraglich verpflichteten und nach der ärztlichen Sitte vereidigten Schüler teilnehmen lassen, sonst aber niemanden.

Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.

Auch werde ich niemandem ein tödliches Gift geben, auch nicht, wenn ich darum gebeten werde, und ich werde auch niemanden dabei beraten; auch werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel geben.

Rein und fromm werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.

Ich werde nicht schneiden, sogar Steinleidende nicht, sondern werde das den Männern überlassen, die dieses Handwerk ausüben.

In alle Häuser, in die ich komme, werde ich zum Nutzen der Kranken hineingehen, frei von jedem bewussten Unrecht und jeder Übeltat, besonders von jedem geschlechtlichen Missbrauch an Frauen und Männern, Freien und Sklaven.

Was ich bei der Behandlung oder auch außerhalb meiner Praxis im Umgange mit Menschen sehe und höre, das man nicht weiter reden darf, werde ich verschweigen und als Geheimnis bewahren.

Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil.“

Soviel zu Thema Aktualität. Ich weiß nicht, was in den Köpfen der heutigen Menschen herum schwirrt, aber, wie bereits erwähnt, hat diesen Eid noch nie ein Arzt geschworen, denn dann hätten die Allermeisten von ihnen ihre Approbation längst zurück geben müssen.

Aber ich war ja noch bei der Sterbehilfe.

Jede unangemessene Einmischung in das eigene Leben wird als Affront empfunden und es wird Zeit, dass wir dies in Bezug auf den eigenen Tod auch tun.

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19. November 2012

Bestattungen

Der erste Schwung meines Morgenkaffees hatte mir gerade-wie üblich- die Zunge verbrannt, da ging es auch schon los mit der ARD-Themenwoche über den Tod. Ein gutes Thema, um den Tag zu starten, verschluckte ich mich, konnte mich aber nach und nach für das Gebiet der Beerdigungen erwärmen. Särge ab 6.000 Euro aufwärts, Grabstätten für Särge zum Schnäppchenpreis ab 5.000 Euro; die Grundstückspreise scheinen nirgendwo höher zu sein als auf den Friedhöfen. Früher wurde aufrecht sitzend bestattet, fiel mir dabei ein und stehend müsste doch dann gleich viel preisgünstiger werden. Dass keiner sich mit Bestattungen und den damit verbundenen Vorkehrungen beschäftigen will, wird unverschämt ausgenutzt. Die sich im Ausnahmezustand befindlichen Angehörigen unterschreiben und erwerben alles, was vorgeschlagen wird, nur damit sie sich damit nicht weiter beschäftigen müssen.

Neu war für mich, dass man sich seinen eigenen Sarg schon zu Lebzeiten selber zimmern darf. Nur muss man, bei einer Verfügung, im selbst hergestellten Sarg beerdigt werden zu wollen, die genaue Bastelanleitung beifügen, denn dann kann die deutsche Norm wie ein Sarg beschaffen sein soll, noch überprüft werden. Ich habe dies gerade gegoogelt, aber, wen es interessiert, der kann gerne selber unter: Deutsche Normen für Särge nachschauen, da ich nicht alles abtippen will.

Jedenfalls herrscht in Deutschland Bestattungspflicht, was im Falle einer Urne für mich nicht ganz einsehbar ist, denn ich hätte meinen Gatten später einmal gerne dekorativ in meiner Wohnung stehen und hasse es –wie vielfach praktiziert-täglich zum Friedhof laufen zu müssen, nur damit sich niemand über den Pflegezustand des Grabes echauffiert. Im November bekommt dieser Wahnsinn Methode, da wird Oma häufiger als jemals zu ihren Lebzeiten besucht. Die Altenheime quellen über vor Menschen, die lebendig abgeschoben und vergessen sind, aber da es auf den Friedhöfen eben offensichtlich ist, wenn sich keiner kümmert, wird gepflanzt, geharkt und gegossen wie nicht gescheit.

Witwen, die sich Jahrzehnte lang nicht für ihren Ehemann interessiert haben, eilen pünktlich zur Zeit seines Frühschoppens an sein Grab, um zu gießen.

Man kann sich nur wundern!

Waldbegräbnisse sind groß im Kommen, musste ich heute Morgen ebenfalls erfahren und der eigene Baum kann schon zu Lebzeiten käuflich(!) erworben werden, obwohl er eigentlich sowieso schon vorhanden ist, egal, ob ich nun dort bestattet werde oder nicht.

Aus allem, was ich erfahren habe, konnte ich nur den traurigen Schluss ziehen, dass Bestattungen in Deutschland vor allen Dingen eines sind-ein Geschäft!

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16. November 2012

Pflegenotstand

Ich bin noch immer total geschockt, denn ich habe den –heimlich aufgenommenen-Film aus einem bremischen Pflegeheim gesehen. Da wurde die alte Frau  brutal an den Haaren gepackt, um sie dahin zu dirigieren, wohin die „Pflegerin“ sie haben wollte und, nach vollendeter Morgentoilette, bzw. nach dem Ankleiden, auf der Bettkante sitzend,  einfach heftig zurück gestoßen, denn irgendwie wird sie schon richtig im Bett landen. Wenn ich bedenke, dass es meine eigene Mutter hätte sein können, komme ich aus meiner Wut gar nicht mehr heraus.

Die Angehörigen pflegebedürftiger Menschen zahlen horrende Beträge, in der Annahme, dass die Eltern in den 11.600 Pflegeheimen, die es in Deutschland gibt, in Bezug auf das Preis-Leistungsverhältnis- fünf Sterne mäßig versorgt werden, aber, da die Altenpflege immer mehr zum Geschäft wird, befinden sich die Angehörigen in einem riesigen Irrtum.

„Sediert und einigermaßen trocken“, mehr kann das hoffnungslos unterbesetzte Personal nicht leisten.

Wer als Arzt tätig ist und zu nächtlicher Stunde zu einem Notfall in ein Altenheim gerufen wird, kann ein Lied davon singen. Eine Pflegekraft, die nur notdürftig Deutsch spricht, für fünfzig Patienten an aufwärts-es kann die Grenze der Hundert überschreiten-ist völlig aufgelöst, weil ein alter Mensch-trotz Sedierung-den Gang zur Toilette alleine bewältigen wollte und sich bei diesem Manöver zum Zwecke, die eigene Würde wenigstens einigermaßen aufrecht erhalten zu wollen, den üblichen Oberschenkelhalsbruch oder noch weit Schlimmeres eingefangen hat.

Alle sind verzweifelt: Die Ärzte, die Pfleger, die Angehörigen und das Pflegepersonal erst recht. Alle wissen es, aber keiner schaut hin. Was natürlich daran liegen kann, dass das archaische Prinzip: Alte und Kranke einfach krepieren zu lassen, mit einer äußerst dünnen Decke des Humanismus-ein Witz per se- vergeblich kaschiert werden muss.

Den absoluten Hammer brachte letztens meine jüngste Tochter, nachdem ich ihr mitgeteilt hatte, dass sie mich niemals „Mensch ärgere dich nicht“  oder rudimentäre Ballspiele spielend, in einem Altenheim vorfinden wird.

Ihre lakonische Antwort-bzw. Frage- lautete:

„Wie kommst du überhaupt auf die Idee, dass ich dich dort besuchen werde?“

Scherzhaft gemeint, aber im Grunde genommen wahr, denn ich habe selbst auch noch Eltern. Aber, bevor ich sie in einem „Pflege“-Heim vergammeln lasse, hole ich sie zu mir.

Eltern geben und geben und geben und deswegen haben sie es verdient, einen kleinen Teil zurück zu bekommen.

In der Bibel steht nicht umsonst: „Du sollst Vater und Mutter ehren“, weil der gegenteilige Fall selbstverständlich ist.

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15. November 2012

Guinness World Record Day

Was für ein Tag!

Nicht nur der oben genannte, sondern auch, da der dritte Donnerstag im November, der Welttag der Philosophie und der Tag „Writers and prison“.

Aber schön der Reihe nach.

Heute Morgen wurde ich bereits Zeuge erstaunlicher Rekorde wie das Auffangen von Harpunenpfeilen, das Auffangen von Marshmallows mit Essstäbchen, sowie das Balancieren eines Basketballes auf einer im Mund-wo auch sonst-befindlichen Zahnbürste. Auch der UN-Sicherheitsrat möchte in dem berühmten Buch verbleiben, in dem er den Rekord in Konsequenz-freien Ermahnungen kriegsgesinnter Parteien vehement verteidigt-siehe Israel und Hamas.

Der reine Wahnsinn, womit sich die Menschen die Zeit vertreiben.

Da können die Philosophen nicht mit halten, denn deren „reines Denken“ ist losgelöst von jedem praktischen Bezug. Zumal es im Bereich der Philosophie nicht unbedingt viel Nennenswertes gibt, denn nachdem die  Griechen damit angefangen haben,  erschöpfen sich seit Mitte des  20. Jahrhunderts moderne Philosophen darin, ihre Vorgänger zu zitieren.  Einzige Ausnahme:  Kaiser Franz Beckenbauer, dessen ewig gültige Lebensanweisung:  „Schau`n wer mal“ zur Richtlinie jedes Philosophieren geworden ist. Urban Priol brachte ebenfalls ein Bonmot hervor, das sinngemäß besagt, dass die Mutter der Dummheit dauerschwanger ist, aber dies ist nicht wirklich etwas bahnbrechend Neues.

Der „Writers and prison day“ weist meiner Ansicht nach darauf hin, dass die Macht der Feder ungebrochen ist. Allein in China sitzen 40 Schriftsteller in den Gefängnissen, in denen-wohlgemerkt-noch gefoltert wird. Ihr Verbrechen besteht darin, kritische Zeilen zu Papier gebracht zu haben.

„Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott“.

Hoffentlich heißt es irgendwann einmal: Am Ende bleibt das Wort, und das Wort bleibt bei denen, die guten Willens sind.

Hier kommen jetzt wieder die Philosophen ins Spiel, deren schärfste Waffe – das Wort-  über die Jahre stumpf geworden zu sein scheint. Die Zeiten eines Sokrates, der seine Meinung bis zu bitteren Schierlingsbecher beibehalten hat, scheinen leider vorbei. Wie viele von uns kennen schon die genaue Zahl derjenigen, die in den Gefängnissen sitzen, weil sie ihre Meinung mit Wort und Schrift verteidigt haben?

Auf jeden Fall sind es merklich weniger als diejenigen, die wissen, wo genau der Rekord des Harpunenpfeilauffangens steht, denn dies kann man im demnächst im aktuellen Guinness Buch der Rekorde nachlesen-Papier ist eben geduldig.

Bleibt nur die Frage, ob wir auch so geduldig sein müssen.

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14. November 2012

Frankfurter Rundschau

Werden wir alle Zeugen des Beginns eines Dominoeffektes? Verdrängt die digitale Konkurrenz nach und nach die Printmedien? Am 01.08.1945 erschien die Frankfurter Rundschau zum ersten Mal und ich kann mich noch daran erinnern, dass dieses linksliberale Blatt zu meiner Studentenzeit in keinem Wohnheim und in keiner WG fehlte.

Als Hauptgrund für die finanzielle Misere der Zeitung wird der Einbruch des Anzeigenmarktes angeführt. Demnach scheint politisch motivierter Journalismus mehr und mehr zum Beiwerk eines Gewerbes zu werden. Ich habe mir letztens die Mühe gemacht, zwei bekannte Wochenmagazine in Bezug auf das Verhältnis Werbung und Berichterstattung, die diesen Namen auch verdient, zu untersuchen. Das Ergebnis ließ Schlimmes erahnen! Es kann also nicht nur am Internet liegen, obwohl das WWW natürlich auch einen gewaltigen Einfluss hat.

Gehen akribisch recherchierte Artikel im allgemeinen Geschwätz des Internets unter, dann sehe ich schwarz in Bezug auf die Information. Mehr und mehr beziehen die Menschen  ihre politischen Ansichten aus Blogs, die vor allem Eines sind-subjektiv! Dieser Blog bildet da keine Ausnahme, denn, was ich auch nieder schreibe, beruht auf meiner persönlichen Meinung, die keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt. Hoffentlich ganz nett zu lesen, aber Gedanken machen muss sich jeder schon selbst, was man nur kann, wenn die Vielfalt objektiver Berichterstattung erhalten bleibt. Die Auswahl ist nirgendwo so groß wie in Deutschland und, sollte ein Blatt seinen Schwerpunkt in eine politische Richtung verlegen, bleiben genug andere, die entweder einen Gegenpol bilden oder sich- wie es eigentlich sein sollte-aus der Parteienlandschaft heraus halten.

„Selber denken macht klug“, weiß schon der Volksmund. Man kann hier auch Kant zitieren:

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Er hielt jede Unmündigkeit des Menschen „kategorisch“ für selbstverschuldet.

Jede „Quelle“ ist dazu da, seine eigenen Schlüsse zu ziehen und, wer mit „jedem Strom mit schwimmt“ wird niemals zu einem persönlichen Standpunkt gelangen. Nun fällt dies offensichtlich schon der überwiegenden Zahl der Politiker recht schwer und diesem Beispiel folgend,  „denken“ Viele: Wenn die es schon nicht schaffen, warum sollte ich mir die Mühe machen?

Was zwingend zu dem Schluss führt:

Jedes Volk hat die Journalisten und Politiker, die es verdient!

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13. November 2012

MTV Awards

Es gibt nur wenige Themen, zu denen ich überhaupt nichts zu sagen habe und der Spitzenreiter unter diesen sind eindeutig die MTV Awards. Aber, da es immer mehr in Mode kommt, sich zu Themen zu äußern, obwohl man nicht die blasseste Ahnung davon hat, gönne ich mir heute  einmal ebenfalls diesen beängstigenden Trend. Mir hat es schon gereicht, die Preisträger zu sehen, die in Bezug auf meine Person wie Enkel wirken-allen voran Justin Bieber, dessen Namen-ich gestehe es zähneknirschend-gerade googeln musste.

Da kam mir das abgetakelte „Supermodel“ Heidi Klum gerade recht-die Sklaventreiberin aller Magersüchtigen. Ich persönlich kann mich nicht daran erinnern, sie jemals auf einer der großen Modenschauen gesehen zu haben. Die internationalen Laufstege blieben ihr verwehrt und dieser eklatante Nachholbedarf war bei der Moderation der Preisverleihung deutlich spürbar. Nun habe ich nicht mitgezählt, wie oft sie sich umgezogen hat, dazu waren die gewagten Kreationen zu verwirrend, aber als Ablenkungsmanöver von der eigenen Person doch gut gelungen.

Jedenfalls hat sich die sogenannte Musikszene ausgiebig gefeiert. Musikvideo des Jahres wurde das Rodeo-Reiten ohne Pferd eines kleinen, dicken Mannes, dessen Namen ich jetzt nicht googeln kann, da ich überhaupt nicht weiß, wie er denn heißen könnte. Diese Ehrung besagt eigentlich schon alles. Nun, wenn der Rest der Welt wie ein Vollidiot auf der Stelle hüpfen will, meinetwegen. Ich wusste aber bislang nicht, wie enorm verbreitet das Tourette Syndrom ist.

Wahrscheinlich kann ich mir die Kompositionen der aktuellsten internationalen Hits deswegen nicht merken, da sie alle wie durch die Musiksoftware Ludwig zustande gekommen zu sein scheinen- Retortenmusik, austauschbar und alles irgendwie schon einmal gehört. Nun ja, wenn sich der Bekanntheitsgrad der Noten im Rahmen einer Terz bewegt, darf man nicht allzu viel verlangen.  Mit dieser Software haben es zukünftige Komponisten noch nicht einmal mehr nötig, auch nur ein einziges Instrument zu beherrschen. Ich sehe da schon eine Welle von „genialen“ Machwerken auf mich zurollen.

Die Mädels haben immer weniger an, und die Jungs werden augenscheinlich direkt vom Kindergarten weg rekrutiert, um ein genaueres Hinhören unnötig zu machen. Ist doch auch etwas!

Da merkt man erst, wie alt man schon ist.

Die Tatsache, dass Dieter Bohlen in Deutschland als „Pop-Titan“ angesehen wird, erübrigt jeden Kommentar. Wo hat der eigentlich gesteckt? Wahrscheinlich wird er dort nicht mehr auftauchen, weil er vom Mann der Noten zum Mann des Wortes mutiert ist, wobei laienhafte Darbietungen nicht automatisch durch die Anzahl der Sparten zum „ Profitum“ werden.

Aber ich war ja noch bei den MTV Awards und dem Trend zum gesunden Nichtwissen, wobei dieser Text ausreichend beweist, dass mit steigender Zahl der Worte, die Wahrscheinlichkeit der kompletten Ahnungslosigkeit exponentiell mit ansteigt.

 

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12. November 2012

Laternen

Es war wieder St. Martinstag und überall Laternen! Leuchten hingegen scheint es immer seltener zu geben. Die Narren sind los, und dass nicht nur, weil gestern der 11.11. war. Einzig bei den Grünen flackerte kurz ein Lichtlein auf, denn bei denen hat meine absolute „Lieblingspolitikerin“ endlich einmal gezeigt bekommen, dass Politik weder eine Spaß, noch eine Tränenveranstaltung ist. Dieses Aufglimmen ist auch prompt erloschen, denn Politik ist ebenso wenig Sache von wechsel-wendiger Inkompetenz, gepaart mit unerträglicher Arroganz. Trittin ist also noch da.

In Polen(!) gab es gewaltsame Aufmärsche von Rechtsradikalen zur Feier des Nationalfeiertages, während in den USA ein mächtiger General an der Hürde „Frau“ gescheitert ist. Frauen,  Autos und Fußball! Seit Altkanzler Schmidt hat der deutsche Steuerzahler bislang 1,2 Millionen Euro für den Fuhrpark der ehemaligen Kanzler hinblättern müssen, wobei Schröder mehr auf Masse, Schmidt hingegen mehr auf Qualität achtet. Theo Zwanziger ist unter die Autoren gegangen, was einmal mehr meine Theorie erhärtet, dass derjenige, der überhaupt nichts mehr zu sagen hat, ein Buch schreibt. Meistens geht es in diesen Machwerken um Abrechnungen mit ehemaligen Weggefährten, wobei mir schleierhaft ist, warum dies immer in gebundener Form passieren muss. Ein Telefonat wäre doch völlig ausreichend.

Aber ich war ja noch bei Sankt Martin von Tours.

Seit etlichen Tagen sind Väter ihrer einzigen Kindergartenpflicht nachgekommen und haben Laternen gebastelt. Mein Mann kam jedes Mal von diesen, für ihn ungewöhnlich kreativen Veranstaltungen, zwar mit verklebten Fingern, aber mit einem eindeutig stolzen Gesichtsausdruck zurück, nachdem ich ihn zunächst gegen seinen Willen dorthin abkommandiert hatte. Von diesen jährlichen Schöpfungen befinden sich noch alle bei uns im Haus, denn eine Skulptur von Rodin entsorgt man eben auch nicht so einfach auf dem Müll.

Sankt Martin ritt, nur seinen Soldatenmantel und sein Schwert bei sich habend, durch das Stadttor von Amiens und traf dort auf einen, in der Eiseskälte des Winters frierenden, nackten Bettler. Ohne weitere Überlegung, teilte er mit seinem Schwert das Einzige, was er bei sich trug, den Mantel mit dem Unglückseligen. Soweit die Legende. Im Prinzip geht es also darum, dass man auch das letzte Hemd zu teilen hat und, da es laut Volksmund sowieso keine Taschen besitzt, wäre dies auch nicht als großer Verlust anzusehen, woran man aber sehen kann, dass es nur eine Legende ist.

Was man hat, hat man, da kommt kein anderer mehr heran. Was man hat, hat einen, diesen Erkenntnisschritt haben wir noch nicht vollzogen. Wer sein Leben mit der Anhäufung und Werterhaltung von toten Gegenständen verbringt, wird am Ende schon sehen, was er davon in Wirklichkeit gehabt haben wird.

Vielleicht geht uns bei den diesjährigen Laternenumzügen das eine oder andere Licht auf, aber so wie ich uns kenne, kommt die Erleuchtung immer erst dann, wenn es an allen Ecken brennt.

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8. November 2012

US-Wahl III

Während in den USA die Präsidentschaftskandidaten sich buchstäblich bis in die intimsten Sphären entblößen, arbeitet die größte Partei und gleichzeitig der größte Geheimbund der Welt, die Rede ist hier von China, mit völlig anderen Methoden.

Der einwöchige Parteitag in der Halle des Volkes findet hinter verschlossenen Türen statt, und der kleine Mann auf der Straße hat vom nächsten Präsidenten Xi Jing Ping, noch nie etwas gehört.

Auch weiß er nicht, welche Politik die Partei momentan und in Zukunft betreiben wird, Hauptsache, es geht irgendwie aufwärts.

Was nun nicht ganz so im Gegensatz zum kleinen Mann auf der Straße in Deutschland steht, denn der kennt zwar Angie, hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie viele Parteien es gibt, aber bei den Parteiprogrammen hört es auch schon auf. Hauptsache, es geht irgendwie aufwärts. Zwar weiß man bestenfalls, dass wir in einem kapitalistischen System leben, aber dessen Regeln sind genauso nebulös wie die grammatikalischen und Rechtschreibregeln der deutschen Sprache.

Jedermann ist verblüfft, wenn die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer, aber dass dies das Ziel des reinen Kapitalismus ist, darum kümmert man sich nicht. Solange ich ein wenig mehr zu besitzen scheine als mein nächster Nachbar, ein Auto vor der Tür steht und der Jahresurlaub gesichert ist, ist die Welt doch in Ordnung! Und wenn dieser Luxus auch durch Kredite finanziert ist, wen kümmert das? Jeder Geldschein, den ich in meiner Geldbörse habe, schuldet jemand anderer der Bank und, wenn eine kleine Minderheit der deutschen Bevölkerung ganz, ganz viel Geld besitzt, bedeutet dies ebenfalls, dass etliche Menschen ganz, ganz viele Schulden haben. Ein Geldschein ist ein Schuldschein und wenn diese Schulden nicht mehr bedient werden können, ist der Schein nicht mehr wert als er ist, ein Blatt Papier.

Aber ich war ja noch bei der US-Wahl.

Nach dem kurzen Aufflackern vom politischen Interesse wie es vor anstehenden Wahlen üblich ist, steht dort nun wieder ein vierjähriger Winterschlaf an. Demnach ist jedes hämische Grinsen über die Zustände in China völlig fehl am Platze. Wenn sich das politische Engagement darin erschöpft, alle vier Jahre den warmen Sessel zu verlassen und zur Urne zu schreiten, kann man dies auch gleich bleiben lassen, wie es die meisten übrigens tun. Die Wahlbeteiligung in Deutschland ist ein Witz und als Entschuldigung wird Politikverdrossenheit angeführt. Dabei liegt es eigentlich eher daran, dass man ausgerechnet am Sonntag seinen warmen Sessel verlassen muss und wenn dann auch noch das Wetter zu ungemütlich ist, bleibt man eben lieber zuhause, was im Endergebnis dazu führen wird, dass wir uns plötzlich (!) keinen neuen Sessel mehr werden leisten können.

Ein Endergebnis ist immer genau das, was es ist, das Ende einer sich bereits lange zuvor abzeichnenden Entwicklung.

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7. November 2012

US-Wahl II

Es besteht noch Hoffnung für die Kolonien in Übersee. Zwar gibt es politisch für Obama nach seiner Wiederwahl keinen größeren Spielraum, doch wenigstens ist der Geist zur Veränderung in Richtung Moderne, bei einer Mehrzahl der amerikanischen Bevölkerung noch vorhanden.

Gescheitert ist Romney übrigens an einigen erzkonservativen, republikanischen Senatoren, die eine Empfängnis nach einer Vergewaltigung als Gott-gewollt ansehen und eine Abtreibung auch in diesem Extremfall strikt ablehnen. Dies scheint selbst den hinterwäldlerischsten, bravsten und gottesfürchtigsten US-Bürgern ein wenig zu viel des Guten gewesen zu sein. Gestern war ich noch im Zweifel, ob Obama gewinnen würde, musste ich doch beim Interview mit einigen Amerikanern erfahren, dass der Grand-Canyon durch die abfließende Sintflut entstanden ist.

Aha!

Ich stelle mir gerade vor, in Deutschland wollte ein Politiker sich in die privatesten Dinge einmischen,  nur weil er eine Bibelstelle gefunden hat, die zu seinen Forderungen passt. Außer bei der CSU, säße besagter Politiker dort, wo er hin gehört, in der Psychiatrie.

Was mich aus unerfindlichen Gründen plötzlich auf das Betreuungsgeld bringt, auch bezeichnenderweise „Herdprämie“ genannt. Das Mutterkreuz in pekuniärer Form, wenn man so will. Für Krippenplätze, auf die demnächst ein Rechtsanspruch besteht, ist kein Geld da, aber der uralte Bibelbefehl (!): Seid fruchtbar und mehret euch! , wird in bare Münze umzusetzen sein.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass das Fernbleiben vom deutschen Schulsystem ebenfalls belohnt wird, denn unser Staat scheint darauf aus zu sein, Leistungen ohne Gegenleistungen über eine immer träger werdende Bevölkerung auszuschütten.

Aber ich war ja noch bei der US-Wahl.

Gerätselt wurde von den Moderatoren des Morgenmagazins, wer zuerst die Rednertribüne in Chicago betritt, Obama oder seine Gattin. Die Konstellation, Gattin vorne, schätzte der männliche Part des Moderatoren-Duos als Eingeständnis der Niederlage von Seiten des erneut gewählten Präsidenten ein, denn es würde ja bedeuten, dass der gewonnene Wahlkampf der Frau zugerechnet wird, womit er ungewollt Recht gehabt haben könnte, dabei aber die kavallereske Umgangsform des „Ladies first“ komplett aus den Augen verlierend.

Was vielleicht daran liegen könnte, dass aus dem früheren Gebot der Höflichkeit immer mehr ein Sachzwang wird. Da muss man als Mann schon sehen, wo man bleibt,  denn welcher ganze Kerl will  eine offensichtliche Tatsache auch noch optisch verstärken?

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6. November 2012

US-Wahl

Man könnte meinen, bei uns wird gewählt, denn die öffentlich-rechtlichen Sender richten sich auf eine lange Wahlnacht ein, dabei wird sich erst kurz vor Torschluss entscheiden, wer neuer Präsident der USA wird. So schön geordnet wie bei uns geht das nicht. Morgens um 8:00 Uhr Wahlbeginn und überall im Lande um 18:00 Uhr Wahlschluss. In den USA gibt es sechs Zeitzonen, dort wird quasi rund um die Uhr gewählt. Während Obama erschöpft seinen Wahlkampf beendet hat, hörbar heiser und sichtlich ergraut, möchte Romney bis zum Ende durchhalten. Nur, wann ist das offizielle Ende? Erst verwirren uns die Amerikaner mit ihrem System der Wahlmänner und dann kommt auch noch die Zeit ins Spiel. Im Moment zeichnet sich eine haushohe Mehrheit von 23 Stimmen in einem winzigen Wahlbezirk für Obama ab. Macht dies jetzt einen Wahlmann oder anderthalb aus? Man weiß es nicht. Was man vor allem nicht weiß, ist, ob sich Amerikas Politik groß ändern kann und wird, denn Sachzwänge überwiegen und da sind selbst dem sogenannten „mächtigsten Mann der Welt“ die Hände gebunden. Wie mächtig dieser „mächtigste Mann“ ist, merkt man dem als Tiger gestarteten und als Bettvorleger gelandeten Obama deutlich an. Der Frust hat die Haare grau, die Falten tiefer werden und sämtlichen körperlichen Elan verschwinden lassen. Da lobe ich mir doch Angie, die mit jeder neuen Eurokrise immer attraktiver wird. Die unscheinbare Mutti der Nation ist zur Königin mutiert, die mit eiserner Hand regiert. Dies war auch schon bei Maggie Thatcher zu beobachten. Männliche Regierungschefs werden meistens erschöpfter und glanzloser und müssen sich die nachlassende Männlichkeit durch willige Praktikantinnen oder willig gekaufte, immer jünger werdende Frauen in immer kürzer werdenden Abständen mühsam wieder aufrichten lassen. Bei Christine Lagarde wäre so etwas undenkbar. Oder man schaue sich Elisabeth II an! Alterungs- oder Ermüdungserscheinungen? Fehlanzeige! Während Charles sich gesichtsmäßig vom Sohn zum Ehemann und Vater entwickelt und mittlerweile älter wirkt als seine anscheinend alt geborene Camilla, dreht die Mutter noch einmal richtig auf.

Es kann nur an den Hormonen liegen. Das vorwärts stürmende Testosteron bewirkt unendlichen Frust, wenn es nicht so kann, wie es will, und Frust macht eben alt. Östrogene und Gestagene lehnen sich hingegen bequem zurück nach dem Motto: Macht ihr mal, wir werden ja sehen, wer das letzte Wort behält.

Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die insgesamt 15 Jahre unter Hausarrest stand, ist das beste Beispiel dafür. Auch im Fall Julia Timoschenko ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Aber ich war ja noch bei der US-Wahl.

Dort befindet sich bereits seit längerem eine Frau in der Warteschleife zur ersten Präsidentin der USA, Hillary Clinton, die gelassen abwartet, wann ihre Zeit gekommen ist. Wenn sie erst einmal im Amt ist, wird sie genau so leicht abzuwählen zu sein wie Angie.

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5. November 2012

New York Marathon

Manchmal besteht noch Hoffnung für die Menschheit, wie man am „New York Marathon anyway“ erkennen kann. Zwar wurde die offizielle Laufveranstaltung für jedermann viel zu spät abgesagt, denn die ganze Ostküste hat noch unter den Folgen von Sandy zu leiden, aber die Läufer zeigten Witz, Geist und vor allen Dingen Mitmenschlichkeit, indem sie im Central Park für Spenden antraten, Hilfsbedürftige mit Gütern versorgten und mit Schaufel und Karre bei den Aufräumarbeiten mit anfassten. Der Kommentar eines durch den Sturm arg gebeutelten Einwohners, der mit Tränen in den Augen geäußert wurde, wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben: „Die wohnen doch gar nicht hier und räumen trotzdem mit auf!“

Deutlicher kann man nicht zum Ausdruck bringen, dass die gesamte Welt nur aufzuräumen ist, wenn wir uns nicht auf den eigenen Vorgarten beschränken, denn an den Orten, wo es wirklich brennt, wohnen wir eben nicht und die Einstellung: Je weiter weg, desto weniger geht es mich an, hat für den Moment etwas Beruhigendes, lässt die Zukunft aber immer düsterer werden. Dabei spreche ich noch nicht einmal von kilometermäßig schwer zu überwindenden Entfernungen. In Berlin geht ein gesamter Stadtteil, Nord-Neukölln, vor die Hunde und keinen kümmert es. Die Sache mit, einfach einen Zaun drum ziehen, hatten wir schon des Öfteren, brachte im Endeffekt aber gar nichts. Wir wundern uns darüber, dass immer mehr Menschen aus mittlerweile unbewohnbaren Gegenden ihr Heil in Europa suchen wollen, denn den Ferienressorts hat man es nicht angesehen, wie desolat die Verhältnisse im Umland sind. Vielleicht wäre es besser „All-incusive“ so aufzufassen, sich auch einmal mit den Lebensbedingungen der Menschen, die uns die Drinks und das Essen servieren, auseinander zu setzen. Unfassbar war das Verhalten der Europäer, die nach dem verheerenden Tsunami in Südostasien, unmittelbar nach der Katastrophe, träge am Strand lagen und den Einheimischen bei der Leichensuche zusahen. Alle wollen sich im Urlaub doch bewegen; die Fitnessangebote der Hotels sind kaum noch zu überschauen. Wenn man ein Fan von karibischen Klima und körperlicher Ertüchtigung ist, bietet sich Haiti geradezu an, denn dort gibt es immer noch jede Menge zu tun. Braun wird man auch, da man den ganzen Tag draußen ist, weil die wenigsten Häuser wieder stehen, und ich kann mir gut vorstellen, dass man ausreichend mit lokalen Getränken versorgt wird.

Die Europäer stellen alles Mögliche an, um Freiheit und Abenteuer zu erleben. Endlich einmal wieder spüren, dass man mehr ist als ein Bürohengst. Die zum Teil wahnwitzigen Urlaubsbeschäftigungen sind nichts im Vergleich zu Aufforstungsarbeiten in Regenwäldern, Aufräumarbeiten in der Karibik und das Graben von Bewässerungskanälen in Trockengebieten. Ein zutiefst befriedigender Tauchurlaub könnte zum Beispiel darin bestehen, die zerstörten Riffe vom Müll zu säubern. Überall auf der Welt gehören ganze Landstriche von unserem Wohlfahrtsmüll befreit, aber da ist eben Pioniergeist gefragt und nicht der kurzfristige Kick des künstlich hervor gerufenen Adrenalinkicks.

Wie lautete der Spruch einer Fernsehwerbung noch einmal?

„Es gibt viel zu tun, packen wir es an!“

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1. November 2012

Halloween

 

Was sich zurzeit abspielt ist wirklich gruselig. In Berlin Neukölln werden wahllos Jugendliche zu Tode geprügelt, in den Fußballstadien regiert der Mob, die eigene Organspende wird, wegen Korruption zum eintausendsten Mal wieder und wieder in Zweifel gezogen. Aber, gehen wir Punkt für Punkt durch. Erdogan war in Berlin und hat seine Landsleute aufgefordert, Kant, Hegel und Goethe zu lesen, dabei wäre es durchaus ausreichend, sie würden sich den ersten Artikel unseres Grundgesetzes zu Gemüte führen und sich daran halten. Wir haben für alles und jedes ausreichende Gesetze, aber, warum sind diejenigen, die für Regeln eintreten und sie durchzusetzen versuchen, das Feindbild Nummer 1? Ein Schiedsrichter in einem Fußballstadion ist per se eine Persona non grata. Unsere Legislative und Exekutive sind der Ursprung allen Hasses und allen Aufruhrs, weil sie für Ordnung sorgen sollten und müssen. Kein Spiel funktioniert ohne Regel, was mich zur Organspende bringt, denn wer ein Organ haben will, muss bereit sein, auch ein Organ zu spenden.

Wann ist eigentlich das Prinzip der Regel, das jedes menschliche Miteinander ordnet, zum Ladenhüter geworden? Die Freiheit jedes Einzelnen besteht letztendlich darin, dass Regeln und der Respekt voreinander eingehalten werden. Wenn jeder kann, so wie er will, bricht jede Form von Gesellschaft zusammen. Im Moment sieht es so aus, dass jeder sein individuelles Streben ausreizen will und, dass einem der Rest der Welt am A… vorbei geht. Sind wir noch soziale Wesen? Wollen wir überhaupt ein Miteinander, oder sind wir uns selbst der Nächste? Es besteht noch Hoffnung, weil derjenige, der in seinem vergoldeten Elfenbeinturm sitzt, ein unerklärliches Gefühl der Leere empfindet und weil der, der seine Ehre prügelnd verteidigt, keine größere Scham empfinden kann, als aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden. Leider, leider hat uns die Evolution als Gruppenwesen vorgesehen, auch wenn wir dies nicht wahr haben wollen. Wenn hinter allem Geld und aller Gewalt die Einsamkeit steht, scheinen wir unser Ziel verfehlt zu haben, was natürlich nicht eingesehen wird. Was für eine gewaltige Aufgabe! Unser Intellekt befiehlt uns, einzigartig zu sein, während unser archaisches Hirn auf nichts anderes aus ist, als auf Liebe und Kuscheleinheiten. Ersatzbefriedigung, wo man auch hinschaut. Wenn mich keiner lieb hat, dann zeige ich es allen, durch den dicksten Wagen, oder durch die Tatsache, dass ich immer der Stärkste bin. Herzlichen Glückwunsch! Ziel knapp verfehlt!

Wenn es nur darum geht, besser zu sein, als mein Nachbar, dann ist die Latte reichlich tief gehängt, obwohl der Begriff: Besser, reichlich schwammig ist. Was bedeutet: Besser?

Was macht mich zu einem besseren Menschen? Die Tatsache, dass ich meine Organe spende? Dass ich im Fußballstadion nicht randaliere? Dass ich mein Gegenüber nicht tot prügele? Dass ich meine Mitmenschen nicht um ihr Geld betrüge?  Die Messlatte hängt gewaltig niedrig und wir sind dabei, sie immer weiter abzusenken.

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31. Oktober 2012

Hurrikan USA II

Nun kommen sie wieder gesammelt aus ihren Höhlen, die Klimaforscher, Klimamahner, Klimapropheten und Klimaapokalyptiker. Sandy war ein Jahrhundertsturm, nicht weniger, aber auch nicht mehr, denn wie der Name schon sagt, kommt so ein Sturm alle Jahrhunderte einmal vor. Generationen von Seefahrern haben damit ihr Garn gesponnen und das bereits lange vor irgendwelchen Wetteraufzeichnungen. Mir stellt sich nur die Frage, ob die dadurch entstehenden Milliardenschäden eine Folge des Klimawandels sind, oder eher davon zeugen, dass sich das Wetter eben nicht mit unseren sogenannten technischen Errungenschaften verträgt. Wo Sturmfluten sich früher darin erschöpften, unbewohntes Festland zu überfluten, sind heute Atomkraftwerke, Elektrizitätswerke, U-Bahn-Schächte, exklusive Yachthäfen und Luxusvillen betroffen, weil wir halt gerne dort bauen, wo die Bedrohung durch Wassermassen am Wahrscheinlichsten ist. Wir rücken so nah wie möglich an die Ufer von Flüssen, Seen und Meeren heran und wundern uns dann, weil wir zusätzlich auch noch an diesen Ufern herum pfuschen, dass wir nasse Füße bekommen.

Wenn wir uns Land ertrotzen, das unterhalb des Meeresspiegels liegt, sind wir überrascht, wenn wir feststellen müssen, dass es tatsächlich unterhalb des Meeresspiegels liegt. Es ist halt der ewige Kampf Mensch gegen Natur, bei dem wir bis heute noch nicht einsehen wollen, wer der wahrhaft Stärkere ist. Und wenn wir dann noch Atomkraftwerke auf die Verwerfungszonen der Erdkruste setzen, wird dieser Wettkampf vollends zur Farce. Selbst bei den größten Naturkatastrophen werden die größten Schäden durch menschliches Versagen verursacht und, wo wir meinen, „alles im Griff zu haben“, wird uns gezeigt, wer in Wahrheit „alles in der Hand hat“. Es gibt keine Götter mehr, weil sie sich schon längst über uns tot gelacht haben. Bei dem Jahrhunderttsunami in Südostasien ist kaum ein Tier ums Leben gekommen, während „die Krone der Schöpfung“ am Strand lag, die gewaltige Welle bewunderte und mit der Videokamera einzufangen suchte. Da wir oft in Thailand Urlaub machen, achte ich, wenn wir dort sind, auf die Vögel, denn, solange sie noch da sind, ist nicht mit einem ähnlichen Ereignis zu rechnen. Wie mir Einheimische berichteten, waren die Vögel bereits einen Tag vor dem Seebeben verschwunden. Da kommt man doch schwer ins Grübeln. Wenn ich weiterhin höre, dass in New York „Sandy-Partys“ stattfanden, wo es eher angebracht gewesen wäre, Leib und Leben in Sicherheit zu bringen, da kann ich nur den Kopf schütteln. Auch in Bezug auf die Tatsache, dass dort eifrig weiter für den anstehenden Marathon trainiert wurde, denn wer rechnet im Angesicht eines Jahrhundertsturmes auch mit umstürzenden Bäumen? Die Toten dieser Katastrophe sind noch nicht begraben, da wird schon reichlich damit Wahlkampf gemacht, wer der bessere Krisenmanager ist, Obama oder Romney, wobei mir gerade auffällt, ob Krisenmanager vor einem solchen Ereignis nicht angebrachter wären. Aber wo sich stets damit begnügt wird, hinterher die Scherben zusammen zu fegen, wird noch eine Menge zu Bruch gehen.

Nun gilt das „Ursache-Wirkungs-Prinzip“ nicht unbedingt überall im Universum, aber hier bei uns auf der Erde hat es sich bewährt, was man auch an den alten Volksweisheiten: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um, oder: Wenn es dem Esel zu Wohl wird, geht er auf das Eis, erkennen kann. Und wenn ich bei einem plötzlichen Wintereinbruch Ende Oktober mit meinem Wagen ins Rutschen komme, liegt das nicht am Klimawandel, sondern höchstwahrscheinlich an mangelhafter Bereifung, aber solange uns Klimaforscher erklären, dass ausschließlich das Wetter die Schuld an einem Unglück trägt, brauchen wir selber nicht vorzusorgen.

Jetzt warte ich nur noch darauf, dass die deutsche Bahn demnächst eigene Klimaexperten beschäftigt.

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30. Oktober 2012

Hurrikan USA

Sandy hat zugeschlagen und 13 Menschenleben gekostet, was aber nicht so wichtig erscheint, wie die Tatsache, dass der Strom ausgefallen ist und es noch dauern wird, bis Millionen von US-Bürgern wieder in diesen Genuss kommen. Elektrizität rund um die Uhren, die mittlerweile zum großen Teil auch nur noch mit Strom laufen. Zeit also, um einmal ausführlich über unsere Abhängigkeit vom Energienetz nachzudenken. Mein letzter, stundenlanger Stromausfall erwischte mich im Supermarkt, wo plötzlich alle Lichter ausgingen. Jedermann musste seinen Einkaufswagen stehen lassen, weil die Kassen natürlich auch nicht funktionierten. Nachdem wir uns zum Ausgang vorgetastet hatten, hieß es, die Einkäufe zurück zu lassen und später noch einmal vorbei zu schauen. Zuhause war natürlich auch alles duster und ich kramte etliche von zahlreichen Weihnachtsfesten übrig gebliebene Kerzen zusammen, machte aber die Lichter an, um mitzubekommen, wann die Kassen im Supermarkt wieder einsatzbereit wären. Macht nichts, dachte ich, koche ich eben schon, aber Mist-Elektroherd!-waschen, bügeln und Staub saugen fiel ebenfalls aus und ich wollte es mir bei einer Tasse Kaffee und einem Buch gemütlich machen, aber Mist-Kaffeemaschine!-. Die gute, alte Brühmethode fiel auch aus, da wegen des Elektroherdes und trotz des wieder entdeckten Tauchsieders das Erhitzen von Wasser natürlich nicht möglich war. Nun hätte ich den Kamin im Wohnzimmer in Betrieb nehmen können, aber der Erwerb eines altmodischen Wasserkessels war wegen des Komplettausfalls aller Läden in unerreichbare Ferne gerückt. Inzwischen kam mein Mann aus seiner Praxis, weil er durch den Ausfall sämtlicher Computer kurzfristig arbeitslos geworden war und selbst das Ausstellen eines einfachen Rezeptes den Maschinen überlassen wird. Ganz davon abgesehen, dass die Computer in den Apotheken ebenfalls nicht funktionierten und die Herausgabe von Medikamenten somit erschwert war. Von oben kam meine Tochter, die via Internet mit ihrer Abiturvorbereitung beschäftigt war und die Zwangspause jetzt irgendwie überbrücken musste, indem sie mir jammernd auf die Nerven ging. Die Kleine erschien ebenfalls, da der DVD-Player nicht mehr tat. So saß dann die ganze Familie traulich bei Kerzenschein und schwieg sich an. Mein Vorschlag, etwas vorzulesen oder etwas zu spielen, traf nicht gerade auf Gegenliebe. Jedenfalls atmeten alle erleichtert auf, als die Lichter im Haus wieder angingen und in Minutenschnelle eilte jeder seiner stromabhängigen Aufgabe nach. Ich blieb noch einen Moment sitzen, da ich alt genug bin, um mich an frühere Zeiten erinnern zu können. Meine Großmutter hätte wenigstens eine warme Mahlzeit-Kohleofen!- und eine Tasse Kaffee zustande gebracht, da die Kaffeemühle noch von Hand betrieben wurde. Auch Hausputz und Wäsche wären kein Problem gewesen, vom Arzt- und Apothekenbesuch und vom Einkauf einmal abgesehen. Aber dieser Moment des Innehaltens währte nicht lange, denn schließlich musste ich die eingetretenen Schäden in der Tiefkühltruhe begutachten und dann in den Supermarkt zurück, in der Hoffnung, unter der Masse der Einkaufswagen den meinigen wieder zu finden. Auf dem Weg dorthin fiel mir noch auf, dass ich nicht genug Bargeld dabei hatte und sowieso mit der EC-Karte hätte zahlen wollen. Kurzfristig dachte ich noch darüber nach, wie ich denn auch an Bargeld hätte kommen sollen, da die Banken bereits geschlossen hatten und nur die Geldautomaten zur Verfügung standen.

Allgemeine Ratlosigkeit nach einem Stromausfall, der nur drei Stunden dauerte.

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29. Oktober 2012

Selbstbauautos

Wenn ich mir in aller Frühe das Morgenmagazin anschaue, bin ich zum Teil noch nicht richtig wach ,und ich schiebe die eine oder andere dort vernommene Meldung auf eine Fehlleistung meines Gehirns zurück, das noch mit einem gewissen Restschlaf zu kämpfen hat. So auch heute Morgen, denn die Nachricht, dass IKEA demnächst Selbstbausätze für Autos ins Sortiment aufnehmen will, gehört doch eindeutig ins Reich der Träume. Man kommt kaum damit zurecht, die Schränke, Regale und was es sonst noch so gibt, im Eigenbau in die vorgesehene Form zu überführen, zumal eigentlich immer eine Schraube fehlt und man noch einmal zum Geschäft fahren muss, um sie dort zu erhalten. Aber Autos? Womit fährt man denn dann dorthin, wenn auch bei diesen Bausätzen wichtige Teile fehlen? Dass Autos ihr Image vom Prestigeobjekt zum reinen Fortbewegungsmittel wechseln, kann ich nur befürworten und vorstellbar ist auch die Tatsache, dass jugendliche Schrauber lieber mit einem individuell zusammen gestellten Gefährt unterwegs sein wollen, bei dem dann nur vorgegeben ist, wo vorne und wo hinten sein soll, denn sonst käme man in Bezug auf Geisterfahrer komplett durcheinander, da sehe ich bereits jetzt einen großen Anteil junger Ehen zerbrechen. Ein Streit über das gemeinsam zusammen geschraubte Ehebett ist vielleicht noch beizulegen, aber beim Auto hört für Männer der Spaß auf. Wo Frau nur eine bestimmte Farbe, eine Fahrgastzelle, ein Lenkrad, vier Räder und einen Schminkspiegel auch an der Sonnenblende des Fahrersitzes benötigt, halten Männer sich mit so unwichtigen Details wie Felgen, Reifen, Tachometer oder Ähnliches auf. Je mehr Instrumente im Cockpit, desto besser, wobei Frau nur über den Füllungsgrad des Benzins informiert sein will. Rückspiegel kann, muss aber nicht unbedingt. Männer bevorzugen sportliche Zweisitzer, während die Damen schon über die Unterbringungsmöglichkeiten von Kindersitzen nachdenken, und bei dem Erwerb eines Wagens gleich die Aufkleber: „Justin-Enrice oder Corinne-Chantal an Bord“ mit kaufen. Wobei ich mich immer gefragt habe, wozu dies gut sein soll. Die einzige Erklärung meinerseits war stets, dass ich damit zu rechnen habe, dass die Fahrerin ihren Blick nicht auf die Straße gerichtet hat, sondern damit beschäftigt ist, den Schnuller aus dem Fußraum der Rückbank zu angeln. Erhöhte Vorsicht ist also geboten.

Aber ich war ja noch bei den IKEA-Autos, die für mich nur einen erkennbaren Vorteil haben. Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass sie jeden Elchtest bestehen, im Gegensatz zu den Wagen mit dem berühmten Stern.

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26. Oktober 2012

Zeitumstellung

Wie war das noch einmal? Eine Stunde vor, eine zurück, eine verschenkt, eine verschwendet? Je häufiger Sie im Bezug auf die Zeitumstellung nachfragen, desto mehr Antworten bekommen Sie. Die einfachste ist, ich sehe auf meine Funkuhr, also kümmert mich der ganze Mist nicht. Da wir jede Menge alte Uhren im Haus haben, verschwende ich die zusätzliche Stunde dieses Wochenendes damit, sie auf die neue Zeit einzustellen. Insbesondere das alte Schätzchen, das ich vor langer, langer Zeit auf dem Dachboden meines Elternhauses entdeckt habe, erfordert meine besondere Aufmerksamkeit, weil das stündliche Gongen sonst nicht mit der aktuellen Zeit übereinstimmt. Es wäre natürlich möglich, die antike Pendeluhr einfach für eine Stunde zu stoppen, was ich leider jedes Mal verpasse. Da müssen schon Manipulationen am kleinen Zeiger vorgenommen werden, was dazu geführt hat, dass der Stundenzeiger sich immer öfter löst und hartnäckig 6 oder 18:00 Uhr anzeigt. Laut Schwerkraft scheinen nur diese beiden Zeitangaben nötig zu sein.

Aber ich war ja noch bei der Zeitumstellung, die eisern beibehalten wird, obwohl deren Unsinn, seit dem ersten Jahr ihrer Einführung, pausenlos-also nicht auf eine Stunde beschränkt-konstatiert wurde. Ich bin äußerst erbost im Frühjahr, wo mir einfach so eine Stunde meiner Lebenszeit geklaut wird, und der Verlust kann mir durch die herbstlich-zusätzliche Stunde nicht ersetzt werden. An der Atomzeituhr muss auch andauernd gedreht werden, weil sich das Universum einfach nicht an unsere Zeitangaben halten will. Dabei gibt es nur eine Zeit auf der Erde, nämlich die der Sonne. Womit ich wieder bei der Zeitumstellung gelandet bin, weil mein Gehirn nicht damit klar kommt, den höchsten Sonnenstand um 12:00 Uhr zu registrieren, während meine Armbanduhr bereits 13:00 Uhr anzeigt. Eine Sonnenuhr und ein Sonnenkalendarium müssten demnach vollkommen ausreichen und, wer jetzt denkt, die Maya hätten sich auch verschätzt, dem sei gesagt, dass die Fortsetzung ihres Sonnenkalenders bereits ausgegraben wurde. Es ist also nichts mit dem Weltuntergang im Jahre 2012. Dass dermal einst die Sonne ihre kompletten Wasserstoffvorräte in Helium verwandelt haben wird und in einer gewaltigen Explosion auch gleich die ganze Erde mitnimmt, steht außer Frage. Vielleicht könnten wir das apokalyptische Ereignis durch unsere Einführung der Sommerzeit eine Stunde lang hinaus zögern, wobei es fraglich ist, ob sich die Sonne auch daran hält.

Wenn ich höre, dass Staaten wie Samoa ihre Datumsgrenze ändern, um wirtschaftlich mithalten zu können, wird mir schwindelig bei dem Gedanken, welche Gesetzmäßigkeiten wir Eintagsfliegen der Erdgeschichte der Natur noch vorschreiben wollen.

Da wird ein Tag verkürzt und verlängert, ein Datum geändert, genau so, wie es uns gefällt. Nur bei Einem können wir nicht schummeln, obwohl wir es unentwegt versuchen, das eigene Alter. Aber das bekommen wir, „auf Deubel komm raus“ auch noch hin. Repariere die Telomere an den Chromosomen und du hast den Stein der Weisen gefunden. Was wir mit der gewaltigen Menge an zusätzlicher Zeit anfangen wollen, sei dahin gestellt. Wir haben schon jetzt Probleme, die prognostizierten 80 Jahre sinnvoll ausfüllen zu müssen. Naja, vielleicht können wir dann wenigstens die Zeit totschlagen.

Auf jeden Fall weiß ich jetzt, was ich mit dieser zusätzlichen Zeit am Wochenende anfangen werde. Ich will sie nicht vor meinen Uhren verplempern. Ich rufe Familie, Freunde und Bekannte an, versichere sie meiner Liebe und Zuneigung und schaue, was da zurück kommt, bestimmt kein Zeitdruck.

 

 

 

 

25. Oktober 2012

Blitz-Marathon

Da ich in Niedersachsen wohne, habe ich am gestrigen Tag mein Auto gleich ganz aus dem Verkehr gezogen, obwohl die zusätzlichen Kontrollstellen bekannt gemacht wurden, aber da ich noch nie ein Knöllchen bekommen habe, wollte ich es dabei belassen. Nun bin ich keine Fahrerin, die sich strengstens an die Verkehrsregeln hält. Ich habe einfach mehr Glück als Verstand gehabt und bei jedem Verkehrsverstoß meinerseits immer so hilflos ausgesehen, dass sich alle Streifenpolizisten als wahre Kavaliere erwiesen haben, was meinen Mann auf dem Beifahrersitz einiges an Nerven gekostet hat. Beim Überholverbot auf der Autobahn für Wagen mit Anhängern, hatte ich schlicht und ergreifend vergessen, dass ich mit einem solchen unterwegs war. Der nette Autobahnpolizist hat von einer Strafe abgesehen, denn schließlich kann so etwas jedem ja einmal passieren. Dafür hat er mir die entsprechenden Verkehrsschilder detailreich aufgemalt, was meinem Gatten, der sich schlafend gestellt hatte, ein kurzes Grunzen entlockte. Schön war auch mein nächtlicher Ausflug in einen Krankenhauspark, bei dem ich einige verdammt enge Fußgängerbrücken aus Holz auf ihre PKW-Tauglichkeit überprüft hatte. Den Streifenbeamten, die meine Exkursion mit allen verfügbaren Signallichtern stoppten, stand der Angstschweiß auf der Stirn, aber auch dies brachte mir kein Strafmandat, sondern eine Polizeieskorte zur nächsten Bundesstraße ein. Die Polizei ist eben ein echter Freund und Helfer. Ganz knapp bin ich einem Knöllchen wegen überhöhter Geschwindigkeit entgangen, denn als ich gerade Führerschein und Fahrzeugpapiere durch das Seitenfenster reichte, kam ein anderer Verkehrsteilnehmer an meinem Wagen vorbei gerast, wodurch sich der kontrollierende Polizist veranlasst sah, mir meine Papiere wieder zuzuwerfen und eben diesen Raser zu verfolgen, was natürlich dazu führte, dass mein Mann einmal mehr fassungslos war. Während er bereits Punkte in Flensburg abbauen musste und als Begleitfahrer für den Führerschein mit 17 Jahren ausfiel, darf eine so versierte Fahrerin wie ich natürlich problemlos als Aufsicht fungieren. Warum meine jüngste Tochter darauf verzichtet hat und den Führerschein regulär absolvierte, kann ich mir nicht erklären, und meinen Mann frage ich diesbezüglich erst gar nicht.

Wobei mir gerade auffällt, dass ich bei meinen positiven Erfahrungen mit der Straßenverkehrsordnung gestern ruhig hätte Auto fahren können.

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24. Oktober 2012

Wetter

Da war ich nun vier Wochen getrennt vom Rest der Welt im Hinterland von Sardinien und, das einzige, was sich deutlich geändert hat, ist das Wetter. Die Nachrichten, die ich mir nach meiner Rückkehr angesehen habe, hätten eben so gut vor einem Monat laufen können. Vor allem, wenn es einen überhaupt nicht interessiert, ob sich Gottschalck nun mit Silbereisen in der Wolle hat, welche Tingel-Touren Steinbrück unternimmt, oder ob Bettina Wulff erneut den unwiderstehlichen Drang empfindet, sich schriftlich äußern zu müssen. Der Flughafen Berlin bleibt ein Fluchhafen, in den südlichen Ländern Europas wird weiter gegen Sparmaßnahmen demonstriert, und der Kampf Obama gegen Rodney ist immer noch nicht entschieden. Im Westen nichts Neues und im Nahen Osten schon gleich gar nichts. Es erübrigt sich also, aktuelle Maßnahmen zu treffen, außer dem Herauslegen von Winterkleidung und dem Aufziehen der Winterreifen. Die Jahreszeiten wechseln derart schnell, dass ich das Eis-Spray vom letzten Winter noch nicht weggeräumt habe und es im Moment auch nicht mehr tun muss. In den Supermärkten weihnachtet es heftig und interne Familiendiskussionen beschäftigen sich bereits mit der Frage: Wer wann und wo und bei wem die Feiertage verbringt. „Und täglich grüßt das Murmeltier“, wenn man so will. Wahrscheinlich gehört deswegen das Wetter zu den Hauptgesprächsthemen, weil es sich-von stabilen Großwetterlagen einmal abgesehen-abwechslungsreicher gestaltet, als das, was man gemeinhin Leben nennt. Die Tage fließen ewig gleich dahin und kaum einer kann mit Bestimmtheit sagen, was er am gleichen Tag vor einer Woche unternommen hat. Versuchen Sie es einmal! Der Kreis der Gewohnheiten kommt unserem Gehirn, das vor allen Dingen an Energieeinsparmaßnahmen interessiert ist, zu Gute. Was man automatisch tut, darüber braucht man nicht nach zu denken. Und, wehe dem, der unsere diesbezüglichen Kreise stört! Da war ich doch heute Morgen glatt über die Witterung erbost, die mich zu einigen, die Garderobe betreffenden, „Umräum-Aktionen“ zwingt. In vier Wochen muss ich bereits die Weihnachtsdekorationsbestände in Augenschein nehmen, dabei habe ich sie doch gestern erst weggeräumt, wie mir scheint und wenn ich dann überlege, was sich in meinem Leben jeweils zwischen hervorkramen und verstauen der Dekoration wesentliches geändert hat, kann ich nur sagen: Außer dem Wetter, nicht viel.

Hier liegt vielleicht der Hund begraben, was die wirtschaftliche Schräglage zwischen Ländern ohne nennenswerten Wetterwechsel und den Übrigen betrifft, denn, wenn noch nicht einmal die Außentemperatur zur Aktivität zwingt, tut es eben keiner. Dann bleibt ein Tag wie der Andere, und zwischen Aufstehen und zu Bett gehen passiert nichts wirklich Wesentliches. Im Extremfall verpasst man sogar das eigene Ableben.

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21. September 2012

iPhone5

Wie bescheuert geht es noch? Die ganze Welt tut so, als gäbe es eine biblische Apokalypse, wenn am Tage Null nicht das neue iPhone erworben wird. Laut Forbes-Liste ist Bill Gates der reichste Mann auf dem Erdball und er wird es bleiben, solange wir so blöd sind, seine Produkte zu kaufen. Ich sehe, im Gates Konzern mangelt es an weiblichen Aufsichtsrätinnen, wie der Bundesrat es seit heute angedacht hat. Eine Frauenquote von 20 % Prozent wird da verlangt, dabei liefe ein weltweites Unternehmen nur noch rund, wenn es einen Frauenanteil von über 70% gäbe, zwar nicht, was den finanziellen Erfolg betrifft, aber der humanitäre Gedanke wird zunehmend wichtig, oder kann Frau sich vorstellen, ihren Reichtum auf Kinderarbeit zu gründen? Kann sich Frau vorstellen, dass Menschen unter unmöglichen Arbeitsbedingungen die Grundlagen der „High Society“ schaffen? Der Nachfolger der Geldratte Steve Jobs hat versprochen, für bessere Arbeitsbedingungen der Sklaven des Konzerns zu sorgen. Da lache ich doch! Riesige Vermögen beruhen immer auf der Skrupellosigkeit der Initiatoren und, wenn diese erste Hürde genommen ist, kann man sich karikativ verbrämen, sich schön und unschuldig geben, Wohltäter der Menschheit insgesamt. Wohltäter der Menschheit, indem man ein neues Spielprodukt auf den Markt bringt, das nur die eine Funktion erfüllt, die Blöden einfach blöd zu halten!

Kilometerlange Warteschlangen stehen weltweit vor den Shops, die das neue iPhone 5 verkaufen. Ja, sagt einmal, tickt ihr noch richtig? Räumt dieses Spielgerät alle persönlichen Probleme aus dem Weg? Macht dieser Firlefanz den Weg frei in eine bessere Zukunft? Tut mir leid, aber ich verstehe es nicht. Wieso ist Bill Gates der reichste Mann der Welt?  Weil er uns dann Spielzeuge vor die Füße wirft, wenn wir anfangen könnten, darüber nach zu denken, wie der Hase eigentlich läuft. Tut mir ebenfalls leid, aber Schuldverschiebung gilt nicht. Wir gestalten uns gerne Hirnlos, es wäre auch zu anstrengend, sich ein paar Gedanken zur Schieflage der Welt zu machen, da beschäftigen wir uns lieber mit dem iPhone5, dessen Möglichkeiten uns niemals ganz zugänglich sein werden, weil sie so unerschöpflich sind. Dass das wahre Leben genau so unerschöpflich ist, scheinen wir vergessen zu haben. Die wahre Begegnung mit einem wahrhaftigen Menschen ist spannender als jedes Computerspiel, verbindlicher als jeder Facebook-Kontakt,  und genau das wollen wir vermeiden, denn Verantwortlichkeit und Verbindlichkeit sind so schwere Lasten, dass wir meinen, sie nicht tragen zu können. Lieber machen wir aus unserem Leben ein ewiges Computerspiel, das weniger bedrohlich ist. Was gibt es Besseres als einen Avatar im Cyberspace, der alles erreicht hat, was wir nie gewagt haben zu erreichen? Wenn ich lange genug darüber nach denke, so erscheint mir das iPhone5 wie das Kuscheltier, das man uns vor langer Zeit weggenommen hat, um uns der Realität zu stellen. Margarete Steiff war gestern, Bill Gates ist heute. Natürlich ist der Kuschelfaktor ein Anderer, aber das Prinzip ist das gleiche, beschütze mich vor der großen, bösen Welt. Schenke mir die große, weite Welt in Form des iPhone5 ohne Risiko, denn da kann ich nachlesen, warum alles so läuft, wie es eben läuft. Dass weltweit die Warteschlangen für das iPhone5 genau so lang sind, wie die Warteschlangen für sauberes Trinkwasser und nicht kontaminierte Nahrung müsste jeden Normalbürger eigentlich rotieren lassen, wenn er denn nicht ansteht, dass neue iPhone5 zu erwerben.

Sind wir Menschen, oder sind wir Maschinen? Sind wir der Homo sapiens, oder sind wir der Homo-hol aus den Anderen heraus, was möglich ist-ich tendiere eher zu der letzteren Möglichkeit. „Brot und Spiele“, die Maxime der alten Römer gilt noch heute. Bevor wir irgendetwas ändern, bevorzugen wir das iPhone5.

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20. September 2012

Dirndl

Wenn jeder Supermarkt bayerische Wochen verkündet, wenn Frau im Internet dazu gebracht werden soll, sich endlich einmal ein Dirndl- für was auch immer-anzuschaffen, dann ist es wieder soweit: Oktoberfest!

Folklore überall, weltweit, wenn man so will. Buschkowsky, der Bürgermeister von Berlin-Neukölln kämpft gegen, aus westlicher Sicht, längst überholte Traditionen, indem er zumindest unterbinden will, dass ein Mann vier Ehefrauen sein eigen nennen kann. In lautstarken und gewaltbereiten Aufmärschen frönen Islamisten ihrem Glauben und in Frankreich verteidigt ein Satiremagazin die Meinungsfreiheit. Von jeher war volkstümlicher Firlefanz nur mit reichlich Alkohol zu ertragen, aber dieses Jahr werden wohl etliche Maß mehr nötig sein, um den Überblick nicht zu verlieren  und um anschließend das zu tun, was man sowieso angesichts der Weltlage tun möchte, sich hemmungslos zu übergeben.

Die Hauptdarstellerin des Schmähvideos klagt gegen die Produzenten dieses Machwerkes, da sie geglaubt hat, es handele sich um ein Video über altägyptische Kultur, womit sie eigentlich nur beweist, wie blöd sie ist. Sämtliche westlichen Einrichtungen in der islamischen Welt werden vorsorglich geschlossen, da die Veröffentlichungen von neuen Mohammed-Karikaturen zumindest als wenig intelligent bezeichnet werden. Eigentlich müssten überall auf der Welt wöchentliche Gebete eingeführt werden, die nur eine einzige Bitte beinhalten: „Herr, lass Hirn von Himmel regnen!“

Seitdem die Evolution den Menschen mit einer gewissen Intelligenz ausgestattet hat, ist dieser pausenlos bemüht, dieses Manko mit Irrationalität zu bekämpfen, wobei ihm jedes Mittel Recht zu sein scheint. Wir wären besser Bonobos geblieben, mit den Schimpansen unsere nächsten Verwandten im Tierreich. Bonobos begegnen allen Unstimmigkeiten in der Gruppe mit hemmungslosem Sex, und genau da liegt unser Hauptproblem. Tief in uns steckt noch der Bonobo, nur darf er nicht so handeln, wie er eigentlich will und wie es seiner Natur entspricht. Deswegen müssen aufoktroyierte Werte auch so vehement verteidigt werden. Seien wir doch einmal ehrlich. Jede Kultur rankt sich um den Eros. Einmal, um ihm zu huldigen und zum anderen, ihn mit aller Macht zu unterdrücken. Da will die Bibel uns weismachen, dass mit dem Sex das Übel in die Welt kam, dabei ist es genau umgekehrt, denn da wo der Sex unterdrückt wird, geht es am Übelsten zu. „Make love, not war“, wie es ganz richtig heißt.

Aber ich war ja noch bei den Dirndln, die einzig und allein den Frauen dazu dienen, zu zeigen, wie viel „Holz sie vor der Hütten“ haben, wobei sich die Männlichkeit dahingehend erschöpft, schwer betrunken ihren müden Kopf auf das hochgepuschten Dekollete zu betten. Da wird der Bonobo durch zahllose Maß endlich befreit und schläft ein, bevor er zum Zuge kommen kann! Gleiche Phänomene sind auch in den Karnevalshochburgen zu beobachten, nur dass es sich dort um Kölsch oder Alt handelt. Der Karneval in Rio treibt die „Fleischbeschau“ erst recht auf die Spitze, wobei hier der Rum eine wichtige Rolle spielt.

Im Prinzip müsste nur die unheilige Koppelung: „Sex and Drugs“ aufgehoben werden, denn ein betrunkener, bekiffter, oder sonst wie zu gedröhnter Bonobo ist in der Zoologie nicht bekannt, wodurch er sich zivilisierter erweist als der Homo sapiens, denn, was es mit dessen Zivilisation auf sich hat, lässt sich wunderbar auf dem Oktoberfest beobachten.

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19. September 2012

Fremdsprachen

Noch nicht ganz wach, hat mich die Moderatorin des ZDF-Morgenmagazins damit überrascht, dass es bei der Befragung des Innensenators von Berlin, Frank Henkel, darum ginge, ob jemand gelogen, oder zumindest die Unwahrheit gesagt hat. Diese semantische Spitzfindigkeit liegt mir noch immer schwer im Magen, denn Sprache wird zunehmend dazu genutzt, Fakten phantasievoll zu verbrämen.

Vielleicht wäre es einmal angebracht, für jeden, der sich in der Öffentlichkeit äußern will, Orwells „1984“ zur Pflichtlektüre zu machen. Wir sind schon längst im Weltreich der Euphemismen angekommen. Sprache deckt nicht mehr auf; sie verschleiert nur noch. Ohne die schützende Hülle der Sprechblasen, wagt sich keiner aus der Deckung. Niemand spricht mehr Klartext, und es wird immer schwieriger, die eigentliche Nachricht im Wirrwarr der hohlen Phrasen ausfindig zu machen. Die kürzeste Entfernung zwischen zwei Fettnäpfchen hat in den USA die Maßeinheit 1 Romney bekommen, damit scheint die unendliche Frechheit, den größten Teil der US-Bürger als unverantwortliche, unmündige Sozialschmarotzer zu titulieren, abgehakt, denn, worüber man lachen kann, darüber wird nicht weiter nachgedacht.

Somit ist unsere schärfste Waffe, das unmissverständlich geäußerte Wort, über die Jahre hinweg, stumpf geworden. Wie spannend die Bundestagsdebatten früher einmal waren, als sich noch richtig die Meinung gesagt wurde, ist in Vergessenheit geraten. Im Prinzip reicht es, wenn ein Redner auftritt, dem man mit den heutigen technischen Möglichkeiten bei der Fernsehübertragung, einen jeweils anderen Kopf aufsetzt, denn sagen tun alle das gleiche: Nichts Wesentliches. Ob in den sogenannten „Hinterzimmern“ die Wahrheit auf den Tisch kommt, wer weiß das schon. Ich glaube jedenfalls, dass sich dort, außer unendlicher Selbstbeweihräucherung, nichts weiter abspielt. Man könnte die „Geheimabsprachen“ auch gleich öffentlich machen, denn mehr als ein Gähnen werden sie nicht ernten.

Eine Meisterin ihres Faches ist nach der Kanzlerin unsere Sozialministerin von der Leyen, die doch tatsächlich glaubt, man müsse unverbindlichen Schwachsinn nur ausreichend lange wiederholen, damit am Ende das Volk auch glaubt, was da gefaselt wird. Ich habe jedenfalls, nach ihren turnusmäßigen Großaktionen, noch keine Konsequenz bemerkt. Vielleicht steckt auch System dahinter, was natürlich eine gewisse Intelligenz voraussetzt, die ich bislang im Parlament nicht entdecken konnte. Während wir uns mit den „Stürmen in den Wassergläsern“ beschäftigen, zieht der eigentliche Sturm über unsere Köpfe hinweg und, wenn alles zu Bruch gegangen ist, reiben wir uns verwundert die Augen, weil wir über das eigentliche Ausmaß der Katastrophe im Unklaren gelassen worden sind. Klammheimlich wurden die Millionen gegen Milliarden ausgetauscht und keiner von uns kann letztendlich sagen, wann dieser Wechsel stattgefunden hat.

Unsere Muttersprache ist auf dem Weg zur Fremdsprache, was auch vor der Bundeswehr nicht halt macht, die nur „humanitäre Einsätze“ durchführt und niemals „Kriegseinsätze“. Das Wort Krieg durch Humanismus zu ersetzen, darauf muss man erst einmal kommen! Und wir schlucken das auch noch! Als Entschuldigung könnte gelten, dass wir dermaßen mit verbalem Irrsinn traktiert werden, dass wir nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht. Dabei reicht für jede Wahrheit der einfache Aussagesatz: Subjekt-Prädikat-Objekt-Punkt. „Die Bundeswehr führt Krieg“, fertig. Je mehr Nebensätze, desto wahrscheinlicher die Lüge, oder zumindest die Unwahrheit, wie eingangs erwähnt.

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18. September 2012

Schmähvideo

Soll man, oder soll man nicht? Soll ich, oder soll ich nicht? Allein die Tatsache dieser Fragestellung, in Bezug auf Veröffentlichungsverbot und einer Stellungnahme meinerseits, ist eigentlich mit der westlichen Meinungsfreiheit unvereinbar. Aber ohne Not provozieren? Oder ist das Video vielleicht ein Akt der Not? In jeder Religion gibt es die „ewig Gestrigen“,  im Vatikan und in großen Teilen der USA findet man sie zuhauf, diejenigen, für die es ein elftes Gebot geben sollte, das Gebot der unbedingten Toleranz. „Leben und leben lassen“, bringt es auf den Punkt. Im „aufgeklärten“ 21. Jahrhundert ist mir die Vorstellung, dass der letzte Krieg der Menschheit ein religiöser sein könnte, unerträglich. Die arabische Welt vergrault gerade die wenigen, noch übrig gebliebenen, westlichen Touristen, während der Westen damit beschäftigt ist, sich gegen Islamisten abzuschotten. Wirtschaft und Technik betreffend, scheint noch ein gegenseitiger Austausch möglich, denn der modernste, schnellste und größte Zug, der je produziert wurde, pendelt ausgerechnet zwischen Mekka und Medina, um die zahlreichen Teilnehmer der Hadsch zu transportieren und wie abhängig das christliche Abendland vom Erdöl ist, braucht nicht weiter erläutert zu werden. Irgendetwas muss sich Gott doch dabei gedacht haben, die wichtigsten Heiligtümer der drei großen monotheistischen Religionen in einer einzigen Stadt unter zu bringen und die größten Erdölvorräte den Muslimen anzuvertrauen. Er hat Orient und Okzident auf Gedeih und Verderb miteinander verbandelt, damit ein reger Austausch und ein Bewahren der größten Werte dieser drei Weltreligionen, die ihren gemeinsamen Ursprung bei Abraham haben, stattfinden.

Buddhas Glückseligkeit, die darin besteht, sich aus allem bewusst heraus zu halten, scheint uns nicht vergönnt zu sein, denn unsere Dogmen müssen ständig neu überdacht und überprüft werden. Die Kultur unserer Zivilisation war nie reicher als zu Zeiten der Religionsfreiheit, die wichtigsten Errungenschaften kamen zustande, als sich Judentum, Christentum und Islam gegenseitig befruchteten. Wohin ist dieses Miteinander verschwunden? Fremdenhass braucht den Nährboden der Fremdheit. Es ist das Unbekannte, das uns Angst einjagt, und wer sich abschottet, stilisiert den Feind da draußen zum Todfeind hoch. Achtung und Respekt voreinander ist ohne menschliches Miteinander nicht zu haben.

Wäre die Welt ohne Gott eine bessere? Wieso sollte Gott daran die Schuld haben, dass wir alles zu einem Sauhaufen verkommen lassen, kann ich da nur antworten. Zwar wurden die meisten Kriege im Namen Gottes geführt. Im Namen Gottes, welch ein Euphemismus für gegenseitiges Abschlachten. Der Gotteskrieger ist eine contradictio in terminis, denn da wir alle an denselben Gott glauben und zu demselben Gott beten, wofür braucht es dann noch Krieger? Kann ein Krieg heilig sein? Und wenn ja, welchen Segen bringt er dann mit sich außer unzähligen Toten? Der einzige Heilige Krieg den ich kenne, ist der mit sich im Inneren geführte, denn dort Sieger sein, heißt, keinem Mitmenschen jemals etwas anzutun.

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17. September 2012

Sauna

Sonntag ist bei uns Saunatag im Badepark Bad Bentheim, nur wusste ich bislang nicht, dass ein solcher Besuch mit erheblicher Lebensgefahr verbunden ist, denn als ich die Eingangstreppe herunter stieg, stand dort unten der Tod in Form eines riesengroßen, leichenblassen, pechschwarz gekleideten, mit einer riesigen Sense bewaffneten Ungetüms. Als sich mein Herzschlag einigermaßen wieder beruhigt hatte, kam auch mein Mann-wo stecken eigentlich die Ehemänner immerzu, wenn man sie am dringendsten braucht?- die Treppe herunter und klärte mich dahingehend auf, dass der Typ mit der Sense nicht mir an den Kragen wollte, sondern ein Requisit der vergangenen Horror-Nacht war. Na toll, hätte man mir auch mitteilen können, bevor ich diesem schimmelig-grünen Ding da in der Ecke Auge in Auge gegenüberstand.

Der Mensch ist bekanntlich äußerst konservativ, was seine Platzwahl angeht. Dies kann man mit einem einfachen Experiment beweisen, denn es erfordert nur Beobachtungsgabe. Ein Gast, der zum ersten Mal das eigene Haus betritt und sich setzt, wird bei künftigen Besuchen bevorzugt den gleichen Platz einnehmen. Deswegen sollte man Gästen, die nicht allzu willkommen sind, beim ersten Besuch den unbequemsten Platz zuweisen.

Also ging ich wie gewohnt zu meiner angestammten Liege, über der eine riesige Spinnenattrappe hing. Mit den überall rund um die Saunen errichteten Grabstätten hätte ich leben können, aber nicht mit diesem haarigen, schwebenden Monster über meinem Kopf, ein Faktum, das eine längere Auseinandersetzung mit meinem Mann zur Folge hatte. Wenn man nämlich lang genug auf dieses pelzige Ding da an der Decke starrte, konnte man eindeutig wahrnehmen, dass es sich bewegte. Wind hin, Wind her, das Teil zitterte auch bei vollkommener Flaute.

Waren Sie einmal in einer gemischten Sauna? Die oberen Plätze sind bekanntlich die heißesten bei den Aufgüssen und, siehe da, wer nimmt dort bevorzugt Platz? Männer natürlich, die keine Gelegenheit auslassen, sich als hartgesottene Kerle zu präsentieren. Und, wer gibt mit tief geatmeten Seufzern seiner Qual offen Laut? Dito. In meiner ganzen Laufbahn als Frau ist es mir nie gelungen, das Atemzugvolumen eines Mannes derart zu erhöhen, von den intensiven Seufzern ganz zu schweigen. Im Eistauchbecken erreichen die Urschreie dann ihren vorläufigen Höhepunkt und Frau fragt sich, wie viel Neandertaler noch im Göttergatten steckt. Ich persönlich erreiche nach drei bis vier Aufgüssen zumeist eine Tiefenentspannung, die mich in die Lage versetzt nachzuvollziehen, was üblicherweise in einem Männergehirn vorgeht: rein gar nichts!

Der scheinbar in tiefschürfende Gedanken versunkene Mann, frönt einer geistigen Leere, die Frauen höchst selten zustande bringen. Der „Denker“ von Auguste Rodin hat nichts weiter im Kopf als ein Vakuum. Womit sich die andauernde Frage der Weiblichkeit: „Woran denkst du gerade?“, völlig erübrigt. Da Gott, wie behauptet, männlich zu sein scheint, lässt sich nun auch das „Nichts“ vor dem Urknall problemlos erklären und, da Er früher einmal mit Asherah, der Göttin des Haushaltes und der Küche verheiratet war, wie alte jüdische Texte und Funde belegen, haben wir nun einen hinreichenden Grund für den Urknall. Da hat es in dieser Ehe einmal ordentlich gescheppert, da Er nicht verraten konnte, woran Er gerade denkt.

Aber ich war ja noch bei der Sauna.

Die von der Horror-Nacht übrig gebliebenen, überall drapierten riesigen Spinnweben, versöhnten mich weitgehend mit dem Altweibersommer, der nicht nur in der freien Natur, sondern bevorzugt auch in den eigenen vier Wänden und unzugänglichsten Ecken stattfindet.

 

 

 

 

12. September 2012

Karlsruhe

Es ist genau 9.55 Uhr. Der Fernseher läuft, noch 7 Minuten bis zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts über den ESM und den Fiskalpakt. Grundgesetzverstoß oder nicht, lautet die Frage. Im Prinzip bin ich nicht in der Lage, mir die Milliardenbeträge überhaupt vorzustellen, um die es da geht, was den meisten von uns und darunter auch die beteiligten Politiker auch nicht gelingt. Zum ESM habe ich so viel Pro und Contra vernehmen müssen, dass ich meine persönliche Einstellung dazu, ebenfalls Karlsruhe überlassen muss. Für 190 Milliarden müsste Deutschland bis jetzt gerade stehen, was sich bis 700 Milliarden ausweiten kann. In Anbetracht der Tatsache, dass unser Universum „nur“ 13.5 Milliarden Jahre alt ist, gewaltige Zahlen. Jetzt spricht gerade Voßkuhle seine Einleitung und ich verstehe nur Bahnhof, und schon wird die Liveschaltung unterbrochen, weil es den Journalisten anscheinend genau so ergeht. Wieso wird eigentlich die Politik zunehmend dem Bundesverfassungsgericht angetragen? Übertrifft die Unfähigkeit und Unwissenheit der Parlamentarier deren Lobbyismus etwa um Längen?

Ist Draghi der Falschmünzer als den ihn der Generalsekretär der CSU Dobrindt bezeichnet hat, weil er unlimitiert Staatsanleihen kaufen will? Nun verkündet Voßkuhle im Namen des Volkes sein Urteil, also auch in meinem Namen, und ich verstehe noch immer nichts, außer dass die Haftung der BRD in Zukunft auf 190 Milliarden beschränkt wird und diese Haftungsgrenze nicht überschritten werden darf. Der automatische Mechanismus in Richtung Unermesslichkeit deutscher Haftung kann durch den Bundestag jederzeit gestoppt werden.

Aha!

Jetzt muss ich nur noch ausrechnen, mit welchem Anteil ich bei dieser gewaltigen Summe beteiligt bin, wenn die Kapazität meines Taschenrechners dazu ausreicht, denn der menschliche Verstand ist schon lange an seine Grenzen gestoßen. Die Anleger atmen auf und ich muss tief durchatmen, ob der Summen, für die jeder einzelne Bundesbürger gerade zu stehen hat. Im Prinzip ist der Schirm des ESM dafür gedacht, Spekulanten und Hasardeur-Bankern den Wind aus den Segeln zu nehmen, wobei sich mir die Frage stellt, warum wir diese Schmarotzer nicht einfach zum Teufel jagen? Somit ist der ESM das Kreuz, mit dem wir die Vampire, die Untoten der Finanzwelt, in Schach halten wollen. Wir errichten einen Schutzwall aus Geld, der solange belagert werden wird, bis wir uns aus dieser fragilen Sicherung heraus trauen und den Urhebern der Finanzkrise das zukommen lassen, was sie in Wahrheit verdienen. Dies kann nur funktionieren, wenn wir uns ausführlich mit dem beschäftigen, was jeder haben, worüber aber keiner reden will, das Geld. Bei einer Befragung auf der Straße, die ich mir heute Morgen angesehen habe, musste ich verblüfft feststellen, dass von zehn Befragten, höchstens zwei mit dem Kürzel ESM, etwas anfangen konnten. „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, genauso wenig wie vor Schulden. Unwissenheit treibt uns in die Arme derjenigen, die, im Grunde genommen, nur vorgeben, mehr zu wissen als wir. Wenn ein Anlageberater in einer kleinen Bankfiliale wirklich über die Entwicklung des Geldmarktes auf dem Laufenden wäre, säße er nicht in diesem Außenposten, sondern dort, wo sich die Reichen und Schönen aufhalten.

Früher haben wir uns in Gottes Hand gegeben, heutzutage begeben wir uns in die Hände von Finanzjongleuren, denen wir eine Allwissenheit zugestehen, die wir in dieser Form noch nicht einmal Gott zutrauen. Wir werden nicht tätig werden, sondern uns auf das kleine „aber“ verlassen, das Voßkuhle heute Morgen warnend ausgesprochen hatte.

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11. September 2012

Altersvorsorge

Es gibt Dinge, die dermaßen absurd erscheinen, dass sie einfach wahr sein müssen. In einer Markthalle in Berlin Kreuzberg steht ein Gebetomat. Gegen kleines Geld kann man dort 300 Gebete in 65 Sprachen abrufen, darunter auch so wichtige Dinge wie Regen- und Voodoogebete. Da heutzutage alles „to go“ ist, warum dann nicht auch die Religion, dachte sich der Erfinder. Nur hat er das Gebet für die ausreichende Altersvorsorge vergessen und zahllose, prospektive Rentner lümmeln vor dem Gerät herum, da eine Fürbitte an die heilige Ursula von der Leyen nicht im Repertoire ist. Dabei kann man in Bezug auf künftige Renten nur noch beten. Es wird sogar erwogen, demnächst an den Schluss der Rentenbescheinigungen das Kürzel lol zu setzen. Rot-Grün posaunt am lautesten, was die zu erwartende Altersarmut betrifft, deren Weg sie zu ihrer Regierungszeit geebnet hatten, aber da Politikergedächtnisse höchst lückenhaft sind, darf ein Gabriel eine Meinung verbreiten, die er somit gar nicht haben kann. Hier kommt wieder der Gebetomat ins Spiel, der Gebete um  apokalyptische Szenarien für unfähige Politiker unbedingt auch mit ins Programm nehmen sollte. Einige Stimmen behaupten sogar, dass Klaus Wowereit vor dem Gerät gesichtet wurde, auf der  Suche nach einem Gebet zur Rettung von desolaten Flughafenplänen, woran man erkennt, wie wichtig so eine Fürbitte „to go“ ist. Schäuble soll auch versucht haben, in die Kabine des Gebetomats zu kommen, um ein Eurogebet aufzustöbern, aber der Rollstuhl passte nicht hinein. Ausgerechnet die Pastorentochter Merkel verlässt sich nicht auf Gebete, was für Naturwissenschaftler durchaus üblich ist, während Gauck dort Andacht für sein einziges Thema, die Freiheit sucht. Was treibt unser „Präsident der Herzen“ eigentlich zurzeit? Man hört und sieht nichts im Moment. Jedenfalls hat er sich zum Thema Altersarmut und Altersvorsorge noch nicht geäußert, muss er auch nicht, da es reicht, kurzfristig Bundespräsident zu sein und man hat mit diesen Banalitäten nichts mehr am Hut. Vielleicht ist er auch der Meinung, dass die Freiheit von Geldmitteln, die einzig wahre Freiheit ist. Uns erwartet demzufolge eine rosige Zukunft, denn Diogenes in seiner Tonne zählt zu den glücklichsten Menschen überhaupt. Somit reicht es, sich beizeiten eine Regentonne zu besorgen und der Ruhestand ist gesichert. In so einem Behältnis kann man sich dann ungestört dem Gebet hingeben und die Fastenzeit ganzjährig ausdehnen.

Was will man mehr?

Zudem kann man durch Verzicht uralt werden, da die meisten Krankheiten auf falscher Ernährung beruhen. Dank an Rot-Grün, die uns in dieses Gesundheitsbewusstsein geführt haben. Da bekommt doch der umgangssprachliche Ausspruch. „Jemanden in die Tonne kloppen“ eine völlig neue Bedeutung!

Jetzt weiß ich auch, warum unsere Politiker so fette Altersbezüge bekommen, denn ein Altmaier, ein Gabriel und ein Kohl hätten gar nicht in eine Tonne gepasst. Sie riskieren ihre Gesundheit zu unserem Wohl!

Wie man sieht, muss man nur lange genug argumentieren und alles wird am Ende gut.

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10. September 2012

Bettina Wulff

 

Wie so häufig war wohl der Wunsch Vater des Gedankens als männliche(!) Partei-„Freunde“ das Gerücht über angebliche Rotlichtmilieuverbindungen der Ex-First Lady in die Welt setzten, denn, was man nicht haben kann, macht man eben schlecht. Wie der sprichwörtliche Fuchs, dem die unerreichbaren Trauben angeblich zu sauer sind, verunglimpft der Mann alles, was ihm nicht unmittelbar zu Füßen liegt. Im Gegensatz zu den Frauen, die den Fehler immer zuerst bei sich selber suchen-einzige Ausnahmen von der Leyen und Merkel- schützt sich das männliche Ego, so gut es eben kann und gibt es einen besseren Selbstschutz als hanebüchene Lügen über den anderen, bzw. die andere? Wenn ein Mann eine Beziehung beendet, geht er nicht in sich, wie eine Frau es tun würde. Er quillt förmlich über vor Selbstmitleid, weil die Frauen, vornehmlich ihn, nicht so behandeln, wie es ihm eigentlich zustünde, wobei schon der Urfehler darin lag, dass die eigene Mutter unentwegt daran gearbeitet hat, ihn nicht zu dem Macho werden zu lassen, der er gerne gewesen wäre. Was passiert, wenn Mütter in dieser Beziehung nicht aufpassen, sieht man am besten in der islamischen Welt, oder auf dem afrikanischen Kontinent. Die Emanzipation in der westlichen Welt hat die armen Wichte derart kastriert, dass Viagra, Cialis und dergleichen mehr zwingend erfunden werden musste. Die einzige Gegenwehr der Männer besteht darin, weibliche Ambitionen lächerlich zu machen. Wenn eine Frau ihren Willen durchsetzen will, leidet sie eben unter dem prämenstruellen Syndrom, den Wechseljahren, oder noch schlimmer, braucht endlich einmal vernünftigen Sex, der ihr schon jegliche Schrullen austreiben wird. Dabei wünschen sich die Frauen nichts sehnlicher als einen „richtigen Mann“ und nicht einen, der vorgibt, einer zu sein. In pervertierter Form kommt dieser Wunsch  beim Verkaufserfolg von Shades of Grey zutage, was ich unbedingt einmal lesen muss, denn vielleicht stelle ich ja fest, dass wesentliche Punkte in meiner „Erziehung“ vernachlässigt worden sind.

Aber ich war ja noch bei Bettina Wulff.

Am meisten freut mich, dass der sich menschenfreundlich, jovial gebende Karrierehengst Günter Jauch, einen Rückzieher machen musste, denn dessen Egomanie ist weit schlimmer, als die eines Dieter Bohlen, da man bei dem wenigstens weiß, woran man ist. Der putzt seine Kandidaten ehrlich herunter und nicht auf die subtil gemeine Weise, die ausschließlich der Selbstüberhöhung dient.

Er sei sich keiner Schuld bewusst, denn schließlich hätte er nur zitiert, lautet die mehr als flaue Ausrede Jauchs. Äußerst schlecht recherchiert, kann man da nur sagen.

Wieso ist es eigentlich die Pflicht des Verleumdeten, Gerüchte aus der Welt zu schaffen? Und wieso hat es irgendjemanden auf der Welt anzugehen, was in der persönlichen Vergangenheit passiert ist?

Dass wir gelegentlich ins „Fettnäpfchen“ treten, mag noch zu entschuldigen sein. Die Tatsache, dass wir bei jeder sich bietenden Gelegenheit „Schlachtbänke“ errichten, ist es nicht mehr.

Aber wie so häufig kommt es noch viel schlimmer, denn den erfolglosen Verstoß gegen unsere Moralvorstellungen verdammen wir, während wir den erfolgreichen auch noch bewundern!

Die Mätresse eines Königs mag Staatenlenkerin sein, während die Mätresse des einfachen Mannes eben nur eine Hure ist.

 

 

 

6. September 2012

Kernfragen

Im Europaparlament wird zurzeit ein brandheißes Thema diskutiert. Eine Diskussion, die Europa bis in seine Grundfesten erschüttern  wird. Es geht um die Frage, ob auf Weinflaschen das Wort „bekömmlich“ stehen darf. Dieses Problem stellt die finanziellen Schwierigkeiten sämtlicher südeuropäischer Länder weit in den Schatten. Selbst ich habe heute Morgen eindringlich über diese schwere Entscheidung nachgedacht, denn, da Wein bekanntlich Alkohol enthält, kann der Ausdruck „bekömmlich“ den Endverbraucher in die Irre führen. Er meint, etwas für seine Gesundheit zu tun, steuert aber durch den Etikettenschwindel unweigerlich auf die Leberzirrhose zu. Nun hat Goethe es unter drei Flaschen Wein täglich nicht getan, die ihm seine poetischen Höhenflüge erst möglich gemacht haben. War der Wein also ausschließlich für ihn bekömmlich, für unsereins aber nicht?

Da haben wir das Jahrhundertproblem bezüglich der Gurkenkrümmung endlich hinter uns gebracht, und schon stehen neue, elementare Fragen zur Debatte.

Das Leben scheint weit komplizierter zu sein, als ich gedacht hatte. Da geht man hin, kauft unbedarft eine Flasche Wein und rechnet nicht, mit der darin befindlichen Lebensgefahr, wobei der Wein nur die Spitze des Eisberges ist. Nehmen wir einmal den Kaffee, für den ein für Medikamente üblicher Beipackzettel folgendermaßen, bezüglich der Nebenwirkungen, auszusehen hätte: Herzrasen, Bluthochdruck, Nervosität,  Schlaflosigkeit, Verdauungsprobleme, Wahnvorstellungen, Hyperaktivität etc., etc., etc…

Oder die gute, alte Butter: Fettleibigkeit, erhöhte Blutfettwerte, Infarkt, Schlaganfall und ähnlich Lebensbedrohliches mehr.

Die Erkenntnis des Paracelsus, dass die Dosis das Gift macht, trauen uns Normalbürger die Europaabgeordneten nicht zu. Wir sind einfach zu blöd dafür, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und eigenständige Entscheidungen zu treffen. Ohne Warnhinweise sind wir verraten und verkauft, so sieht es doch aus. Das Warnhinweise die allgemeine Verunsicherung erst auslösen, hat noch niemand bedacht. Man ist sich der alltäglichen Gefahr gar nicht bewusst. Gott sei den Volksvertretern Dank, dass sie uns auf jeden Fallstrick aufmerksam machen und, wenn auf einer Flasche Reinigungsmittel oder auf Verpackungsmaterialien nicht „Nicht zum Verzehr geeignet“ stehen würde, hätte ich mich, Teufel noch eins, glatt darüber her gemacht.

Deswegen verschwinden auch die „Ampelhinweise“ auf den Lebensmitteln nicht aus dem öffentlichen Interesse, denn ohne sie würde ich mich bis ans Ende meiner Tage darüber wundern, warum Schokolade kein Schlankheitsmittel ist.

Ein maßvolles Leben ist demnach nur mit von außen vorgegebenen Maßstäben möglich, da wir alle bei Betreten eines Supermarktes unseres Verstandes nicht mehr mächtig zu sein scheinen. Es muss uns kräftig auf die Finger geschlagen werden, sonst würden wir uns nur von Dickmachern ernähren, der Alkoholsucht anheimfallen und womöglich sogar noch Rauchen.

Ohne die Besserwisser, die entscheiden, was gut oder schlecht für uns ist, wären wir wahrhaftig aufgeschmissen.

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5. September 2012

Herbsttrends

Meteorologisch ist er ja schon angebrochen, der Herbst. Also wird es höchste Zeit, sich von der Sommereuphorie zu verabschieden und sich so langsam auf die Herbstmelancholie vorzubereiten, die ihren Ursprung darin hat, dass die Sonne trüben Nebel weicht. Die Umstände bleiben zwar dieselben, aber der größte Mist ist eben besser bei Sonnenschein auszuhalten. Der Mensch scheint eine Frohnatur zu sein, denn er verschönt sich alles. Was nicht von Natur aus schön ist, wird sich eben notfalls schön getrunken. Während die Wahlen in Griechenland anstanden, bei denen es um die Zukunft der ganzen Nation ging, saß der Großteil der Griechen am Strand, denn das Wetter war ja so herrlich. Nun habe ich nichts dagegen, das Leben in vollen Zügen genießen zu wollen, aber jeder Genuss beruht darauf, dass man seinen elementaren Verpflichtungen nachgekommen ist, alles andere ist Verdrängung. Wahrscheinlich brauchen wir deswegen so viele Hilfsmittel, um einmal richtig entspannen zu können, weil wir im Grunde genommen wissen, dass tief in uns drin etwas rumort, das eigentlich noch hätte erledigt werden müssen, bevor wir uns den Wonnen der Muße hingeben.

Somit verdeckt der Herbstnebel nicht, sondern klärt einen Moment lang unseren Blick auf die Welt. Spätestens jetzt greift die Pharmaindustrie mit diversen bunten Pillen ein. Antidepressiva und Anxiolytika wie Prozac und Valium sind die meistgeschluckten Medikamente der westlichen Welt, und beim Status quo gegen Alkohol- und Drogensucht vorzugehen, die schließlich nur Symptome und keine Ursachen sind, ist ein einziger Witz.

Wir leben in einer Ablenkungsgesellschaft. Unseren Kindern gestehen wir die Freiheit zum Spielen erst zu, wenn die Hausaufgaben erledigt sind, ein Prinzip, das bei uns selber völlig in Vergessenheit geraten ist. Das Leben beinhaltet beides, Pflicht und Vergnügen und eine nicht erledigte Pflicht, ist der Tod des reinen Vergnügens. Oh wie gerne würden wir alle nur einfach in den Tag hinein leben, dabei liegt es uns in den Genen, dass der Tag eine Struktur haben muss, wie das Schicksal der Langzeitarbeitslosen drastisch beweist. Trotzdem empfinden wir die Realitäten um uns herum als Belästigung. Wir stecken den Kopf in den Sand und reiben uns die durch Sandkörner geblendeten Augen, wenn die Welt um uns herum zum Teufel geht.

Was geht mich das an?, lautet unser Standardspruch. Irgendwie scheinen wir schuldlos in alles hinein zu schlittern. Kriege, Hungersnöte, Armut und Klimaerwärmung passieren uns einfach, da kann man eben nichts machen, denn dies ist nun einmal der Lauf der Dinge. Obwohl alle Schicksalsgötter bereits tot sind, tun wir so als gäbe es sie noch. Solange wir die Dinge nicht selber in die Hand nehmen, haben wir einen Gott dringend nötig. Der Papst mag zwar für den Weltfrieden beten, aber tut er auch etwas dafür? Meines Wissens hat ein Gebet noch nie etwas bewirkt, Handeln aber schon.

Aber ich war ja noch beim Herbst.

Der Herbst des Lebens sollte eigentlich die Zeit sein, in der man die Früchte seiner Mühen erntet, nur, wer nie gesät hat, kann auch nichts ernten. Unsere Felder sind nur noch Müllhalden und die Schuld daran trägt der Allmächtige, weil er eben nicht allmächtig ist. Wir wären es aber schon.

Amen.

 

 

 

4. September 2012

Zusatzrente

Alle wollen und brauchen immerzu mehr Geld, mit Ausnahme der Mitarbeiter bei den Krankenkassen, was bislang noch keinem aufgefallen zu sein scheint. Kein Wunder, aus dem Topf des Gesundheitsbudgets bleibt ein Löwenanteil sozusagen im Hause. Wer jemals die Paläste der Kassenverwaltungen sah, muss zwangsläufig zu diesem Schluss kommen.

Kassenärzte schreien nach mehr, das Kabinenpersonal der Lufthansa ebenfalls und unserer Arbeitsministerin ist erst heute aufgefallen, dass das Problem der Altersarmut droht, für jene, die zeitlebens treu und brav einen Großteil ihres kargen Lohnes in die Rentenkassen eingezahlt haben.

Ich erwarte beinahe stündlich die Anhebung des Rentenalters von 67 auf 77 Jahre, denn dass Rentner nur herum gammeln und ihren Ruhestand genießen geht nun wirklich nicht. Urne und Sarg müssen eben selbst verdient werden und, um unsere Rentner so richtig auf Trab zu bringen, ist mir gerade eine wunderbare Lösung eingefallen. Warum nicht die Rüstigen unter ihnen als Personal in den Pflegeheimen einsetzen, dann wären die Alten schön unter sich und würden uns nicht länger auf die Nerven fallen. Gegen Kost und Logis wird gefüttert und gewindelt und so der Hungertod der bewegungsfähigen Alten und deren Wohnungsnot auf einen Schlag verhindert.

Lasst die Lahmen den Lahmen, die Sehbehinderten den Sehbehinderten, die Dementen den Dementen helfen und belästigt auf gar keinen Fall das Jungvolk mit Inkontinenz und Durchliegen.

Auch Ärzte könnten dort durchgefüttert werden, da besonders den Radiologen und Labormedizinern unter ihnen der völlige Bankrott droht, ebenso wie den Zahnmedizinern, die sprichwörtlich von der Hand in den Mund leben. Mein besonderes Mitgefühl geht auch an die Internisten und Onkologen, denn ein Jahreseinkommen von ca. 185.000 Euro ist nun wirklich nicht mit einem guten Leben vereinbar.

Man sieht, welch ungeheures Potential in den Altenpflegeheimen steckt. Wer vorher noch nicht altersarm war, wird es dort ganz bestimmt, aber davon könnten nun wenigstens andere Alte profitieren. Die Umverteilung des Geldes erfolgt für die Alten rein unter sich und wir hätten damit ein System, das sich selber unterhält. Außerdem könnten allzu fitte Greise auf den Pflegestationen lernen, wie es ist, überhaupt nichts mehr zu können, was dem Freitod und der daraus resultierenden Einsparung etlicher Renten durchaus förderlich wäre.

Die teure Zusatzrente ist demnach nicht mehr erforderlich und unsere Jungend könnte erleichtert aufatmen.

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3. September 2012

Nachhilfe

Aller Anfang als Ersatzteillager ist schwer, dass musste ich im Paulinenkrankenhaus in Bad Bentheim lernen, wo ich ein neues Hüftgelenk bekommen habe, wobei ich an dieser Stelle einem Großteil des Pflegepersonals herzlich danken möchte. Mein besonderer Dank geht an die Anästhesie, die mir einen unvergesslichen Zwei-Tages Trip beschert hat, der dazu führte, dass ich nun weiß , warum Michael Jackson so auf Propofol gestanden hat. Weiterhin kann ich meinem Operateur nicht dankbar genug sein, der hervorragende Arbeit geleistet hat, mir dennoch in aller Eindringlichkeit erklärte, dass jetzt, was ausgelassene Tänzchen betrifft, Schluss mit Lustig ist.

Da ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr in einem Krankenhaus war, überrollte mich die Formularflut an der Aufnahme völlig unvorbereitet. Nachdem ich unzählige Unterschriften geleistet hatte, erkundigte ich mich bei der dort tätigen, freundlichen Dame, ob ich nun den Euro gerettet hätte, traf aber mit meiner Bemerkung auf komplettes Unverständnis. Zu allem war meine Einverständniserklärung erforderlich und im Prinzip fehlte nur noch die Absicherung gegen Verletzungen durch allzu raues Toilettenpapier.

Als passionierte Raucherin war ich dem Pflegepersonal besonders willkommen, denn die wären am schnellsten wieder auf den Beinen, wie ich erfahren musste und nach einem Tag des Nikotinentzuges konnte ich dem nur lebhaft zustimmen. Da habe ich mich ein Jahr lang gegen die Operation gewehrt, weil ich dachte, ich wäre zu jung dafür, denn rein statistisch hält so eine neue Hüfte 15-18 Jahre, aber bei meiner Hochrechnung musste ich erschreckt feststellen, dass ich bei einer eventuellen Folgeoperation bereits altersmäßig jenseits von Gut und Böse wäre. Da ist man gestern noch eine junge Frau gewesen und zählt nach einem Wimpernschlag schon zu den Greisinnen, was mich doch arg ins Grübeln brachte, denn die Uhr tickt und, mit zunehmendem Alter, tickt sie immer schneller. Im Prinzip halten wir unser eigenes Leben für schier endlos und verschieben Träume und Wünsche auf einen späteren Zeitpunkt, völlig außer Acht lassend, dass wir diesen Zeitpunkt eventuell gar nicht mehr erleben werden. Rein gedanklich leben wir in einer Zukunft, von der nicht gewiss ist, ob überhaupt eintrifft. Demzufolge war es hohe Zeit für mich, den eigenen Kopf endlich einmal gründlich zu entrümpeln, denn anstatt das Hier und Jetzt zu genießen, stört uns immerzu die sprichwörtliche  Fliege an der Wand. Alltagsbanalitäten sind nicht mehr als sie eben sind, nämlich Banalitäten. Nun kann ich nicht sagen, ob das Wissen um den eigenen Tod, ein rein menschliches Wissen ist, aber eins ist es ganz bestimmt, der Grund dafür, endlich einmal inne zu halten um darüber nachzudenken, was letztendlich wichtig ist.

„Das letzte Hemd hat keine Taschen“, wie es der Volksmund wunderbar auf den Punkt bringt, trotzdem neigen wir dazu, den kleinen Bindestrich zwischen Geburts- und Todesdatum, mit seidenen Sorgen und selbstauferlegten Mühen zu überfrachten. Im Prinzip gesteht uns das deutsche Grundgesetz mehr Rechte zu, als wir uns selber zubilligen, nämlich unbedingte Würde und die Freiheit zur Selbstverwirklichung. Dass man nur in dem richtig gut sein kann, wo „Herz und Seele drinsteckt“ haben wir schon lange Vergessen und, was weit schlimmer ist, mit unserer Art der Zivilisation beinahe unmöglich gemacht.

Ich habe nun genügend Stoff zum Nachdenken. Also vielen Dank an das Paulinenkrankenhaus für seine vielleicht unbeabsichtigte Nachhilfe.

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Allerlei Teil 4

31. August 2012

Natur

Der Hurricane Isaac wurde zum tropischen Tiefdruckgebiet herab gestuft, wobei sich die Frage aufwirft, ob es auch bei ihm angekommen ist. Der deutsche Sommer war alles gleichzeitig, zu warm, zu kalt, zu nass, zu trocken. Verzieht er sich jetzt in eine Ecke und schämt sich? Die Klimaerwärmung wird als fatal für die Menschheit bezeichnet. Juckt unsere Erde das?

Wenn Menschen der Natur vorschreiben wollen, wie sie zu sein hat, kann ich nur noch lachen. Für was halten wir uns eigentlich? Seit den ersten Regentänzen meinen wir doch tatsächlich, wir könnten die Natur in den Griff bekommen und durch Newton, der witzigerweise auch noch Isaac hieß, wurden ihr sogar Gesetze vorgeschrieben, an deren Absolutheit wir noch immer glauben wollen, obwohl die Quantenphysik uns längst eines Besseren belehrt haben sollte. Wir haben es nur mit Wahrscheinlichkeiten zu tun, die selbst Einstein gehörig gegen den Strich gingen.

„Gott würfelt nicht“, wie er verzweifelt in den Raum warf, denn das der Zufall das Sagen hat, brachte ihm so manche schlaflose Nacht ein. Bis zu seinem Tod grübelte er über das alles vereinende Naturgesetz nach, wie es die heutigen Physiker noch immer tun. Unser Weltbild beruht einzig und allein auf unserer Wahrnehmung und wie leicht wir Sinnestäuschungen erliegen, wurde durch zahlreiche Experimente nachgewiesen. „Ich mach mir die Welt, widi, widi, wie sie mir gefällt“, sang schon die deutsch synchronisierte Pippi Langstrumpf und hat es damit so richtig auf den Punkt gebracht. Selbst die zwischenmenschliche Begegnung muss erst durch den Erfahrungsfilter, bevor sie unsere Großhirnrinde erreicht, wie alles, was rings um uns herum passiert. Jeder einzelne Begriff hat genau so viele Bedeutungen, wie es Menschen auf der Erde gibt, da wir nicht über telepathische Fähigkeiten verfügen. Kein Bewusstseinszustand gleicht dem anderen und die eins zu eins übersetzte, sprachliche Information gibt es nicht. Alles ist Zahl und die Sprache des Universums ist die Mathematik, gilt das auch in der Nähe eines Schwarzen Loches? Unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse sind nur Hilfskonstruktionen, was man daran erkennen kann, dass sich das menschliche Weltbild immerzu gewandelt hat und sich in Zukunft auch noch weiter wandeln wird.

Im Moment beherrscht das Urknall-Prinzip unser Denken, wobei der Ausdruck „Prinzip“ an dieser Stelle nicht angebracht ist, und der Ausspruch: „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ besitzt mehr Wahrheitsgehalt, als wir ihm zugestehen wollen.

„Panta rhei“, alles fließt, diesen, dem griechischen Philosophen Heraklit zugewiesene Aphorismus, verbannen wir nur zu gerne aus unserem Denken, denn anscheinend brauchen wir die Illusion der Statik, um einigermaßen zurecht zu kommen, dabei ist ein „Ist-Zustand“ vor allen Dingen eines, nämlich äußerst flüchtig. Wenn wir unsere Lebensdauer mit dem des Universums vergleichen, sind wir noch nicht einmal Eintagsfliegen und maßen uns trotzdem an „ewig gültige“ Aussagen über Gott und die Welt zu treffen.

Ja, geht` s noch schlimmer?

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30. August 2012

Nürburgring

Nach der Pleite des Übergroßprojektes Nürburgring, soll Beck nun zurück treten, was mich gleich auf ein Thema bringt, das mir schon länger auf der Seele liegt, denn ich vermisse bei allen Rücktritten den erzieherischen Wert.

Wenn meine Töchter einmal mehr ein häusliches Chaos veranstaltet hatten, wurden sie nicht eher aus ihrer Pflicht entlassen, bis sie den Mist, den sie da angestellt hatten, komplett wieder in Ordnung gebracht hatten.

Demzufolge sollten Chaoten nicht mit fortlaufenden Bezügen oder dicken Abfindungen in den Ruhestand geschickt werden, sondern sie sollten, natürlich ohne Bezahlung, dafür sorgen, dass sie ihr Arbeitsfeld wieder in einen zweckmäßigen Zustand versetzen. Wenn Fehlverhalten oder Misswirtschaft auch noch belohnt werden, wie es allgemein üblich ist, bleibt das verantwortliche Handeln weitgehend auf der Strecke, denn, warum sollte man sich anstrengen, wenn  jederzeit das Hintertürchen offen steht, bei dessen Passage man wie die Goldmarie im Märchen Frau Holle, auch noch reichlich belohnt wird. Die „nach mir die Sintflut“ Strategie findet durch diese Tatsache immer mehr Anhänger, was nicht verwunderlich ist.

Um bei dem Märchen zu bleiben, die Pechmarie wurde, wegen nachgewiesener Unfähigkeit, nicht vergoldet, sondern geteert, wenn man so will.

Bei unseren Kindern funktioniert die Anweisung: Du kommst nicht eher aus deinem Zimmer wieder heraus, bis es ordentlich aufgeräumt ist, doch wunderbar. Warum wenden wir sie dann nicht bei den sogenannten Entscheidungsträgern an. Wenn falsche Entscheidungen keine Konsequenzen haben, wird leichtfertig entschieden, das sollten wir doch inzwischen gemerkt haben. Trotzdem stehen wir  vor einer Großpleite nach der anderen und reiben uns verwundert die Augen. Zu allem Überfluss sind wir auch noch so blöd und bezahlen die ganze Chose. Im günstigsten Fall regen wir uns wenigstens kurzfristig über zum Himmel schreiende Inkompetenz auf, gehen dann aber wieder zur Tagesordnung über als wäre nichts gewesen. Es scheint uns noch nicht schlecht genug zu gehen. In den Ländern Südeuropas wird langsam einmal nachgehakt, wer denn die ganze Misere verursacht hat und was da zu Tage gefördert wird, ist mit dem gesunden Menschenverstand nicht mehr zu fassen. Wenn wir das gleiche Maß in Deutschland anlegen würden, kämen wir aus dem Staunen ebenfalls nicht mehr heraus und, da Staunen hauptsächlich auf Unverständnis beruht, sollten wir damit anfangen, uns selber mit der jeweiligen Materie vertraut zu machen, anstatt sie zahllosen Hohlköpfen zu überlassen, aber da wir dafür zu träge und zu faul sind, sind wir dazu verdammt, ständig die Geldbörse zücken zu müssen. Reagieren werden wir erst, wenn der letzte Cent daraus verschwunden ist. Dass es dann bereits zu spät ist, dieses Menetekel steht durch die südeuropäische Pleite, leuchtend an der Wand.

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29. August 2012

Schulbedarf

 

Dies ist im Moment eines der meist gegoogelten Wörter, wobei Schulungsbedarf in meinen Augen weit angemessener wäre.

Wir sind der irrwitzigen Ansicht, dass mit der Entgegennahme schulischer Weihen, dieses Kapitel für uns abgeschlossen ist, obwohl wir durch rasend schnellen Fortschritt dafür gesorgt haben, dass das Wissen von heute, morgen bereits obsolet ist. Die Jäger und Sammlerzeiten, in denen man höchstens vier Stunden aufbringen musste, um den Grundbedarf abzudecken, sind lange vorbei, dabei war der technische Fortschritt vor allen Dingen der Zeitersparnis gewidmet. Heutzutage arbeitet man rund um die Uhr und, wenn die Möglichkeit bestünde, die Dauer eines Tages weit über die eigentlich üblichen vierundzwanzig Stunden hinaus auszudehnen, würden wir das auch noch tun.

In den Jäger und Sammlerzeiten gab es noch kein Wort für persönlichen Besitz, geschweige denn für die Zeit. Einzig die Sonne bestimmte den Lebensrhythmus und wenn es dunkel wurde, war dies die Zeit des Ausruhens. Leider wird es seit Erfindung der elektrischen Beleuchtung überhaupt nicht mehr dunkel und die grandiose Aussicht auf den Sternenhimmel ist durch Lichtsmog nicht mehr möglich. So wie das Wort für Besitz unseren Vorfahren nicht geläufig war, wird in nicht allzu ferner Zukunft, das Wort Ruhe aus unserem Wortschatz verschwinden. Spätere Generationen werden die Bedeutung des dann antiquierten Begriffs der Muße nicht mehr erfassen können, wobei ich der Ansicht bin, dass eine Befragung auf der Straße bereits heute zum gleichen Ergebnis kommen würde.

Die Crux ist nur, dass unser Gehirn immer noch auf die Jäger und Sammler-Zeit gepolt ist und die 10.000 Jahre, in denen wir sesshaft geworden sind, noch zu keiner spürbaren Veränderung geführt haben. Unserem Unterbewusstsein ergeht es genau so, wie einem Jäger und Sammler, der von jetzt auf gleich in eine unsere Metropolen versetzt wird und, wie wenig artgerecht dieses wimmelnd-pulsierende Chaos ist, lässt sich spielend leicht durch Statistiken in Bezug auf psychische Erkrankungen beweisen.

Da werden Männer zu Frauen und Frauen zu Männern gemacht, wodurch das archaische Gehirn Amok läuft. Der Vulkan in uns verbrennt uns, da er nie zum Ausbruch kommen darf und der Ausdruck Burn-out bringt es auf den Punkt.

Somit besteht der eigentlich größte Schulungsbedarf darin, endlich einmal unsere innere Stimme wieder wahrzunehmen. Auf sie zu hören, wäre dann fast schon zu viel verlangt. Wo die Technik sich uns hätte anpassen sollen, haben wir uns mit aller Gewalt der Technik passend gemacht und damit unser Belohnungszentrum nicht allzu leer ausgeht, betäuben wir es mit dem Konsum von Dingen, die wir gar nicht brauchen. Konsumgüter haben einen ausgeprägten Drogencharakter. Einmal angefixt, kommt man davon nicht mehr los und der angestrebte Rausch erfordert immer höhere Dosierungen.

Scheinglück in einer Scheinwelt, wenn man so will.

Alles um uns herum ist aus Kunststoff. Unsere Herzen leider noch nicht, denn dann würde es uns besser gehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

28. August 2012

Tiger

Zoo oder nicht Zoo, lautet hier die Frage. Im Moment kommt wieder die wundersame Eigenschaft der Deutschen zum Zuge, einen Einzelfall zu einem Grundsatzproblem hoch zu stilisieren. Die Meinungen bezüglich der Wildtiergehege klaffen kilometer